Das gewünschteste Wunschkind, der Podcast. Hallo und herzlich willkommen zu Das gewünschteste Wunschkind, der Podcast mit Daniel Graf und Katja Seide. Vielleicht kennst du das ja auch. Du kochst etwas, gibst dir Mühe, achtest natürlich auf Ausgewogenheit, auf genügend Gemüse und Eiweiß, auf versteckten Zucker, und am Ende sitzt da ein Kind vor dir, das die Nudeln gerne nackt essen möchte. Also die Nudeln, nicht nackt essen. Oder vielleicht auch einfach gar nichts und immer wieder wird diskutiert, vielleicht verhandelt und vielleicht gibst du auch irgendwann einfach entnervt auf und oft bleibt dann nicht nur ein voller Teller zurück, sondern auch das Gefühl, irgendwie was falsch zu machen. Gerade beim Essen treffen unglaublich viele Erwartungen aufeinander, Gesundheit, Fürsorge, Erinnerungen aus der eigenen Kindheit, gesellschaftlicher Druck und natürlich auch die ganz normalen Herausforderungen eines Familienalltags, in dem ja meistens sowieso schon alle müde und hungrig sind. Dabei geht es beim Essen oft um viel mehr als nur das Essen selbst, nämlich um Kontrolle, Autonomie, Nähe, Stress, Bedürfnisse, Gewohnheiten und manchmal auch um die Frage, warum uns bestimmte Situationen emotional viel stärker treffen, als wir das eigentlich möchten. Und darüber sprechen wir heute mit der Ernährungspsychologin und Autorin Ronja Schiftern. Gemeinsam schauen wir darauf, wie kindliches Essverhalten eigentlich entsteht, warum viele Konflikte am Familientisch sehr verständlich sind und wie Familien wieder mehr Entspannung rund ums Essen erleben können. Herzlich willkommen, Ronja! Ja, danke vielmals. Ich freue mich extrem, darf ich da sein. Und was für ein schönes Intro, wie schön beschrieben. Du beschäftigst dich ja ganz intensiv mit dem kindlichen Essverhalten. Warum ist dann ausgerechnet dieses Thema in Familien oft so emotional aufgeladen? Ja, ich beschäftige mich schon seit ganz vielen Jahren aus ernährungspsychologischer Sicht mit dem Thema Essen in allen Altersstufen und natürlich auch in Familien, wenn es um die Kinder geht. Und ich liebe das Thema, weil Essen ist eigentlich immer extrem emotional. Und Essen ist, darum finde ich auch dieses Thema nie langweilig, weil ich bin ein Mensch, mir wird schnell langweilig. Und das ist ein Thema, das hat mich nie losgelassen, weil Essen findet einfach in allen Lebenslagen statt und ist in jedem unserer Lebensbereiche ein extrem begleitendes und wichtiges Thema eigentlich. Und darum ist es natürlich auch am Familientisch eine große Herausforderung. Woher kommt denn aber dieser enorme Druck rund ums Essen eigentlich? Also viele Eltern haben ja irgendwie das Gefühl, da ganz viel richtig machen zu müssen und irgendwie perfektes Essen auf den Tisch zu machen, selbst gemacht und mit Vitaminen und so weiter. Ja klar, also ich denke, vielleicht noch zum Ergänzen, das wissen viele nicht, ich wohne in der Schweiz, Das heisst, man hört das natürlich aus meinem Dialekt ganz klar raus, dass ich Schweizerin bin. Ich gebe mir aber Mühe, dass ihr mich alle versteht und werde trotzdem auch und zu mal Schweizer Begriffe verwenden. Das heisst, bitte hinterfragt mich, wenn ihr das Nini nicht versteht. Das ist die Pausenverpflegung in der Schule zum Beispiel. Genau, also warum ist es so kompliziert? Warum ist da so viel Druck drin? Das ist effektiv eigentlich ein Gesellschaftsphänomen. Denn gerade da, wir haben ganz viel, vielleicht auch noch zu erklären, ich bin ja Psychologin. Das heisst, ich gucke das Thema Essen aus psychologischer Sicht an. Sprich, ich gucke nicht nur, oder ich gucke nicht, weil das macht die Ernährungswissenschaft und die Ernährungsberatung. Das gucke ich gerne mit meinen Kolleginnen und Delegierinnen. Das auch gerne, was nämlich auf dem Teller liegt. Das heisst, auf der einen Seite haben wir im Bereich Ernährung historisch das Verständnis, dass es über Nährstoffe geht. Es geht um, was liegt auf dem Teller, in welcher Zusammensetzung, wie viel soll man von welchen Nährstoffen essen, was ist gut, was ist schlecht. Oft wird dann beschrieben von gesund, ungesund und als Psychologin gucke ich eigentlich alles andere an. Das heisst, was ist rundherum. Gerade Wenn wir die Gesellschaft angucken, dann ist die Gesellschaft ganz stark mit so richtig-falsch Vorstellungen im Thema Essen. Und zwar hat das auch damit zu tun, wie die Ernährungswissenschaft seit vielen Jahrzehnten auch kommuniziert hat. Und zwar, das ist richtig, das ist falsch. So muss man essen, alles andere ist falsch, das ist gesund und das ist ungesund. Und da versucht sich gerade auch die Ernährungswissenschaft eigentlich auch in gewissen Bereichen ein bisschen davon zu lösen. Aber gleichzeitig haben wir in der Gesellschaft ganz, ganz viele Ernährungsvorstellungen, auch ganz viele Informationen. Also es heisst, diese Orientierung, was ist denn noch richtig oder was soll ich, da fühlen sich viele Menschen total überfordert. Und auch ganz, ganz stark in so einer, man nennt das Informationsdiffusion. Also dass man sich nicht mehr orientieren kann, was soll ich glauben? Was ist denn noch richtig? Und das löst natürlich Stress aus. Absolut. Und du sagst ja auch, Essen ist nie nur Nahrungsaufnahme. Da passiert auch ganz viel emotional rund um den Familientisch. Was genau denn eigentlich psychologisch gesehen? Wir dürfen immer vorstellen, ich beschreibe ganz oft so grundsätzlich, dass man mal versteht, was eigentlich die Psychologie ist. Die Psychologie ist die Wissenschaft von Erleben und Verhalten von uns Menschen. Das heisst, Verhalten ist alles das, was ich beobachten kann. Also Gestik, Mimik, Körperhaltung etc. Aber eben auch, was gegessen wird. Das ist die Verhaltensebene. Was wir alles aber nicht sehen von unserem Gegenüber, ist eigentlich das Erleben. Also was passiert dahinter? Und zwar, was denkt der Mensch, was fühlt er, beispielsweise mein Kind oder was denkt es in dem Moment, was hat es für Emotionen, wie fühlt es sich gerade. Aber auch die Körperwahrnehmung beispielsweise. Also hat es Hunger, ist es satt? Und was aber ganz entscheidend ist bei diesem Erleben, ist eben auch unser eigener Rucksack. Und zwar beschreibe ich immer diesen Rucksack an Prägungen. Also was haben wir alles für Erfahrungen, für Werte, Normen? Aus welcher Kultur stammen wir? Welchen Hintergrund haben wir familiär? Und das sind die Prägungen, die uns ganz, ganz stark auch leiten, wenn es um das Thema Essen geht. Und einer der grössten Aspekte und der wichtigsten Aspekte, wenn wir über das Erwachsenenalter sprechen, warum wir wie essen, eines der entscheidendsten prägenden Faktoren ist unsere eigene Erziehung. Also wie wir erzogen worden sind und was wir zu Hause eigentlich rund ums Essen mitgekriegt haben. Also diese ersten paar Lebensjahre. Und das ist super beeindruckend, wenn man nämlich sieht, so wie zu Hause über Essen gesprochen wurde, so wie meine Eltern gegessen haben, so wie damals die Welt war oder auch schon nur die Welt der Eltern, sondern als sie Kind waren, das alles beeinflusst mein heutiges Wahrnehmen und Essverhalten ganz, ganz stark. Und darum ist es logischerweise extremst emotional, weil es hat mit unserem tiefsten, tiefsten, tiefsten Kindheitserfahren zu tun. Jetzt habe ich das Gefühl, dass Eltern häufig das Verhalten ihrer Kinder beim Essen sehr schnell interpretieren. Also sie sagen dann, keine Ahnung, mein Kind macht absichtlich Theater oder das ist extrem wählerisch Oder auch zum Beispiel ist es undankbar. Kannst du erklären, warum das so ist? Genau das ist übrigens sehr, sehr spannend, auch wenn man Eltern befragt. Da gibt es zum Beispiel eine sehr, ja fast lustige Studie in Schweden. Da geht es darum, dass man fragt, wie die Kinder essen. Und also Eltern sollen bewerten, wie die Kinder essen und beschreiben. Und da haben überproportionalstens krass viele Eltern beschrieben, dass ihre Kinder sehr, sehr fast schon pathologisch, also auffällig Picky-Eaters sind. Also sehr wählerische EsserInnen. Und das ist zum Beispiel ein super spannendes Phänomen. Und zwar, das spannende Phänomen zeigt, dass Eltern das kindliche Essverhalten ganz oft total, quasi Anführungszeichen, falsch interpretieren. Also oft das Gefühl haben, es ist schon super krass auffällig, wenn es null Auffälligkeiten mit sich bringt. Und zwar beispielsweise, dass viele Eltern eigentlich nicht wissen, wie kindliches Essverhalten eigentlich aussieht. Darum habe ich auch zum Beispiel in meinem Buch, Wie Kinder essen, extra das Buch so strukturiert, dass man zuerst auch mal versteht, wie essen eigentlich Kinder. Also beispielsweise Kinder essen so Komponenten, nicht gemischt am liebsten, weil sie diesen Teil noch lernen. Auch sind Kinder so Phasen-Essende und, und, und. Also da gibt es ganz viele Faktoren, die einfach per se schon kindliches Essverhalten in einem totalen Normzustand, Anführungszeichen, sind. Und wir dann aber aus Elternsicht oft schon mit Besorgnis beobachten. Und das ist, ich glaube, eines der Grundhaltungen, die ich habe, Eltern gegenüber. Ich gehe immer davon aus, sie wollen ja das Beste für ihr Kind. Und meistens ist es einfach reine Sorge. Und zwar Sorge, dass irgendetwas verpasst werden könnte, dass ihnen etwas schiefläuft. Und eigentlich passiert das ganz oft damit, auf der einen Seite, was man selbst natürlich für Erwartungen daran hat, wie man zum Beispiel das Kind versorgen soll. Also beispielsweise, wenn man selbst das Gefühl hat, da müssen alles ganz perfekt sein, das Kind muss optimalstens versorgt sein etc., dann ist das natürlich ein gewisser Fokus. Das andere ist aber, und das ist fast viel, viel entscheidender, ist, was clasht gerade mit meinen eigenen Prägungen? Und zwar beispielsweise, das Kind sagt, das will ich nicht, das mag ich nicht. Jetzt kann es auf der einen Seite in meinem Hier und Jetzt eine Dissonanz auslösen. Also es kann mich jetzt im Hier und Jetzt irgendwie nerven, weil ich finde, hey Mann, ich habe mir so Mühe gegeben, ich hatte einen strengen Tag und jetzt habe ich gekocht extra und jetzt magst du das nicht. Und dann wird in dem Moment mein persönlicher Beitrag für mich abgelehnt, oder? Das Kind sagt aber nur, ich mag es nicht. Das heißt, eventuell passiert jetzt dort ein Bedürfnis, das nicht gesehen wird. Vielleicht will ich gesehen werden von meinem Kind. Vielleicht will ich, dass mein Kind meinen Aufwand schätzt. Und vielleicht ist es jetzt eben ganz eine große Alarmglocke, die sagt, vielleicht hast du dich jetzt extremst übernommen und erwartest jetzt, dass dein Kind das honoriert quasi. Das ist so nett im Hier und Jetzt. In den meisten Fällen clasht es aber eben, wie gesagt, mit den eigenen anerzogenen Mustern. Also beispielsweise, dass man als Kind immer gehört hat, du musst dankbar sein oder es ist, was auf den Tisch kommt oder ist den Teller leer, sonst gibt es morgen nicht schönes Wetter. Wenn wir selbst uns an diese Stimmen erinnern und an diese Worte, die wir selber gehört haben, dann kann es schon sein, dass jetzt ein Teil in uns schon findet, hey, ich musste immer alles essen, ist ja super undankbar, dass du das nicht machst. Obwohl man vielleicht im Hier und Jetzt gar nicht mehr findet, dass man immer alles essen muss. Sondern das ist dann eine ganz starke Prägung aus dem Kindsalter. Macht das Sinn für euch? Versteht ihr, wie ich es gemeint habe? Ja, ja, absolut. Da kennt ihr vielleicht ja selbst auch solche Stimmen, wo man dann plötzlich merkt, ah, okay, jetzt kommt da so eine Stimme wie, man muss doch jetzt anständig essen. Und dann denkt man auf einmal, warum ist mir das so wichtig? Nee, Daniel und ich sind da sehr... Wir haben das schon mal in einem anderen Podcast gesagt. Ich habe da gar keine großen Emotionen zu dem Essen meiner Kinder. Die essen, was sie essen und wann sie essen und wie viel sie essen und das finde ich alles okay. Ich finde es eher seltsam, wenn mir Leute, wenn jetzt die bei anderen zu Besuch waren, also als sie noch kleiner waren, Kindergartenalter, mir dann, erzählt wurde, ja, eure Kinder haben das und das und das gegessen, also die müssten voll sein und so, dann dachte ich immer so, okay, warum erzählt sie mir das? Ich gehe davon aus, dass alles okay ist. Oder wenn es hungrig ist, würde es mir das schon sagen. Nee, tatsächlich habe ich so eine, Diese Stimmen habe ich nicht. Das ist auch etwas, und das ist eben noch der andere Punkt. Ihr habt ja vorgefragt, warum. Es ist ganz oft auch Außenerwartungen. Also dass man zum Beispiel das Gefühl hat, man müsste es anders machen oder es müsste anders laufen. Also auch Vorstellungen aus der Gesellschaft, übrigens übrigens über soziale Medien extremst. Also diese Vermittlung von. Wie sollte eine Familiensituation aussehen? Weil wenn wir ganz ehrlich sind, de facto startet jede Familie bei Punkt Null. Die haben ja noch keine Erfahrungen. Und diese Familie hat es in dieser Konstellation ja noch nie gegeben, mit diesen Individuen, die da zusammenkommen. Das heißt, niemand kann wissen, wie es da aussehen soll. Da würde ich gerne noch reinhaken. Ich habe das Gefühl, es gibt sehr viele Schuldgefühle bei Eltern in Bezug auf Ernährung und Gesundheit. Also dass sie vielleicht durch die sozialen Medien das Gefühl haben, sie müssten viel stärker darauf achten. Hast du auch das Gefühl? Ja, auf jeden Fall. Also es ist nicht nur über die sozialen Medien, es ist ein wichtiger Teil, aber es hat auch mit einem Gesellschaftsdiskurs zu tun, dass man eigentlich, jede Generation geht wie mit dem Thema Essen ja ein bisschen anders um. Weil das Thema Essen ist in dieser Generation, also in dieser Lebensrealität, beispielsweise während Kriegszeiten oder während dem Wirtschaftsboom oder etc. In jeder Situation von der Welt hat Essen eine andere Relevanz und eine andere Bedeutung. Und in unserer heutigen Gesellschaft hat Essen ganz stark mit dem Thema Gesundheitsfokus. Mit diesem Deckmantel arbeitet es. Und habe aber ganz oft übrigens eigentlich noch eine uralte Prägung aus der Boomer-Generation, also Baby-Boomer-Eltern beispielsweise. Die waren damals, als die junge Frauen waren vor allem auch, das waren vor allem die Mütter, wurden die das erste Mal eigentlich mit der Diätindustrie aus den USA konfrontiert. Also beispielsweise mit diesem ganzen Arabic und FDH und Suppendiäten, Brigittediät, bla bla bla. Damals waren das junge Frauen. Das heisst, die wurden eigentlich in dieser Trendwelle von schlank gleich gut und schlank gleich diszipliniert. Jeder Mensch kann, Anführungszeichen, schlank werden, wenn er nur will. Das war so eine Idee aus dieser Zeit. Und diese Vorstellung, das war damals ein totaler, auch wirklich sehr kapitalistisch geprägt, also es kam so aus der ganzen, da war viel Industrie dahinter und so weiter. Diese Diätkultur, die hat auch ganz viel mit der Körperbewertung gemacht in unserer Gesellschaft. Also beispielsweise, nur ein schlanker Körper ist ein guter Körper. Ein gesunder Körper. Oder nur ein schlanker Körper ist ein gesunder Körper. Das ist zum Beispiel etwas, das ist, jetzt stellt euch vor, ich habe ja vorher so ein bisschen gesagt, dass unser Hauptpunkt, der unser Erwachsenenleben im Essverhalten prägt, ist, wie wir damals als Kinder geprägt wurden. Und jetzt stellt euch mal vor, diese Millennial-Kinder zum Beispiel, die hatten ja diese Baby-Boomer-Mütter. Und damals, wie hat die Mutter gegessen damals? Diät, Diät, diese Diät, jene Diät. Und vor allem eben auch dieses, du musst schlank sein, dann wirst du als diszipliniert wahrgenommen. Oder dann bist du jemand. Und jetzt trägt das natürlich auch die Denke von kleinen Kindern damals am Tisch. Und zwar, Mama ist anders als Papa. Oder auch diese ganzen Kommentare rund im Körper. Also Eltern, die irgendwie sagen, ja, da sehe ich die Tante, die hat ja schon wieder zugenommen. Und ja, die Nachbarin da, sie macht ja jetzt diese Diät. Also dieser Diet-Talk nennt man den und negative Körperbewertung schon am Kindstisch. Und das haben Kinder damals natürlich alle reinbekommen. Und jetzt sind sie Eltern. Und auf der einen Seite leben sie jetzt in einer Realität, in der es dann einfach irgendwann mit Gesundheit gemantelt wird und merken aber vielleicht auch, oh, aber irgendwie der Schlankheitsdruck hat mich schon kaputt gemacht. Das stresst mich permanent schon. Und diese Körperabwertung habe ich schon erlebt. Das will ich vielleicht meinen Kindern weitergeben. Und dennoch kommen dann eben diese frühen Stimmen und Prägungen dagegen anderen. Ja, verstehe. Jetzt sprichst du in deinem Buch davon, dass Kinder eigentlich mit einer angeborenen Esskompetenz auf die Welt kommen. Kannst du noch mal erklären, was das genau bedeutet? Das bedeutet eigentlich, Kinder, also wir alle Menschen, wir haben innere Reize. Das heisst, wir haben eine Körperwahrnehmung, sprich wir haben Signale wie Hunger, Sättigung, aber auch Müdigkeit, Schmerzen. Also wir haben alle Innenreize. Und diese Innenreize definieren auch, was unser Körper braucht. Die sind dafür da, dass wir uns versorgen. Darum will ein Kind nach der Geburt gleich auch trinken, weil es wieder Nahrung braucht und Energie. Man sieht das eigentlich bei Babys. Die kann man ja nicht über stillen, nicht über füttern. Also weder mit Trinkflasche noch mit stillen. Wenn ein Kind... Wenn es Hunger hat, dann will es essen und wenn es zu viel gehabt hat. Dann würde es das einfach wieder erbrechen. Das heisst, ein Kind presst dann zum Beispiel den Mund zu oder dreht so den Kopf weg beim Stillen, wenn es eigentlich genug hat. Das heisst, diese Innenreize geben eigentlich die Agenda vor, was das Kind braucht. Und das bleibt eigentlich vorhanden. Das Thema ist aber, dass wir Kinder eine Art übersteuern. Irgendwann beginnen, Aussenreize zu dominieren. Zum Beispiel, wann gibt es Frühstück, also zum Beispiel Zeit. Also Frühstück, Mittagessen, Abendessen. Also diese Zeiten. Oder wann gibt es Zwischenverpflegungen. Dann beispielsweise auch kulturell, was gibt es zu essen. Also beispielsweise gibt es süsses Frühstück oder gibt es salziges Frühstück. Oder zum Beispiel in Italien isst man ganz früh morgens einen Keks mit einem Milchkaffee, das ist zum Beispiel ein Frühstück, und dann erst um 10 Uhr was Richtiges. Schon nur die Bewertung was Richtiges, oder Anführungs-Schlusszeichen. Alle diese Aspekte, das sind Rhythmisierungen und Prägungen von aussen. Das heisst, in der Sozialisierung lernen wir ganz viele Aspekte, was wird von mir auch mit dem Thema Essen erwartet. Was ist die Norm, die gesellschaftliche Norm? Und das startet dann zum Beispiel, wenn man, keine Ahnung, Es ist Viertel vor zwölf, das Kind kommt zu den Eltern und sagt, ich habe Hunger. Und die Eltern dann antworten, es gibt in einer Viertelstunde Mittagessen, also warte bitte noch kurz. Was lernt das Kind? Das Kind lernt mein Signal, mein inneres Signal Hunger. Wie muss ich wegdrücken, weil es gerade sozial nicht akzeptiert ist oder gar nicht der richtige Zeitpunkt. Und Kinder lernen so, ihre Innenreize immer mehr zu übersteuern. Das heisst, sie lernen nach Erwartungen oder nach äusseren Signalen zu essen, und verlieren nah dies nah ein bisschen den Bezug zu den eigenen Signalen vom Körper. Und dann sind wir irgendwann 30 und dann kommt so irgendein Social-Media-Post, weisst du, du musst einfach intuitiv essen, das ist voll die Lösung. Ja, bravo, aber das haben wir uns natürlich dann abtrainiert, schon mit Dreijährig. Aber kann man sich das wieder antrainieren? Oder. Ist es jetzt so dramatisch, wenn man jetzt morgens, mittags und abends einfach isst, ohne auf die eigenen Bedürfnisse zu achten? Weil dann wird man ja auch satt. Oder sollte man sich das jetzt wieder umgewöhnen? Mega, mega schöne Frage. Dramatisch ist es sowieso nicht. Also ganz, ganz wichtig. Wir haben immer noch das Gefühl, dass dieses Essen alles steuern soll. Auch diese ganze Gesundheit. Mit Ernährung können wir alles beeinflussen. Und das ist einfach nicht so. Und vor allem auch den Range. Es geht einfach darum, dass wir Essen, Energie haben, dass wir von allem vielleicht ein bisschen was haben. Aber beispielsweise schon nur das. Kinder verstoffwechseln komplett anders als Erwachsene. Also beispielsweise kommt Nährstoffmangel bei Kindern fast nie vor. Wenn, dann eher, weil zum Beispiel eine unentdeckte Zöliakie vorliegt, also eine Erkrankung. Aber Nährstoffmangel bei Kindern ist super krass selten, sogar wenn sie nur Butter mit Nudeln essen, Tag für Tag. Das heisst wirklich dort dieses Thema ausgewogen usw. Wir machen ganz oft die Vermischung von einem Erwachsenen-Essverhalten und Stoffwechsel auf Kinder. Das heisst per se, nichts ist dramatisch. In den meisten Fällen ist gar kein Handlungsbedarf. Ich habe im Buch ein paar Fragen aufgestellt, die man für sich prüfen kann, wie geht es meinem Kind eigentlich? Und wenn man die mit entspannt beantworten kann, dann ist alles gut. Hat das Kind Energie? Ist es konzentriert? Ist es überhaupt? Hat es Stuhlgang? Verläuft es auf der eigenen Entwicklungskurve, so bei der Pädiaterin, diese Perzentile-Kurve? Nicht welche Perzentile, sondern bleibt es auf der Kurve? Das sind die Faktoren, um festzustellen, wie geht es meinem Kind? Da gibt es noch ein paar mehr Fragen. Und genau darum ist in ganz vielen Fällen gar kein Handlungsbedarf notwendig. Sprich, auch wenn du jetzt beschreibst, ist es denn ein Problem, wenn man einfach dreimal pro Tag isst und dann quasi nur auf Aussenreize geht. An sich, nein, wenn das okay ist und wenn sich das gut anfühlt und alles, wir müssen keine Probleme schaffen, wo keine bestehen. Aber der Punkt ist nur, was ist, wenn etwas ein Thema ist? Also beispielsweise, können Kinder ihren Körper den Nachbarn nehmen. Und es ist einfach so, das ist grundsätzlich eher das Thema, dass eine gute Körperwahrnehmung bzw. Auch einen positiven Umgang mit dem Körper stärkt und auch gesundheitsförderlich ist. Also weil man hört, was der Körper braucht und reagiert halt auch darauf. Auf. Das heisst, man würde auch merken, wenn es der Körper zum Beispiel zu viele Schmerzen hat oder so. Und gleichzeitig gibt es zum Beispiel HirntypInnen, zum Beispiel mit einem ASS, da ist es einfach super klar. Das ist einfach, okay, Schema X nehme ich so, ziehe ich zum Beispiel so durch, weil es macht total Sinn. Da müssen wir immer ganz fest nicht alle Menschen über einen Kamm scheren. Dort ist dann auch die Körperwahrnehmung unter Umständen eine grössere Herausforderung. Aber grundsätzlich profitieren Menschen davon, wenn sie ihren Körper, also ihr eigenes System gut wahrnehmen können. Kurzer Einspruch, nicht Einspruch, sondern ich will nur sagen, für die HörerInnen, die nicht wissen, was ASS ist, da geht es um Autismus. Ja, vielen Dank für das Abschluss. Mehr wollte ich gar nicht sagen. Genau, also es ist grundsätzlich übrigens mega interessant, Neurodivergenz. Ich habe dazu auch ein ausführlicheres Kapitel geschrieben im Buch. Neurodivergenz und Essen sind eine super interessante Kombination, mega wichtig, weil gerade bei, sehr, sehr selektiven EsserInnen ganz oft einfach eine unentdeckte Neurodivergenz dahinter liegt und das einfach total logisch und sinnvoll und ganz, ganz tolles Essverhalten ist, weil es für das neurologische System in dem Moment super hilfreich und sinnvoll ist. Okay, jetzt gibt es aber auch Kinder, die nicht Neurodivergent sind, die trotzdem teilweise wochenlang das gleiche essen und jetzt hast du schon gesagt, dass Phasen, wo immer wieder nur dasselbe gegessen wird, relativ normal sind. Aber woher kommen die denn eigentlich? Also viele Eltern machen sich dann schon Sorgen, jetzt sagst du Nährstoffmangel gibt es nicht, aber ich frage mich immer, was ist der biologische oder psychologische Grund, jetzt wirklich nur Nudeln ohne alles zu essen? Übrigens, das ist noch wichtig, weil du es gerade sehr schön gesagt hast, auch nicht neurodivergente Kinder essen wochenweise nur das Gleiche. Tendenziell ist das nicht unbedingt wochenlang. Das heisst, wenn es wirklich wochenlang nur das Gleiche ist, unter Umständen trotzdem mal hellhörig werden auf Neurodivergent. Aber auf jeden Fall ist es so, Kinder, alle Kinder, alle Menschen. Wir kommen mit einer Süßprägung zum Beispiel auf die Welt. Das heisst, Fruchtwasser ist süß, Muttermilch, Schuppelnahrung ist süß. Das heisst, wir haben automatisch, eine Süßprägung ist für uns etwas Vertrautes zum Beispiel. Vertraut und sicher, weil die Lebensmittel, Also zum Beispiel, wenn wir in der Natur unterwegs sind, ist Süsses tendenziell nicht giftig. Also ist tendenziell sicher und vor allem energiereich. Das heisst, evolutionär macht das ja total Sinn. Das heisst, Kinder müssen neue Geschmäcker, andere Geschmäcker, aber auch andere sensorische Erfahrungen, wie zum Beispiel ganz kalt oder ganz knackig usw., müssen sie wie zuerst ja lernen. Das heisst, es bedeutet Lernen Energie, wenn wir zum Beispiel Bitterstoffe kennenlernen, Gemüse, das ist etwas, was eine große Lernherausforderung ist. Das heisst, alles, was wir lernen, braucht Energie zum Verarbeiten, zum Speichern und bedeutet also auch eine gewisse Kapazität. Jetzt kann es sein, dass wir zum Beispiel etwas gelernt haben, zum Beispiel Nudeln mit Butter mag ich. Das ist sicher. Das versorgt mich. Und das könnte so ein genannter Safe Food sein. Also ein Essen, das immer geht, das quasi keine zusätzliche kognitive Leistung von mir abverlangt. Und genau das kann manchmal ein Hinweis sein, dass Kinder gerade ein gewisses Lernplateau vielleicht erreicht haben oder eine gewisse Entlastung suchen. Also gerade bei starken, lebensverändernden Phasen oder Lernschüben oder Entwicklungsschüben, kann es sein, dass zum Beispiel plötzlich das Essen gerade super konservativer wird quasi und vielmehr nur Safe Food geht. Also dieses Essen, was immer geht. Und wenn dann wieder mehr Kapazität rum ist und die Lernbatterie voller ist, dann kann vielleicht wieder Neueres exploriert werden. Das heisst, es macht psychologisch einfach total Sinn, dass wir phasenweise essen beziehungsweise uns auch in Vertrautem eine gewisse Erholung holen. Mhm, das klingt total sinnvoll. Mir ist gerade noch eingefallen von einer Freundin, die jetzt bestimmt die Frage hätte, was ist denn, wenn, also bei ihrer Tochter ist es so, dass die Safe Foods auch immer wieder wegfallen und sie dann in Phasen, wo sie eigentlich, was essen sollte und dann schon ganz aggro ist und nichts mehr geht und sie weinen muss, weil sie solchen Hunger hat, dann aber in der Phase es gerade kein Safe Food gibt. Hast du da irgendwie Tipps und Tricks? Ja, das finde ich eine wichtige Frage das ist nämlich so eine super praktische Frage auch vor allem auch für Eltern von neurodivergenten Kindern übrigens und zwar auf der einen Seite du hast vorgesagt. Er fällt weg also weil er nicht verfügbar ist oder weil sie nicht mehr den gleichen hat weil es nicht mehr das gleiche ist oder weil die Phase vorbei ist Genau, das ist zum Beispiel ganz ganz wichtig, also Safe Food kann sich abwechseln, kann sich aber auch wiederholen. Das heißt, es kann sein, dass zum Beispiel das Nutella-Brot immer funktioniert und dann plötzlich aber nur noch die Spaghetti mit Tomatensauce. Also das kann wirklich sein. Was ich Eltern dort immer unterstützen möchte, ist als allererstes mal pragmatisch. Das heisst, dann sind halt vorgekochte Spaghetti im Kühlschrank kalt und eine Fertigtomatensoße verfügbar. Und man hat für sich jetzt eine Mikrowelle angeschafft, damit man das sehr, sehr schnell einfach aufwärmen könnte, ohne zusätzlichen Kochaufwand. Also das heisst, ich empfehle immer, dass man möglichst den Safe Food, der bei dem Kind im Moment funktioniert, zur Verfügung hat. Um nicht extra zu kochen oder solche Aufwände zu machen, sondern das kocht, was man selber Lust hat. Und das, was man selber mag. Denn Kinder lernen Geschmäcker auch stellvertretend. Also du es beobachten, lustigerweise. Also wenn zum Beispiel die Eltern, keine Ahnung, ihr Thai-Curry kochen, weil sie das mögen, dann lässt vielleicht, mischt ihr nachher alles von Anfang an, dass die Kinder nach ihrer Komponenten nehmen können, die sie mögen. Oder macht es nicht so scharf oder so. Aber wenn die Eltern genussvoll ihr Essen essen, dann lernen das die Kinder einfach durchs Beobachten auch mit. Und selbst können sie dann zum Beispiel zu dem Safe Food greifen, der ja dann einfacherweise präsent ist. Das heisst, möglichst immer Safe Food da zu haben als alternatives Angebot. Jetzt sagst du aber, dass der Safe Food sich gewechselt hat und in dem Moment nichts geht. Und man nicht weiss, genau, man weiss gerade nicht, oder vielleicht gibt es eine Phase, wo es noch kein neues Safe-Food gibt oder so. Genau. Es ist so, wenn das Kind Hunger hat, dann ist es in einer totalen Not. Also das heisst, Hunger ist für uns ein totales Überlebenssignal. Das ist eines der stärksten. Das ist wie auch Bindung. Bindung und Hunger sind so stark, wenn das gerade nicht gestillt ist, dann sind wir kognitiv nicht fähig, Entscheidungen zu treffen, emotional nicht fähig zu regulieren, Und der ganze Fokus ist nur noch auf Stillen, Essen, also Zucker, Stellen, Essen, es gibt mir Energie, Energie, Energie, Energie. Das kann nichts anderes. Wenn dann zum Beispiel die Eltern kommen und sagen, aber Schatz, was willst du denn? Vergiss es, das ist rote Zone, weil man kann weder genau klar denken, noch kann man die Emotion in dem Moment regulieren. Das heisst, man ist eigentlich in einer totalsten Not. Was bräuchte man als allererstes? Energie. Wenn Energie in den Körper kommt, und zwar so schnell wie möglich, so schnell veraufnehmbare Energie wie möglich, kann das Kind überhaupt in einen kognitiven Zustand einer möglichen Entscheidung kommen. Also beispielsweise schon nur wahrnehmen, was der Körper will. Sprich…. Traubenzucker, Schokolade, irgendwas, was mega schnell vom System aufgenommen wird. Und ich nenne das so Bridges. Und zwar Bridges, die ermöglichen, als eine Art, gibt dem Kind eine Brücke, das überhaupt in den Zustand kommt, etwas spüren zu können. Und nicht nur in der totalen Überlebensnot ist. Das heisst, es lohnt sich total manchmal, gerade auch bei vielen neurodivergenten Kindern, Ich beschreibe das oft. Ein Kind mit einem ADHS ist je nach Zustand fähig, vor einem vollen Teller zu verhungern, weil es die Kraft nicht mehr hat, oder das ganze System zusammenziehen kann, um noch den letzten Fokus auf Gabel in die Hand, Motorik zum Mund fahren, nicht mehr aufbringen kann, weil es so unterstimuliert, dass es so in dieser Not drinnen ist. Das heisst, lieber dort unbedingt was Süßes rein, dass es schnell den Blutzucker raufspickt, um dann gerade essen zu können, zum Beispiel überhaupt. Das heisst, viele Kinder brauchen dort nur eine kleine Brücke. Und das ist so der absolute Notnagel, auch wenn man unterwegs ist, ganz, ganz hilfreich. Und danach kann das Kind sich überhaupt mal fokussieren und man kann über, ja meistens ist dann das Essen nachher gar nicht mehr so ein grosses Thema. Das kommt dann einfach. Ronja, ich würde gerne wissen, an welcher Stelle fängt dann an, dass Essverhalten problematisch wird? Also du hast ja gesagt, ganz viel, was Eltern als ungewöhnlich empfinden, ist durchaus normal. Aber gibt es so einen Moment, wo man genauer hingucken sollte, was eben nicht mehr zu einer normalen Entwicklung gehört, sondern wo man vielleicht sich auch Unterstützung holen sollte? Auf jeden Fall. Also als allererstes, man darf sich immer Unterstützung holen, bei jeder Sorge eigentlich, weil man darf sich immer überlegen, wenn ich besorgt bin als Mutter oder als Vater. Oder als Eltern, dann löst das ja auch eine gewisse Reaktion aus. Also Kinder schwingen dann mit und gerade Druck am Esstisch und so weiter ist eines der negativsten Faktoren für die Familiendynamik. Das heisst, lieber frühzeitig Hilfe, Einordnung und so weiter holen. Es gibt eben so ein bisschen diese Grundfragen, die man sich stellen kann. Und zwar, wie geht es meinem Kind? Hat mein Kind Energie? Wie geht es ihm emotional? Wie zeigt es zum Beispiel, kann er sich konzentrieren beim Spielen? Oder hat es auch Freundinnen und Freunde? Wie ist es so sozial unterwegs? Aber auch so etwas wie, verläuft die Kurvenentwicklung? Also beispielsweise, wenn das Kind schön auf der Perzentilkurve verläuft, ist alles gut. Wenn ein Kind einen Abkracher macht, also gegen runterfällt oder gegen rauf fällt, dann darf man genauer hingucken. Und das andere ist natürlich auch, wenn zum Beispiel das Kind plötzlich Verdauungsprobleme zeigt oder plötzlich im komischen Stuhlgang oder sowas zeigt. Das Grundlegende ist, Eltern dürfen dort ihrer Intuition ganz fest vertrauen. Und zwar, wie geht es dem Kind generell, also er hat das Energie, ist schon einer der stabilsten Indikatoren. Um zu spüren, ob alles okay ist. Was auch sehr wichtig ist, wenn man zum Beispiel merkt, dass das Kind plötzlich das Verhalten extrem ändert. Also ein Kind, das immer selektiv ist und selektiv ist, ist ja unauffällig in dem Moment vielleicht. Ein Kind, immer alles isst und dann auf einmal superselektiv wird, das darf mich hellhörig machen. Nicht aber, wenn es zweijährig ist oder zweieinhalb, weil das wäre typisch, vorher alles gegessen und danach selektiver zu werden, das ist sehr ein normaler Entwicklungsschritt und braucht keine Besorgnis. Das ist eine normale Essverhaltensveränderung. Das heisst, da darf aufmerksam werden, wenn ein Kind starke Emotionen auf einmal nicht regulieren kann oder sich verstärkt zurückzieht. Das ist so ein typischer, wenn zum Beispiel ein aufgewecktes Kind plötzlich still wird. Oder effektiv, wenn es beginnt, den Körper zu bewerten. Und wenn es plötzlich anfängt, Dinge zu sagen wie «Oh, ich bin zu dick» oder «Ich bin zu dünn» oder «Die Tina, die sieht anders aus» oder so Dinge sagt wie, «Mama, wieso hast du das gekocht? Das hat doch so viel Fett drinnen». Wenn solche Aspekte plötzlich aufkommen, dann darf man hellhöriger werden und mit dem Kind ins Gespräch und in die Achtsamkeit gehen. Okay. Jetzt versuchen viele Eltern mit Druck oder Belohnungen oder auch Tricks, dafür zu sorgen, dass ihre Kinder besser essen. Also besser in Anführungsstrichen. Mal abgesehen davon, dass das in der Begleitung von Kindern ja grundsätzlich ungünstig ist. Warum funktioniert denn das langfristig meist sowieso nicht? Du hast es gerade so schön korrigiert und das ist eigentlich genau das Thema. Was heißt besser essen? Das heisst, schon nur durch die Bewertung von gesund und ungesund entsteht eigentlich schon die Krux dahinter. Weil man beispielsweise, ich muss immer lachen, wenn ich so Reels sehe, wie kannst du Brokkoli irgendwo in die Soße schmuckern, dass das Kind das nicht merkt und so weiter. Genau, das ist der absolute, in meinen Augen kontraproduktive Ansatz. Es ist so, dass schon nur die Bewertung selber, gesund, ungesund, macht nämlich genau das Gegenteil aus psychologischer Sicht. Und zwar, die Kinder lernen genau zu diesen Stoffen, die sie ja noch lernen. Ich habe ja vorhin gesagt, Süßprägung und vertrauter Geschmack. Und zwar, welche Lebensmittel nennt man gesund? Und zwar genau die, die für die Kinder eigentlich noch eine Herausforderung sind. Und zwar beispielsweise eben noch komplexer sind. Also bitter, sauer. Und das sind genauso diese Gemüse, Früchte. Und wenn Eltern jetzt das immer bewerten und sagen, das ist gesund, dann lernen Kinder eigentlich genau gesund gleich weh. Also nicht schmackhaft. Also eigentlich total das Gegenteil von dem, was wir wollen. Das heißt, sie lernen, das Bittere ist das Grusige, sorry, Schweizerdeutsch, das Eklige. Also das Gemüse ist das Eklige, das Gesunde ist das Eklige. Und vor allem, ich muss zuerst durch das Schlechte durch, damit ich nachher das Gute bekomme. Und unabsichtlicherweise hebt man dann nämlich dieses Ungesund, das war ja das, was das Kind per se vielleicht ein bisschen vertrauter findet, auf die höhere Ebene, macht es extrem spannend und toll, weil das gibt es danach. Und dann sagt man, isst zuerst noch was Gesundes, dann kriegst du erst nachher das Eis. Okay, dann lernt man ja nichts anderes, also jetzt muss ich zuerst durch die Qual durch und dann lockt das Tolle. Oder auch so Dinge wie, dass man dann halt auch lernt, das Ungesunde ist ja auch das Schlechte, aber das Schlechte mag ich. Also man lernt auch eigentlich eine absolut komische Doppelmoral. Also man lernt quasi dieses Sündethema. Und was ich auch immer sehr, sehr lustig finde, ist nämlich, eigentlich lernt man dann effektiv, das Ungesunde ist das Interessante, verbotene, spannende und vor allem das Rationierte. Und was machen wir, wenn ich jetzt zum Beispiel sagen würde, keine Ahnung, morgen geht der Benzinpreis aufs Dreifache hoch. Was würden die Menschen machen? Tankenfahren natürlich. Genau, die gehen tankenfahren. Und wie sieht es dann an der Tankstelle aus? Das wird sehr voll sein. Ja, und was noch? Die Leute stehen nicht entspannt in einer Reihe und warten auf die Tanksäule, sondern es wird extrem konfliktreich. Und genau so verhalten wir Menschen uns eigentlich. Wenn eine Ware verknackt wird, dann kommt dieses Thema von «Hui, ich muss meine Reserven auffüllen», oder? Das heisst Kampf, logischerweise, Überlebenskampf. Also eigentlich entsteht etwas Megaspannendes. Und zwar, wir rationieren ein Gut. Das macht es super interessant, super wichtig zu erhalten. Wir hamstern dann natürlich, weil wir wissen nicht, ob es morgen nochmals ein Eis gibt. Das wissen wir ja nicht. Plus, es macht es super attraktiv. Und Kinder sowieso, ja, Autonomiephase und so weiter. Also eigentlich machen wir nichts Angenehmeres, als wir geben einfach genau den Autonomiekampf diesem Thema zu K. Und durch das entsteht natürlich sehr viel Beziehungsreibung, auch Konflikte. Und ich finde es immer witzig zu sehen, wie dann Eltern zum Beispiel mit ihrem Kind einkaufen gehen und dann sagen, also wir gehen jetzt in den Laden, aber es gibt dann nichts Süßes. Also du stürmst dann nicht wegen was Süßes. Und heute darfst du dir wirklich nichts Süßes aussuchen. Was hört das Kind aus? Süßes! Genau. Das heißt, das ist genau so der Punkt, es wird dann auch oft einfach so extremst dominant diskutiert und rationalisiert und also rationiert vor allem aber auch und halt eine super krasse Konfliktebene, die auch für Beziehungsreibung sehr, sehr schön und ja, sehr verfügbar ist quasi. Jetzt lass uns mal nochmal an den Esstisch konkret schauen. Also der ist ja in vielen Familien, beziehungsweise manchmal, bei einigen, doch auch eher ein Konfliktraum. Also klar, wir Erwachsenen wünschen uns, dass wir da ganz friedlich am Tisch sitzen, uns austauschen und so weiter. Aber tatsächlich ist das nicht immer der Fall. Nichts? Ich hörte nicht. Also es wird mit steigendem Alter besser tatsächlich, aber gerade mit Kleinkindern eher schwierig. Was können wir denn tun, dass die gemeinsamen Mahlzeiten entspannter werden, dass da mehr Ruhe reinkommt und für alle Beteiligten emotional gewinnbringender werden? Ja, das ist eine mega schöne Frage. Genau das, was du am Schluss gesagt hast. Für alle Beteiligten emotional gewinnbringender. Und zwar das große Credo, finde ich, immer eine Esssituation, die sollte eine entspannte Situation sein. Denn dann tun wir etwas Gutes für unsere Gesundheit. Dann ist sogar das Essen auf dem Teller nämlich zweitrangig. Weil wenn ich in Stress esse, also in Anspannung, dann ist mein Sympathikus aktiviert. Das heisst, mein Körper ist im Stresssystem. In dem Moment sind die Muskeln angespannend, die Verdauung ist reduziert, ich kann meinen Körper weniger wahrnehmen. Das heisst, das ganze System entspricht eigentlich nicht an einen Moment, wo es um die Nahrungsaufnahme gehen soll. Also wir essen dann tendenziell auch viel schneller, kauen viel weniger häufig, schlucken mehr Luft, weil wir im Stress sind Das heisst, Stress per se ist einfach etwas, was Sie am Tisch versuchen zu reduzieren. Und das ist eigentlich so ein bisschen die Kernfrage. Also die Kernfrage ist die, wie können wir eine entspannte Atmosphäre kreieren? Und entspannt bedeutet in jeder Familie etwas total anderes. Weil es sind ganz eigene Individuen, die zusammenkommen. Also beispielsweise ist es, welche Aspekte führen zum Konflikt? Das heisst zum Beispiel kann man dort vielleicht mal gewisse Dinge sein lassen. Also es kann zum Beispiel sein, dass es sehr hilfreich ist. Ich sage zum Beispiel immer, nie das Essen bewerten oder das Verhalten vom Kind in Bezug auf Essen bewerten, also nicht kommentieren, sondern einfach quasi eine Art machen lassen, sofern es für dich okay ist. Sprich, eigentlich nicht diesen Erziehungsmoment rund ums Essen an den Familientisch bringen, sondern eher eine Art einfach entspannt Vorbild sein. Bedeutet, wenn du selbst beispielsweise entspannt essen kannst in dem Moment, dann lernen das die Kinder automatisch kulturell auch mit. Also die lernen das automatisch. Es ist so, es kann sein, dass dich jetzt zum Beispiel als Mutter das extrem anspannt, wenn dein Kind die ganze Zeit kippelt am Essen. Vielleicht steht es die ganze Zeit auf, weil es für das Kind schwieriger ist, zum Beispiel stillzusitzen. Dann versuch doch als Familie eine Lösung für diese Situation zu finden. Und nicht quasi mit der Kommunikation, du störst, du hippelst rum, sondern, hey, mich macht es nervös, wenn du raufspringst. Sprich, du hast zum Beispiel ein motorisches Bedürfnis dieses Kind oder ein Stimulusbedürfnis. Dann stellen wir uns doch mal die Frage, ist denn das Kind vielleicht überhaupt noch am Essen? Oder ist es schon am Spielen? Könnte es vielleicht schon aufstehen und gehen? Oder wäre es zum Beispiel für das Kind extrem cool, irgendwie noch was zu spielen neben dem Tisch zu haben, dass es zum Beispiel was kneten kann oder so. Dass man wirklich guckt, wie kann man diese gemeinsame Dynamik entspannen. Also alles, was anspannt, möglichst weglassen und alles, was entspannt, dazufügen. Also es kann auch absolut einfach so aussehen. Bei neurodivergenten Familien sieht das nicht selten so aus, dass dann zum Beispiel, keine Ahnung, drei Noise-Canceling-Kopfhörer an den Ohren sind, im Extremfall, damit man total entspannt zusammen essen kann. Oder man hört gemeinsam ein Hörbuch. Oder beispielsweise die Eltern möchten mal Erwachsenengespräche führen und die Kinder machen eine, ich nenne das Katzenabendessen, nehmen den Teller unter den Tisch und essen gemütlich für sich dort unten. Kinder lieben das, weil dann hören sie nämlich diese soziale Nähe der Eltern, sind da, aber sie können sich auf das Essen in Ruhe konzentrieren. Und vielleicht ist das noch die einzige Kraft in dem Moment, was sie haben, um zu essen, und können jetzt nicht auf ihrem Tisch sitzen. Und solche mega pragmatischen Lösungen finde ich sehr, sehr hilfreich, dass man sich mal fragt, was habe ich eigentlich als Eltern für eine Erwartung an diese Tischsituation? Weil oft hat man so dieses Gefühl von, ich will zu diesem entspannten Esstisch zusammen, merkt aber eigentlich de facto, das gibt es gar nicht. Also das ist eigentlich immer nur konfliktreich. Und eigentlich bin ich immer nur angespannt, weil ich bin schon super gestresst, weil das passiert, dieses passiert, jenes passiert. Dann beginnt genau diese Frage, woher kommt meine Spannung, wie geht es mir? Und wie kann ich da irgendwie eine Situation schaffen, die möglichst eigentlich für uns als Familie stimmt? Weil dann ist es super gesundheitsförderlich. Ja, und ich fand es auch super spannend in der heutigen Folge, dass man mal gesehen hat, wie eng Essen so mit Beziehung verbunden ist. Und wie schnell auch aus ganz eigentlich alltäglichen Situationen irgendwie Druck, Sorgen und Konflikte entstehen könnten. Obwohl ja die Eltern das eigentlich nur gut meinen. Und vielleicht hilft ja der Blick darauf, dass für Kinderessen eben nicht rational planbar ist, sondern dass sie das einfach ganz frei erleben. Und eben auch, dass das Verhalten nicht gegen uns gerichtet ist. Und eben, dass auch Entspannung am Familientisch häufig nicht dann entsteht, wenn alles perfekt läuft, sondern wenn wir einfach weniger bewerten, kontrollieren und kämpfen. Ronja, ganz, ganz lieben Dank, dass du bei uns heute zu Gast warst und mit uns. Über die Ernährung und das Essverhalten von Kindern gesprochen hast. Danke euch von ganzem Herzen und ich freue mich mega, dass ihr diesen Themen auf Platz gegeben habt. Sehr, sehr gern. Und wenn ihr vielleicht mehr darüber lesen möchtet, Und dann legen wir euch natürlich Ronjas Buch Wie Kinder essen, besonders ans Herz. Und der BELZ-Verlag hat uns auch wieder ein Verlosungsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür. Gewinnen könnt ihr das unter dem entsprechenden Posting, das gerade aktuell bei Instagram erschienen ist. Oder indem ihr uns eine Mail an wunschkindblog.gmail.com schreibt. Wir wünschen euch viel Glück. Wenn euch die Folge gefallen hat, dann freuen wir uns natürlich immer sehr, wenn ihr unseren Podcast abonniert, bewertet oder weiterempfehlt. Wir wünschen euch entspannte Familienmahlzeiten und freuen uns, wenn wir uns auch in der nächsten Woche wieder hören. Bis dahin sagen wir Tschüss. Tschüss, danke. Das war der Podcast vom gewünschtesten Wunschkind.