Hallo und herzlich willkommen zu Das gewünschteste Wunschkind der Podcast. Heute nur mit Daniel Graf, weil die liebe Katja schon im wohlverdienten Sommerurlaub ist. Fast alle Eltern wünschen sich, dass ihr Kind selbstbewusst durchs Leben geht. Dass es sich etwas zutraut und sich nicht klein machen lässt. Dass es Nein sagen kann, wenn jemand seine Grenzen überschreitet. Aber was macht ein Kind eigentlich stark? Gute Noten, viel Lob, Sport, ein großes Selbstbewusstsein oder steckt vielleicht etwas ganz anderes dahinter? Darüber sprechen wir heute mit Frieder Knaus. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Gewaltprävention, Selbstbehauptung und Konfliktmanagement und arbeitet täglich mit Familien und Kindern. Wir möchten verstehen, wie Kinder innere Stärke entwickeln und warum Selbstsicherheit viel mehr ist, als laut auftreten oder sich im Notfall verteidigen zu können. Herzlich willkommen, Frieder. Dankeschön. Ich freue mich sehr, dass ich heute hier da sein darf. Ja, du hast ein ganz tolles Buch geschrieben. Es heißt Dein selbst sicheres Kind. Und wenn Eltern sagen, ich wünsche mir tatsächlich ein selbstbewusstes, selbstsicheres Kind, was wünschen sie sich denn eigentlich tatsächlich? Also was steckt dahinter? Also ich glaube und ich hoffe zumindest, dass die Eltern sich in erster Linie ein glückliches Kind wünschen. Dass die Eltern wünschen, dass das Kind glücklich aufwächst und diesem Glück, steht eben unter Umständen entgegen, wenn die Grenzen des Kindes verletzt werden. Oder wenn das Kind seine Bedürfnisse nicht äußern kann oder über die Bedürfnisse einfach hinweggegangen wird. Oder wenn das Kind keine Freunde hat und alleine dasteht. Das sind alles Dinge, die stehen dem Glück entgegen und dann haben die Eltern natürlich den Wunsch, dass das Kind entsprechende Fähigkeiten entwickelt, um die Grenzen wahren zu können, um die eigene Meinung vertreten zu können, die eigenen Bedürfnisse äußern zu können. Und wenn die Eltern zu mir ins Training kommen und sagen, mein Kind soll selbstsicherer werden, dann ist es ja ganz oft so, dass schon in irgendeiner Form etwas vorgefallen ist, dass die Eltern schon merken, hey, mein Kind ist so leise, das kann sich nicht, wehren oder das kann seine Bedürfnisse nicht äußern. Und dann wollen die Eltern oder wünschen sich die Eltern für das Kind, dass wir daran arbeiten, dass das Kind da stärker auftreten kann und mehr für sich einstehen kann. Bei deiner Arbeit unterscheidest du zwischen innerer und äußerer Selbstsicherheit. Das fand ich ganz spannend. Also warum ist denn diese Unterscheidung so wichtig? Also in meinem Buch ist es erstmal eine strukturelle Unterscheidung gewesen. Mir war es wichtig, dass wir einen differenzierten Blick auf das Thema Selbstsicherheit werfen. Und die innere Selbstsicherheit, die ist für mich wie ein Anker. Ja, ich bin mir meiner selbst sicher. Ich weiß, was ich kann. Ich weiß, ich habe einen Rückhalt, zum Beispiel in der Familie. Und das sind alles Dinge, die helfen mir wie so ein Anko oder wie die Wurzeln. Goethe sagt ja, wir sollen zwei Dinge unseren Kindern mitgeben, Wurzeln und Flügel. Und das sind die Wurzeln, die wir unseren Kindern mitgeben können. Das ist diese innere Selbstsicherheit. Ich bin selbst in mir verankert. Und die äußere Selbstsicherheit ist, Das heißt für mich, ich kann selbst altersgerecht für meine Sicherheit sorgen. Das ist eher so das Schutzschild nach außen hin. Und die beiden Dinge sind aber miteinander verknüpft. Deswegen hatte ich gerade gesagt, das ist eigentlich nur eine strukturelle Unterscheidung in meinem Buch. Aber letztendlich sind die beiden Dinge so miteinander verwoben, wenn ein Kind keine innere Selbstsicherheit hat, dann wird es sich gar nicht trauen, unter Umständen nach außen hin die Grenzen zu wahren. Und andersrum, wenn es zwar in sich verankert ist, aber keinen Schutz in Anführungsstrichen nach außen hat, dann kann diese innere Selbstsicherheit von außen ganz schnell zerstört werden. Und deswegen gehören die beiden Dinge für mich zusammen und bilden ein Ganzes, nur wenn beide Seiten ausgewogen dastehen. Okay, dann lass uns mal drüber sprechen, was jetzt, auch wenn es nur strukturell ist, aber konkret zur inneren Selbstsicherheit dazugehört. Also es gibt ja verschiedene Begrifflichkeiten, die dann immer so im Raum stehen. Also Selbstbewusstsein, Selbstwertgefühl, Selbstwirksamkeit. Was sind denn da die Unterschiede und was gehört zur inneren Selbstsicherheit noch dazu oder ist es das? Und ja, erklär mal. Also bei Selbstbewusstsein weiß ich ja, denken Erwachsene ja häufig relativ spontan daran, dass es irgendwie so Kinder sind, die sich trauen aufzustehen, sich zu melden in der Schule und keine Angst haben. Aber da täuscht ja der Eindruck auch oft, oder? Genau, also ich nehme die Worte gerne sehr wörtlich und Selbstbewusstsein heißt, ich bin mir meiner selbst bewusst. Das heißt erstmal, ich weiß, was ich möchte und ich weiß, was ich nicht möchte. Ich weiß, was ich kann und ich weiß, was ich noch nicht kann und. Ich weiß auch, wo meine Grenzen sind. Ich bin mir meiner selbstbewusst. Und das ist ein Baustein von diesem Selbstsicherheitsdreieck, mit dem ich eben auch in meinem Buch arbeite. Das zweite wäre dann das Selbstwertgefühl. Da steckt das Wort Gefühl drin. Ich muss etwas fühlen. Wenn mir jemand nur sagt, du bist wertvoll, dann kann ich das unter Umständen zwar hören und vielleicht auch denken, aber das heißt noch nicht, dass ich es auch fühlen kann. Es gibt Leute, die sind sehr selbstbewusst. Haben aber eine Lehre in sich, weil sie die Dinge zwar wissen, aber nicht fühlen können. Das heißt, das ist der zweite Baustein, der dazukommen muss. Ich muss die Dinge nicht nur wissen, ich muss die Dinge auch fühlen können. Und der letzte Punkt ist dann die Selbstwirksamkeit. Das heißt, ich kann selbst in meiner Welt etwas bewirken. Ich bin selbstwirksam. Und ein sehr schönes Beispiel für die Selbstwirksamkeit ist das Erlernen eines Musikinstruments. Da kann ich am Anfang gar nichts, möglicherweise noch nicht einmal Noten lesen, und dann beschäftige ich aber mich damit. Und am Anfang klingt das alles schräg und schief und irgendwann kann ich aber plötzlich eine Melodie spielen. Und irgendwann, wenn ich es weitermache, kann ich plötzlich selber eine Melodie erschaffen, kann improvisieren und kann vielleicht dadurch meine Gefühle ausdrücken. Also ich kann selber etwas bewirken, indem ich zum Beispiel etwas übe, mich mit etwas beschäftige. Und das ist die Selbstwirksamkeit. Und wenn diese drei Dinge zusammenkommen, das Denken, Selbstbewusstsein, das Fühlen, das Selbstwertgefühl und das Handeln, das Tätigwerden in der Selbstwirksamkeit, dann... Rundet sich das Ganze ab und dann haben wir die innere Selbstsicherheit. Und dass dieser Eindruck, dass laute Kinder selbstsicher wären, dass das oft täuscht, das ist natürlich so. Wir haben einen Hund in der Nachbarschaft, der bellt alle größeren Hunde an, aber nicht, weil er so mutig ist, sondern weil er im Gegenteil Angst hat vor diesen Hunden. Weil er als Welpe mal angegriffen wurde. Ja, alle Kinder, die aggressiv auftreten, haben ganz oft eine Not, die da dahinter steckt und die sie hinter dieser Aggression verstecken wollen. Masking. Und bei Kindern, die cool auftreten wollen oder ähnliches, ist es ganz oft, nicht immer, aber ganz oft genauso. Man will ja nicht zeigen, dass man verletzlich ist. Also setzt man eine Maske auf. Ja, es ist ein ganz spannender Gedanke, dass das vollkommen unterschiedliche, Zustände und Begriffe sind und Kinder da auch sehr, sehr unterschiedlich aufgestellt sein können. Gibt es denn so typische Alltagssituationen, in denen ich als Elternteil erkennen kann, wo mein Kind jetzt vielleicht schon gut aufgestellt ist und wo vielleicht Entwicklung noch möglich ist? Ich würde da ganz vage als Überbegriff den Begriff Konflikte oder Krisen nennen. Also wenn das Kind sich mit dem Freund streitet, dann kann man sehen, wie reagiert das Kind in dieser Situation. Oder wenn das Kind durch die Tante Ingrid, die gerade kommt, einen Kuss auf die Barke gedrückt bekommt und man sieht dem Kind eigentlich an, dass es das nicht möchte. Ja, dann kann man sehen, inwieweit kann das Kind hier schon eine Grenze setzen. Oder man spielt ein Spiel gemeinsam und das Kind verliert. Wie kann das Kind damit umgehen, dass es dieses Spiel jetzt nicht gewonnen hat? Wenn das Kind glücklich durch den Garten tollt und alles gut ist, dann sieht man in dem Moment nicht, wo ist das Kind aufgestellt oder wo ist es nicht aufgestellt. Aber sobald in irgendeiner Form ein Konflikt auftritt, eine Krise auftritt, dann kann man als Elternteil mal sehen, wie geht mein Kind denn mit dieser Situation um. Und dann kann man gucken, was ist schon richtig gut, wo handelt mein Kind schon wirklich selbstsicher und wo ist vielleicht das eine oder andere, wo ich mein Kind noch unterstützen kann, ein bisschen selbstsicherer zu werden. Wobei ganz klar ist, man kann kein Kind vom Kopf auf die Füße stellen oder andersrum. Ein Kind, was per se ruhig ist, wird auch, wenn man daran arbeitet, immer eher ein ruhiges Kind bleiben. Und das ist ja auch wunderbar so. Wir wollen die Kinder ja nicht von Grund auf verändern, sondern wir wollen die Kinder in ihren Stärken bestärken, dass sie das weiterhin sein dürfen. Genau, das ist ganz viel Temperamentssache auch. Genau. Ja, bei der Selbstwirksamkeit, da hast du gesagt, das muss aus dem Kind herauskommen, das muss es selbst erleben. Also das reicht dann quasi nicht, wenn wir sagen, du schaffst das schon. Also das bewirkt jetzt keine Steigerung der Selbstwirksamkeit. Habe ich das richtig verstanden? Ja, das bringt überhaupt nichts, wenn das Kind das nicht erlebt hat. Es gibt einen Begriff, der heißt Selbstwirksamkeitserwartung. Wenn das Kind schon mal die Erfahrung gemacht hat, die reale Erfahrung, dass es etwas bewirken konnte. Dann kann es sein, dass es bei der nächsten Hürde die Erfahrung gemacht hat, die kann ich bestimmt auch bewältigen. Ich muss wieder viel lernen, ich muss vielleicht wieder Zeit investieren, aber ich kann das schaffen. Wenn das Kind es aber noch nicht erlebt hat, weil es entweder von den Eltern alles abgenommen bekommen hat oder weil es gar nicht in die Situation gekommen ist, dass es mal über eine Hürde drüber musste, oder weil sie an der Hürde gescheitert ist, weil die Hürde von Anfang an zu hoch liegt, dann hat das Kind eher die Haltung, oh, da ist eine Hürde, die werde ich wahrscheinlich nicht schaffen. Und das heißt, wir hätten als Eltern die Aufgabe, mit kleinen Hürden anzufangen und dann aber dem Kind die Dinge wirklich zuzutrauen. Also ein Satz, den wir so in der Familie haben, lautet, mein Kind kann das. Und das gilt natürlich nicht für alles. Ich würde mein Kind jetzt nicht ins Auto setzen und sagen, fahr mal nach Frankreich. Aber altersgemäßen den Kindern die Dinge zutrauen, sodass sie dann eben nach und nach an diesen Hürden wachsen können und merken, hey, ich kann das tatsächlich. Und wenn ich was noch nicht kann, dann kann ich das üben, dann kann ich das lernen und irgendwann kann ich es auch. Es hängt bei mir ein Spruch im Dojo, im Trainingsraum, da steht drauf, ein Schwarzgurt ist ein Weißgurt, der niemals aufgegeben hat. Und das ist die Grundidee dahinter. Ja, das klingt total logisch. Und ich schreibe auch gerade an einem neuen Buchprojekt und weiß, dass es auch super wichtig ist. Aber in dem Zusammenhang ist mir auch klar geworden, dass es für Eltern unfassbar schwierig ist, loszulassen. Also wir möchten ja möglichst unangenehme Situationen für unser Kind vermeiden. Also wir haben natürlich alle Schutzinstinkte von der Natur mitgegeben und die brechen komplett durch. Also deswegen fällt es uns einfach ganz wahnsinnig schwierig zu unterscheiden, wann wäre denn Unterstützung eigentlich noch notwendig? Also so scheitern, ohne dass die Bezugspersonen da unterstützt haben, ist natürlich auch total blöd für die Entwicklung. Und wann nehmen wir unseren Kindern vielleicht ungewollt die Chance, Vertrauen in die Fähigkeiten aufzubauen? Also hast du irgendwie so eine Idee, wie ich das unterscheiden kann, wann es sinnvoll ist, einzugreifen und wann es doch sinnvoller ist, einfach mal das Kind machen zu lassen? Ja, also zum ersten Eltern sein ist nicht einfach. Und da hat man natürlich immer wieder damit zu kämpfen, auch dass man natürlich seine eigene Vergangenheit mitbringt und diesen Gedanken, mein Kind soll es mal besser gehen, als es mir vielleicht gegangen ist. Und dann würde ich aber sagen, wenn man das Kind unterstützt, und das ist ja wichtig, dann immer nur so weit wie unbedingt notwendig. Also wenn mein Kind eine Lösung sucht für ein Problem, dann sollte ich nicht hergehen und sagen, das ist die Lösung. Guck mal, ich bin total klug, ich bin dein Papa, hier ist die Lösung, wenn du es so machst, ist alles gut. Sondern ich sollte eigentlich nur mit dem Kind zusammen nach einer Lösung suchen und dem Kind diese Fähigkeit, Lösungen zu finden, zusprechen. Das gleiche gilt bei Konflikten. Wenn sich meine Söhne streiten und ich gehe jedes Mal dazwischen und sage, Moment, ich kläre das jetzt, ich mache den Schiedsspruch, dann werden die nicht lernen, einen Konflikt zu lösen. Wenn ich aber nur so weit reingehe, dass sie selber noch eine Lösung finden müssen, Also immer nur so weit anschieben, bis sie selber über die Hürde drüber kommen können. Dann haben die Kinder auch die Möglichkeit, an diesen Punkten zu wachsen. Ja. Okay, also immer nur so viel wie nötig und nicht so viel wie möglich, habe ich richtig verstanden. Das wäre der Idealfall, ganz genau. Okay, dann lass uns mal über Frust und Scheitern und Konflikte im Allgemeinen sprechen. Also da könnte man ja jetzt auf die Idee kommen, spontan zu sagen, so Sachen sind schwierig für die Entwicklung der Selbstsicherheit, des Selbstbewusstseins, weil die eben dem Kind negative Erlebnisse bescheren. Aber tatsächlich ist es ja genau andersrum, richtig? Also wir kommen nicht drumrum. Ja, wir kommen nicht drumrum. Kein Mensch kommt drumrum, in seinem Leben Frust zu erleben, in seinem Leben zu erleben, dass man auch mal scheitert, dass man Konflikte hat, das gehört zum Leben dazu. Ich würde jetzt nicht hergehen und sagen, so, mein Kind soll selbstbewusster werden, da sorge ich jetzt mal dafür, dass es irgendwo richtig auf die Nase fällt, dass es was lernt für die Zukunft. Aber das Scheitern ist da, der Konflikt ist da. Das heißt, wir müssen uns immer überlegen, wie gehe ich damit um? Und jedes Mal, wenn wir scheitern, haben wir im Grunde zwei Möglichkeiten. Wir haben die Möglichkeit, dass wir sagen, ich gebe auf, ich mache nicht weiter. Oder wir haben die Möglichkeit zu sagen, ich gehe doch weiter, ich gucke, was kann ich anders machen, wie kann ich es verändern, dass ich das beim nächsten Mal doch schaffe. So, und das kann beides der richtige Weg sein. Es kann richtig sein, mal zu sagen, hey, ich habe mich da verrannt, ich muss nicht jeden Kampf zu Ende kämpfen, aber es kann auch ganz wichtig sein und lehrreich für die Kinder zu sagen, so, ich bleibe jetzt dran. Ich habe jetzt vielleicht diese Prüfung nicht geschafft oder ich habe eine schlechte Note. Dann bleibe ich dran und überlege mir, wie kann es jetzt weitergehen? Was kann ich machen, damit ich, wenn ich nochmal in die Situation komme, da vielleicht besser abschneide? Und dann sind wir wieder an diesem Punkt Selbstwirksamkeitserwartung. Je öfter ich merke, dass ich die Dinge verändern kann und dass ich nach einem Scheitern auch wieder aufstehen kann und es weitergeht, umso mehr etabliert sich dieses Gefühl hier. Es gibt diesen Spruch, man muss immer einmal mehr aufstehen, als man hingefallen ist. Das wäre vielleicht so eine... Eine Linie zum Thema Frust, Scheitern und Konflikte. Und für uns als Eltern ist es halt auch eine Sache, ich habe es vorhin schon gesagt, es ist nicht leicht Eltern zu sein, wir müssen das auch aushalten, dass die Kinder frustriert sind, dass die Kinder traurig sind, dass die Kinder zornig sind, das gehört alles dazu und wir können sie da begleiten. Es ist völlig legitim, für Kinder mal wütend zu sein. Es ist völlig legitim, dass sie traurig sind und weinen. Und es sollte auch nicht weggemacht werden. So nach dem Motto, jetzt gehst du auf dein Zimmer und wenn du dich wieder beruhigt hast, dann darfst du wieder runterkommen. Das Kind darf traurig sein und wir können die Kinder mit diesem Frust, mit dieser Trauer und auch mit dieser Wut, wir können die Kinder begleiten. Ja, und ich glaube, das ist genau das, was den meisten Eltern wahnsinnig schwerfällt, einfach weil sie in ihrer eigenen Kindheit diese Gefühle eben nicht ausleben durften. Und deswegen triggern die uns so ganz hart. Also wir haben so im Kopf so, stell dich nicht so an, ist doch nichts passiert und so weiter. So sind wir eben aufgewachsen. Deswegen ist es ganz, ganz schwierig, einen Schritt zurückzutreten und zu sagen, die Gefühle sind in Ordnung, ich begleite die halt. Wie sieht es denn mit Loben aus? Also viele sagen ja, ah, Lobe sind unbedingt notwendig, um das Selbstwertgefühl aufzubauen. Wie bewertest du das? Ich weiß, dass es tatsächlich viele denken, dass es gut ist. Ich selbst behaupte ja, dass das Gegenteil der Fall ist. Also wir haben leider heute zu wenig Zeit, um das weiter auszuführen. Also allein über dieses Thema schaffe ich es, auch zweistündige Vorträge zu halten. Für diejenigen, die es näher interessiert, verlinke ich mal einen Artikel, aus unserem Blog in den Shownotes, der sich damit näher befasst. Aber mich würde natürlich auch interessieren, was du als Experte für Selbstsicherheit zu dem Thema sagst. Also da bin ich mal gespannt, ob wir zusammen kämen. Für mich ist der zentrale Punkt an der Stelle, ein Kind ist wertvoll allein, weil es existiert. Und der Wert des Kindes darf nicht an die Leistung des Kindes gekoppelt werden. Und die Gefahr besteht aus meiner Sicht, wenn man zu viel und falsch lobt. Also Lob kann... Den Wert des Kindes mit dessen Leistung verknüpfen. Nur weil ich jetzt so ein tolles Bild gemalt habe, lobt mich meine Mutter. Nur weil ich so eine gute Note nach Hause gebracht habe, lobt mich meine Mutter. Und dann kann sich bei dem Kind verknüpfen, wenn ich gute Leistungen bringe, wenn ich schöne Bilder male, wenn ich, wenn ich, wenn ich, dann lobt mich meine Mutter und dann bin ich wertvoll. Und das halte ich für sehr gefährlich. Absolut. Auf der anderen Seite bin ich der Meinung, dass Entwicklungsschritte, Wenn zum Beispiel ein Kind, was lange, lange Zeit sich sehr schwer getan hat mit einer Technik und plötzlich diese Technik kann oder auch nur einen Schritt in Richtung Können gemacht hat, das darf gewürdigt werden und das kann über ein Lob funktionieren. Also ich hatte mal einen Jungen im Training, der hat sich lange, lange Zeit nicht getraut, einen Putzelbaum zu machen. Obwohl wir die auf der Weichbodenmatte gemacht haben, hat er sich nicht getraut, einen Putzelbaum zu machen. Und alle anderen Kinder mit Freude sind auf die Matte gesprungen. Er saß am Rand. Und irgendwann ist er zu mir gekommen, nach zwei Jahren oder so, und hat gesagt, ich habe mit meinem Papa den Putzelbaum geübt. Und da hat er mir diesen Putzelbaum gezeigt. Und ich habe gesagt, wow, das war jetzt richtig gut. Und der ist zehn Zentimeter größer aus dem Training rausgegangen als sonst. Und da an so einer Stelle finde ich ein Lob total angebracht. Aber das Lob muss gerechtfertigt sein und das Lob muss begründet sein. Und damit ich ein Lob gerechtfertigt und begründet anbringen kann, muss ich mein Kind wahrnehmen. Ich muss es sehen. Ich kann nicht einfach nur einen halben Blick auf ein Bild werfen und sagen, das hast du aber schön gemalt. Ich muss mein Kind wirklich sehen. Generell, Kinder wollen gesehen werden. Das ist mit eines der wichtigsten Dinge. Und wenn ich das sehe und wenn ich einen wirklichen Entwicklungsschritt sehe, dann finde ich, dass man das würdigen kann und das kann über ein Lob passieren. Das ist so. Und da sage ich, hey, klar, wir sollen das auf jeden Fall positiv wahrnehmen, aber nach meiner Auffassung reicht es da völlig, wenn wir uns mitfreuen. Und tatsächlich gibt es einen Unterschied zwischen ich freue mich mit und ich lobe, denn ein Lob beinhaltet immer die Wertung. Also wenn du sagst, hey, das hast du gut gemacht oder das hast du toll gemacht, dann zeige ich, ja, das hat mir gefallen. Aber ich kann ja auch einfach sagen, hey, du hast es geschafft. Das ist Mitfreund, das ist ohne Bewertung. Also wie gesagt, total super komplexes Thema. Das soll jetzt auch gar nicht den Rahmen sprengen. Aber im Grunde bin ich da inhaltlich total bei dir. Wichtig ist halt, dass es angemessen ist und dass es eben auch richtig formuliert ist. Und da sind tatsächlich kleinere Stolperfallen. Und mit deinen Mitfreuden, ganz kurz, schaffst du ja das Gleiche. Du würdigst, dass da was passiert ist. Genau, ich würdige das, aber ohne das zu bewerten. Also dieses wirklich gut gemacht ist eben, ich beurteile deine Leistung. Und das halte ich für sinnvoll, wenn wir das versuchen so ein bisschen zu minimieren, weil sehe ich genau wie du dieses, ja prima, ganz toll, super, was man so auf dem Spielplatz hört, ist echt schwierig, weil dieses gießkannenartige Loben führt dazu, dass, das überhaupt gar keinen Effekt mehr hat oder sogar negative Effekte. Also da gibt es spannende Studien zu, ist definitiv ein Thema, mit dem man sich mal beschäftigen kann und sollte. Aber heute soll es ja um Selbstsicherheit gehen und ich würde da gerne nochmal, auf den Punkt, den du die äußere Selbstsicherheit genannt hast, zurückkommen. Also was genau bedeutet das? Du hast es schon angesprochen, aber bei vielen, ist als allererstes die Assoziation Selbstverteidigung ist da ein Thema. Also die äußere Selbstsicherheit, das erwähne ich auch in meinem Buch ganz klar, da habe ich ganz viele Inhalte aus dem Gewaltpräventionsprojekt nicht mit mir des Deutschen Jutze-Verbandes übernommen. Das Gewaltpräventionsprojekt nicht mit mir, das wurde ursprünglich von der Polizei, von Pädagogen und von Trainern gemeinsam entwickelt, um Kinder nach außen hin zu stärken. Seit einigen Jahren bin ich da auch selber mit dem Team und entwickle das weiter, und wir arbeiten mit der Selbstsicherheitsampel. Und die Selbstsicherheitsampel hat wie die normale Verkehrsampel auch drei Farben. Da haben wir als erste Stufe das Grün und das Grün ist erstmal die Prävention. Ja, was kann ich im Vorfeld tun, damit eine gefährliche Situation gar nicht erst entsteht oder damit ich, sollte sie entstehen, bestmöglichst vorbereitet bin. Das wäre grün. Dann gibt es gelb die Selbstbehauptung, was kann ich durch Körpersprache, Mimik, Gestik, durch meine Stimme tun, um gefährliche Situationen, wenn ich drinstecke, wieder zu klären oder einen Konflikt zu klären. Und der rote Bereich, das ist die allerletzte Stufe. Das ist das, was man möglicherweise Selbstverteidigung nennen kann. Ich würde es aber Selbstschutz nennen, weil es geht nie darum, den anderen zu besiegen. Es geht auch praktisch nicht darum, irgendwie zu schlagen, sondern es geht einzig und allein darum, sich aus einem Griff, aus einer gefährlichen Situation zu befreien, wegzugehen und möglichst heil und gesund wieder zu Hause anzukommen. Das ist das einzige Ziel. Es geht nicht darum, zu kämpfen, zu boxen oder irgendwie. Ins Schlägern zu geraten. Frieda, jetzt ist es ja so, das kennt man wahrscheinlich vom Schulhof, dass es so einige Kinder gibt, die eben nicht so selbstsicher wirken und dadurch auch so ein bisschen immer so die Signale aussenden, dass sie ja eher vielleicht ein leichtes Ziel für Kinder, die mobben wollen oder Konflikte suchen, sein könnten. Was sind denn das für Signale? Also woran liegt es, dass man das so wahrnimmt? Und können wir denn unsere Kinder dabei unterstützen, das zu verändern? Also da muss ich ein bisschen widersprechen. Es gibt natürlich bestimmte Kinder, die eher Opfer von Mobbing werden als andere. Aber erstmal gilt, und das ist nicht nur beim Mobbing, sondern auch zum Beispiel beim Thema sexualisierte Gewalt, dass jedes Kind Ziel von Gewalt werden kann. Jedes Kind kann Opfer werden und es gibt keine Sicherheit. Auch Kinder, die sozial total kompetent sind, können durch unglückliche Umstände zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort sein, können Opfer von Mobbing werden. Und das hat man nicht in der Hand und deshalb trifft die Betroffenen auch nie die Schuld. Man kann als Eltern nicht so lange, ich sage mal, an den Kindern rumdoktern, bis die sicher sind vor solchen Attacken, sondern man muss sich klar sein, man kann die Kinder stärken, aber auch das stärkste Kind ist nicht gefeiert davor. In so eine Gewaltsituation reinzukommen. Natürlich kann man hergehen und kann die Kinder dahingehend stärken, dass man zum Beispiel sagt, Prüf mal, wo sind deine Grenzen und dann mit den Kindern einübt, diese Grenzen dann auch zu wahren. Oder dass man mit den Kindern einübt, Hilfe zu holen. Wobei es leider, wenn man jetzt Thema Mobbing anspricht, ganz oft so ist, dass die Kinder Hilfe holen wollen, aber gar keine Hilfe bekommen. Das trifft nicht auf alle Schulen und auf alle Lehrer zu, aber leider ist es so, dass dann auch oft mal der Satz kommt, macht es unter euch aus. Oder auch die Lehrer dann schon genervt reagieren, wenn dasselbe Kind schon wiederkommt und schon wieder sagt, die ärgern mich. Also das ist eine ganz schwierige Situation im Mobbing. Mobbing ist was, was in der Schule systemisch geklärt wird und was nicht dadurch beendet werden kann oder verhindert werden kann, allein, dass man die Kinder stärkt, sondern nur, indem man systemisch mit der gesamten Klasse arbeitet. Das Stärken des Kindes kann nur einer von mehreren Puzzlestücken sein, die da zusammengreifen müssen. Jetzt neigen ja Eltern dazu, wenn Kinder berichten, dass sie in der Schule belästigt, gemobbt werden, dass sie ihnen sagen, ja, ignoriere das einfach oder geh dann weg oder hol dir Hilfe. Genau, dass es nicht so hilfreich ist, hast du gerade schon gesagt, aber auch die anderen Ratschläge, also ignoriere das oder geh weg, das funktioniert ganz häufig nicht. Warum ist denn das so? Warum sollte der Akteur aufhören? Ja, der Akteur, das muss einem klar sein, der zieht aus Mobbing einen wahnsinnigen Benefit. Der Akteur bekommt nämlich durch die Gruppe eine Anerkennung dafür, dass er mobbt. Sonst würde er das nämlich nicht tun. Ja, die anderen Kinder finden das witzig. Die lachen mit. Ja, die geben ihm die Rückmeldung, du bist so cool. Das ist so witzig, was du da machst. Würde die Klasse das nämlich nicht tun, dann würde der Mobber nicht mobben. Der Mobber hat einen großen Vorteil, weil die Klasse ihm Anerkennung schenkt. Und der wird nicht aufhören, nur weil der Betroffene plötzlich sagt, geh weg. Der wird es witzig finden und wird es gegen den Betroffenen verwenden. Man muss sich Mobbing ein bisschen vorstellen wie Treibsand. Und Mobbing, wenn man mal in Mobbing drinsteckt, kann man sich aus eigener Kraft nicht mehr aus Mobbing befreien. Das Kind kann nur noch falsch reagieren. Wenn das Kind, wie du gerade gesagt hast, versucht es zu ignorieren, dann ist das Kind für die anderen Kinder der, der sich nicht traut, sich zu wehren. Oder die. Wenn das Kind aber sich wehrt, dann ist es der Verrückte, der immer gleich rumschreit und ausrastet. Also man kann nicht mehr adäquat reagieren und man hat immer verloren, wenn das Mobbing mal eine bestimmte Schärfe gewonnen hat. Und dann kann nur noch die Schule reagieren, dann kann der Betroffene oder die Betroffenen nicht mehr reagieren, dann können auch die Eltern nichts mehr machen, dann kann nur noch und allein die Schule was machen. Und das gilt auch, wenn das Mobbing gar nicht in der Schule stattfindet, sondern nur dort seinen Ursprung hat und dann nachher auf dem Pausenhof oder das wäre ja noch die Schule, sondern auf dem Schulweg oder heutzutage online stattfindet. Ja, es ist so tragisch, weil es passiert wirklich millionenfach in Deutschland und das ist ein Thema, was definitiv noch viel zu wenig Beachtung findet, weil eben dem viele Schulen auch total hilflos gegenüberstehen. Da wird sehr, sehr wenig gemacht. Ich kenne gute Projekte, ich weiß, dass es an manchen Schulen ein großes Thema ist, aber, ich habe selbst ein Kind, was betroffen war und ich finde es so tragisch, wie da Kinder wirklich über längere Zeit dermaßen beeinträchtigt werden, dass es eben sich wirklich dann auf das Selbstwertgefühl und die Selbstsicherheit auswirkt. Richtig. Und wenn ich da ganz kurz noch anfügen darf. Ja, gerne. Der erste und wichtigste Schritt aus meiner Sicht wäre, dass die Schule dieses Thema enttabuisiert. Dass die Schule sagt, ja, es gibt bei uns Mobbing und ja, wir wollen uns diesem Thema annehmen. Solange Schulen sagen, es gibt es bei uns nicht, so sind Kinder halt oder ähnliche Sachen, ist es ein wahnsinnig guter Nährboden für Mobbing. Wenn die Schule aber anfängt zu sagen, wir machen mal einen pädagogischen Tag dazu. Wir machen mal einen Themenelternabend und laden uns einen Experten dazu ein, wir hauen das bei uns auf die Homepage drauf, dass man da dazu nachlesen kann, dann ist ein erster Schritt schon getan, weil das Thema steht im Raum und dann kann man gucken, wie können wir weiterarbeiten. Aber das ist für mich mal der erste Schritt, der passieren muss. Ja, absolut. Aber es gibt leider DirektorInnen, wo das Ego dann größer ist, als das Interesse, die Kinder zu schützen, die, wie du schon sagst, dann einfach behaupten, das gibt es bei uns nicht und das Thema ignorieren wollen einfach, um, ja, sie empfinden es so, ihr eigenes Versagen quasi zu verschleiern, was ja Unsinn ist, weil sie sind ja nicht diejenigen, die mobben. Aber da an der Stelle möchte ich Eltern gerne ermutigen, wenn das bei euch in der Schule der Fall sein sollte, wendet euch ans Schulamt. Wenn das mehrere Eltern tun, dann wird man dort in der Regel auch tätig. Also wenn es da vielfaches Feedback gibt, an der Schule gibt es Probleme, dann wird auch irgendwann den Versicherungen des Direktors, der Direktorin nicht mehr so viel Glauben geschenkt, dass eben alles wunderbar ist. Ja, das ist leider in der Schule können wir relativ wenig beeinflussen und das ist natürlich wirklich tragisch, aber wie können wir denn zu Hause unsere Kinder unterstützen? Lass uns mal darauf zurückkommen, wie können wir denn unseren Kindern beibringen, Grenzen klar zu setzen, ohne dass sie dabei aggressiv werden müssen? Die Kinder werden erst dann aggressiv, wenn eine Not da ist. Wenn ein Kind Stopp sagen würde und der andere würde dieses Stopp akzeptieren, dann müsste kein Kind aggressiv werden. Ich hatte es vorhin schon mal gesagt, aggressiv werden die Kinder eigentlich immer erst dann, wenn eine Not da ist. Und die Not kann zwei Gründe haben. Die eine Variante ist die, dass diese Grenze tatsächlich massiv verletzt wird. Das heißt, das Kind sagt Stopp und der andere kommt trotzdem näher. Das Beispiel wieder mit der Tante, die zu Besuch kommt. Das Kind sagt, ich möchte keinen Kuss, was es sagen darf. Mein Körper gehört mir, jedes Kind darf entscheiden, ob der andere das Kind küssen darf oder nicht. Jetzt kommt die Tante aber trotzdem und will dem einen Kuss geben und das Kind fängt an zu schreien und sagt Stopp. Dann wundert sich die Tante und sagt, wow, jetzt bist du aber aggressiv, nur weil ich dir einen Kuss geben wollte. Also die Aggressivität erwächst daraus, dass das Kind eine Not hat und nicht anders wusste, als jetzt laut zu werden. Das ist der eine Weg oder der eine Grund. Und der andere Grund liegt möglicherweise darin, dass das Kind in der Vergangenheit schon erlebt hat, dass die Grenzen immer und immer und immer wieder überschritten wurden. Wenn man sich mit der Hand auf den Arm fasst, dann tut es in der Regel eigentlich nicht weh. Wenn aber da eine Wunde ist, wenn man sich wundgerieben hat und man fasst auf die gleiche Stelle, dann tut es richtig weh. Und dann kommt viel früher diese Aggression, weil man weiß, wenn ich nur Stopp sage, dann hört ja niemand drauf. Also muss ich viel stärker und viel lauter und viel aggressiver Stopp sagen. Und das ist dann der Grund, warum diese Aggressivität mit reinkommt. Und eigentlich, wenn wir alle dieses Stopp sagen, dieses Grenzen setzen akzeptieren würden, dann müsste kein Kind aggressiv auftreten. Ich bringe den Kindern bei, bei mir in den Kursen, laut zu sein, um Aufmerksamkeit zu schaffen, aber nicht aggressiv, sondern nur so, dass es andere mitbekommen, dass hier gerade etwas passiert, was das Kind nicht möchte. Weil Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, ist das wertvollste und stärkste Mittel, was Kinder haben. Je mehr Leute mitbekommen, was passiert, umso größer ist die Chance, dass jemand kommt und einschreitet und hilft. Jetzt haben wir keine übergriffig knutschende Tante zu Hause. Gibt es denn noch so andere kleinere Alltagssituationen, die wir Eltern nutzen können, um so ein bisschen Selbstbehauptungen zu üben? Ja, das geht ja nicht nur um die Tanten. Also wenn ich mir gerade die Regel hernehme, mein Körper gehört mir, die geht ja auch bei den Eltern. Und wenn ich merke, ich setze mich gerade neben mein Kind. Dann kriegt morgen keiner mehr die Zähne geputzt. Ja, das ist ein bisschen was anderes. Zähneputzen machen die Kinder ja ab einem gewissen Alter selber. Da müssen die Eltern in der Regel nicht mehr dem Kind die Zähne putzen. Aber wenn ich mich neben mein Kind setze und mein Kind in den Arm nehme und ich merke, das will das gerade nicht, dass ich dann zu dem Kind sage, du, ich spüre das gerade, aber du darfst mir das auch sagen, weil vielleicht spüre ich es mal nicht und dann darfst du zu mir sagen, ich möchte gerade keine Unarmung. Oder wenn der Papa einen Kuss geben will und er hat sich halt nicht rasiert und der Kuss piekt, dann darf das Kind sagen, du, jetzt gerade nicht. Und wenn das in der Familie gelebt wird, ich sage auch manchmal zu meinen Kindern, ich will gerade keinen Kuss. Es gibt einfach Momente, da will ich nicht geküsst werden, von niemandem. Und wenn das so in der Familie gelebt wird, dass jeder zu jedem sagen kann, hey, hier ist meine Grenze, dann ist es was, was auch nach außen getragen werden kann. Und das gilt natürlich auch nicht nur für die körperlichen Grenzen, sondern auch für alle anderen Grenzen. Wenn Kinder in ein gewisses Alter kommen und vielleicht ein eigenes Zimmer haben, dann kann man auch besprechen, wie weit darf das Kind diese Zimmertür zumachen und inwieweit müssen die Eltern diese Grenze, Zimmertür auch respektieren und nicht einfach nur reinplatzen, und sagen, das Haus gehört mir, also gehört mir auch dein Zimmer. Ja, es gibt diverse Grenzen, die die Kinder haben und dann kann man darüber sprechen, je nachdem wie altes Kind ist, welche Grenzen dürfen die Kinder haben. Zumachen und für sich behaupten und das auch gegenüber den Eltern und in welchen Situationen. Ja, das klingt total logisch und natürlich sitzt jetzt jeder vor dem Podcast und nickt, aber ich weiß, dass es im Alltag tatsächlich viel, viel schwieriger ist, als es sich anhört. Also gerade, da sind wir wieder bei unserer eigenen Erziehung und unserer eigenen Prägung, ist das für Eltern wahrscheinlich echt schwierig, wenn das Kind sagt, ich möchte jetzt nicht kuscheln, Weil wir das sofort wieder als Ablehnung unserer Person auffassen und gar nicht genug darauf achten, dass es wirklich der Situation im Moment geschuldet ist. Also da kann ich wirklich nur jeden ermutigen, da auch bei sich genau mal hinzuschauen. Das sind so ganz, ganz viele kleine Alltagssituationen, wo es tatsächlich passieren kann, dass wir Grenzen überschreiten und uns dessen gar nicht bewusst sind. Genau, mein Buch heißt ja Dein selbstsicheres Kind. Das heißt, eigentlich ist das Kind im Zentrum. Und trotzdem, wenn sich die ZuhörerInnen das Buch durchlesen, werden sie feststellen, dass ganz viele Aufgaben sich mit den Eltern beschäftigen. Dass die Eltern erstmal bei sich anfangen, bevor sie sich dann mit dem Kind beschäftigen, weil ganz viel startet bei den Eltern. Was ja eigentlich auch eine gute Nachricht ist. Also das heißt, wir haben ganz viel aktiv in der Hand und können auch tatsächlich was tun. Was ich jetzt bei deiner Arbeit ganz spannend finde, ist, dass ihr ganz viel mit Rollenspielen arbeitet. Warum funktioniert das denn viel besser als Erklärungen? Wenn Erklärungen erstmal nur gehört werden und sich dann erstmal nur als Information im Gehirn abspeichern. Wenn ich aber etwas real erlebe, weil ich es durchspiele, dann speichert sich das ganz anders im Körper ab. Es gibt diesen Spruch, der Körper ist ein eigenes Gedächtnis. Und wenn sich die Dinge, weil ich sie oft erlebt habe, im Körper wirklich abgespeichert haben, dann kann ich auf diese Dinge auch zugreifen, wenn das Gehirn im Grunde abschillt. Jeder kennt die Blackout-Situation, ich bin im Stress bei einer Prüfung oder sonst was. Die Dinge, die ich nur weiß, die können weg sein. Die Dinge, die sich aber der Körper gemerkt haben, die sind viel länger da. Wenn wir uns richtigen Kampfsport angucken von Erwachsenen, dann gilt so die Faustregel. ich muss eine Technik 1500 bis 3000 Mal gemacht haben, bis ich sie wirklich kann. Und es reicht nicht, mir ein Video drüber auf YouTube anzugucken. Ja, klingt irgendwie logisch. Jetzt weiß ich, dass manche Eltern sagen, oh ja, ich würde mein Kind ja gerne in so einen Kurs schicken, bei dem es Gewaltpräventionen gibt. Ich habe aber tatsächlich Angst, also sagen die Eltern, dass mein Kind erst recht Ängste entwickelt, wenn das Thema Gewalt thematisiert wird. Du sagst jetzt aber, nein, nein, das Gegenteil ist der Fall. Warum? Also wenn ein Kind aus einem Gewaltpräventionskurs rausgeht, und Ängste entwickelt hat, dann muss ich ganz ehrlich sagen, dann hat dieser Trainer, der den Gewaltpräventionskurs durchgeführt hat, in meinen Augen massiv versagt und sollte keinen weiteren Gewaltpräventionskurs mehr geben. Ängste sind absolut kontraproduktiv, sondern die Kinder sollen ja gestärkt werden. Wenn ich hergehe und den Kindern die Gefahren aufzähle, die überall in der Welt hausen, dann sagen die Kinder, ich verlasse nie mehr mein Kinderzimmer, ich bleibe da und ziehe mir die Decke über den Kopf. Das ist nicht das, was wir erreichen wollen. Wir wollen den Kindern Handlungskompetenzen mitgeben. Wir wollen den Kindern Techniken unter Umständen auch mitgeben. Einfach nur, dass sie wissen, wenn was wäre, dann könnte ich. Ich bin da nicht schutzlos ausgeliefert. Und wenn ich einen Kurs gebe, dann mache ich mich ganz bewusst und ganz gerne vor den Kindern zum Affen, weil dann lachen die Kinder, dann haben die Kinder Spaß und gehen aus dem Kurs raus und sagen, war das ein toller Kurs, können wir den nicht nochmal machen. Und alles andere, das läuft nebenbei. Aber in erster Linie müssen die Kinder Spaß haben, weil dann nehmen sie viel mehr mit, als wenn ich da mit Trostszenarien und wenn ihr nicht dann kommen würde, das darf nicht passieren. Gibt es denn eigentlich auch so Dinge, die Eltern möglicherweise ganz ungewollt und unbewusst ungünstig machen, die vielleicht eher nicht dazu dienen, Kinder zu stärken? Der Hauptfehler ist aus meiner Sicht der, dass Eltern einen Druck aufbauen und dann die Kinder bei sich selber die Schuld suchen, wenn sie die Dinge nicht umsetzen konnten. Das ist ein ganz, ganz großes Thema, wenn ich mir Prävention sexualisierter Gewalt angucke, dass der Täter oft den Kindern sagt, du bist ja schuld an dem, was passiert ist. Und wenn dann was passiert und die Kinder auch noch wissen, eigentlich hätte ich mich anders verhalten müssen, eigentlich weiß ich ja das, aber das habe ich jetzt nicht gemacht, dann geben sich die Kinder noch mehr die Schuld. Also es darf nicht dazu führen, dass die Kinder das Gefühl haben an Gewalt, die ihnen angetan wird, eine Mitschuld zu haben. Es darf nicht der Druck aufgebaut werden, dass die Kinder denken, wenn mir was passiert, dann nur deshalb, weil ich es falsch gemacht habe. Das ist in meiner Sicht das, was häufig passiert und was der größte Fehler ist, was Eltern machen können oder was auch Trainer machen können oder auch was in Gewaltpräventionskursen passieren kann. Die Kinder dürfen nicht das Gefühl haben, wenn ich mich falsch verhalte, dann übernehme ich einen Teil der Schuld oder die Schuld sogar ganz. Absolut. Jetzt leben wir ja irgendwie in relativ ungewöhnlichen Zeiten. Also in den letzten 10, 15 und vor allem in den letzten zwei, drei Jahren hat sich extrem viel verändert. Macht sich das auch bemerkbar in Bezug auf die Selbstsicherheit? Also gibt es da besonders Dinge, an denen Kinder heutzutage besonders hart arbeiten müssen? Also es ist natürlich so, dass die Mittel, die den Tätern, den Akteuren zur Verfügung stehen. Sich viel stärker geworden sind. Mobbing läuft heutzutage über Cybermobbing 24-7 durch. Früher, nicht gerade vor zehn Jahren, aber noch deutlich früher, hat das Mobbing zumindest aufgehört, wenn das Kind nach Hause gekommen war und da war der Safe Space. Das ist heute nicht mehr so. Sexueller Missbrauch, sexuelle Gewalt, genau das Gleiche. Es gibt durch die KI so viele Möglichkeiten, wie Täter Opfern schaden können. Ich würde die Frage trotzdem verneinen, weil das Grundprinzip das gleiche geblieben ist. Der Grundmechanismus von sexualisierter Gewalt, der Grundmechanismus von Mobbing, ist immer noch der gleiche geblieben, wie er vor zehn Jahren war, wie er vor 20 Jahren war. Es haben sich nur die Mittel verstärkt, die den Tätern, die den Akteuren zur Verfügung stehen. Und das heißt, wir müssen eigentlich immer noch an den gleichen Punkten ansetzen. Wenn wir Mobbing klären wollen, klären wir das nicht im Internet, sondern wir klären das immer noch in der realen Klassengemeinschaft. Und wenn wir Kinder befähigen wollen, bei sexuellem Missbrauch tätig zu werden, dann müssen wir immer noch über gute und schlechte Geheimnisse sprechen, über angenehme und unangenehme Berührungen sprechen. Das sind letztlich die gleichen Themen, die wir in der Welt befähigen. Wie gesagt, nur dass es sich eben durch die Digitalisierung und vor allen Dingen durch die KI ganz andere Ausmaße bekommen hat. Ja, umso wichtiger wird das Thema. Kannst du dann zum Abschluss unserer heutigen Folge nochmal ganz kurz zusammenfassen, was dann aus deiner Sicht die wichtigsten Möglichkeiten sind, eben die Selbstsicherheit und das Selbstbewusstsein unserer Kinder zu stärken? Ich würde gerne eine Methode als letztes noch den Eltern ans Herz legen. Und zwar ist das das gemeinsame Projekt. Der Schriftsteller Dr. Timo Nolle hat, ich weiß nicht ganz auswendig, aber so vom Sinn her gesagt, Aufmerksamkeit ist ein endliches Gut oder Zeit ist ein endliches Gut. Wir haben nicht unendlich Zeit und wir haben auch nicht unendlich Aufmerksamkeit. Und wenn wir hergehen und sagen, ich widme meine Aufmerksamkeit dir, weil du mein Kind bist, weil ich dich liebe, ja, und wir machen was gemeinsam. Es gibt ein Jugendbuch, das heißt Unsichtbar, da geht es auch um Mobbing und da liegt dann der Betroffene am Schluss im Krankenhaus und der Vater sagt, ich habe mir jetzt freigenommen. Und der Sohn fragt ihn, warum hast du dir nicht freigenommen, als es mir noch gut ging? Die Chance haben wir jetzt. Wir haben jetzt die Chance, mit unseren Kindern ein Projekt zu starten. Ein Projekt, an das sie sich noch erinnern, wenn sie erwachsen sind. Ein Projekt, wo wir den Kindern zeigen, ich widme dir meine Zeit. Ich widme dir meine Aufmerksamkeit. Wir machen was gemeinsam. Dadurch hat das Kind gleichzeitig die Möglichkeit, über die Zeit sich vielleicht ganz anders anzuvertrauen mit Themen, die es mit sich rumträgt. Weil plötzlich der Raum dafür da ist, sich anzuvertrauen. Das Kind merkt und fühlt auch wirklich, wir hatten es von dem Selbstwertgefühl, wow, ich bin meinen Eltern wichtig. Die nehmen sich Zeit, der nimmt sich vielleicht sogar einen Urlaub extra nur für mich und macht es mit mir. Es gibt dieses Kinderbuch, Feuerschuh und Windsandale heißt es, glaube ich, da macht der Papa genau das und macht mit seinem Sohn einen längeren Ausflug und verbringt einfach Zeit mit seinem Sohn. Und wenn man irgendwie die Möglichkeit hat, ein solches Projekt zu starten, das kann auch sein, dass man gemeinsam. Einen Schrank aufbaut, das kann sein, dass man gemeinsam einen Baum pflanzt oder irgendeine Ecke im Garten neu gestaltet oder irgendwas anderes. Das kann man sich überlegen, was man machen will, aber gemeinsam mit Zeit aufbaut. Und sich gemeinsam freuen und den Erfolg auch gemeinsam feiern, so wie du das vorhin gesagt hattest, als wir es über das Thema loben hatten. Ja, und das ist ja auch auf so vielen Ebenen sinnvoll und wertvoll. Also gleich mal damit anfangen. Macht den Podcast aus, genießt eure Kinder. Ich danke dir wirklich von Herzen, Frieda, für dieses wirklich interessante und wichtige Gespräch. Ich danke euch. Dankeschön. Sehr, sehr gerne. Also Selbstsicherheit haben wir gesehen, entsteht leider nicht so nebenbei mal an einem Tag oder durch einen Kurs und auch nicht durch den einen richtigen Satz. Sie wächst halt jeden Tag ein kleines Stück, wenn wir es unterstützen und immer dann, wenn Kinder leben, dass sie Schwierigkeiten bewältigen können, dass ihre Grenzen ernst genommen werden und dass sie sich auf uns verlassen können. Frieda, du hast auch ein Buch mitgebracht. Ein Exemplar deines Buches Dein selbstsicheres Kind. Schaut unbedingt gern mal bei Instagram vorbei. Dort könnt ihr das nämlich gewinnen. Und wir verlinken das natürlich auch in den Shownotes, auch die Bücher, die Frieda eben noch mal am Ende genannt hat. Falls die für euch interessant sind, könnt ihr euch dort noch mal ganz in Ruhe anschauen. Ja, vielen lieben Dank fürs Zuhören. Wir freuen uns, wenn ihr auch beim nächsten Mal wieder mit dabei seid. Für heute sage ich erst einmal Tschüss. Das war der Podcast vom gewünschtesten Wunschkind.