Hallo und herzlich willkommen zu Das gewünschteste Wunschkind, der Podcast mit Daniel Graf und Katja Seide. In dem Moment, in dem wir Eltern werden, verändert sich etwas Grundlegendes in unserer Ursprungsfamilie. Unsere eigenen Eltern sind nun Großeltern und wir selbst rutschen plötzlich in eine vollkommen neue Rolle. Plötzlich treffen ganz unterschiedliche Vorstellungen von Erziehung, Nähe, Grenzen und Familie aufeinander. Und vielleicht kennst du das ja. Eigentlich wolltet ihr einen schönen Nachmittag zusammen verbringen und dann reicht ein Satz, ein Blick oder ein ungefragter Kommentar und schon seid ihr im Stressmodus. Oder ihr fahrt nach einem Besuch bei Oma und Opa nach Hause und merkt, dass euch das Treffen mehr Kraft gekostet, als euch gegeben hat. Und gleichzeitig sind Großeltern natürlich für viele Familien unglaublich wichtig. Sie sind Unterstützung, Bezugsperson und oft auch emotionale Anker. Und genau dieses Spannungsfeld macht die Beziehung so komplex. Wir wollen Nähe und stoßen trotzdem immer wieder an Grenzen. Wir sprechen heute darüber, warum diese Konflikte so typisch sind, was eigentlich dahinter steckt und warum sie vielleicht sogar eine Chance sein können, wenn wir genauer hinschauen. Dafür haben wir zwei Gäste eingeladen, die sich intensiv mit diesem Thema beschäftigt haben. Christina Weber und Johannes Molz, die ihr vielleicht vom großartigen Podcast Eltern ohne Filter kennt. Sie haben das Buch Entgegen der Großeltern geschrieben, das im Kneipp Verlag Wien erschienen ist. Herzlich willkommen, ihr beiden. Hi. Hallihallo. Schön, dass ihr da seid. Woran liegt es denn eigentlich, dass die Beziehung zu den eigenen Eltern sich verändert, sobald wir selbst Kinder bekommen? Ich glaube, der Punkt ist, dass sich die gar nicht verändert, sondern die wird wieder aufgenommen. Und zwar genau an dem Punkt, wo man sie liegen gelassen hat. Und das ist meistens der Punkt, wo man so als Jugendliche oder früher Erwachsene. Und da hat man nicht alles geklärt gehabt mit den Eltern, sondern man wollte raus in sein eigenes Leben und was weiß ich, Studium, Arbeit, Ausbildung und alles, was da nicht gepasst hat, das hat man gern mit dem ganzen Spielzeug im Kinderzimmer weiter rumstauben lassen. Und dann zieht man 10, 15 Jahre später die Türe auf und es steht halt immer noch genauso da. Und das ist das eigentliche Problem, dass man dann erst beginnt, so richtig an dieser Beziehung mal arbeiten zu müssen, weil man kann ja nicht mehr aus. Man braucht sich ja dann. Und was passiert da bei uns auf emotionaler Ebene? Also warum fühlen sich denn dann viele von uns in diesen Situationen mit den neuen Großeltern dann plötzlich wieder selbst wie Kinder? Also wir sind ja bis zu dem Moment deren Kinder. Und das sind unsere Eltern. Und daran ändert sich ja auch nichts. Also wir haben so klare Rollen im System. Und so richtig in Frage stellen, man macht es in der Pubertät, da versucht man auf Augenhöhe zu kommen. Aber für viele Eltern hat sich dieser Rollenwechsel noch gar nicht so vollzogen oder die haben den noch nicht geschafft, dass sie uns wirklich auf Augenhöhe wahrnehmen. Und jetzt sind wir aber selber Kinder und sehen in dem Verhalten unserer Kinder vielleicht oder in unserem Nachdenken über unser eigenes Aufwachsen, dass wir eben nicht mit allem so happy sind. Und viele Themen, was Johannes gerade meinte, also so dieses, wie sind die mit uns umgegangen, das beschäftigt uns als junge Erwachsene vielleicht noch gar nicht so sehr. Und jetzt wollen wir es anders machen. Und unsere Eltern, die haben sich aber für diesen Moment nicht entschieden. Also Großeltern werden ja geboren, ohne dass sie diese Entscheidung selber treffen. Und es ist eine riesen Lebensentscheidung, eine riesen Veränderung. Aber du hast selber gar keine Entscheidungsgewalt darüber. Und in dem Moment, müsste was passieren, aber wir sind alle nicht so richtig klar, was dieses Etwas ist. Und wir sprechen auch zu wenig drüber. In dem Moment gehen ja auch ganz viele Eltern mit einer gewissen Erwartungshaltung in diese neue Lebensphase. Vor allem in Bezug, was Unterstützung angeht. Warum werden denn diese Erwartungen mittlerweile so häufig enttäuscht? Ach, ich glaube, die wurden schon immer enttäuscht, weil sie im Zweifel aber einfach nicht realistisch sind. Also die Erwartungen kommen dann eher von unausgesprochenen, noch nicht unbedingt fertig gedachten Konzepten davon, wie jetzt so eine Großfamilie aussieht. Da kann es gut sein, dass man in eine andere Stadt gezogen ist zum Studieren oder vielleicht auch aus anderen Gründen gar nicht mehr so viel Kontakt hatte zu den eigenen Eltern. Und plötzlich hat man Kinder und steht auf der Matte und sagt, so, jetzt seid aber ihr dran. Und eben ohne Vorwarnung und ohne, dass man das mit denen besprochen hat. Wir würden uns überlegen, ein Kind zu bekommen. Würdet ihr uns dann helfen? Das macht ja niemand. Sondern... Man steht halt dann da und erwartet, dass die Großeltern. So eine generelle Großelternrolle erfüllen. Und das heißt, die kümmern sich gerne um die Enkel und die passen in den Ferien auf. Und wenn sie in der Arbeit pressiert, machen die das auch. Und das ist aber was, was seltenst besprochen ist. Und auf der anderen Seite ist es so, dass das auch nicht in jeder Situation geht. Es gibt genug Großeltern, die wohnen 500 Kilometer weg. Es gibt Großeltern, da ist nur noch ein Großelternteil da. Meistens die Oma. Es gibt Großeltern, die haben weder das Geld noch die Zeit, weil sie vielleicht noch arbeiten müssen. Es gibt genug RentnerInnen, die arbeiten müssen, um diese Rolle so auszufüllen, wie sie vielleicht wollen. Und an diesen beiden Dingen hakt es dann. Und auf der einen Seite werden uns Großeltern in der Popkultur, in unserem Umfeld, in Geschichten immer auf eine bestimmte Art und Weise erzählt. Also ich finde es total lustig, weil während wir das Buch geschrieben haben, ist ein Spiegelcover rausgekommen über Großelternschaft, das Großelternschaft total positiv dargestellt hat. Und wir wissen ja auch aus Untersuchungen, dass sich um Enkel kümmern zum Beispiel sogar lebensverlängernd wirken kann auf Großeltern. Aber die porträtierten Großeltern im Spiegel waren eben zwei sehr rüstige, sehr fitte. Sportliche Großeltern, die zweimal in der Woche die Kinder, die so im Kindergarten, Grundschulalter waren, betreut haben, sich mit denen auf den Boden setzen konnten, irgendwie wilde Spiele mitmachen und die das total genossen haben, da jetzt Zeit für zu haben. Auch ein Opa und das widerspricht leider der Statistik so ein bisschen, denn auch da wird die meiste Care-Arbeit von den Frauen geleistet, von den Omas geleistet und jetzt sind wir halt nun mal die erste Generation, die Mütter hat, die ganz andere Lebenskonzepte, für sich vielleicht noch glücklicherweise auch im feministischen Sinne haben, als jetzt die Oma zu sein, die nichts anderes zu tun hat, als sich um die Enkel zu kümmern. Ja, das stimmt auf jeden Fall. Wenn wir jetzt auf den Alltag schauen, gibt es denn da, also wenn die Großeltern zugestimmt haben, mitzuerziehen oder, mit auszuhelfen, im Alltag, welche Situationen führen denn besonders häufig zu Spannungen zwischen Eltern und Großeltern? Also eigentlich alle Situationen, in denen wir selber so ein bisschen unsicher sind. Also es geht ja schon damit los, dass wir schwanger sind und dann so eine Vorstellung haben, wie es sein wird mit einem Neugeborenen. Aber wir sind ja unsicher, wir wissen nicht, was da auf uns zukommt. Und dann eben diese Themen, stillen, wie viel, wann, wird das Baby satt? Also wir haben vielleicht selber so eine Sorge, machen wir das richtig? Und da kann jeder Kommentar und der kann noch so lieb gemeint sein. Kann bei uns erst mal so ankommen, dass es sich für uns schwierig anfühlt. Oder beim Thema Schlafen, wenn wir jetzt als Generation, sag ich mal eher zur Einschlafbegleitung, uns entscheiden in den meisten Fällen. Und das wurde einfach in der Generation von unseren Eltern noch relativ selten gelebt. Auch da, wenn die Großeltern kommentieren und sagen, ja, aber das Kind, das gehört doch jetzt ins Bett, das soll doch in seinem eigenen Zimmer schlafen. Dann kommt bei uns einfach erstmal viel Kritik an. Wir hören Kritik, wir fühlen uns nicht ernst genommen vielleicht. Und das sind eben genau diese schwierigen Situationen, wo es beim Thema Essen, was kommt auf den Tisch, was dürfen die Kinder, dürfen die sich was aussuchen, wie oft dürfen die wählen. Also das sind eben genau diese klassischen Themen, die für uns Eltern eben auch die großen Fragezeichen sind, wo wir manchmal nicht wissen, sind wir auf dem richtigen Weg. Ja, ich habe das auch gemerkt, immer wenn es irgendwie ums Andersmachen geht, fühlen sich Großeltern häufig irgendwie direkt angegriffen. Können wir das irgendwie vermeiden? Da gehört einiges an Arbeit dazu, das ganz wegzukriegen. Also mal ganz kurz, Privatgeschichte von mir. Ich trinke keinen Alkohol. Und ich bin in Niederbayern groß geworden als jemand, der keinen Alkohol trinkt. Es hat irrsinnig viele Menschen gegeben, die das als einen richtigen Angriff darauf empfunden haben, dass sie einen trinken. Und was habe ich da Gespräche führen müssen mit Leuten? Und da sind alle gefragt. Da sind die Großeltern gefragt und die Eltern gefragt, mal genau hinzuhören. Ist das jetzt wirklich eine Abwertung von mir, als die ich es empfinde? Und so reagiere ich auch, wenn der Großvater oder die Großmutter sagt, mein Gott, ihr stellt euch aber auch an. Ist das wirklich eine Abwertung von mir, auf die ich mit aller mir gegebenen Gewalt reagieren muss und rumschreien? Und das ist ja natürlich das Tollste, wenn ich dann sage, nein, das stimmt überhaupt nicht und ihr habt doch auch immer oder was weiß ich. Ist das wirklich zielführend? Und vielleicht guckt man auch mal dahinter, wo kommt denn das her? Dass wir es anders machen oder dass unsere Eltern es anders gemacht haben und wir sehen da drauf und sagen, nee, also das machen wir nicht nochmal so. Das ist ja an sich eine ganz normale Entwicklung, die gibt es auch schon immer. Auch unsere Eltern haben schon ganz viel anders gemacht als die vorher. Und wer da einen Angriff drin sieht, der übersieht auch, was da an Mitgefühl dabei ist, was vielleicht an Sorge mit dabei ist. Wenn die Großelterngeneration uns jetzt dabei zuguckt, wie wir uns mit der Einschlafbegleitung, die Augenringe nur noch immer tiefer ziehen. Dann kann da eine Kritik daran auch einfach daraus kommen, dass die sich denken, Jesus Christ, du hast offensichtlich seit einem Jahr nicht mehr vernünftig geschlafen. Warum machst du es dir so schwer? Und wenn man diesen Unterton mit raushört, dass da vielleicht auch Fürsorge mit drin ist, kann man ganz anders in das Gespräch gehen, das sich dann da anschließen sollte, anstatt dass man eben rumschreit. Naja und auf der anderen Seite ist so ein psychologischer, Entschuldige, dass ich dir jetzt ins Wort gefallen bin, auf der anderen Seite ist so ein psychologischer Effekt, den wir gar nicht richtig gut steuern können als Menschen da im Gange, weil rückwärtsgerichtet sieht unser Leben immer total logisch aus. Das ist der sogenannte Hindsight Bias. Unsere Eltern haben also gewisse Lösungsmöglichkeiten für Probleme gefunden, die dann in der Rückschau für sie funktioniert haben. Also wenn ich mein Kind immer um 19 Uhr ins Bett geschickt habe mit geschlossener Tür und so und das hat dann irgendwann funktioniert, dann ist das die Lösung, die ich jetzt sozusagen rückwirkend total logisch finde. Ob das am Anfang auch mit Kämpfen verbunden war, ob ich da unsicher war, ob ich mich gefragt habe, ob ich auf dem richtigen Weg war. All diese Erinnerungen, die verblassen recht schnell. Das heißt, unsere Eltern tun sich schwer, sich wieder in dieses Vorher zu versetzen. Und da geht es nicht ohne ein Gespräch. Also ich sage echt immer so die Frage, warum ist dir das jetzt so wichtig? Oder warum ärgert dich das? Ist ein ganz softer Einstieg in so ein Gespräch, weil eigentlich möchte ja jeder gehört werden. Auch unsere Eltern wollen gehört werden. Nur ist es eine Generation, die nicht unbedingt gelernt hat, mit so Feedback-Prozessen oder Kommunikationsarten oder so umzugehen. Also manche unserer Eltern waren 40 Jahre in der gleichen Firma und haben nicht ein Feedback-Gespräch geführt, nicht ein Personalgespräch. Therapie stand denen nicht in dem Maß zur Verfügung wie unserer Generation. Das heißt, wir sind leider so ein bisschen in der Verpflichtung, auch da so in so eine Übersetzerrolle uns zumindest mal rein zu begeben als Eltern. Auch wenn wir da so ein bisschen doppelte Verantwortung dann haben. Ja, total. Und oft haben ja beide Seiten einfach das Gefühl, das richtig zu machen beziehungsweise auch richtig gemacht zu haben, einfach weil es auch der Stand der Wissenschaft zu diesem Zeitpunkt war. Also unsere Eltern haben ja nicht absichtlich irgendwie uns schreien lassen. So haben sie schon, aber die Experten haben ja zu der Zeit einfach gesagt, das ist richtig und wichtig und daran haben sich unsere Eltern ja orientiert. Aber sag nochmal, warum das so schwer ist, jetzt diese unterschiedlichen Sichtweisen auf Erziehung oder aufs Kind, auf den Umgang mit Kind einfach stehen zu lassen zwischen den Generationen? Also ich glaube, dass es für uns als Eltern wichtig ist, da genau hinzuschauen, was uns wirklich wichtig ist. Und wo wir auch wirklich denken und zu Recht Sorgen haben, dass es für unsere Kinder schädlich sein könnte oder gefährlich. Da müssen und sollen wir einschreiten. Also das Thema körperliche Autonomie ist in unserer Generation einfach sehr viel präsenter, und ich glaube, dass wir das schon als heutige Elterngeneration sagen dürfen, es ist uns einfach wichtig, dass unsere Kinder keiner Form von Gewalt ausgesetzt sind, auch psychischer Gewalt. Und da ist dieses Nebeneinander stehen lassen dann sehr schwierig. Bei anderen Themen, wie zum Beispiel die Kinder kriegen Süßigkeiten bei den Großeltern oder die überhäufen die immer mit Geschenken, wenn die kommen oder was auch immer. Finde ich, da darf man sich das als Eltern auch leicht machen und sagen, das sind die Großeltern. Die erziehen nicht mit, die sind mit im System, die helfen mit, die unterstützen mit, die betreuen. Aber sie haben bei weitem nicht die Wirkung mit ihrem Verhalten, wie das Eltern haben. Unsere Kinder haben uns, die haben ihren inneren Kreis, die sichere Bindung zu uns im Idealfall. Und selbst wenn dann Großeltern sich mal unsensibel verhalten oder ein blöder Spruch kommen, dann wird es nicht die gleichen Folgen haben, wie es für uns als Kinder hatte, wenn wir diese Dinge gehört haben. Das dürfen wir uns echt bewusst machen. Da sind ja noch wir. Aber ich glaube, das hängt noch ganz, ganz vielen nach. Ihr habt schon gesagt vorhin, wenn wir ausziehen, machen wir die Tür hinter uns zu und das ganz viel unaufgearbeitet. Aber trotzdem ist es schon so, dass unsere eigene Kindheit doch noch sehr stark beeinflusst, wie wir heute auf die Eltern reagieren, oder? Ja. Ja, absolut. Ist aber auch kein Wunder. Ist ja schließlich die wichtigste Prägung, die wir erfahren. Und gleichzeitig geht es dann auch noch, es geht halt um die beiden wichtigsten Beziehungen, die wir haben. Es sind die eigenen Kinder und die eigenen Eltern. Partnerschaften, so schön und wichtig die sind, sind teils dann doch Lebensabschnittspartnerschaften, aber Eltern oder Kinder, die bleiben. Und da sitzt alles mit am Tisch an unaufgearbeitetem Schmerz, vielleicht auch aus der eigenen Jugend, aus der eigenen Kindheit, was man da erinnert. Wenn der Papa immer Folgendes gesagt hat oder die Mama nie das gesagt hat und das hat man selber 20 Jahre erlebt, wo man noch daheim war und da ist man ausgezogen, den Schmerz, den trägt man dann mit sich rum. Und ganz oft ist es so, dass jemand Kinder kriegt, war bei mir auf jeden Fall so und bei den meisten, mit denen ich rede, drüber auch. Die kriegen Kinder und dann sehen sie nochmal ganz anders auf die eigene Kindheit und denken da nochmal ganz anders drüber nach und beobachten sich vielleicht sogar selber dabei, wie sie reagieren wie die eigenen Eltern. Also da passiert, das ist eine wahnsinnig, wahnsinnig dichte emotionale Suppe. Da den eigenen Eltern dabei zuzusehen, wie die sich zum Beispiel zu den eigenen Kindern verhalten, wenn da dann Sprüche kommen, die man selber als Kind gehasst hat. Und wo man vielleicht auch meint, wenn man mal in eine Therapie gegangen ist oder mit jemandem länger darüber geredet hat, wo man dann merkt, das hat echt was mit mir gemacht, wie sich die da verhalten haben, was die entweder gemacht haben oder was sie unterlassen haben. Und wenn man das dann wieder sieht, wenn wir wieder jemand so sagen, wenn man so ungeduldig ist, und das hat einen selber Leben lang begleitet und man arbeitet daran rum, und dann machen die das mit den eigenen Kindern auch noch, dann tut das natürlich fürchterlich, fürchterlich weh. Und entsprechend emotional geht man dann in die Diskussion dazu, wenn es nicht ekel ein Streit ist. Es war für uns so augenöffnend, weil wir ja versucht haben zu überlegen, wie kann man denn in so einem Gespräch gut gehen und uns da auch ein bisschen der gewaltfreien Kommunikation als Tool angenähert haben, soweit es uns möglich war. Also wir sind keine ausgebildeten Trainer, aber wir haben da ein bisschen Erfahrungen gesammelt. Und wenn man so dann darüber nachdenkt, welche Bedürfnisse sind denn ständig. In so einem Familienkonstrukt und welche Bedürfnisse werden nicht erfüllt, dann kommen natürlich auch unsere Eltern mit unerfüllten Bedürfnissen in solche Konfliktsituationen. Und deren Strategien, sich diese Bedürfnisse zu erfüllen, die finden wir dann manchmal total doof. Aber da geht es auch um unsere unerfüllten Bedürfnisse. Und dann haben wir gesagt, was passiert denn, wenn wir jetzt erstmal den Gedanken an, wer erzieht hier eigentlich richtig oder falsch, komplett rauslassen. Und wirklich nur drauf schauen, wie geht es denn den Eltern in dem Moment und wie geht es den Großeltern in dem Moment. Vielleicht ist ja der Konflikt eher einer auf dieser Ebene. Vielleicht, wenn meine Eltern meine Erziehung kritisieren, geht es gar nicht um Erziehung und unterschiedliche Haltungen dazu, sondern es geht um mein Bedürfnis nach Respekt. Dass ich hier nicht erfüllt sehe. Dass meine Eltern mich sehen in meinen Bemühungen, eine gute Mutter, ein guter Vater zu sein. Dass ich mir deren Anerkennung wünsche und immer noch verfolge. Also das glaube ich, weiß jeder von sich, dass er sich wünscht, dass die eigenen Kinder sozusagen funktionieren, in Anführungsstrichen, wenn die eigenen Eltern dabei sind. Damit es nicht negativ auf uns zurückfällt. Und dann können wir eine Entscheidung treffen. Wir können sagen, beschneiden wir die Kinder, damit die Großeltern sich wohler fühlen? Oder gehen wir in die Konfrontation mit den Großeltern, weil wir wollen, dass unsere Kinder sich frei entfalten können? Und ich hoffe, dass wir uns in unserer Generation eher dafür entscheiden, uns dann mit den Großeltern auseinanderzusetzen, weil die sind ja erwachsen. Unsere Kinder sind nicht erwachsen. Die brauchen noch Unterstützung in der Begleitung ihrer Gefühle. Und die können vielleicht noch keine guten Strategien finden. Unsere Eltern vielleicht auch nicht oder Schwiegereltern. Aber die sind halt selber verantwortlich, die sind selber groß. Und die dürfen das auch aushalten, wenn wir sagen, ich möchte nicht, dass du das so machst. Und dieses Grenzen setzen, das muss eine erwachsene Beziehung auf Augenhöhe aushalten. Da bin ich wirklich fest davon überzeugt. Wobei ich häufig höre von jungen Eltern, dass sie sich zwar abgrenzen wollen, aber dann im entscheidenden Moment das dann doch nicht schaffen. Kannst du sagen, woran das vielleicht liegt? Das hat was mit dem Titel unseres Buches zu tun, dieses ein bisschen gefährlich formulierte Endgegner Großeltern. Ein Fragezeichen hintendran, das ganz, ganz wichtig ist. Weil die Auseinandersetzung mit den eigenen Eltern, die Auseinandersetzung mit dieser Prägung, das Abgrenzen von den eigenen Eltern, das ist wirklich der Endgegner im Reifeprozess. Das ist das, was ganz am Schluss stattfindet, weil das eben so wahnsinnig schwierig ist, weil diese Beziehung so wichtig ist, weil diese Beziehung so prägend ist. Und weil man eben in einer ganz neuen Position dann wieder aufeinandertrifft. Und das macht es gleichzeitig zu einem sehr konfliktreichen Feld, aber da ist eine riesengroße Möglichkeit drin für alle Beteiligten. Da ist eine Möglichkeit drin für die Großeltern, die eigenen Kinder, also uns, auch nochmal anders zu sehen und zu erleben und die auch wirklich als Erwachsene zu behandeln und da hinzukommen. Da ist für uns was drin, dass wir die eigenen Großeltern sehen und vielleicht, an einigen Dingen berechtigt oder unberechtigt Kritik äußern und uns welche denken, aber auch wir sehen, wenn wir uns damit auseinandersetzen, einfach auch mehr, wo kommen die eigentlich her und vielleicht ist das gar nicht alles so böse gemeint, sondern vielleicht haben auch die einen eigenen Schmerz, weil auch die nicht, die sind nicht in die Welt gekuschelt worden. Da wurde keine Einschlafbegleitung gemacht in den 50er, 60ern oder zumindest nur in den allerseltensten Fällen, sondern die sind auch geprägt von ihren Eltern, aber von was für welchen? Ja klar, von der Kriegsgeneration und da war eben nichts mit bindungsorientiert und ich liebe dich, ich sehe, du hast gerade große Gefühle, sondern reiß dich zusammen und fall bloß nicht auf. Und da gibt es eben eine wahnsinnige Möglichkeit für uns, da viel rauszuholen, weil, gerade weil es so schwierig ist. Und das ist deswegen schwierig, weil es, wie vorher schon gesagt, wahrscheinlich eine der, wenn nicht die wichtigste und prägendste Bindung und Beziehung ist, die wir haben. Ich glaube, der erste Schritt ist schon mal, sich dessen überhaupt bewusst zu sein. Jetzt frage ich mich so ein bisschen, wie komme ich denn in die praktische Umsetzung? Also ich stelle jetzt fest, das ist irgendwie schwierig und ich möchte darüber sprechen und das eben nicht verschweigen. Was wäre denn so der erste Schritt, um aus diesen festgefahrenen Mustern auszusteigen? Also ich sage jetzt was, das werden alle Eltern hassen, weil das haben wir ja nicht, aber Zeit ist ein entscheidender Faktor. Also wenn ich mich dem Konflikt irgendwie nähern will, dann brauche ich Zeit dafür. Im Zweifelsfall sogar Zeit für meine Eltern oder Schwiegereltern. Also die wollen auch eben gehört sein, damit wir den Konflikt angehen können. Wenn wir uns denken, wir können jetzt einfach die ganze Zeit sprechen und müssen uns nichts dazu anhören, dann wird das schief gehen. Und wir haben in dem Buch gesagt, auch wenn man es nur schafft, einen Konflikt einmal anzusprechen mit einer Ich-Botschaft und zu sagen, mir ist wichtig das und das und deswegen wünsche ich mir das. Dann ist es ein riesiger Gewinn. Also einfach aus dieser Schleife von, wir kennen das ja oft, so Augenrollen oder Konflikte ignorieren oder dann ist man froh, dass man wieder heimfährt und all das bleibt ja auch. Es wird ja nicht von einem auf den nächsten Moment eine rosarote Beziehung. Aber wenn man schafft, sich so einen konkreten Fall, wo man sich immer wieder drüber ärgert, ich sage mal ein Beispiel aus unserem Buch, wenn meine Mutter meinen Sohn betreut hat, hat sie mir oft Nachrichten geschrieben, wenn irgendwas gerade anstand und ich war im Büro und hatte das Gefühl, ich muss es sozusagen von remote lösen. Und das hat einfach nicht funktioniert, weil ich war dann in der Arbeit genervt. Sie war genervt, dass sie keine Antwort bekommen hat. Und dann habe ich versucht, diesen Punkt anzusprechen und zu sagen, bitte melde dich doch nur bei mir, wenn es wirklich dringend ist. Und natürlich ist dieses Gespräch erst mal in die ganz falsche Richtung gelaufen. Es ist sofort eskaliert. Es war natürlich so, es war nicht so gemeint. Und dann sind ganz viele Begründungen, warum es in der Situation doch wichtig war. Und ich habe natürlich auch versucht zu erklären. Und trotzdem haben wir es geschafft, indem wir noch mal drüber gesprochen haben und noch mal drüber gesprochen haben, dass sich was verändert hat. Und der Sebastian Keller, der uns im Punkto gewaltfreie Kommunikation beraten hat, fürs Buch hat gesagt, selbst wenn so ein Gespräch derailed oder total schief geht, kann es sein, dass man sozusagen ein Samenkorn gepflanzt hat, was nachher aufgeht. Das muss gar nicht in der Situation so ein Einsehen geben, was wir uns denn vielleicht wünschen. Ja stimmt, dann mache ich das nicht mehr. Nee, aber vielleicht wird es beim nächsten Mal eben anders laufen. Und deswegen sagt er, einfach wirklich immer wieder probieren. Und wir haben noch so ein paar andere Tools, versucht. Uns dem Gedanken mal anzunähern als Idee. Zum Beispiel sprechen wir ja oft von einer Familienkonferenz in so der bindungsorientierten Erziehung, dass Kinder eben auch eine Stimme haben. Wir haben dann gesagt, vielleicht könnte man ja auch mit Großeltern, die sich das vorstellen können, mal eine Großfamilienkonferenz machen zu einem bestimmten Thema. Natürlich werden die sich erst mal denken, das ist aber eine seltsame Sache. Aber vielleicht lassen sie sich ja darauf ein und erleben dann auch selbst gehört zu werden. Das ist eben uns so wichtig, dass Empathie kann nicht nur in eine Richtung gehen. Deswegen erzählen wir ja auch so viel über die Historie der Generation unserer Eltern. Weil wir uns das einfach immer wieder bewusst machen müssen, dass die von einem ganz anderen Startpunkt in die Beziehung gehen als wir. Ja, das stimmt. Also Kommunikation ist ja einfach oft der Knackpunkt schlechthin. Das habt ihr jetzt auch gerade schon ziemlich gut beschrieben. Ich habe es schon rausgehört, aber ich würde gerne von euch nochmal hören, für die HörerInnen vor dem Podcast. Wie kann es denn jetzt gelingen, eigene Bedürfnisse und Grenzen so klar zu formulieren? Ohne dass es sofort eskaliert. Ich glaube, ein ganz wichtiger Gedanke, und dann übergebe ich an die Christina, ist, dass man sich erstmal bewusst macht, worum geht es denn hier eigentlich? Reden wir jetzt gerade wirklich über die Kinder? Oder führen wir hier gerade einen Stellvertreterkrieg von ihr habt mir nicht oft genug gesagt, dass ihr mich lieb habt und immer kritisiert ihr nur an mir rum. Das sind zwei ganz, ganz, ganz verschiedene Dinge. Und wenn man das mal klar hat für sich, was zwickt mich jetzt eigentlich hier wirklich? Wo tut es mir hier wirklich viel? Geht es hier wirklich darum, wie die meine Kinder behandeln und dass ich mir da Sorgen machen muss? Oder drücken die bei mir einfach einen Schalter, der ganz lange nicht gedrückt worden ist und deswegen trifft mich das jetzt so? Also das ist schon mal eine ganz wichtige Grundvoraussetzung, dass man das mal für sich klar kriegt. Worum geht es gerade? Geht es um meinen Altenschmerz oder geht es um die Kinder? Genau, und dann würde ich darüber nachdenken, was ist eigentlich meine Haltung? Gehe ich grundsätzlich davon aus, dass die Großeltern im Leben unserer Kinder, also meine Eltern, meine Schwiegereltern, das gut mit uns und unseren Kindern meinen. Weil diese Haltung ist schon mal die Grundvoraussetzung. Weil wenn ich das nicht glaube, dann ist es natürlich sehr schwer, in die Kommunikation zu gehen. Und dann geht es darum zu überlegen, was ist mein Gefühl zu dieser Situation? Also was macht das eigentlich konkret mit mir? Bin ich wütend? Bin ich traurig? Bin ich enttäuscht? Und was ist das Bedürfnis? Was fehlt mir hier in diesem Moment? Fehlt es mir an Anerkennung oder brauche ich Rücksichtnahme? Und dann wären wir dafür, sehr konkrete Bitten zu formulieren. Wirklich zu sagen, wenn ich bei euch bin und ich stille, dann fände ich es super, wenn ich mich da zurückziehen kann. Es steht doch bei dir, Papa, im Büro so ein Sessel, aber da ist immer kalt. Könnt ihr da das nächste Mal einheizen? Wäre euch das möglich? Und einfach mal auszuprobieren, was passiert, wenn ich sozusagen möglichst konkrete, Bitten und Forderungen stelle. Weil das ist das Erste, bevor man eigentlich mit den Grenzen einsteigt, müsste man sagen, finde ich, was man möchte. Also welches Verhalten man sich wünschen würde, welche Erwartungen man eigentlich hat. Denn unsere Eltern tasten ja genauso im Dunkeln. Die fragen sich ja auch, was genau ist hier von mir verlangt, was darf ich, was darf ich nicht. Und wenn es wirklich um ein Verhalten geht, was für uns absolut nicht geht, also wir hatten im Buch immer das Beispiel des Kindersitzes im Auto, ist tatsächlich auch kein Beispiel, was total aus dem Nichts gegriffen ist, sondern das ist, habe ich immer wieder gehört, dass Großeltern gesagt haben, ja, das geht doch für die kurze Fahrt ohne den Kindersitz im Auto. Aber da wirklich zu sagen, nein, also wenn ihr uns nicht garantieren könnt, dass die Kinder, wenn sie bei euch mitfahren, im Kindersitz sitzen, dann können die nicht mehr bei euch mitfahren und diese Grenze auch zu verteidigen mit Konsequenzen. Also da gibt es eben zwischen, ich sage, was mich stört und wenn ihr das nicht macht, dann Kontaktabbruch, gibt es so viele Grauzonen. So viele kleine Dinge, die man verhandeln kann, das ist uns extrem wichtig, weil wir ja auch diese Generation sind, die ganz schnell sagt, wenn das nicht geht, dann halt ohne. Oder so erlebe ich das zumindest im Internet, dass immer wieder sehr gerne über den Kontaktabbruch als Mittel diskutiert wird. Ja, das stimmt. Das sind Eltern sind da erstaunlich wenig gnädig. Ich habe auch immer überlegt, woran das liegt. Ja, ich glaube, es fehlt auch ein grundlegendes Verständnis für die Großeltern. Da sehe ich so ein bisschen Defizit bei mir. Wie gelingt es uns denn besser zu verstehen, was bei den Eltern, bei den eigenen Eltern, also unseren Eltern eigentlich hinter dem Verhalten steckt? Da hätte ich zwei Tipps zu. Das eine ist ein nichts weniger als bahnbrechendes Buch namens Entgegner Großeltern, in dem wir uns wirklich genau diese Mühe gemacht haben. Wir haben auch selber während dem Schreiben dieses Buches da wahnsinnig viel gelernt. Wir haben eigentlich woanders begonnen und sind dann immer mehr draufgekommen. Moment mal, wenn man jetzt mal noch genauer hinsieht, wo kommen die eigentlich her? Was ist da der historische Kontext? Wie sind die erzogen worden? Was waren die Bücher, die damals gelesen wurden? Das war im Zweifel Johanna Haarer, die deutsche Mutter und ihr erstes Kind. Ja, ganz toll. Wenn man das alles mal sich wahlweise in unserem Buch oder auch woanders draußen zusammenliest, was eigentlich der Kontext ist, aus dem raus unsere Eltern agieren, das hilft schon mal ganz enorm. Und wenn man jetzt da vielleicht ein bisschen weniger akademisch rangehen will und nicht irgendwie viele Artikel und Studien oder das Buch lesen will, dann gibt es einen viel kürzeren Weg. Der ist aber nicht einfach. Und der geht folgendermaßen. Und man nimmt sein Handy an die Hand und sagt, du Mama, ich würde gerne mal reden. Und dann macht man sich einen Termin aus, wo man Profitipp mit nur einem Elternteil, nicht mit beiden gemeinsam, sonst hat man eine Front, sich mal wirklich Zeit nimmt, du hast es einen Spaziergang, du hast eine Autofahrt, sonst irgendwas. Einen Tee, den man miteinander trinkt. Wo man wirklich einfach mal, und das ist so banal, aber wer macht das schon, einfach mal nachfragt. Du sag mal, wie war das eigentlich in deiner Kindheit? Erzähl mal. Ich habe diese Gespräche geführt, Christina hat diese Gespräche auch geführt und ich denke mir, ich hätte das schon gern viel früher gewusst, mal zu fragen, wie streng war Opa eigentlich und wie war das eigentlich damals alles, und wie ist eigentlich die Oma damit umgegangen, als der Opa dann krank war und was weiß ich. All diese Dinge, die hat man vielleicht irgendwann mal schon mal gehört, was ihm irgendwo mal erzählt worden ist, aber dem wirklich Raum zu geben, mal nachzufragen, wo kommst du eigentlich her, wie ist, deine mentale Inneneinrichtung eigentlich so aufgestellt und was hast du eigentlich mitgekriegt, da kann man ganz viel lernen. Hm. Jetzt haben viele Eltern Angst, dass so Konflikte, die sie ansprechen, dann die Beziehung zu ihren Eltern dauerhaft belasten. Ist denn diese Sorge überhaupt berechtigt? Also ich hatte das vorher, glaube ich, schon mal gesagt und ich bin da auch ganz fest der Überzeugung, dass es so ist, wir setzen ja Grenzen, um in Beziehung zu bleiben. Wir wollen ja eine echte Verbindung mit den Menschen. Und eine echte Verbindung zu unseren Eltern würde bedeuten, dass wir denen auf Augenhöhe sagen können, also eine erwachsene Verbindung, was uns stört, ohne dass die sozusagen automatisch in die Defensive gehen oder mit einem Gegenangriff reagieren und so weiter. Und jetzt weiß ich, dass es in den allermeisten Familien so nicht ablaufen wird. Aber einer muss beginnen, wenn er das möchte oder sie. Ich würde jetzt mal behaupten, oft sind es sie. Deswegen gibt es ja auch diese böse Schwiegertochter, die die Familie in Unordnung bringt, weil die immer irgendwas will oder sagt oder kritisiert. Und deswegen gibt es ja auch oft Loyalitätskonflikte in Partnerschaften, weil der eine möchte sich mehr auseinandersetzen und der andere sagt, ach lass doch, das ist doch okay so. Und wie gesagt, wir sind nicht dafür, jeden Konflikt oder jedes Thema zum Konflikt zu machen, sondern wirklich zu überlegen, wo ist es mir wirklich wichtig. Und dann für die eigenen Grenzen einzustehen. Weil eine Beziehung, die nur darauf beruht, dass ich schlucke, schweige, dass ich, weggehe, genervt, dass ich hinter dem Rücken dann mit meinen Freundinnen, drei Stunden darüber reden muss, wie schrecklich alles ist. Kann man alles machen. Aber das ist doch nicht das, was wir uns wünschen eigentlich. Eigentlich wünschen wir uns doch eine echte Verbundenheit. Und unsere Kinder sehen, wie wir diese Beziehung leben. Das finde ich, darf man auch nicht vergessen. Die sehen schon sehr genau, wie wir mit unseren Eltern so sind und wie die zu uns sind. Und ich finde, wir könnten uns ja überlegen, was das für ein Riesenvorbild ist, wenn wir uns trauen, in so einen Konflikt zu gehen. Weil wir. Sind ja vielleicht die erste Generation, die ihre Kinder ohne Angst großziehen möchte, die stolz ist, wenn die Kinder sich widersetzen in manchen Strukturen oder sagen, jetzt bist du aber sau ungerecht, Mama. Wir selber trauen es uns aber nicht und leben es nicht. Ich glaube, da ist noch ein Fragezeichen für mich. Und deswegen haben wir ja diesen Endgegner in Anführungsstrichen angepackt. Also dieses Sprechen über die eigene Prägung und Muster, so Nachreifen im Erwachsenenalter, das gar nicht unbedingt nur davon abhängt, ob man schon Kinder hat oder nicht. Und nochmal kurz zu der Frage zurück. Die Sorge ist sehr wohl berechtigt. Wenn man sich anschaut, wie groß das Thema ist. Also die Sorge entspricht der Größenordnung, die es für uns emotional hat und auch die emotionale Tragweite, die es für uns haben kann. Weil wer geht denn schon gerne in einen Konflikt? Also da gibt es auch ein Spektrum. Es gibt Leute, denen fällt es leichter und Leute, denen fällt es nicht leichter. Aber niemand mag seine Mama zum Weinen bringen. Ich meine, hallo, wer will das? Und da ist aber genau das, was Christina am Schluss gesagt hat, ein ganz, ganz, ganz wichtiger Punkt. Wir sind unseren Kindern ein gewaltiges Vorbild darin, wie wir gerade auch konfliktreiche Beziehungen, die wir haben, gut handeln oder eben auch nicht. Und da ist eben die Frage, ob wir unseren Kindern dann das bessere Vorbild sind, wenn wir da in den Streit genauso einsteigen oder ob wir sagen, also wir probieren jetzt mal kurz durchzuatmen, wir atmen durch den Bauch und nehmen das aus dieser ganzen emotionalen Sache mal raus und sagen, ja, nee. Wo wollen wir eigentlich hin miteinander als Familie, Großeltern, Eltern, Kinder und wie finden wir da eine Lösung? Und das ist was, da können wir denen echt auch was vorleben und beibringen, wenn wir in diesen sauren Apfel beißen und den Konflikt nicht scheuen. Ja, okay, finde ich einen ganz wichtigen Aspekt. Wenn ich jetzt mitten in dem Konflikt drin bin, gibt es denn sowas wie einen guten Umgang, Dinge auf die ich achten sollte oder ist es komplett individuell unterschiedlich und von den Personen abhängig? Oder gibt es so einen kleinen Leidweg, an dem ich mich orientieren kann? Eine kleine Sache, da darf Christina bestimmt auch was Gutes dazu sagen, aber eine kleine Sache hilft eigentlich immer. Und das ist so ein kleiner Pausenknopf, den man sich selber gönnt. Und da drückt man erstmal drauf, wenn der Gegenüber was sagt und man merkt, oh, das macht jetzt was mit mir emotional. Und da drückt man dann drauf. Und wartet mal kurz. Und je länger die Pause ist zwischen dem, was passiert und dem, wie ich darauf reagiere, umso besser ist es meist, dafür die Temperatur niedrig genug zu halten, dass man auch gut darüber reden kann. Und das gelingt uns oft in dem Moment einfach nicht. Also das ist auch total normal. Und ich finde, man darf sich da so ein paar Sätze zurechtlegen, wie ich mag darüber jetzt gerade nicht mit dir sprechen oder ich entscheide das jetzt für meine Familie. Und dann kann man später zu dem Konflikt zurückkommen, wenn man selber geschafft hat, abzukühlen. Also wir sind nicht verpflichtet, in jedem Moment dann diese Konfliktbeziehung aufzugreifen, wenn es dem Gegenüber gerade passt. Und ich finde auch, dass wir als Eltern schon sehr genau abwägen müssen, weil wir können ja nicht immer davon ausgehen, dass irgendwie wir das Privileg haben, das jetzt klären zu können. Vielleicht bin ich Alleinerziehende und ich brauche meine Eltern gerade, damit ich meiner Erwerbsarbeit nachgehen kann. Und es gibt gewisse Themen, die würde ich gerne ansprechen, aber die kann ich gerade nicht ansprechen, weil ich weiß, es würde zu einer Eskalation führen und ich würde die Unterstützung verlieren. Und dann habe ich zwei Möglichkeiten. Ich kann entweder versuchen, mir ein anderes Netzwerk zu schaffen, vielleicht mit Freundinnen, dann doch eben auf deren Unterstützung zurückzugreifen, weil wenn wir ehrlich sind, dann sind die eigenen Eltern, die eigene Familie, die Schwiegereltern oft diejenigen, von denen wir uns helfen lassen. Wo wir vielleicht Hilfe eher zulassen können und Unterstützung. In so einem, ja, das ist eben Familie. Auch wenn die Beziehungen konfliktbeladener sind, als vielleicht mit anderen Menschen, die uns Unterstützung anbieten würden. Da wollen wir aber unbedingt alleine stehen. Das finde ich ganz interessant, weil ich weiß, dass meine Freundinnen zum Beispiel, ganz oft Unterstützung anbieten, aber es mir schwerfällt, die anzunehmen. Und ich biete auch oft anderen Leuten Unterstützung an. Und ja, also wir haben diese Familienbeziehung und wir brauchen vielleicht gewisse Dinge in dem Moment, dann ist es auch in Ordnung, wenn ich das jetzt nicht sofort angehe, aber ich kann meine Grenze setzen und überlegen, was ist für mich ein absolutes No-Go und was halte ich aus und ich muss mir wirklich bewusst machen und das auch abwägen, das eben nicht einfach immer weitermachen, sondern in mich gehen und überlegen. Das, finde ich, ist schon der erste Schritt. Also diesen Konflikt anzugehen. Davor gibt es schon was zu tun, nämlich zu überlegen, was sind für mich die Konflikte, die ich überhaupt besprechen will und wie wichtig sind mir die auf einer gewissen Skala und wo ist wirklich mein No-Go und wofür stehe ich ein und wo ist es mir auch wichtig, diesen Konflikt auszutragen. Und da muss ich jetzt noch unbedingt auch was für die Zuhörenden da draußen mal noch ganz, ganz klarstellen. Christina und ich, wir haben jetzt, ich glaube zweieinhalb Jahre an diesem Thema gearbeitet. Wir haben geschrieben, gelesen, diskutiert. Wir haben beide viel Therapie gemacht und wir finden das selber mega schwierig. Was haben wir uns ins Hemd gemacht, unseren Eltern die Buchstellen zu zeigen, wo die vorkommen drin? Good Lord. Also ich will sagen, das, was wir hier so erzählen, da ist viel Kopf reingegangen und viel Diskussion und viel Lesen. Und wenn man das so macht, dann ist es so. Wir sind aber bei Weitem auch selber noch nicht an dem Punkt, dass wir sagen, wir haben das jetzt alles gefressen und das ist gut. Also wenn das jemandem da draußen schwerfällt, das liegt daran, dass es schwer ist. Weil wenn es einfach wäre, dann wäre es ja einfach. Aber das ist es eben nicht. Und auch wir scheitern da immer noch gerne mal dran. Nur wir haben vor allem in erster Linie, wir haben nicht gelernt, wie macht man es perfekt. Aber ich glaube, wir haben gelernt, dass man echt nur gewinnen kann, wenn man es immer wieder probiert. Gut. Was ich jetzt gerne zum Schluss tatsächlich noch wissen wollen würde, also wir hatten es vorhin ganz kurz schon angesprochen. Was macht man denn, wenn es wirklich gar nicht mehr geht mit den Großeltern? Also gibt es Momente, an denen der Kontakt wirklich eingeschränkt oder vielleicht sogar abgebrochen werden sollte? Und wie macht man das dann? Also die aus meiner Sicht wichtigste Tatsache ist, dass es eben nicht nur ein Schwarz-Weiß gibt, sondern dass man Beziehungen managen kann und dass man zum Beispiel, ein Beispiel, das uns sehr wichtig ist beim Thema psychische Gewalt und oder Suchterkrankungen in der Familie zum Beispiel. Es ist leider so, dass in Deutschland, es gibt sehr viele Menschen, die sind alkoholabhängig oder alkoholkrank, Und das betrifft zum Beispiel oft ältere Männer über 50. Das heißt, in Familiensystemen ist das ein Thema. Und das wissen, glaube ich, auch alle, dass es da Themen geben kann. Und wenn ich jetzt zum Beispiel weiß, bei dem einen Opa oder der einen Oma ist es ab 18 Uhr einfach nicht mehr angenehm für die Kinder oder für uns, dann kann ich das ja beschränken. Oder ich kann auch zum Beispiel sagen, nur ein Elternteil kommt zu uns, das andere Elternteil sehen wir zum Beispiel an Feiertagen, also Großelternteil. Oder ich kann sagen, die Kinder könnt ihr gerne sehen, aber bei uns zu Hause. Oder, oder, oder. Das heißt, ich habe sozusagen schon viele, viele Möglichkeiten, die Beziehung zu managen, bevor ich den Kontaktabbruch wähle. Weil der Kontaktabbruch bedeutet ja auch sowas wie, ich kann an der Beziehung gar nicht mehr weiterarbeiten. Es ist dann einfach so schwierig geworden oder der andere ist so wenig bereit, weil so eine gewisse Bereitschaft mit uns in Beziehung zu gehen muss natürlich da sein. Und wenn es da absolut keine Bereitschaft gibt, auch zu sprechen, zum Beispiel wenn jedes Gespräch abgeblockt wird, dann dürfen wir irgendwann sagen, das ist keine Beziehung, die uns und unserer Familie gut tut und dann das denen auch mitteilen. Es gibt in Deutschland tatsächlich ein Recht auf Kontakt mit den Enkeln für Großeltern, das wissen viele nicht, also auch ein gesetzliches Recht. Meine These wäre jetzt, wenn man als Großeltern das einklagen muss, dass man die Enkel sieht, dann ist vorher schon sehr viel passiert und liegt sehr viel im Argen. Und da mag ich jetzt gleich mal einhaken, weil es ist eben schon ganz, ganz wichtig zu diesem Gesetz, das es gibt, dass die Großeltern da einen Umgangsrecht haben. Das gilt genau das Gleiche wie sonst auch. Das gilt genauso lange, wie das Kind es wohl nicht gefährdet ist. Die Entscheidung darüber, wann das gefährdet ist, die haben wir als Eltern. Die bleibt bei uns allein und die müssen wir wahrnehmen. Und wenn wir sehen, das geht über eine Grenze, die wir nicht tolerieren können, und dann nimmt unser Kind wirklich Schaden, dann müssen wir durchziehen. Hilft nichts. Das ist auch unsere Fürsorgepflicht. Absolut. Und gleichzeitig ist es so, dass wir uns aber auch gut überlegen können, in den Punkten, wo das Kindswohl eben nicht gefährdet ist, wie groß ist das Problem jetzt eigentlich gerade? Also weil zu viele Gummibärchen ist keine Kindswohlgefährdung. Das ist aber sehr wohl ein Problem. Das ist ein Konfliktthema. Das kann ein Reizthema sein. Aber deswegen braucht man jetzt den Konflikt nicht abbrechen, sondern dann kann man eben gucken, wie viele Graustufen gibt es da zwischendrin. Es gibt auch schlimmere Dinge als Gummibärchen, die trotzdem noch nicht dazu führen müssen, dass man den Kontakt abbricht. Niemand muss in einem Kontakt bleiben, wenn es nicht gut ist, für die Kinder oder für einen selber. Aber zwischen das, ich halte einfach alles aus und ärgere mich im Stillen und schimpfe dann mit meinem Partner oder meiner Partnerin drüber und dem, ich rede nie wieder mit meinen Eltern und ich lösche jetzt die Nummer, gibt es viele, viele Graustufen, die man ausloten kann, was eben so Kontaktbeschränkungen sind, wie Christine eben gerade aufgezählt hat. Man trifft sich halt nur auf neutralem Grund. Man trifft sich halt nur im Restaurant oder auf dem Spielplatz oder was weiß ich, wenn es daheim dann einfach immer eskaliert. Es gibt viele, viele Möglichkeiten und man tut sich den eigenen Kindern und auch den eigenen Eltern gefallen, wenn man da drauf guckt, welche ist jetzt angemessen. Okay, aber es ist grundsätzlich lohnenswert, immer einen anderen Weg zu gehen und diese Graustufen auszuloten. Und da hilft euer Buch natürlich weiter. Wenn ihr mehr zu dem Thema lesen wollt, dann schaut unbedingt mal rein. Es heißt Entgegner Großeltern. Und ihr könnt auch wieder ein Exemplar bei uns gewinnen. Schaut dazu gerne mal bei Insta vorbei oder schreibt uns eine Mail an wunschkindblog.gmail.com. Ja, vielen lieben Dank, liebe Christina, lieber Johannes, für dieses wirklich, interessante Gespräch. Danke euch für die Einladung. Danke Daniel, danke Katja. Sehr gerne. Was wir aus dieser Folge auf jeden Fall mitnehmen können, diese Spannungen zwischen Eltern und Großeltern, ist erstmal nichts Ungewöhnliches und auch kein Zeichen dafür, dass in eurer Familie irgendetwas falsch läuft. Im Gegenteil, das entsteht häufig genau dort, wo Beziehungen eng sind und wo wirklich auch viel Bedeutung drin steckt. Für mich war heute die wichtigste Erkenntnis, ich darf meinen eigenen Weg als Mutter gehen und immer mal wieder schauen, wie viel Nähe, wie viel Austausch und wie viel Abgrenzung sich so für mich persönlich stimmig anfühlt. Ihr findet übrigens in unserem Archiv passend zum heutigen Thema auch weitere Folgen über das Thema Großelternschaft. Zum Beispiel die Folge 80. In der ging es darum, wie wir mit Eltern oder beziehungsweise Großeltern unserer Kinder über die bindungsorientierte Elternschaft ins Gespräch kommen können. Und in Folge 132 haben wir mit Carina Manuceri gesprochen. Da ging es darum, wie man das Oma-Sein aktiv gestalten kann. Das Buch von Christina und Johannes, die beiden Folgen, die ich eben genannt habe und natürlich auch den Link zum Podcast von den beiden, Eltern ohne Filter, die findet ihr in den Shownotes. Wenn euch diese Folge gefallen hat, dann freuen wir uns sehr, wenn ihr unseren Podcast abonniert, ihn bewertet oder mit anderen Eltern teilt, für die das Thema vielleicht auch hilfreich sein könnte. Wir freuen uns, wenn ihr nächste Woche wieder reinhört. Ab Dienstag gibt es dann eine neue Folge für euch. Bis dahin sagen wir Danke fürs Zuhören und für heute sagen wir Tschüss.