Und herzlich willkommen zu Das gewünschteste Wunschkind, der Podcast mit Daniel Graf und Katja Seide. Verdauungsbeschwerden bei kleinen Kindern scheinen irgendwie unglaublich häufig zu sein. Wenn man sich umhört, dann hat fast jede Familie irgendwann mit einem unruhigen Bauch zu tun. Ein Baby, das sich vielleicht ganz viel krümmt, weil es Luft im Bauch hat, schlecht zur Ruhe kommt und immer wieder wegen Bauchweh zu weinen scheint. Das ist also ein Thema, bei dem man als Eltern schnell verunsichert ist. Zum einen, weil die Bandbreite so wahnsinnig groß ist und zum anderen machen wir uns natürlich auch ganz schnell Sorgen. Was gehört denn noch zur normalen Entwicklung und wann sollte man genauer hinschauen? Gibt es überhaupt sowas wie einen unreifen Darm oder hat mein Kind vielleicht eine Unverträglichkeit? Genau darüber wollen wir heute sprechen, über das, was im Bauch von Babys und Kleinkindern passiert, über typische Beschwerden und darüber, wie man wieder mehr Sicherheit im Umgang damit bekommt. Dafür haben wir heute Dr. Mezelin Schlager zu Gast. Sie ist Kinderärztin und beschäftigt sich intensiv mit Verdauungsbeschwerden bei kleinen Kindern und hat darüber auch das Buch, wenn es im Bauch zwickt, drückt und grummelt geschrieben. Schön, dass du da bist, Celine. Ja, hallo ihr zwei. Ich freue mich auch total. Das war ein absolutes Herzensthema und wird auch irgendwie noch ein bisschen stiefmütterlich behandelt. Deswegen toll, dass wir darüber sprechen. Ja, und es gibt ja auch wirklich wahnsinnig viele Unsicherheiten. Ich kenne das ja von mir, das ist schon eine ganze Weile her. Aber so Bauchweh war was, was irgendwie so die ganz tiefen Elterninstinkte weckte. Also viele Eltern leben ja ganz, ganz früh, dass der Bauch des Babys irgendwie ein Thema ist. Warum ist dann gerade die Verdauung gerade in den ersten Lebensmonaten so auffällig oder was ist normal vielmehr? Ja, also es hat vor allem damit zu tun, dass der Darm, aber auch der ganze kindliche Organismus in den ersten Lebensmonaten natürlich eine wahnsinnige Reifungsleistung sozusagen vollführt. Und gerade der Bau, also der Magendarm-Trag, der ist bei Kindern natürlich angelegt. Also so sollte es sein, zumindest anatomisch. Aber funktionell ist er noch wahnsinnig unreif. Das heißt, die Beweglichkeit, die Enzyme, die da aktiv sind, die Barriere der Darmschleimhaut. Im Darm findet ja auch ganz viel Immunsystemregulation statt. 70 bis 80 Prozent der Immunzellen sitzen im Darm. Das muss sich alles erst noch entwickeln. Und dann natürlich die Etablierung des Mikrobioms. Also Mikrobioms und die Gesamtheit der Darmbakterien. Das heißt, das findet alles in den ersten Lebensmonaten statt und wird natürlich beeinflusst dann von der Umwelt, vom Geburtsmodus, vom wie ist in der Familie, kriegt das Kind eine Blut, wird es gestillt. Und deswegen sehen wir natürlich in den ersten Lebensmonaten sehr häufig so Bauchschmerzen, Blähungen, Unruhe, weil da einfach sich ganz viel abspielt. Und der Darm nicht nur so körperlich das Zentrum ist, sondern auch eigentlich bei den ganzen Organfunktionen eine Rolle spielt. Aber wie grenzt man denn als Elternteil jetzt eine Verdauungsstörung zum Beispiel von einer Regulationsstörung ab? Das ist tatsächlich super schwierig, ehrlicherweise. Und auch für uns in der Praxis oft gar nicht wirklich möglich, weil sich ja ganz viel bedingt. Also so die Regulationsstörung heißt ja im Endeffekt so, dass das Kind diese ganzen Reize der Umwelt verarbeiten muss, regulieren muss und da halt ganz viel Begleitung braucht. Und wir haben aber ja auch eine Darm-Hirn-Achse. Das heißt, alles, was hier im Gehirn passiert, was verarbeitet werden muss, spielt sich ja auch wieder im Darm ab. Das heißt, es beeinflusst ja sich miteinander. Stress, Cortisol beeinflusst die Darmbeweglichkeit und auch so die Schmerzverarbeitung im Bauchraum. Das heißt, es bedingt sich durchaus. Und wenn das Kind dann mehr schreit, dann schluckt es auch wieder mehr Luft. Das heißt, dann kriegt es auch automatisch mehr Blähungen. Wenngleich natürlich der Magen-Darm-Trakt auch ein Stück weit unreif ist und auch da vorherrschend Blähungen sein können. Also das ist ganz schwierig abzugrenzen und oft auch ehrlicherweise gar nicht so möglich. Okay. Dann lass uns mal über die Ausscheidung von kleinen Kindern sprechen. Also nichts füllt ja Fosen oder sozusagen Medien breiter. Ich würde gerne wissen, wie breit ist denn da so die Bandbreite der Normalität und bei welchen Konsistenzen oder Farben sollten Eltern zur Abklärung zum Arzt? Also woran erkenne ich möglicherweise, dass es ein Notfall sein könnte? Und ich kann mich noch erinnern, der Windelinhalt eines meiner Kinder war irgendwann so rot. Und da habe ich natürlich sofort Panik bekommen. Gott sei Dank gibt es ja Dr. Google, also der zumindest erst mal schnell beruhigt. Und da kam ich zum ersten Mal in Kontakt mit Ziegel, oder wie nennt man das? Ziegelmehl. Ja, Ziegelmehl, genau. Ziegelmehl, genau. Aber ich war total erschrocken. Erzähl mal, was ist da normal? Und wann wird es komisch? Dr. Google ist auch nicht. Aber es hat mich zumindest erst mal beruhigt, Gott sei Dank. Da kriegt man wirklich einen Schreck. Ja, erlebe ich tatsächlich täglich in der Arztpraxis. Also ihr glaubt nicht, wie oft ich eine volle Winde mitgebracht bekomme oder Bilder von Stuhlbeobachtenden beurteilen darf. Bin ich meistens sehr dankbar drum. Ja, hört sich ein bisschen eklig an, aber ehrlicherweise bin ich oft sehr dankbar drum, weil meistens kann ich die Eltern beruhigen. Weil so diese Bandbreite von, wie der Stuhl aussieht, welche Farbe der hat und welche Konsistenz der hat, ist im Säuglingsalter sehr, sehr groß. Also wir haben da erstmal so von der Frequenz mehrmals am Tag bis einmal die Woche ist erstmal alles in Ordnung. Teilweise kann der sehr dünnflüssig sein, auch breich sein. Teilweise sind es dann auch so Flöckchen, so Körner. Von der Farbe her kann es auch sehr variieren. Also in der Regel ist der wirklich so senfgelb. Manchmal ist er aber auch grünlich, wenn die Kinder vielleicht so einen leichten Magen-Darm-Infekt haben. Manchmal eben ganz am Anfang ist es kibi, so ein bisschen rötlich. Das kannst du ja natürlich auch mit dem Stuhlgang vermengen. Generell ist es so, wenn der Stuhlgang schwarz ist, es sei denn am Anfang, also bei Mekonium in den ersten zwei Lebensstagen ist es ja schwarz, das ist normal, aber wenn der Stuhl danach schwarz ist, dann ist eher so ein bisschen ein Alarmzeichen, wenn der Stuhl einfach weiß ist, also gar keine Farbe mehr hat, ist komisch und wenn natürlich Blut drauf ist oder wenn da irgendwas Rotes mit dabei ist, auch dann sollte man mal gucken lassen, aber meistens ist es ehrlicherweise harmlos. Und wenn jetzt Eltern mit ihrem Kind zu dir kommen und sagen, okay, mein Kind hat Probleme mit der Verdauung, was untersuchst du da genau? Das kommt natürlich ein bisschen drauf an. Man muss dazu sagen, leider in so einer klassischen Kinderarztpraxis hat man natürlich relativ wenig Zeit pro Patient. Und ehrlicherweise sind meistens so Darmthemen schon eher umfangreicher. Also eigentlich, wenn man das richtig machen wollen würde, bräuchte man da schon meistens so eine halbe Stunde bis eine Stunde für eine gute Anamnese. Also eine Stunde ist man da gut beschäftigt, dann mit Untersuchungen und allem drum und dran. Aber klar, erstmal ist es wichtig, eine gute, grundlegende Analyse zu machen. Also im Endeffekt mit den Eltern wirklich zu sprechen, weil dadurch kann man schon ganz viel ausschließen oder auch eingrenzen. Also so ein bisschen, wann treten die Beschwerden auf? Haben die Eltern, gerade wenn schon Beikost eingeführt wurde, Zusammenhang mit Nahrungsmitteln entdeckt? Wie entwickelt sich das Kind vom Gewicht? Also wenn das Kind immer mehr abnimmt, nicht richtig zunimmt, auch dauerhaft irgendwie so unzufrieden wirkt, sind es eher so Alarmzeichen. Und natürlich auch, wie sieht es in der Familie aus? Wie ist da der Darm gegeben? Gibt es irgendwelche Erkrankungen, Allergien, Autoimmunerkrankungen? Das sind erstmal so die Fragen, die ich frage. Und dann kommt natürlich die Untersuchung. Das heißt, ich schaue mir erstmal wirklich das Kind an, höre es ab, untersuche den Bauch, Taste ab. Wir gucken nach Gewicht, nach Größe. Also wir schauen uns einfach diesen Zustand des Kindes sozusagen an. Und dann überlegt man, was man noch macht. Also man kann zum Beispiel Blut abnehmen. Da kann man verschiedene Sachen diagnostizieren, zum Beispiel eine Kuhmilchallergie kann man über das Blut herausfinden mit Zyldiakie, also eine Glutenunverträglichkeit. Das wäre dann eher Thema, natürlich nach der Beikost oder bei der Beikost vollgestillte Säuglinge eher, das ist kein Thema. Man kann nach Entzündungen schauen, man kann natürlich den Stuhlgang untersuchen, den kann man auch einschicken, kann gucken, ob da irgendwelche Keime drin sind. Man kann auch Mikrobiomanalysen machen, je nachdem, also schauen, okay, wie steht es um die Darmflora wirklich. Man kann einen Ultraschall machen vom Bauch und letzten Endes kann man natürlich auch dann, wenn die Kinder größer sind, auch solche Atemtests machen, also im Sinne von Laktose oder Fruktoseintoleranz. Also da gibt es ganz, ganz viele Möglichkeiten und deswegen ist es halt super wichtig, dass man erstmal eingrenzt, okay, was liegt da überhaupt vor, wo sind überhaupt die Probleme. Ja, spannend. Du hast jetzt schon gesagt, dass der Darm in den ersten Monaten auch sehr unreif ist. Aber welchen Einfluss hat denn eigentlich die Ernährung auf Verdauungsbeschwerden? Also ganz speziell vielleicht jetzt beim Stillen oder bei der Flaschennahrung und auch später dann bei Beikost? Ja, es hat tatsächlich einen sehr großen Einfluss. Früher ging man davon aus, dass der Darm bei der Geburt wirklich steril ist, also dass da gar nichts im Endeffekt drin ist. Heute zeigen Studien, dass die Besiedlung wahrscheinlich schon im Mutterleib vorbereitet wird. Also das heißt, das Kind wird tatsächlich schon während der Schwangerschaft unter der Geburt geprägt, so ein bisschen. Und das stelle ich auch immer wieder fest in meinen Beratungen oder in meinen Untersuchungen, dass gerade wenn die Mama auch Darmprobleme hat, dass die Kinder schon auch oft dann auch eher mal Darmprobleme haben. Das heißt, da macht es schon auch Sinn, in der Schwangerschaft schon zu schauen, dass man auch selber seinen Darm wirklich gut stärkt und da gut auf ein gutes Fundament einfach stellt. Und dann geht es natürlich weiter. Gerade in den ersten Monaten ist da einfach noch ganz, ganz wenig im Darm drin im Sinne von Bakterien. Das heißt, jetzt ist es wirklich an der Zeit, den Darm gut zu primen. Also da gute Bakterien reinzugeben, dass sich eben ein gutes Mikrobiom aufbaut und dass sich da alles gut entwickeln kann. Und das kann ich natürlich am besten, da kann ich tatsächlich am besten über Muttermilch. Muttermilch enthält halt sogenannte humane Milcholigosaccharide, die da wirklich sehr hilfreich sind dafür. Muttermilch enthält sogar auch Probiotika, also Lactobacillen letzten Endes. Muttermilch enthält auch so anti-entzündliche Faktoren, Immunglobuline. Also das ist schon so das beste Mikrobiompräparat. Was aber nicht heißt, dass wenn das Kind nicht gestillt werden kann, dass das Mikrobiom total kaputt ist. Also das ist nicht der Fall. Das Mikrobiom wird durch ganz viele Faktoren beeinflusst, auch durch die Umwelt, durch den Geburtsmodus zum Beispiel. Also eine vaginale Geburt fördert auch eher ein gesünderes Mikrobiom, wie jetzt eine Bauchgeburt. Ich hatte selber eine Bauchgeburt oder einen Kaiserschnitt, wie man es jetzt auch nennen möchte. Also man gibt ja trotzdem gutes Mikrobiom. Es geht ja manchmal einfach auch nicht anders. Es sind ganz viele Faktoren, wo man es beeinflussen kann. Damit eben natürlich die Ernährung, dann auch wenn die Beikost kommt, also Vielfalt, viele Ballaststoffe, darüber freut sich immer der Darm. Und gerade wenn es der Start vielleicht nicht so optimal war, das Kind Antibiotika bekommen hat, oder jetzt auch das Stillen nicht so klappt, vielleicht auch eine Bauchgeburt der Fall war, Aber dann kann es schon Sinn machen, dem Kind vielleicht auch mal gute Bakterien zuzuführen im Sinne von einem Probiotikum. Also da gibt es schon Möglichkeiten oder je nachdem auch versuchsweise so ein, Vakinal Seeding zu machen, sodass man unter der Geburt dem Kind mütterliche Keime mitgibt. Ist umstritten, muss man sagen. Die Studienlage ist nicht eindeutig. Aber das wären Möglichkeiten, ist natürlich immer eine Entscheidung der Eltern. Und was aber vielleicht auch noch wichtig ist, also was ich auch immer noch erlebt, ist, dass viele Eltern sich dann extrem Stress machen. Vielleicht, das muss man vielleicht auch sagen. Also, dass sie dann versuchen, alles richtig zu machen, die Ernährung zu perfektionieren, sich selber wahnsinnig stressen, das Kind stressen irgendwie und versuchen, okay, wenn ich jetzt da irgendwie einmal, keine Ahnung, eine Packung Gummibärchen esse, dann, schade ich meinem Kind, weil ich meinem Kind eine Packung Gummibärchen gebe. Jetzt übertrieben natürlich gesagt. Ich glaube, alle wissen, was ich meine in dem Sinne. Und dem ist auch nicht so, weil auch der Darm wird auch durch Stress beeinflusst. Gerade Stress ist wirklich in unserer heutigen Zeit ein enormer Faktor, der wahnsinnig viel ausmacht auf den Darm. Wir haben ja den Vagusnerv. Der Vagusnerv ist für die Entspannung zuständig. Der Vagusnerv ist für unseren Nagen-Darm-Trakt zuständig, damit der gut funktioniert. Jetzt einfach gesagt. Und wenn wir Stress haben, dann ist der Vagusnerv fast nicht aktiv, sondern unser Sympathikus, also der Fight and Flight sozusagen, der Modus. Und da funktioniert der Magen-Darm-Trakt gar nicht. Und natürlich, wenn ich dieses ganze Thema zu Aufbausch mir da wahnsinnig viel Stress mache, dann geht es eigentlich eher in die andere Richtung, obwohl ich eigentlich was Gutes tun wollte. Ich würde gerne noch wissen, gerade stillende Mütter bekommen ja häufig vermittelt, dass ihre Ernährung sich auch auf die Verdauung ihres Kindes auswirkt. Also ich erinnere mich noch, damals als meine Kinder klein waren, dann hieß es immer, ja, keine Zwiebeln essen, weil die verursachen Blähungen beim Kind. Ist es tatsächlich so? Ja, höre ich ganz oft. Habe ich gerade auch gestern wieder in der Praxis gehabt bei einer Mama, die hat mir erzählt, ja, ihr Baby hatte Supplierungen gestern Abend gehabt, weil sie hat halt eine Dose Kirchererbsen gegessen und hat dann so Vorwürfe gemacht. Ja, und tatsächlich ist der Zusammenhang eigentlich, also er ist nicht belegt, muss man sagen, durch Studien. Es gibt immer wieder Eltern oder Mütter, die da einen Zusammenhang annehmen oder beobachten. Aber eigentlich ist es auch physiologisch nicht wirklich haltbar, weil tatsächlich wird hier die Mutter mich aus Blut gebildet. Die Gase aus dem mütterlichen Darm gelangen eigentlich nicht in die Muttermilch. Ich finde es halt immer schwierig zu sagen, na nee, das hat auf keinen Fall einen Zusammenhang, weil es gibt schon einige Mamas, die da einen Zusammenhang beobachten. Aber was ich auf keinen Fall empfehlen möchte, ist, dass die Mamas jetzt pauschal, keine Ahnung, keine Kichererbsen mehr essen, keine Zwiebeln mehr essen. Orange ist ja oft noch sowas, was einen wunden Popo machen soll. Also eigentlich darf die Mama erstmal alles essen und das sollte sie auch, Weil das haben Studien ganz klar gezeigt, wenn die Mamas aufhören, Lebensmittel zu essen oder Sachen rauslassen, dann stillen die oft auch deutlich kürzer, weil es einfach unglaublich einschränkend ist. Die Mamas fühlen sich eingeschränkt in ihrem Leben, sie dürfen nicht mehr alles essen. Und dann ist oft die Stilldauer deutlich verkürzt und deswegen erstmal alles essen. Natürlich ist das eine Ausnahme, wenn das Kind jetzt eine Kuhmilch-Eiweiß-Allergie hat. Da ist es schon so, dass die Mama, wenn das sehr ausgeprägt ist, also wenn das Kind wirklich massive Symptome hat, dann soll die Mama auf Kuhmilch verzichten. Wenn das Kind gar keine Symptome hat, ist man mit Leile auch so weit, dass man es gar nicht unbedingt der Mama empfiehlt zu verzichten. Eben weil dieser Verzicht mit der Folge hat, dass eben die Mama auf Kürzer stillt. Und eigentlich ist es für das Kind trotzdem trotzdem am besten, wenn es wirklich langgestillt wird. Ja, dann lass uns doch tatsächlich mal über Unverträglichkeiten sprechen. Also du hast gerade Kuhnich-Eiweiß erwähnt und Laktose, Fruktose und ganz viele andere Dinge. Da gibt es ja wirklich unglaublich viele Begriffe und auch wirklich viel Unsicherheit. Wie häufig sind denn echte Unverträglichkeiten in diesem Alter überhaupt? Und wie kann man die jetzt als Eltern vielleicht erkennen und wie diagnostizierst du die als Ärztin? Also das wird auch alles oft sehr durcheinander gebracht, muss man erst mal vorneweg sagen. Wir haben ja einmal die Laktoseintoleranz, wo Kuhmilch nicht vertragen wird, in dem Sinne, dass eben das Milchzuckerspalten der Enzym sozusagen fehlt und deswegen die Laktose nicht aufgespalten werden kann, was dann zu Durchfällen führt. Die ist tatsächlich im Säuglingsalter wahnsinnig selten, Weil Säuglinge sind physiologischerweise auf Milchzucker als Hauptenergiequelle angewiesen. Das heißt, das wäre vom Organismus oder von der Evolution ziemlich doof. Das nicht so richtig hinzubekommen. Das ist eher ein Thema bei größeren Kindern, muss man sagen, also in Richtung Schulalter. Also was wir bei Säuglingen ehemal haben, ist die sogenannte Kuhmilcheiweißallergie. Die zeigt sich dann oft mit zum Beispiel Blut im Stuhl. Kinder sind ehemal unruhig, haben so Bauchschmerzen. Darüber kann man diese Kuhmilcheiweißallergie dann sehen. Meistens das erste Anzeichen, dass die Kinder eben so Blutschlieren im Stuhlgang haben. Und die gibt es durchaus im Säuglingsalter. Und da wäre dann eben die Therapie, auf Kuhmilch zu verzichten. Eine Fruktoseintoleranz haben wir eigentlich auch nicht im Säuglingsalter, ehrlicherweise. Also das Einzige, was wir wirklich haben, ist die Kuhmilch-Eiweiß-Allergie im Säuglingsalter und das ist wirklich eine Allergie. Also anders wie bei der Laktoseintoleranz, aber bei der Fruktoseintoleranz, wo eben das Enzym fehlt, das aufspaltet. Das sind im Endeffekt zwei verschiedene Baustellen. Okay, also in dem Alter sind Unverträglichkeiten ja eher seltener. Häufiger sind so akute Beschwerden bei der Verdauung. Allen voran Magen-Darm-Infektion, die ja mein persönlicher Entgegner wegen meiner Immetrophobie sind. Wie kann man die denn gerade bei kleinen Kindern behandeln und hast du auch ein paar Tipps, wie man sich da vor der Ansteckung schützen kann? Ja, also ich kann dich total verstehen, Daniel. Ich finde es auch ganz, ganz schlimm, wenn jemand kriegt. Ich muss immer mitbrechen. Das ist was ich gar nicht kann, ehrlich. Du arbeitest als Kinderarztin. Das ist ja quasi ein Tagesprogramm. Oh Gott. Nein, das machen ja zum Glück die Eltern. Das ist ja ganz gut. Bei den Erwachsenen müsste ich es übernehmen. Bei den Kindern sind ja immer die Eltern eigentlich mit dabei. Ja, das ist auch mein persönlicher Entdingner, ich verstehe dich. Ja, das ist sehr, sehr häufig im Kindesalter. Die Kinder nehmen halt alles in den Mund, ist ja eine Schmierinfektion, deswegen super häufig. Die größte Gefahr ist so ein bisschen, dass die Kinder austrocknen. Also das ist eigentlich die größte Gefahr. Alle anderen Sachen sind eigentlich vernachlässigbar. Und umso kleiner die Kinder, umso höher ist eben die Gefahr der Austrocknung, weil die wollen dann teilweise auch wirklich was trinken. und dann kommt halt alles wieder retour. Deswegen ist es wichtig, dass die Kinder Flüssigkeit bekommen. Ganz oft sagen die Eltern, mein Kind isst jetzt schon seit zwei Tagen nichts mehr. Das hört sich jetzt echt hart an, aber das ist mir eigentlich echt egal, ob das Kind isst oder nicht. Wichtig ist einfach, dass das Kind Flüssigkeit bekommt. Das Essen ist nachrangig. Meistens ist es so, wenn es den Kindern besser geht, dann essen die auch wieder und die können auch ein paar Tage ohne Essen gut klarkommen. Der Organismus ist eigentlich sehr schlau und sehr intuitiv und der guckt eigentlich schon, dass er das tut, was ihm gut tut und deswegen verzichtet er oft erstmal auf feste Nahrung. Aber Flüssigkeit ist halt wichtig. Und da ist es oft sinnvoll, eher so kleine Mengen zu geben. Also oft ist es so, dass die Eltern das Kind erbrichten, dann geben sie ihm gleich wieder die ganze Flasche, dann kommt gleich wieder alles retour. Also nach dem Erbrechen erstmal so fünf bis zehn Minuten wirklich warten, den Magen erstmal beruhigen lassen und dann am besten Flüssigkeit in kleinen Löffelchen anbieten, also wirklich so löffelweise. Am besten irgendeine Flüssigkeit, die halt Salz und Zucker enthält. Es gibt natürlich so fertige Elektrolytlösungen. Die kann man natürlich geben. Man kann die auch selber machen mit Orangensaft und Salz. Es gibt auch von der WHO so eine Lösung, die man zu Hause anmischen kann. So ein Rezept geht auch. Also da gibt es viele Möglichkeiten. Wenn das Kind gestillt wird noch, dann ausschließlich stillen. Muttermilch ist die beste orale Rehydrationslösung, im Endeffekt die beste Rehydrationslösung, die es gibt. Genauso, wenn es ausschließlich Prä bekommt, dann sollte das Kind auch ausschließlich Pränahrung bekommen und nichts anderes. Genau, die klassische Empfehlung ist ja immer so Cola und Salzstangen. Davon ist eher abzuraten heutzutage. Also ja, Salzstangen sind gar nicht so schlecht, muss man sagen. Die vertragen auch viele Kinder ganz gut und wir haben da natürlich auch ein bisschen Salz drin, oft eher tendenziell zu viel Salz. Bei der Cola ist das Problem, die hat ja wahnsinnig viel Zucker und gerade diese hohe Menge an Zucker dann kann den Durchfall eher nochmal verstärken und kann auch so den Magen-Darm-Trakt eher nochmal reizen. Deswegen lieber so verdünnte Saftschorlen nehmen, das ist oft besser verträglich wie so eine Cola. Also aber auch weniger Kohlensäure wahrscheinlich, ne? Genau, das natürlich auch noch mit dazu. Viele rühren dann die Kohlensäure raus, aber ja, es ist meistens ganz so gut verträglich. Und was vielleicht auch ganz spannend ist, man empfiehlt heutzutage gar nicht mehr unbedingt Schonkost. Das höre ich auch ganz oft noch in der Praxis. Ja, wir haben jetzt da Schonkost, aber Kind will es irgendwie nicht essen. Das will lieber, keine Ahnung, den Pudding essen oder sowas. Da ermunter ich die Eltern immer so ein bisschen auf die Intuition des Kindes zu vertrauen. Weil meine Erfahrung hat gezeigt, dass Kinder sehr gut wissen, was ihnen gut tut und sehr intuitiv sind. Und eigentlich, wenn man denen so ein entsprechendes Angebot macht und da denen auch so ein bisschen vertraut, die meistens das essen, was ihnen gut und wenn die jetzt sagen, keine Ahnung, ich möchte jetzt ein... Keine Ahnung, ein Pudding essen, dann bleibt der in der Regel auch dann drin, wenn sie das so von sich aus so ein bisschen steuern. Nicht immer natürlich, keine Frage, aber so von dieser klassischen Schonkost ist man abgekommen. Und Heilnahrung sagst du auch nicht, nee? Nochmal? Das kenne ich damals noch. Heilnahrung? Heilnahrung, was meinst du mit Heilnahrung? Also es gibt ja spezielle Milch. Gibt es das überhaupt noch? Also es gibt, kann ich mich erinnern, damals bei meinen Kindern gab es spezielle, Milchsorten für die Säuglingsernährung. Da stand Heilnahrung drauf, die dann besonders bei Durchfall und Magendarmerkrankungen empfinden. Gibt es gar nicht mehr? Also haben die Eltern mir bisher nicht berichtet, aber gibt es vielleicht schon noch. Also wahrscheinlich kann man das schon noch beziehen. Ist tatsächlich in der Praxis bei uns gar kein Thema, ehrlicherweise. Okay, spannend. Also was man geben kann, was wir auch manchmal verordnen, sind so Medikamente. Also im Endeffekt keine wirklichen Medikamente, aber das ist im Endeffekt eine Mischung aus Probiotika, also Darmbakterien, beziehungsweise auch Hefepilzen und Elektrolyten mit dazu. Gerade wenn der Durchfall Magen-Darm echt sehr stark ist, verordne ich das gerne mal den Kindern, einfach um es ein bisschen auszufüllen und um den Darm ein bisschen zu unterstützen, eben mit Elektrolyten und auch einem Probiotikum. Gibt es auch Studien, die da gezeigt haben, dass das beim Magen-Darm-Darms gut hilft. Und was man eher nicht empfiehlt, ist tatsächlich das ein bisschen uns zu unterdrücken. Also es gibt ja auch Präparate, die das Erbrechen unterdrücken. Das ist eigentlich nicht der erste Weg, muss man ehrlicherweise sagen, weil die Erreger sollen ja raus. Und wenn ich es unterdrücke, bleiben die eigentlich eher länger noch im Körper. Das heißt, eigentlich ist das sehr schlau, was der Körper macht. Dann will die schnell ausscheiden, damit der Körper schnell wieder gesund wird. Und mit so Präparaten, die das Erbrechen verhindern, bleibt es eigentlich eher länger drin. Ich verordne das trotzdem manchmal bei manchen Kindern, weil gerade wenn wirklich gar nichts mehr drin bleibt, die die ganze Zeit erbrechen, wäre ja innerhalb kürzester Zeit die Folge ein Krankenhausaufenthalt, dass die eine Infusionslösung brauchen über die Vene, weil sie uns austrocknen. Und gerade wenn wir da so kurz davor stehen, dann verordne ich gerne mal schon so ein Medikament, damit wir eben diesen Krankenhausaufenthalt ein bisschen umgehen können und das Kind mal ein bisschen was trinken kann und ein bisschen was drin bleibt. Okay. Welche anderen Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts oder vielleicht andere Erkrankungen, die sich darauf auswirken, sollten denn Eltern sonst noch kennen? Also wie meinst du es jetzt, welche Erkrankungen generell bei Kindern so? Also jetzt abseits von Magen-Darm-Viren. Also Verstopfung zum Beispiel. Ah, okay. Genau, also was wir ganz häufig haben bei Kindern ist einerseits Verstopfung und natürlich auch psychosomatische Darmbeschwerden. Also das sind so die häufigsten Sachen. Verstopfung ist gerade so in den ersten sechs Lebensjahren immer ein Thema. Vor allem Dinge am Anfang, wenn die Kinder noch Windel haben und wenn es dann mit der Sauberkeitsentwicklung, also ich meine, das ist ja ganz so eine Sauberkennung, das Thema Sauberkeit, also dass man es so nennt. Aber wenn halt das Kind weg von der Windel soll sozusagen, dann kann es manchmal sein, dass gerade durch irgendwie zu viel Druck oder durch Ängste beim Kind die Kinder einhalten und dass man dann so einen Teufelskreis gelangt und die Kinder so eine Verstopfung entwickeln, weil sie dann eben nicht rechtzeitig auf Toilette gehen, dann bleibt es länger drin, dann wird es noch mehr eingedickt, dann tut es natürlich noch mehr weh beim Kackermachen und dann haben wir oft so einen Teufelskreis von der Verstopfung. Also das ist ganz häufig der Fall bei Kindern. Gerade wenn die auch so ein bisschen dazu neigen, in der Beikost, so Breie wie Karotte wirken halt auch eher so erstmal ein bisschen stopfend, können auch die Verstopfung dann fördern. Einfach weil der Magen-Darm-Fakt ist ja auch noch nicht so gewöhnt, da diese Beweglichkeit reinzubringen. Ist durchaus ein Thema. Da kann man natürlich mit entsprechender Ernährung arbeiten. Das ist aber gerade in der Autonomie-Phase, in der eben das oft ein Thema ist, gar nicht so einfach. Also mein Sohn ist gerade mittendrin und ich würde mir wünschen, dass er vielfältig ist. Aber an manchen Tagen, also an manchen Tagen klappt das auch toll, da bin ich echt begeistert. Da denke ich, wie klappt das jetzt wieder? Ich habe nichts geändert. Und an anderen Tagen sind es einfach nur die trockenen Nudeln oder am liebsten nur irgendwelche Cracker. Das ist natürlich immer schwierig, da eine ausgewogene Ernährung irgendwie zu implementieren, gerade wenn das Kind eben keine Lust darauf hat. Ansonsten gibt es dann natürlich auch Präparate, die so ein bisschen die Stuhlkonsistenz verändern können. einfach, dass man diesen Teufelskreis durchbricht. Und Probiotika haben da teilweise auch einen förderlichen Effekt gezeigt. Also das wäre auch mal ein Versuch, dass man das Darm-Mikrobiom entsprechend nochmal aufbaut. Jetzt hast du ja vorhin schon gesagt, dass Kinder manchmal auch Antibiotika nehmen müssen und sich das auch sehr auf den Darm auswirkt. Also gerade das, Thema Mikrobiom finde ich super spannend. Das ist relativ neu in den letzten Jahren, also zumindest ins öffentliche Bewusstsein gekommen. Da habe ich damals als Mutter nichts von gehört. Was passiert denn, wenn Antibiotika genommen werden müssen und wie kann ich die Regeneration fördern? Also ich nehme auch dann an, Probiotika helfen? Je nachdem. Also das Mikrobiom ist ja... Präbiotika? Erklär mal den Unterschied. Also genau. Das Mikrobiom ist ja wahnsinnig gehypt in den letzten Jahren. Und von Mikrobiom spielt gar keine Rolle, sind wir jetzt fast schon so ein bisschen, Mikrobiom ist für alles verantwortlich. Und ich glaube, die Wahrheit liegt so ein bisschen dazwischen, ehrlicherweise. Das Mikrobiom spielt definitiv eine Rolle und wir wissen ganz viele Sachen noch nicht. Wir wissen schon, dass das Mikrobiom Einfluss nimmt auf Adipositas, auf Allergien, auf Darerkrankungen, also lauter solche Sachen. Diabetes teilweise auch. Also da haben wir schon auch Zusammenhänge gesehen. Und je nachdem auch eine Antibiotika-Gabe natürlich, weil Antibiotika machen eben das Mikrobiom auch ein Stück weit kaputt. Aber die Studienlage ist dann auch sehr am Anfang und wir wissen noch nicht so genau, welches Mikrobiom eigentlich das Richtige ist. Es gibt für einige probiotische Stämme eine ganz gute Evidenz. Was sind Pro- und Präbiotika? Vielleicht kurz den Unterschied zu erklären. Also Probiotika sind tatsächlich... Aktive Darmbakterien, also zum Beispiel Lactobacillen oder so Hefestämme, das sind Probiotika, also wirklich diese, im Endeffekt die Keime, die man wirklich zugibt. Die sind dann auch aktiv, die sind lebend. Präbiotika sind keine Darmbakterien, Präbiotika sind im Endeffekt Stoffe, die von den Darmbakterien verarbeitet werden. Also die natürlichsten sind zum Beispiel Ballaststoffe. Gibt es auch Akazienfasern und so weiter und so fort. Da gibt es ganz viele Präbiotika, die eben als Nahrung dienen für die Probiotika. So für den Unterschied. Und es gibt einige Probiotika, die eine nachweisliche Wirkung haben. Zum Beispiel gibt es ein Probiotikum, das bei Regulationsstörungen, also bei Säuglingskoliken nachweislich hilft. Also da die Schreidauer reduziert. Bei Magen-Darm-Erkrankungen zum Beispiel diese Hefepilze, Saraomyces, Bouladistämme, zum Beispiel die helfen nachweislich bei Magen-Darm-Infekten. Also da gibt es so ein paar Probiotika, die da eine Wirksamkeit nachgewiesen haben. Aber es ist immer noch sehr schwierig, das insgesamt zu beurteilen und auch einzuordnen. Wir wissen da einfach bisher sehr, sehr wenig. Wichtig ist generell schon, dass wir natürlich das Darm-Mikrobiom stärken Und das können wir halt eben durch eine ballaststoffreiche Ernährung, eine Vielfalt, aber auch Bewegung, Naturkontakt, ausreichend Schlaf, also alles, was auch so ein bisschen den Vagusnerv mit aktiviert, also den Entspannungsnerv. Und gibt es denn grundsätzlich Dinge, die die Darmgesundheit fördern? Also bei der Ernährung oder Sport treiben oder keine Ahnung? Ja, also prinzipiell wollen wir eigentlich immer so eine Vielfalt, also eine größtmögliche Vielfalt vom Mikrobiom. Das heißt, dass wir ganz viele verschiedene Darmbakterien da drin haben, das ist oft von Vorteil. Deswegen ist es natürlich auch ungeschickt, wenn das Kind jetzt häufig Antibiotika bekommt, weil da natürlich ein Teil der Bakterien auch abgetötet wird im Mikrobiom. Wir können ja leider nicht nur das Krankmachende, das jetzt die Lungenentzündung macht, abtöten, sondern werden halt auch noch die Darmbakterien abgetötet. Also klar, ganz viel Ballaststoffe, auch so fermentierte Produkte wie zum Beispiel Kimchi, Sauerkraut, Kefir. Solche Sachen sind toll. Sauerteig, darüber freut sich der Darm. Möglichst wenig so hochverarbeitete Lebensmittel, auch Süßstoffe zum Beispiel. Es gibt so ein paar Studien, die die Darmgesundheit beeinflussen könnten. Bewegung, Natur, regelmäßige Mahlzeiten, auch so autogenes Training, Stressreduktion, Yoga. Also da gibt es ganz, ganz viele Sachen, wo man eben das Mikrobiom beeinflussen kann. Und es sind natürlich viele Faktoren, die damit reinspielen. Es reicht jetzt nicht nur, meinem Kind da oben Probiotikum reinzuschütten. Und dann war es das, weil die Darmkeine wollen sich auch wohlfühlen. Und das ist eigentlich so ein lebenslanges Ding. Viele Eltern denken, sie geben ihrem Kind jetzt so ein Probiotikum für eine Woche und dann hat das Kind einen guten Darm. Dem ist leider nicht so. Damit die Darmbakterien bleiben, muss ich eigentlich lebenslang was tun für meinen Darm. Das ist anstrengend, aber es lohnt sich auch, muss man sagen. Okay. Ja, gilt auch für die Erwachsenen. Ja, total. Also es gibt auch Zusammenhänge mit Depressionen zum Beispiel vom Mikrobiom. Also das ist ja gerade auch bei Erwachsenen immer häufiger ein Thema. Interessant. Jetzt hast du gerade schon gesagt, dass Magen-Darm-Beschwerden nicht immer eine körperliche Ursache haben, sondern manchmal eben auch psychosomatisch sind. Ja. Wie kann ich das denn als Elternteil erkennen und wie kann ich meinem Kind da helfen? Ja, was im Ersten dann wichtig ist, was nämlich ganz oft falsch verstanden wird, ist, psychosomatisch heißt nicht, dass das Kind sich das einbildet oder dass das Kind irgendwie schauspielert oder das macht, um nicht in die Schule zu müssen. Oft ist es ja in der Praxis, ist es oft in Verbindung mit der Schule tatsächlich, dass die Kinder oft in der Schule bei Trennungssituationen von den Eltern, auch in der Kita oder so, diese Bauchschmerzen entwickeln und viele denken, ja gut, sein psychisches Kind hat keine Lust auf Schule. Das ist nicht so. Also diese Bauchschmerzen sind wirklich real für das Kind. Nur die sind eben vermittelt über das zentrale Nervensystem. Ich hatte ja anfangs kurz gesagt, dass wir eben die Darm-Hirn-Achse haben. Das heißt, Darm und Hirn sind miteinander verbunden. Und da findet halt eben eine Kommunikation letzten Endes statt. Die Kinder haben dann oft so eine erhöhte Sensitivität. Das heißt, die können einfach Sachen eher wahrnehmen. Ist auch oft so Kinder, die sehr hochsensibel sind, eher so ein bisschen emotionaler, die einfach ein sehr gutes Gefühl für ihren Körper haben und dann halt so ein Magenkrummeln zum Beispiel viel, viel stärker wahrnehmen können auch. Es ist natürlich auch mit Stress beeinflusst. Und oft kann sich auch einfach das entspannende Nervensystem, also vegetativ, der Vagusnerv, nicht so richtig regulieren. Also wie so eine Art Dysregulation, Regulationsstörung. Es ist gar nicht immer so einfach rauszufinden, muss man sagen. Wichtig ist, dass man erstmal alles Organische abklärt und schaut, dass da nicht doch was Organisches dahintersteckt. So Hinweise sind oft, dass die Schmerzen eben nicht nachts sind, also dass die Kinder nachts nicht aufwachen. Dass es vor allem so bei Belastungen, bei Verstress-Situationen kommt, dass auch die Intensität oft so ein bisschen wechselnd ist. In den Ferien ist zum Beispiel manchmal nichts und dann, wenn die Schule wieder losgeht, dann ist wieder was. Das ist immer ganz wichtig, dass man da auch eine gute Analyse macht, um das so ein bisschen eingrenzen zu können. Ich würde jetzt gerne noch wissen, was ich denn idealerweise in der Hausapotheke haben sollte, so in den ersten Lebensjahren vor allen Dingen. Du hast gesagt, Medikamente, ah, immer schwierig, aber es gibt ja bestimmt so ein paar Sachen, die tatsächlich hilfreich sein könnten. Also in Bezug jetzt auf den Darm vermute ich, oder? Oder so generell? Ja, genau. Ja, ich bin ganz so der Freund von riesen Hausapotheken, weil die Erfahrung zeigt, dass man dann ganz viel zu Hause hat und es dann vielleicht doch nicht braucht und es dann irgendwie im Mühlen landet oder so. Aber sinnvoll ist schon so eine orale Rehydratationslösung daheim zu haben, also so eine Elektrolytlösung. Da gibt es verschiedene Hersteller, aber das finde ich, macht schon einfach Sinn. Das kann man auch für einen selber gebrauchen. Die laufen in der Regel auch nicht ab. Die laufen schon irgendwann ab, aber die sind schon ziemlich lange haltbar. Generell auch so eine Kochsalzlösung ist immer ganz sinnvoll. Da kann man auch mal die Nase freispülen, wenn da irgendwie verstopft ist, wenn da erbrochen ist oder so. Das hilft meistens auch ganz gut. Ich bin großer Freund von so Fenchel, Kümmel, Anis, diese Wirkstoffe. Da gibt es ja auch entsprechende Öle, wo man Bauchmassagen machen kann. Das tut den Kindern oft ganz gut. Oder ein Wärmekissen, so ein Kirschkernsäckchen oder sowas. Wärme für den Bauch ist ganz angenehm für die Kinder meistens. Das hilft meistens ganz gut. So im Prinzip, wenn wir ein Probiotikum jetzt auf Verdacht zu Hause haben, macht eigentlich keinen Sinn, weil je nach Beschwerden nimmt man ja ein anderes Probiotikum. Da macht es eher Sinn, dann gezielt eins zu kaufen, wenn das Kind eben Probleme hat. Das ist eher sinnvoll. Und ja klar, einen Fieberthermometer braucht man auch nicht immer zu Hause. Also das macht auch Sinn. Aber ansonsten, bei Markendarmsachen, kommt es dann echt immer drauf an, was hat das Kind und dann eben gezielt das zu kaufen, weil das eher Sachen sind, die halt vielleicht auch mal ablaufen. Also wenn die Kinder größer sind, Flohsamenschalen, um die Verdauung so ein bisschen zu regulieren. Aber das kommt halt echt aufs Alter drauf an, auch was die Kinder haben. Was sagst du denn zu diesen physikalischen Entschäumern? Die werden ja immer gerade besonders den ganz kleinen Babys empfohlen. Sub-Simplex oder Plefax. Ja, also... Helfen die? Ja, die helfen natürlich. Also die reduzieren im Endeffekt diesen Schaum, diese Blähung. Das heißt, es ist schon eine Option, kann man machen. Es ist aber im Endeffekt nicht, dass es die Ursache bekämpft. Das ist im Endeffekt eine rein symptomatische Behandlung sozusagen. Also das Kind hat halt Blähungen, das hat viel Luft und diese Medikamente reduzieren diesen Schaum, diese Luft. Das heißt, das macht schon das, was es machen soll. Die Kinder haben dann oft auch weniger Symptome, aber da steckt ja was dahinter. Also da entweder weint das Kind sehr viel, braucht mehr Regulation oder die Darmflora ist wirklich sehr unreif. Vielleicht muss ich doch mit Probiotika arbeiten oder so. Also das heißt, so für den Akutfall, wenn das Kind wahnsinnige Bauchschmerzen hat und nichts anderes hilft, finde ich das schon in Ordnung, dass man das macht. Aber man sollte schon auch dahinter schauen und gucken, okay, was ist denn noch hier Thema? Wie kann ich meinem Kind noch helfen? Was ich da zum Beispiel auch so bei Blähungen ganz gut finde, sind so Kümmelsäpfchen. Da schwören viele Eltern drauf und die finden das oft ganz hilfreich und das tut den Kindern auch oft ganz gut. Das wäre vielleicht so ein Step vorher, den man machen könnte. Und dann natürlich schauen, okay, warum hat mein Kind das eigentlich? Zum Beispiel in der Trage tragen hilft oft ganz gut. Da kann der Darm sich entspannen. Die Beine haben einen ganz guten Winkel, damit der Darm sich eben entleeren kann, so ein bisschen besser. Man kann auch versuchen, das Kind mal abzuhalten. Das tut den Kind dann oft ganz gut. Fahrradfahren mit den Beinchen. Da gibt es schon auch einige Möglichkeiten, wie man eben dem Kind helfen kann, dass die Luft entweichen kann. Und gleichzeitig halt eben auch schauen, okay, wie kann ich meinem Kind generell helfen, dass es gar nicht so viel Luft ansammelt. Und vielleicht jetzt zum Abschluss nochmal ganz gebündelt. Was ist dir wichtig, was Eltern jetzt aus diesem Podcast so als wichtigste Punkte mitnehmen? Gibt es da was? Ja, also viele Eltern, die ja so einen Podcast jetzt auch wie den hier hören, die sind ja oft schon wahnsinnig gut informiert. Also das zeigt meine Erfahrung, dass die unglaublich engagiert sind, informiert sind. Und meine Erfahrung zeigt eher so ein bisschen, dass da weniger oft mehr ist. Also die Eltern streben oft so nach Perfektion, nach totaler Kontrolle, nach ständiger Optimierung, machen sich da unglaublich viel Stress, was die Ernährung betrifft, was man noch alles fürs Kind machen kann, wie man das alles irgendwie optimieren kann, und landen dann oft auch in so Extremen. Da, glaube ich, ist oft weniger mehr und dass wir einfach sehen, okay, es ist einfach ein Langzeitprojekt. Man muss es langfristig durchhalten können und das kann man eigentlich nicht, wenn man das wirklich ins Extrem perfektioniert sozusagen. Das ist ein ganz dynamisches Entwicklungsorgan. Auch wenn ich da jetzt am Anfang irgendwie das nicht perfekt war, dann kann ich da trotzdem noch ganz viel verändern und machen, und da wirklich so ein bisschen weniger als mehr, glaube ich, ein bisschen mehr Entspannung reinbringen, weniger Stress, weil natürlich der Stress dann auch wieder nachteilig ist. Und was auch meine Erfahrung so ein bisschen zeigt, ist, dass natürlich auch viele kindliche Bauchbeschwerden gar nicht so diese maximale Behandlung brauchen, sondern eher so die Eltern an die Hand nehmen, auch dem Kind ein bisschen Zeit geben, begleiten. Gut begleiten, das ist wichtig. Der da muss reifen und da einfach irgendwie so da sein. Also dass die Eltern da sind fürs Kind, da auch gut selber reguliert sind und das Kind dann entsprechend natürlich auch da gut begleitet wird. Und klar, man kann hier und da natürlich an Stellschrauben optimieren. Wichtig ist auch immer, dass man selbst versucht, einigermaßen entspannt zu bleiben, weil wenn wir natürlich selbst Angst haben, dann überträgt sich das auf die Kinder. Also dann wird das vielleicht viel dramatischer, als es dann tatsächlich am Ende überhaupt ist. Total. Also natürlich ist es ein ganz feinfühliges System und gerade in Richtung psychosomatisch. Die Kinder sind ja unglaublich feinfühlig auch. Die haben oft sehr, sehr feine Antennen und nehmen ganz viel wahr. Aber wenngleich ich es natürlich auch immer schwierig finde, dann sozusagen, ja, Eltern, ihr müsst euch nur regulieren, dann geht es eurem Kind gut. Das ist natürlich auch schwierig. Das wird dann oft so verstanden, ich bin schuld, dass es ein Kind schlecht geht, weil ich bin so gestresst. Das ist natürlich auch nicht so. Also das ist einfach so ein System, das sich miteinander bedingt. Aber klar, wir sind Vorbild für unsere Kinder und wenn wir nicht gut reguliert sind, wenn wir nicht in der Balance sind, wenn wir unglaublich gestresst sind, übertrieben, zieht es natürlich auch auf unser Kind. Und dann können wir auch nicht so gute Eltern sein. Aber ich glaube, bei der Einordnung hat dieser Podcast total gut geholfen, weil er auch gezeigt hat, wie viel auch normal sein kann und dass es einfach auch zu einer gesunden Entwicklung dazugehört, dass ab und zu im Darm mal Dinge vor sich gehen, die vielleicht nicht ganz der Norm entsprechen. Vielen, vielen lieben Dank, liebe Celine, dass du da warst und uns so fachkundig heute über so ein spannendes Thema informiert hast. Wenn du jetzt mehr über das Thema wissen willst, dann schau auch gerne in Celines Buch, wenn es im Bauch zwickt, drückt und grummelt. Und Celine hat uns auch ein Exemplar mitgebracht. Das könnt ihr aktuell bei Instagram gewinnen. Und alternativ ist natürlich auch wieder eine Teilnahme per E-Mail an wunschkindblog.gmail.com möglich. Wenn du mehr von Celine hören willst, dann klick doch unbedingt mal in Folge 165. Denn darin haben wir mit ihr über gefährliches Halbwissen in Bezug auf die Kindergesundheit gesprochen. Und das war auch super interessant. Ich erinnere mich wirklich noch sehr, sehr gut daran. Und wenn ihr mögt, dann hören wir uns in der nächsten Woche schon wieder mit einem ganz anderen Thema. Bis dahin, bleibt gesund, knuddelt eure Kinder. Wir sagen für heute erst einmal Tschüss. Das war der Podcast vom gewünschtesten Wunschkind.