Das gewünschteste Wunschkind, der Podcast. Hallo und herzlich willkommen zu Das gewünschteste Wunschkind, der Podcast. Heute mit Daniel Graf. Es gibt Dinge, bei denen wir uns ziemlich sicher sind, dass wir sie irgendwann machen werden. Den Job wechseln, wieder mehr schreiben, eine tolle Reise machen oder vielleicht auch eine Freundschaft retten oder gar uns aus einer Beziehung lösen. Oder vielleicht endlich mal jemandem sagen, wie wichtig er für uns ist. Oder vielleicht auch ganz einfach etwas wieder anfangen, das früher einmal ganz fest zu uns gehört hat. Nur dieses Irgendwann ist ziemlich geduldig. Es kann durchaus Jahre auf uns warten. Ich habe gerade den frisch erschienenen Roman Bevor es morgen wird von Katharina Tempel gelesen. Katharina ist promovierte Psychologin, Coachin und Bestseller-Autorin und in ihrem Buch geht es um Menschen, die am Ende ihres Lebens auf das schauen, was sie nicht gewagt, nicht gesagt oder immer wieder verschoben haben. Und irgendwann war für mich die viel interessantere Frage nicht mehr, was diese Menschen bereuen, sondern warum wir überhaupt so oft ein Leben auf später verschieben, von dem wir doch nur dieses eine haben. Und mit Kindern wird diese Frage ja noch viel komplizierter, denn dann gibt es ja sehr reale Gründe, vernünftig zu sein, Verantwortung zu tragen und auch eigene Bedürfnisse eben nicht immer an die erste Stelle zu setzen. Wie finden wir also heraus, was uns wirklich wichtig ist? Warum halten wir an Dingen fest, die uns längst nicht mehr guttun und wie viel von unseren Entscheidungen treffen wir überhaupt selbst? Und wie schaffen wir Veränderungen, ohne unser bisheriges Leben einfach in die Luft zu springen? Ich habe die Autorin dieses wirklich bewegenden Buches heute eingeladen, um mit ihr genau darüber zu sprechen. Herzlich willkommen, Katharina. Hallo. Katharina, sag mal, warum verschieben wir denn die Dinge, von denen wir eigentlich wissen, dass sie uns wichtig sind, manchmal jahrelang, überhaupt auf später? Ja, du hast das schon so, so schön gesagt. Wenn man das so hört, klingt das völlig verrückt. Wir haben nur dieses eine Leben und trotzdem machen wir so oft die Dinge, die uns wirklich am Herzen liegen, nicht. Und ich glaube, der entscheidende Grund ist, dass wir so viel mit allem anderen beschäftigt sind. Viele von uns haben einfach gelernt zu funktionieren. Wir erfüllen unsere Pflichten und die gesellschaftlichen Erwartungen. Wir versuchen allen Rollen, die wir innehaben, gerecht zu werden. Und ich glaube, wir kennen das ja, gerade wer Kinder hat auch, wir kennen das aus dem Alltag sehr gut. Was mir selbst wichtig ist, meine eigenen Bedürfnisse, die kommen ja meistens eh schon zuletzt. Um alles andere kümmern wir uns vorher. Und ein Grund dafür ist auch, dass wir keinerlei Kontrollinstanz, keine Frist und auch keine Konsequenz, keinen gesellschaftlichen Aufschrei haben, wenn wir unsere Träume verschieben. Das ist bei unseren Erwartungen oder bei den Pflichten und Rollen, die wir ausüben, aber was ganz anderes. Also wenn ich meinen Rollen nicht gerecht werde, dann gibt es immer irgendwo einen Aufschrei. Dann kommen die Eltern, die sagen, Mensch, du meldest dich nicht mehr regelmäßig. Ich wünsche mir, dass du mich häufiger anrufst. Oder es gibt den Chef, der sagt, deine Arbeit lässt nach, da muss wieder mehr passieren. Das heißt, wir kriegen überall sofort Korrektur im Außen, wenn wir nicht gut genug funktionieren, wenn wir nicht reibungslos funktionieren. Und dann können wir das wieder anpassen und diesen Rollen wieder gerechter werden. Und den Erwartungen, die alle anderen an uns hegen. Aber so etwas gibt es ja nicht bei den Dingen, die mir wichtig sind. Die meisten Menschen kennen ja wahrscheinlich meine persönlichen Träume gar nicht. Oder meine Bedürfnisse für den Moment. Und niemand wird sagen, ja Mensch, was ist denn damit? Was ist denn mit deinen Herzenswünschen? Hast du dir heute gar keine Zeit dafür genommen? Da haben wir überhaupt keine äußere Korrektur, sage ich mal. Und deswegen ist es von daher schon so leicht, dass wir diese uns persönlich wichtigen Sachen immer erst mal irgendwie hinten anstellen, auf später verschieben, auf morgen verschieben. Und das sind ja gerade mal die äußeren Umstände. Dann kommen noch die inneren Faktoren dazu, unsere eigenen Glaubenssätze, die uns natürlich massiv im Weg stehen können. Ich kann das nicht, das geht nicht für mich, das ist für mich nicht drin im Leben oder ich bin zu alt oder zu jung oder zu dumm dafür. Das sind ja auch Gründe, warum wir nie losgehen für das, was uns wirklich wichtig ist, weil wir von vornherein uns sozusagen im Kopf das schon schlecht reden. Und dann kommen noch Ängste dazu. Ängste vor dem Scheitern, davor sich zu blamieren, dass die anderen einen auslachen, wenn man irgendwie was wagt, was anders macht, auch was angeht, was einem persönlich wichtig ist. Also diese Wichtigkeit, die hat ja auch eine Bedeutung für einen. Und da dann auf die Schnauze zu fallen, das ist natürlich höchst unangenehm und das mögen wir auch nicht so gern. Und dann entscheiden wir uns auch oft lieber dafür, in dem bekannten Alten zu bleiben, selbst wenn das uns nicht gut tut. Weil das ist wenigstens vertraut, da reden wir uns ein, dass das sicher ist und wenigstens müssen wir sozusagen nicht mit diesem großen neuen Unbekannten konfrontiert werden. Ja, das ist so ein bisschen Angst und Schmerz, Angst vor der Herausforderung und natürlich auch so ein bisschen Angst vor dem Schmerz, dass es gerade bei Herzensthemen irgendwie schief laufen könnte. Ganz genau. Also es ist ja immer so beim Aufschieben. Wir schieben auf, weil wir die damit verbundenen unangenehmen Gefühle und auch Konsequenzen vermeiden wollen. Wir wollen uns schützen vom Scheitern, vom Misserfolg. Manchmal wollen wir uns vielleicht auch schützen vor dem Erfolg und vor der Sichtbarkeit oder der Verantwortung oder den Erwartungen, die dann aufkommen, wenn das klappt. Und dann schützen wir in gewisser Weise vielleicht auch unsere Träume oder die Illusion unserer Träume, solange wir die nicht verwirklichen. Weil in meinem Kopf, in meiner Fantasie kann das immer wunderschön sein und immer vielleicht so ein Rückzugsort für mich. Ich habe ja noch diesen Traum. Aber wenn wir das angehen, wenn wir da Schritte umsetzen, dann kann eben auch sowas passieren wie, das klappt nicht so gut. Ich merke, ich kann das nicht gut, ich bin nicht gut genug dafür. Oder ich merke, Mensch, in der Realität ist es gar nicht so schön, wie es in meinem Kopf war. Und das ist ja auch ein Verlust sozusagen von etwas, was uns persönlich wichtig ist. Also all diese Gründe können uns davon abhalten, das wirklich mal auszuprobieren und zu wagen. Aber manchmal sind die Gründe ja durchaus vernünftig. Also ich überlege, etwas zu tun und dann denke ich, ja, es gibt hundert Sachen, die dagegen sprechen. Wie schaffe ich es denn, da zu erkennen, was jetzt rationale und was irrationale Ängste sind? Wie gehe ich damit um? Ja, das ist wahnsinnig schwer, weil sich einfach unsere Angst so gerne hinter dem Deckmantel der Vernunft versteckt. Also wir sind ja wahnsinnig gut darin, immer sehr viele rationale Gründe zu finden, warum es jetzt nicht der richtige Zeitpunkt ist oder wir das nicht machen können oder so. Aber es ist eben oft einfach ein Schutzmechanismus von unserem Gehirn. Damit wir das sozusagen nicht wagen müssen, damit wir unsere Komfortzone nicht verlassen müssen. Also eine Sache, wo man mal raufblicken könnte, ist, wie konkret sind denn die Gründe, die man findet? Denn es ist ganz oft so, wenn man das wirklich vernünftig, rational durchdacht hat und jetzt sieht, okay, da sind ein paar Argumente, die sprechen dafür, dass ich das jetzt noch nicht mache. Das kann so ja sowas sein wie, keine Ahnung, jetzt gerade kann ich nicht den Job wechseln oder ich kann hier meine Arbeit nicht abbrechen, weil ich kriege gerade ein Stipendium dafür. Und wenn ich das jetzt abbrechen würde, dann müsste ich das zurückzahlen und das Geld habe ich nicht. Also das wäre ein konkreter Grund. Das ist übrigens auch einer, der ein Enddatum hat. Also das läuft ja irgendwann aus und dann sieht die Situation vielleicht anders aus. Wohingegen, wenn wir einfach aus purer Angst blockieren, dann ist es oft eher so diffus und allgemein. Dann sagen, nee, das geht jetzt nicht, weil ich habe da jetzt nicht das Geld dafür oder gerade ist eine schlechte Zeit dafür. Gerade weiß ich nicht, gerade sollte ich vielleicht mehr für die Familie da sein. Oder es ist so ein bisschen allgemeiner, verstehst du? Da kann man mal hingucken, wie spezifisch ist man eigentlich gerade in seinen Argumenten? Und eben zum Beispiel auch, gibt es dann ein Enddatum, etwas, wo die Situation anders aussieht? Oder wenn man sich das gedanklich vorstellt, findet man dann gleich wieder den nächsten Grund, warum es dann doch nicht gehen sollte. Aber generell, glaube ich, müssen wir auch so ein bisschen davon wegkommen, dass es irgendwann vernünftig ist, es nicht zu tun. Und wenn es vernünftig ist, es zu tun, dann hätten wir keine Angst. Das ist ja so ein bisschen der Glaube, der dahinter steckt. Wenn es wirklich der richtige Zeitpunkt ist, wenn es jetzt wirklich klug wäre, das zu machen, dann hätte ich keine Angst. Aber das ist nicht so. Wir haben immer Angst. Wir haben grundsätzlich einfach Angst vor allem, was neu und unbekannt ist. Und natürlich haben wir Angst, etwas persönlich Bedeutsames anzugehen oder etwas Gewohntes aufzugeben. Also ich glaube, und das beschreibe ich auch an einigen Stellen im Buch, dass wir lernen müssen, unsere Angst einfach mitzunehmen. Nicht länger zu sagen, oh, ich habe Angst, also ist das nicht richtig, also ist das ein Fehler, also sollte ich das nicht machen, sondern okay, ich merke, ich habe Angst. Aber ich kann es trotzdem tun. Ich mache es trotz der Angst. Das ist übrigens die Definition von Mut. Nicht, dass wir keine Angst haben, sondern dass wir es trotz der Angst tun. Und dadurch wird die Angst ja verringert. Dadurch wird die weniger, dass wir es tun, dass wir merken, wir kommen hier voran, es funktioniert. Das ist wie bei all unseren Glaubenssätzen und so im Kopf. Wir müssen immer diese korrigierende Erfahrung haben. Wir müssen uns trauen, es zu tun, auch wenn wir Angst haben, trotz der Angst. Jetzt stehen ja manche Menschen schon noch einen Schritt davor. Also bevor ich irgendwas verändern kann, weil ich irgendwie das Gefühl habe, mir geht es nicht gut oder ich bin unglücklich, müsste ich ja als allererstes überhaupt mal wissen, was ich eigentlich will. Und das fällt manchen Menschen tatsächlich gar nicht so leicht. Warum verlieren denn Menschen manchmal den Kontakt zu ihren eigenen Bedürfnissen und Wünschen? Naja, weil permanent die Erwartungen von allen anderen auf uns einprasseln. Es ist ja wirklich verrückt, aber von klein auf sind wir natürlich, also wir wachsen ja nicht isoliert auf, sondern in diesem Gefüge von zwischenmenschlichen Beziehungen. Und da ist dann das Elternhaus und die Eltern, die gewisse Erwartungen an uns haben. Lehrer, Mentoren, vielleicht später auch Ausbilder oder Professoren. Gesellschaftliche Erwartungen, mediale Erwartungen, die in den Medien ständig, uns suggeriert werden, wie sieht ein richtiges Leben aus. Nachbarn, Freunde, also es ist permanent gefühlt wollen ja immer alle etwas von uns und haben eine bestimmte Vorstellung davon, wie wir leben sollen. Und es ist natürlich auch ein menschliches, zutiefst menschliches Bedürfnis, dass wir uns anpassen wollen und dass wir zugehörig sein wollen zu der Gruppe. Wir wollen nicht die Außenseiter sein. Wir wollen nicht rausfallen. Und es ist eigentlich eine unserer ersten Entwicklungsaufgaben als Kinder und Jugendliche, ist diese Anpassung. Erst mal zu lernen, was erwarten die anderen und die Gesellschaft von mir und sich daran sozusagen anzupassen, um ein vollwertiges Mitglied dieser Gesellschaft zu werden. Also das ist einfach auch psychologisch, menschlich total wichtig für uns. Und dann passiert es, dass wir ganz viele Ziele und Vorstellungen von den anderen übernehmen. Aber. Nicht immer solche, die auch uns wirklich wichtig sind. Wir glauben aber irgendwann, dass es unsere eigenen sind. Internalisieren nennen wir das dann. Wir internalisieren die Erwartungen der anderen, bis wir eben denken, das sind meine eigenen. Das will ich doch selbst. Und deswegen ist es auch so verdammt schwer, diese Frage zu beantworten. Was will ich denn? Was will ich wirklich? Weil wir halt sofort wirklich. Dieses riesengroße Mosaik haben von Dingen, die wir vermeintlich wollen sollten, weil sie uns ständig suggeriert werden. Und es so schwer ist, da seine eigene Stimme irgendwie noch rauszufiltern aus, diesem ganzen Hintergrundrauschen. Und gerade insbesondere dann, wenn man Kinder bekommt oder so oder vielleicht Eltern hat, die man pflegen muss. Also wenn man in so Rollen auch noch abtaucht, wo wir wirklich funktionieren müssen, wo wir uns vielleicht zurücknehmen müssen ein Stück weit. Das passiert ganz oft schleichend, dass wenn wir jahrelang nur funktionieren, dass wir einfach den Zugang zu uns selbst verlieren. Weil es so lange keine Rolle spielt quasi, was ich will, dass wir es irgendwann gar nicht mehr hören, dass wir es irgendwann gar nicht mehr wissen. Das ist also auch so ein ganz typisches Phänomen, gerade so, ich sag mal, um die Midlife-Crisis oder so, wenn man in die zweite Hälfte seines, Lebens eintritt, um die 40 herum, dass man meistens dann schon jahrelang funktioniert hat. Und dann vielleicht die Kinder auch wieder ein bisschen größer werden. Und dann merkt man plötzlich, der Zeithorizont verschiebt sich. Mir sind andere Dinge wichtig. Meine Prioritäten verschieben sich. Aber ganz oft und gerade Frauen können zu dem Zeitpunkt überhaupt nicht mehr beantworten, was sie eigentlich selbst wollen. Aber woran merke ich denn genau, ob ich mich jetzt tatsächlich bewusst für meine Familie entscheide und dass gerade der für mich relevante Lebensinhalt ist? Oder dass ich mich immer weiter aus dem Leben entferne, was ich tatsächlich leben will. Genau, das ist gerade beim Elternsein eine der größten Herausforderungen, dass wir unsere Bedürfnisse zurückstellen müssen und dass wir diese unfassbare Fremdbestimmung haben. Also oft sagt man ja, werden den Eltern vor allem der Schlafmangel, der Schlafmangel ist das Riesenproblem, aber tatsächlich zeigen Studien auch, dass vor allem die Fremdbestimmung ein ganz massives Problem ist am Anfang. Der Verlust von Autonomie. Denn das ist ein Grundbedürfnis von uns. Wir wollen autonom und selbstbestimmt über unser Leben verfügen können. Das heißt nicht immer frei sein. Freiheit, das ist noch was anderes. Aber wenigstens das Selbstbestimmen entscheiden wollen aus intrinsischen Gründen, weil mir selbst etwas wichtig ist. Und das gerade am Anfang mit Kindern wird einem ja, ja, das ist ja massiv eingeschränkt. Man muss einfach funktionieren. Genau. Und das ist einfach ein ganz, ganz schwieriger Faktor. Tatsächlich macht es psychologisch aber wirklich einen Unterschied, mit welcher inneren Haltung wir da rangehen. Also ich kann mir auch so eine massive Fremdbestimmung wie in der Elternzeit. Kann ich noch in gewisser Weise selbstbestimmt empfinden, wenn ich mir meine eigenen Werte und meinen eigenen Antrieb dahinter klar mache. Also wenn ich mich im besten Fall ja frei dafür entschieden habe, diese Kinder zu bekommen. Und dann führe ich mir vielleicht vor Augen, dass ja, der Schlafmangel, das Kind wacht ständig auf nachts. Aber mir ist zum Beispiel wichtig, dass das Kind ein Urvertrauen gewinnt und eine sichere Bindung an mich. Und deswegen bin ich auch bereit. Deswegen möchte ich nachts dann aufstehen und für das Kind da sein. Auch wenn ich es mir nicht freiwillig aussuchen würde. Aber es ist eben mit meinen Werten verbunden. Und wenn man das sagen kann, wenn man aus diesem ich muss, ich muss, ich muss, diesem fremdbestimmten Korsett, so ein gewisses, ja, aber es ist mir auch wichtig, ich möchte das tun. Wenn man das finden kann, dann hilft es schon enorm, mit dieser Fremdbestimmung zurechtzukommen. Und weil du gefragt hast, wo merke ich denn, ob ich selbst mich komplett verloren habe? Die Frage ist natürlich immer, spüre ich meine Bedürfnisse noch, auch wenn ich ihnen gerade nicht nachkommen kann? Aber weiß ich, eigentlich bräuchte ich jetzt gerade das oder eigentlich sehne ich mich danach oder das und das bleibt gerade bei mir auf der Strecke. Das kann man ja dann auch kommunizieren, da kann man ja mit dem Partner drüber reden, kann man innerhalb der Familie versuchen, Wege zu finden, dass man eben nicht komplett jahrelang sich selbst aus der Gleichung nimmt sozusagen. Aber der entscheidende Punkt ist, spüre ich das noch oder spüre ich mich selbst gar nicht mehr? Gibt es in meinem Leben nichts mehr, das nur mir gehört, das nur ich bin? Bin ich ja wirklich sozusagen von der Bildfläche verschwunden? Jetzt gibt es ja leider unendlich viele Möglichkeiten. Also wenn wir uns für etwas entscheiden, dann ist damit ja auch ganz häufig eine Entscheidung gegen etwas verbunden. Und wir schaffen es, leider nicht alles im Leben zu machen. Was mir persönlich immer so ein bisschen schwerfällt, ist damit so einen inneren Frieden zu finden und nicht ständig darüber nachzudenken, ob man vielleicht irgendwo falsch abgebogen ist. Hast du da einen Tipp für mich? Ja, das ist ein ganz toller Punkt. Den habe ich ja auch im Buch aufgenommen, dieser ontologischen Schuld. Das ist ein Konzept von einem Psychologen, Rollo Mai heißt der. Und das fand ich auch wahnsinnig beeindruckend, weil es mich so getroffen hat. Ich bin ja auch über 40 und habe gerade wieder auch diese Phase, wo ich viel reflektiere und wo sich viel Prioritäten verschieben. Und ich finde, gerade mit zunehmendem Alter merkt man einfach, wie sich Türen schließen, wie Optionen wegfallen, wie eben plötzlich nicht mehr alles möglich ist, was früher möglich war. Und genau, das macht einen natürlich im ersten Moment traurig. Und wie du sagst, dann fragt man sich, bin ich irgendwo falsch abgebogen? Hätte ich das Leben eigentlich anders führen müssen? Und was Rollo Mai sagt, ist im Grunde, dass wir alle diese Schuld, ontologische Schuld, also wie so eine Seinsschuld, Existenzschuld, die laden wir alle auf uns, weil es nämlich gar nicht anders geht. Weil sobald du etwas wirst, sterben andere Möglichkeiten von dir. Das ist der Preis, den wir dafür zahlen müssen, dass wir irgendwas realisieren. Und es ist aber trotzdem so enorm wichtig, dass wir das machen Und dass wir dann nicht vor lauter Angst stehen bleiben und gar nichts mehr machen und gar keine Entscheidungen mehr fällen, weil wir sonst im schlimmsten Fall wirklich unser ganzes Leben verpassen. Also, wie er es ja auch sagt oder wie ich es im Buch beschreibe, ist wirklich dieses, es ist völlig legitim, um Optionen zu trauern, die jetzt weggefallen sind oder um Lebenswege, die nicht mehr möglich sind, die man hat ziehen lassen. Das ist menschlich und das ist auch gesund, das kann man machen. Und das heißt aber nicht automatisch, dass das ein Fehler war. Es gibt für uns, sage ich immer, ganz viele verschiedene Lebensentwürfe, die passen oder die mehr oder weniger passend sind. Und ich glaube, wir müssen uns alle so ein bisschen von der Vorstellung freimachen, dass es da diese eine Sache gibt, die gut ist, die perfekt zu uns passt, die unsere Berufung ist, unsere Bestimmung oder sowas. Und dann versuchen wir nämlich immer zwanghaft, diese eine Sache zu finden und setzen uns natürlich enorm unter Druck dabei und haben dann eben auch ständig das Gefühl, ist das jetzt diese eine richtige Sache oder wäre nicht doch das andere besser für mich gewesen. Und ich glaube, wenn man wirklich mit diesem Verständnis rangeht, es gibt viele Dinge, die besser zu mir passen. Viele Lebensentwürfe, in denen ich glücklich sein kann, in denen ich meine Stärken umsetzen kann, in denen ich in Übereinstimmung mit meinen Werten leben kann, dann fällt dieser Druck weg. Weil es ist nicht mehr eine richtige Sache, sondern es gibt viele richtige Wege. Und solange ich einen davon habe, solange ich zufrieden bin mit dem einen Weg, den ich eingeschlagen habe, im Buch schreibe ich ein bewusstes Ja zu diesem aktuellen Lebensweg fällen kann. In dem Moment fällt ja diese Angst auch weg, dass ich was Falsches gemacht habe, dass ich den richtigen Weg verpasst habe. Wir können nicht alles sein und wir dürfen betrauern, was wir nie werden. Was wir nie umsetzen werden. Aber wir sollten sicherstellen, dass wir etwas sind, dass wir etwas von dem verwirklichen, was in uns steckt. Ob das jetzt unsere Werte, Bedürfnisse, Träume oder Stärken sind. Was ich ganz häufig beobachte, ist, dass Veränderungen häufig erst durch Einschnitte, wie zum Beispiel eine Krise, wie eine Trennung, eine Krankheit oder der Verlust eines geliebten Menschen überhaupt erst in Gang kommen. Also viele Menschen verändern das, was sie schon lange machen wollten, erst in solchen Situationen. Warum ist das denn so? Ja, auch hier wieder, weil wir im Alltag einfach wahnsinnig beschäftigt sind mit all den Dingen, die uns jetzt so wahnsinnig wichtig vorkommen. Das heißt, solange man mittendrin steckt, fällt es einfach extrem schwer, eine Vogelperspektive einzunehmen. Also von außen mal zu betrachten, das größere Ganze zu sehen. Wir sind einfach mit unserem Day-to-Day-Life beschäftigt. Aber wenn dann was Einschneidendes passiert, vielleicht werde ich sehr krank oder jemand in meinem Umfeld stirbt oder bekommt eine Diagnose, irgendwas wirklich Einschneidendes oder auch eine Partnerschaft bricht weg, der Job bricht weg. Irgend so eine Säule meines Lebens, die mir bisher auch eine Sicherheit geschenkt hat. Das kann unsere Prioritäten nochmal komplett verändern, weil es unsere bisherigen Annahmen erschüttert, weil es uns neue Dinge zeigt. Zum Beispiel eben gerade Krankheiten, Todesfälle, die machen uns die Endlichkeit des Lebens bewusst. Das ist einfach der Moment, in dem wir oft begreifen, Moment mal, das geht ja gar nicht für immer hier. Das ist auch gar nicht die Generalprobe oder sowas, sondern das ist bereits die Hauptaufführung. Und ich weiß gar nicht, wie lange ich noch Zeit habe, wie lange mir noch gegönnt ist. Da zeigen Studien wirklich, wenn wir mit dieser Endlichkeit konfrontiert werden, was übrigens auch passiert, wenn wir zum Beispiel so die 40 überschreiten, eben in die zweite Hälfte unseres Lebens gehen, dann passiert in den Menschen oft Folgendes, dass wir so ein bisschen wegkommen von den Motiven nach höher, schneller, weiter. Und ich will mich beweisen und ich will irgendwie ganz viel erreichen, Status und Karriere und dass wir mehr dahin gehen, dass wir einen Sinn suchen, dass wir unsere Zeit genießen wollen, dass wir das Leben bewusst genießen wollen. Verlangsamung ist dann oft so ein Lebensziel und eben Beziehungen, die wichtigsten Beziehungen des Lebens wirklich bewusst genießen, in seinen Tätigkeiten finden, irgendwie diese zweite Lebenshälfte bedeutsam machen. Wirklich, das ist wie so ein Weckruf, der uns eben zu uns selbst führt. Weg von diesem ganzen Außen und dem Lärm und der Blaupause, die wir sonst fürs Leben mitbekommen. Von wegen, du brauchst den tollen Job und die Karriere und das Auto und das Haus und die Kinder und den Gartenzaun. Hin halt zu, Moment mal, das ist ja mein Leben. Was ist mir eigentlich wichtig, bevor das Ganze hier vorbeigeht? Aber das finde ich so tragisch. Also mir ist genau das passiert. Meine Mutter ist gestorben und das war der Moment, in dem ich realisiert habe, Moment mal, plötzlich ist man einfach vorbei und das Leben dreht sich weiter. Und das hat wirklich, wirklich massive Änderungen hervorgerufen. Ich meine, das ist einem vorher durchaus klar, aber die Erkenntnis habe ich wirklich erst in diesem Moment gewonnen. Und jetzt hört vielleicht der eine oder andere zu, der noch nicht so von einem tragischen Ablebensfall in der Familie betroffen war. Wie kann der das dann schaffen, diese fundamentale Erkenntnis, die mich sehr, sehr spät erleuchtet hat, vielleicht schon so ein bisschen früher im Leben zu erlangen? Absolut. Genau deswegen habe ich das Buch geschrieben. Genau deswegen. Also das erstmal alle lesen, genau. Das habe ich jetzt vorausgesetzt. Aber jetzt hören wir vielleicht schon eine, der eine oder andere zu und wir gleich eine Antwort haben. Genau, aber. Das ist natürlich das Ziel. Und das ist auch das Ziel von Anna und ihrem Podcast, das zweite Leben. Es ist dieses Menschen wachrütteln, für diese Erkenntnissorgen, bevor irgendwas Schlimmes passieren muss. Das einfach so schon zu haben, ohne das traumatische Ereignis. Und das geht. Das geht, wenn wir immer mal wieder innehalten wollen. Und reflektieren und uns eben genau diese wichtigen Fragen des Lebens stellen. Du hast aber auch was angesprochen, das finde ich sehr wichtig mit, man kann etwas wissen und verstehen vom Kopf her, aber das ist dann trotzdem noch was anderes, es zu spüren. Und genau, ich kann jetzt sagen, stell dir die Fragen, was ist mir wichtig? Was gibt mir Energie? Was erschöpft mich? Was würde ich vermissen, wenn es morgen wegfällt? Was sind vielleicht die Dinge, zu denen ich seit Jahren schon irgendwann sage? Gibt es da vielleicht einen Traum, der in mir schlummert? Aber das ist alles, das bleibt so ein bisschen auf einer rationalen Ebene. Was wir wirklich brauchen, ist dieses emotional ergriffen sein. Und das machen natürlich traumatische Ereignisse mit uns, aber das können auch andere Dinge machen. Das können zum Beispiel Geschichten machen, Bücher. Auch bei mir persönlich, also Bücher können, Wirklich das Leben verändern. Ja, total. Bei mir war es auch ein Buch, was mich zum Beispiel zum Glücksdetektiv gebracht hat. Und das ist ja auch meine ganze Kernbotschaft, meine Arbeit, seit ich Glücksdetektivin geworden bin. Das war 2013, also schon vor 13 Jahren. Ja, lange her. Ist eben genau dafür zu sorgen, so Menschen wachzurütteln, zu zeigen, Lebenszeit ist wertvoll und sie ist begrenzt. Nutze sie, gestalte dir jetzt das Leben, das wirklich zu dir passt. Damit du am Ende sozusagen nicht voller Reue zurückblicken musst. Also solche Sachen zu finden, vielleicht ein Blog, ein Newsletter, ein Buch. Etwas, was einen persönlich anspricht, emotional berührt und das einen immer wieder so ein bisschen in dieses Bewusstsein bringt. Weil natürlich laufen wir im Alltag mit Scheuklappen durchs Leben und sind auf Autopilot und funktionieren. Und ich glaube, das ist auch realistisch nicht anders möglich. Ich glaube nicht, dass wir jeden Tag so bewusst und erleuchtet rumlaufen können. Wahrscheinlich nicht. Genau. Also insofern völlig normal, völlig menschlich. Aber wir brauchen halt immer mal wieder diesen Reminder. Und das können ganz verschiedene Sachen sein. Das können zum Beispiel auch Vorbilder sein. Das finde ich total wichtig, dass man Menschen sieht in seinem Umfeld. Es können aber auch fiktive Charaktere sein oder ein Film oder irgendwas, der einem so ein bisschen zeigt, Mensch, das, was ich will, was da tief in mir schlummert, ist möglich. Und guck mal, jemand anderes realisiert das oder guck mal, jemand anders macht das ganz anders. Der lebt ganz anders oder ja, der geht mit diesem Problem, dass ich habe, ganz anders um. Und sowas kann einen halt auch total wachrütteln und emotional. Mitnehmen, sodass dann viel mehr Veränderungswille und Motivation entsteht, als wenn ich da jetzt einfach nur rational sage, okay, heute journal ich mal und überlege mir diese drei Fragen. Und du sagst ja auch, dass die Kraft der Gemeinschaft dabei einfach unglaublich hilfreich ist, einfach weil ja andere Menschen uns etwas Unterstützung geben können und damit auch Dinge ermöglichen können, die wir oft nicht alleine schaffen können. Jetzt weiß ich aber zum Beispiel auch von mir, dass es uns einfach wahnsinnig schwer fällt, um Hilfe zu bitten. Warum ist denn das eigentlich so? Ja, da sind natürlich auch ganz viele Glaubenssätze, Erziehung, Denkgewohnheiten, die da eine Rolle spielen. Die Angst zur Last zu fallen, Scham, vielleicht auch etwas nicht alleine zu können, hinzukriegen. Vielleicht ist man auch sehr stark eben mit diesem Glaubenssatz erzogen worden, du musst das alleine können. Also du musst unabhängig sein, du darfst, frag niemanden um Hilfe, Hilfe annehmen ist Schwäche. Und das kann alles dahinterstehen und uns blockieren. Aber ich glaube, eine wichtige Information, die uns ganz oft auch fehlt, ist, dass wir Menschen unglaublich gerne helfen. Und wir unterschätzen, wie gern andere Menschen helfen und wie beziehungsfördernd das auch ist, wenn wir nach Hilfe fragen und wenn wir Hilfe annehmen können und wenn andere Hilfe geben können. Das ist, auch aus der positiven Psychologie, einer der größten Glücksbringer für uns. Für andere da zu sein und hilfsbereit zu sein, anderen zu helfen, das macht uns glücklich. Und jeder, der so ein Erlebnis mal hatte, der weiß, das ist ein bisschen wie so eine Droge. Davon will man auch mehr. Und dann ist man auch sehr gern hilfsbereit. Und wie gesagt, es stärkt auch die Beziehung, wenn man eben diese Verletzlichkeit zulassen kann, zu sagen, ich komme da gerade nicht weiter und mir wird alles zu viel. Ich brauche jetzt Hilfe. Das ist ja auch eine Tiefe in Beziehungen kann immer nur entstehen, wenn wir uns öffnen, wenn wir uns verletzlich zeigen, wenn wir eben auch vielleicht die Facetten von uns zeigen, die wir, jetzt für nicht so besonders erstrebenswert halten, die wir im Lebenslauf vielleicht nicht erwähnen würden. Aber genau das macht ja eine gute qualitative Beziehung aus, dass ich das halt einer Freundin oder einem Familienmitglied oder irgendjemandem, einem wirklichen Freund sagen und mitteilen kann. Wenn ich mich öffne, dann geschieht auch meistens dieses Wunder der Reziprozität, dass der andere sich auch öffnet, dass der andere auch Verletzlichkeit zeigen kann und dass der andere dann auch um Hilfe fragen kann. Und dass dann diese Gegenseitigkeit auch entstehen kann. Ja, das ist ja so verrückt. Man hilft selber gerne, aber nimmt die super ungern an. Also man weiß ja eigentlich, dass es ein schönes Gefühl ist zu helfen. Das ist schon irgendwie verrückt. Ich würde gerne zum Abschluss unserer heutigen Folge wissen, wenn jetzt vielleicht jemand zuhört und merkt, boah ja, da gibt es tatsächlich was, was ich seit Jahren irgendwie immer wieder auf später verschiebe. Wie kann ich denn herausfinden, ob es wirklich jetzt die Zeit ist, tatsächlich etwas zu verändern oder was wäre vielleicht so ein erster guter Schritt, um das in die Bahnen zu lenken? Also ich glaube, wir müssen es uns da so einfach wie möglich machen. Das heißt, ganz klein beginnen und auch diesen riesengroßen Druck rausnehmen. Wir denken ja oft auch, alle unsere Entscheidungen, die sind alternativlos und das kann man nicht mehr rückgängig machen. Und wenn ich das jetzt mache, dann ist sozusagen, ist das Gesetz für den Rest meines Lebens. Ist es in den allermeisten Fällen nicht. Und man muss auch nicht sofort sein komplettes Leben umkrempeln und alles ändern. Komplett aussteigen und dann sich jetzt den Traum von der Pension in den Bergen erfüllen. Ich glaube, dass es das Klügste ist, sich mit so einem. Neugierigen Forscher-Mindset, sage ich mal, in kleinen Experimenten heranzuwagen. Wenn ich weiß, ich habe da irgendeine Idee, immer wieder in meinem Kopf etwas, was ich eigentlich gerne mal machen würde. Wie kann ich das denn ganz im Kleinen, ganz harmlos mal ausprobieren, ohne dass ich meinen Job kündigen muss? Also kann ich da vielleicht irgendwo mal reinschnuppern? Kann ich vielleicht mal eine Person ausfindig machen, die das macht und mit der reden? Kann ich mehr darüber recherchieren? Kann ich das irgendwie als Hobby ausprobieren? Kann ich vielleicht bei meiner Arbeit Stunden reduzieren, um in der anderen Zeit eben sozusagen dieses Experiment zu starten, was anderes mir aufzubauen? Also, dass wir wirklich diesen massiven Druck daraus nehmen. Wir dürfen das ganz klein beginnen, in ganz kleinen, neugierigen Schritten und einfach umgehen. Und probieren, wie sich das anfühlt. Weil ganz kluger, alter, weiser Rat, probieren geht über studieren. Und es ist halt wirklich so, wenn wir immer nur versuchen, vom Verstand her, rauszufinden, was ist das Richtige für mich? Wie sieht das Leben aus, in dem ich glücklich sein werde? Das ist begrenzt. Da kommen wir nicht weiter, da treten wir irgendwann einfach nur noch auf der Stelle und blockieren uns und verpassen auch wieder unser ganzes Leben. Auch hier wieder sozusagen, wir müssen diesen Schritt wagen, den Schritt einfach in die Umsetzung, ins Ausprobieren. Mit kleinen Schritten mal zu schauen als Hobby, wie gefällt mir das? Ich zum Beispiel habe das ja jetzt auch mit meinem Buch gemacht. Also im Grunde, ich habe ja schon drei Ratgeber geschrieben, aber das war jetzt auch meine erste Geschichte. Und ich habe eigentlich schon immer davon geträumt, Geschichten zu schreiben. Ich habe schon als Kind, wollte ich Bücher schreiben. Und ich habe auch damals schon so Kurzgeschichten und sowas geschrieben. Aber natürlich habe ich mir den Traum untersagt, wie wir das alle immer machen. Ich muss ja erst was Richtiges machen. Das ist ja nicht vernünftig. Auch hier wieder, das ist einfach Glaubenssätze, gesellschaftliche Prägung, Angst. Wie auch immer, ich habe einen anderen Weg eingeschlagen, der mich auch glücklich macht. Auch hier wieder der Hinweis, es gibt mehrere Lebensentwürfe. Und trotzdem, genau, und jetzt habe ich das ausprobiert und habe diese Geschichte geschrieben. Und ich habe erst dabei beim Ausprobieren die Erfahrung machen können, das macht mich wahnsinnig glücklich. Das erfüllt mich. Und das hätte ich, weißt du, da hätte ich noch 30 Jahre theoretisch drüber nachdenken können. Aber wenn du es einmal machst, dann kriegst du halt auch unmittelbar eine Rückmeldung. Und dann erledigen sich vielleicht auch manche Träume, die vielleicht noch aus alten Zeiten stammen. Und das ist auch total okay. Wir müssen nicht auf Biegen und Brechen irgendeinen Traum mit uns mitschleifen, der einfach schon längst nicht mehr zu uns passt oder der, ja, wir entwickeln uns ja auch weiter. Vielleicht ist es nicht mehr das Richtige, dann können wir das loslassen und dann können wir aber auch dieses schlechte Gewissen loslassen im Kopf mit eigentlich müsste ich doch mal, eigentlich sollte ich, das habe ich wieder nicht gemacht. Also in kleinen Schritten einfach in die Umsetzung gehen. Und vielleicht hilft dir auch am Anfang mal die Frage, wenn mein Leben jetzt die nächsten fünf Jahre, ungefähr genau so weitergeht wie bisher, wäre ich damit einverstanden? Ja, das ist eine wirklich sehr interessante Kernfrage. Also ich finde es wirklich spannend, dass wir gar nicht irgendwie ständig mutiger werden müssen oder uns jeden Traum erfüllen oder möglichst viel eben aus dem Leben herausholen müssen, um wirklich ein erfülltes Leben zu haben. Aber ich nehme auch mit, das lohnt sich gelegentlich zu prüfen, ob wir die Dinge aus guten Gründen später verschieben oder ob dieses später einfach irgendwie zwischendurch sehr bequem für uns geworden ist. Katharina, ich danke dir von Herzen für dein tolles Buch und natürlich auch für dieses Gespräch. Beides hat mich sehr nachdenklich gemacht, aber mich auch inspiriert, ein paar Themen, die ich schon lange aufgeschoben habe, endlich mal anzugehen. Und du hast uns auch ein Exemplar mitgebracht für diejenigen, die Lust bekommen haben, jetzt da auch mal reinzulesen. Das könnt ihr gewinnen. Gleich nach dem Erscheinen dieser Folge schaut gerne mal bei Insta vorbei. Da stellen wir das nochmal gesondert vor. Und wenn ihr kein Insta habt, wollt oder mögt, dann könnt ihr uns eine E-Mail an wunschkindblog.gmail.com schreiben. Ich danke euch fürs Zuhören und auch ganz besonders dir, liebe Katharina. Vielen Dank auch für das tolle und wirklich schöne Gespräch. Und wir freuen uns, wenn ihr natürlich nächste Woche wieder mit dabei seid. Für heute sage ich erst einmal, Tschüss! Das war der Podcast vom gewünschtesten Wunschkind.