Und herzlich willkommen zu Das gewünschteste Wunschkind, der Podcast mit Daniel Graf und Katja Seide. Vor ein paar Wochen haben wir hier im Podcast mit Lisa Hamann über das Leben mit großen Kindern gesprochen. Darüber, wie sich unsere Rolle als Eltern verändert, wenn Kinder selbstständiger werden, sich zurückziehen und wir immer weniger wissen und kontrollieren können. Und auf diese Folge haben wir unglaublich viel Feedback bekommen. Offenbar beschäftigt viele von euch gerade genau diese Lebensphase. Und deshalb wollen wir heute unbedingt noch einmal tiefer einsteigen, aber diesmal an einer ganz anderen Stelle. Denn loslassen ist ja das eine und der ganz normale Alltag mit Teenagern ist das andere. Also das Chaos im Zimmer, das Handy, die Diskussion, die nicht ausgeräumte Spürmaschine und dieser gelegentlich sehr überzeugend vorgetragene Eindruck, dass wirklich alles wichtiger ist als das, was wir als Eltern gerade gerne möchten. Unser Gast heute findet diesen Wunsch nach Selbstbestimmung allerdings gar nicht so problematisch, wie er sich für Eltern manchmal anfühlt. Denn hinter einem Ich-mach-was-ich-will steckt für Kathi Weber eine wichtige Entwicklungsaufgabe. Jugendliche müssen lernen, sich selbst wahrzunehmen, eigene Entscheidungen zu treffen und zunehmend Verantwortung für sich zu übernehmen. Und wir Eltern müssen herausfinden, wann sie dafür Freiheit brauchen und wann noch unsere Führung. Kathi ist Familienberaterin und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit gewaltfreier Kommunikation und bedürfnisorientierter Elternschaft. Ihr neues Buch heißt passend dazu, ich mache, was ich will. Und darin schaut sie auf typische Konflikte mit Jugendlichen und fragt weniger, wie bekomme ich mein Kind dazu, etwas zu tun, sondern was steckt eigentlich hinter dem Verhalten? Kathi, schön, dass du da bist. Ja, Daniel, vielen Dank für die Einleitung. Der stimme ich weitestgehend zu. Sehr schön. Ja, dein Buch heißt, ich habe schon gesagt, ich mache, was ich will. Das finde ich sehr schön ausdrucksstark. Und ich muss zugeben, dass ich den Satz durchaus auch schon gehört habe als Mutter von mittlerweile zwei Teenagern, 17 und 14. Das klingt ja für viele Eltern erst mal wie eine Drohung. Ja, das ist recht provokant. Also es ist jetzt irgendwie nicht so unbedingt ein erstrebenswertes Entwicklungsziel. Du verbindest diesen Satz aber mit Autonomie und der Fähigkeit, sich zunehmend um sich selbst zu kümmern. Was steckt denn hinter diesem Ich-mach-was-ich-will eigentlich? Ja, also erstmal suchen wir natürlich, wie ihr das auch kennt, für Buchtitel gerne etwas, was die Außenwelt so ein bisschen triggert. Ja, genau. Und deswegen steht dann vorne drauf, ich mach, was ich will, weil das kennen wir, wie gesagt, von Teenagern. Und ich möchte einladen, das mal von der anderen Seite zu sehen, nämlich die Kinder durchleben drei Autonomiephasen. Und die dritte Autonomiephase ist die Pubertät. Also sie ist genauso eine wichtige Phase wie die anderen beiden Phasen davor auch und in meiner Arbeit übersetze ich diese Autonomie, die sie durchlaufen durch diese drei verschiedenen Autonomiephasen mit, unterschiedlichen Begrifflichkeiten und daran würde ich das gerne kurz einmal deutlich machen. Die erste Autonomiephase, das sind diese kleinen Kinder, da geht es vor allen Dingen darum, dass sie selber machen können. Also das sind ja kleine Kinder, kennt ihr vielleicht, die wollen anfassen, die wollen machen. Und dann werden die älter, dann kommen die in die zweite Autonomiephase, das ist dann so roundabout um die Einschulung rum. Und dann wollen sie zusätzlich zu diesem Machen unbedingt eben auch Entscheidungen treffen. Immer entscheidest du alles, ich will auch mal entscheiden, so kennen wir auch. Und dann so ab neun Jahren ungefähr, das ist ja alles sehr individuell, geht dann die dritte Autonomiephase los, die Pubertät. Und da geht es dann eben darum, dass sie zusätzlich zum Selbermachen und selber Entscheidungen treffen, eben auch selber Erfahrungen sammeln wollen. Und dafür dürfen sie ja nun wirklich vehement die Meinung haben, ich mache, was ich will. Weil wenn ich nicht mache, was ich will, dann sammle ich keine Erfahrung. Logisch? Ja, klar. Total logisch. Und so wird da für mich daraus ein Schuh. Und dadurch, dass sie eben machen, Entscheidungen treffen und dann darüber hinaus Erfahrung sammeln, also immer mehr die Konsequenzen ihrer Handlungen erfahren. Kennenlernen und je älter sie werden, desto mehr Verantwortung übernehmen sie dann eben auch. Nur eben nicht aller, naja, ich habe es dir ja vorher gesagt, jetzt bist du selber schuld oder du hörst ja nicht auf mich, sondern ey, du hast hier gerade eine Erfahrung gesammelt, ich bin da und ich begleite dich und ich bewerte das jetzt nicht, sondern ich bleibe präsent an deiner Seite. Und du hast es eben angesprochen, wie viel Freiraum, wie viel Führung braucht es denn da noch? Und natürlich verändert sich auch die elterliche Führung, wenn die Kinder älter werden. Nur ich möchte so ein Plädoyer dafür rausschreien in die Welt. Teenager dürfen machen, was sie wollen. Was natürlich nicht gleichzeitig heißt, dass sie das alles so machen, wie sie das machen, egal wie es anderen damit geht. Es ist immer auch immer mit dem Blick der gewaltfreien Kommunikation von Marsha Rosenberg und einer Grundhaltung davon, dass der Mensch grundsätzlich daran, interessiert ist, zum Wohle aller beizutragen. Und das sind Teenager auch, ich gebe zu, dass das manchmal schwer zu erkennen ist, an ihrem Verhalten. Nur grundsätzlich wollen sie ja Erfahrung sammeln und das am Ende so optimieren, dass es ihnen und allen anderen gut gehen kann. Und das dürfen sie lernen. Und dafür brauchen sie ein paar Jahre. Auf jeden Fall. Du gehst tatsächlich davon aus, dass Jugendliche grundsätzlich kooperieren wollen. Ich finde, das ist eine mutige These, wenn zu Hause seit drei Tagen dieselbe volle Spülmaschine steht und niemand außer den Eltern offenbar Augen besitzt. Was heißt denn für dich Kooperation? und warum sieht sie bei Teenagern manchmal so wenig nach Kooperation aus? Ja, weil die Eltern mit ganz viel Erwartung an die Teenager gehen. Du bist jetzt alt genug und jetzt hast du da mal mitzudenken, jetzt hast du das mal zu machen. Und Teenager machen unfassbar mit, nämlich, wenn ich, anders auf das Kind blicke, denn sie versuchen sich, um sich selber zu kümmern, sie versuchen klar zu kommen, sie versuchen ihren Platz in der Welt zu finden und damit tragen sie ja ganz viel bei zur Gemeinschaft. Nur eben ist das gerade nicht die Spülmaschine. Gleichzeitig gebe ich zu, die Spülmaschine räumt sich nicht von alleine auf. Da dürfen wir drüber sprechen. Zum Beispiel, wie Daniel eben angesprochen hat, das Chaos im Zimmer, das Handy, Spülmaschine. Und alles scheint wichtiger als die Familie zu sein und die Absprachen in einer Familie. Ich will das ja nicht kleinreden. Die Konflikte sind auf jeden Fall da. Nur ich möchte den Blick auf das Teenager-Kind verändern. Positiver, kooperativer gestalten. Denn, du hast mich gerade gefragt, wie ich Kooperation beschreibe. Also einmal ist Kooperation eines der Bedürfnisse in meinem Erziehungs- und Beratungskonzept der lila Liebe, welches du in allen drei Autonomiephasen findest, wie übrigens Autonomie auch. Denn Kooperation ist unfassbar wichtig für die Entwicklung von Kindern und für die Entstehung von Bindung. Sie wollen mitmachen, auch wenn es manchmal nicht so aussieht. Nur dann brauchen sie unsere Hilfe. Und Kooperation fängt im Übrigen bei uns an. Wenn ich also da stehe und sage, ich brauche mitmachen, dann kann ich mich fragen, inwieweit bin ich denn eigentlich gerade bereit mitzumachen. Und das heißt nicht, inwieweit bin ich bereit, jeden Tag die Spülmaschine ein- und auszuräumen, sondern inwieweit bin ich bereit, mitzumachen und hinzugucken, was will mein Kind mir mit seinem Verhalten sagen und dann ist es mir wirklich scheißegal, wie alt das Kind ist. Ja, und jetzt können wir über die Spülmaschine sprechen, wenn ihr wollt. Weil die räumt sich ja immer noch nicht von alleine aus. Ich wollte gerade sagen, es ist ja tatsächlich so, dass auch wenn ich. Sehr, sehr verständnisvoll auf mein Kind gucke, dann bleibt die Spülmaschine ja aber trotzdem voll. Und sagen wir jetzt, also ist klar, Belohnung, Strafe, Drohung, Druck, das sind keine Handlungsoptionen. Aber was macht man denn dann, wenn der Teenager sagt, Nö, nö, mache ich nicht. Also wo? Also erstmal sage ich auch dann gerne nö, weil der Haushalt hat ja keine Bedürfnisse, also über Spülmaschinen rede ich schon lange nicht mehr auf. Das ist auch eine Form der Haltung, die wir entwickeln dürfen. Also, wenn wir uns das angucken, die Spülmaschine, seit drei Tagen ist die da voll und das Geschirr stapelt sich oben auf der Spüle. Nehmen wir mal das als Situation. Und ich beobachte, dass mein Teenager an dieser Spülmaschine vorbeiläuft und an diesem Geschirrstapel und offensichtlich keine Auge im Kopf hat, so hast du es gerade gesagt. Also ist das Geschirr unsichtbar, frage ich mich. Und dann sind wir direkt schon in so einer interpretierenden, bewertenden Beschreibung. Ich beobachte nicht wirklich. Die Beobachtung wäre, seit drei Tagen stapelt sich das Geschirr auf der Spüle, der Restgeschirr ist in der Spülmaschine und mein Teenagerkind geht seit drei Tagen daran vorbei. Das ist erstmal die Beobachtung. Jetzt merke ich, dass ich unzufrieden bin, weil ich bin hier ja nicht der Hampel vom Dienst und mache hier alles alleine. Wo kommen wir denn dahin? Ich brauche also irgendwie, ich brauche dies mitmachen, ich brauche mehr so Gemeinschaft, mehr, dass wir alle gucken, dass es uns hier gut geht. Ich bin sehr unzufrieden. Gleichzeitig kann ich das jetzt nicht meinem Teenagerkind überstülpen. Wie komme ich jetzt also in meine Verantwortung als Elternteil, ohne von meinem Teenagerkind etwas zu erwarten und eben auch ohne alles am Ende doch wieder alleine zu machen? Und für mich ist die einzige Strategie, bei Kleinkindern ist das so ein bisschen einfacher, finde ich, wenn du mir da sagst, du hast ein Nein zum Zähneputzen, dann arbeite ich das Bedürfnis raus des Kindes gemeinsam mit dir und dann können wir eine Strategie erarbeiten. Wenn es jetzt Mamanähe ist, ist es Putzen auf dem Schoß, ist es Autonomie, ist es selber je nach Alter machen oder entscheiden, wo ich putze. Ist es Spiel und Spaß, putze ich als Prinzessin die Zähne oder so. Und bei einem Teenager-Kind habe ich nicht mehr diese Strategie-Varianten, sondern es gibt im Grunde genommen nur die eine Strategie und das ist das Gespräch auf Augenhöhe. Und Gespräche auf Augenhöhe haben nie etwas mit Bewertung zu tun. Das heißt, ich setze mich hin und sage, pass auf, das ist die Beobachtung, ich bin damit sehr unzufrieden, ich würde da gerne mal drüber sprechen. Und dann kommt natürlich das erste, oh nee, echt jetzt Mama, schon wieder ein Gespräch. Ja, dieses Gespräch, ich möchte es jetzt mal anders machen, dieses Gespräch läuft jetzt mal anders, weil ich möchte, dass wir gemeinsam eine Lösung finden. Und es geht gar nicht darum, dass du was falsch gemacht hast oder dass du die Spülmaschine jetzt ausräumen musst. Nur, ich merke hier eine Unzufriedenheit in der Familie. Ich habe den Eindruck, es lastet alles auf meinen Schultern. So kann ich das nicht mehr tragen. Und ich kann dieses Gespräch erst weiterführen, wenn ich von meinem Gegenüber ein Ja habe. Das ist ja wie mit anderen Menschen auch. Ich kann ja niemanden zwingen, mit mir zu sprechen. Das heißt, was braucht mein Teenagerkind erstmal, um in eine Bereitschaft zu kommen, mit mir zu sprechen? Wahrscheinlich die Erfahrung, dass er zehnmal Nein sagen darf und beim elften Mal immer noch geliebt wird. Und nicht verurteilt oder bestraft oder abgelehnt wird, wie auch immer. Und dann kommen wir zu dieser kleinen Teilstrategie, die jetzt zum Beispiel bei Themen mit im Haushalt, mit Konflikt im Haushalt ist, sind meine geliebten Ministerposten, so nenne ich die gerne, kannst du auch gerne anders nennen, dass wir dann wirklich sagen, okay, welche Aufgaben gibt es alle in unserer Familie hier im Haushalt, die listen wir mal alle auf, wer hat wo seine Expertise, Genietzone, also ich würde mal sagen. Bei mir, ich bin halt die Wäscheministerin, weil das eher in meine Genietzone fällt, als jetzt zum Beispiel mich ums Auto zu kümmern, Nur seitdem ich getrennt bin, habe ich ja alle Ministerposten übernommen. Gleichzeitig habe ich die dann auch wieder unter den Kindern verteilt. Ich bin ja nicht blöd. Ich sagte, hier hat sich was verändert, wir dürfen sprechen. Genau, also gucken, wer hat wo so seine Leidenschaft, in Anführungsstrichen, beim Spülmaschine ausräumen, Müll runterbringen, Wäsche machen, was haben wir noch, Staubsaugen, Pfandflaschen wegbringen. Drogerieeinkäufe, Supermarkteinkäufe und was es da alles gibt. So, und dann gucken wir, was noch übrig bleibt. Und dann machen wir gemeinsam eine Vereinbarung, wer was übernimmt. Und dieserjenige darf sich dann da auch ausprobieren. Also ich habe dann nicht, wenn jetzt zum Beispiel mein Kind den Spülmaschinenministerposten tatsächlich übernimmt, dann darf ich den Raum schenken, hier Erfahrung zu sammeln. Was passiert denn, wenn ich die Spülmaschine abends so lasse und erst morgens ausräume? Die anderen in der Familie allerdings schon um sechs aufstehen und nicht erst um zehn. Das ist dann für die Beteiligten etwas schwierig. Und da dürfen wir dann Erfahrung sammeln und immer drüber sprechen. Nur es sind immer Gespräche auf Augenhöhe und sagen, okay, lass uns gucken, wie kommen wir hier zusammen. Genau, jetzt rede ich mich um Kopf und Kragen. Es bleibt dabei, es ist das Gespräch auf Augenhöhe, denn Teenager brauchen ja diesen Raum, Erfahrung sammeln zu dürfen. Sie wollen unbedingt wahrgenommen werden, sie wollen auf jeden Fall Teil der Gemeinschaft sein und sie wollen eben auch ihre Individualität rausfinden, sie wollen Respekt erfüllt haben, sie wollen eine Wertschätzung erfahren. Das sind in meiner Arbeit alles Unterbedürfnisse in der Teenager-Zeit. Ja, das fand ich auch ganz spannend, weil du sagst ja genau, die Teenager-Phase ist quasi die dritte Autonomie-Phase und da ist eben ein Bedürfnis, was ganz groß in den Vordergrund rückt, nämlich Achtung. Erklär mal kurz, was es für Jugendliche bedeutet, weil es ist ja häufig so, dass wir zum Beispiel einen total nett gemeinten Hinweis, geben und das wird dann manchmal echt so aufgenommen, als hätten wir gerade die Menschenrechte abgeschafft oder zum Beispiel Teenager-Rechte im Haushalt. Ich finde das echt schwierig. Ich finde das total spannend, weil ich selber habe ja zwei Teenager zu Hause. Der eine ist am Ende seiner Teenagerzeit mit 18 und die andere mit 10 fängt gerade an. Ich habe ja diese ganzen Diskussionen gar nicht, weil wir es einfach anders leben. Ich diskutiere über keine Spülmaschine. Wir haben Ministerposten verteilt und ich weiß, sie dürfen Erfahrungen sammeln. Und diese Achtung, genau, du wolltest auf die Achtung hinaus. Ich will nur sagen, es ist tatsächlich machbar. Es fängt nur bei uns an. Also wir dürfen wirklich hinterfragen, wie gucke ich auf diesen Menschen, der da gerade in der dritten Entwicklungsphase ist, bei dem... Teile im Gehirn wegen Renovierung geschlossen sind. Der Versuch dieser Mensch, sich um sich zu kümmern, um der Welt was beizutragen und auf einmal erwarte ich ganz viel, weil jetzt musst du das doch sehen, hier ist doch irgendwie und du hast jetzt mal und solange du deine Füße und so weiter. Also ich habe in meiner Arbeit das Bedürfnis Achtung an oberste Stelle gesetzt, das heißt mit allen Unterbedürfnissen, die ich, der dritten Autonomiephase zuspreche, erfüllt sich auf weite Sicht die Achtung, die ich übersetze mit alle sind wichtig, ich achte alle, kannst du auch so übersetzen, Und wenn alle wichtig sind und es allen gut gehen darf, dann darf ich bei mir anfangen, nämlich, dass ich mich um mich kümmere. Das heißt, das Oberbedürfnis, Achtung, übersetzt sich in der Teenager-Zeit so, dass ich mich um mich kümmere, ich darf mich um mich kümmern. Und dafür brauche ich Unterbedürfnisse, wie zum Beispiel Autonomie, also dass ich Räume bekomme, dass ich eigene Erfahrungen sammeln darf. Ich brauche eine Freiheit, dass ich meine Meinung sagen darf, dass ich frei bin, dass ich rausfinden darf, wer bin ich, die Individualität. Dass ich meine Werte rausarbeiten kann, die Integrität. Wie kann ich zu mir stehen und zu meinen Werten? Und wie bin ich bereit mitzumachen, dass es allen gut geht? Das ist die Kooperation oder der Respekt, dass ich andere so behandle, wie ich auch behandelt werden möchte, ohne zu erwarten, dass die anderen mich so behandeln. Und es sind schon sehr fette Themen, das gebe ich zu, diese ganzen Unterbedürfnisse. Nur wir dürfen da hingucken und das sind ja im Grunde genommen dann auch so Bedürfnisse, mit denen sich die wenigsten Eltern überhaupt jemals auseinandergesetzt haben. Wenn wir alleine das Bedürfnis Respekt rausnehmen. Respekt heißt ja in der Gesellschaft eher so, es gibt eine Regel, wie sich alle richtig zu benehmen haben und daneben gibt es gar nichts. Und irgendwer entscheidet das. Irgendein Mann hat das entschieden, wie man sich zu verhalten hat. Das hat halt wenig mit Respekt zu tun. Respekt heißt für mich wirklich dieses, und das dürfen wir uns einmal auf der Zunge zergehen lassen, ich rede auch ein bisschen langsamer, Ich behandle andere so, wie ich behandelt werden möchte, ohne dass ich erwarte, dass mein Gegenüber mich tatsächlich so behandelt. Das ist schon ein fettes Brett, oder? Ja. So, und das heißt übersetzt auf Teenager, ich behandle meinen Teenager so, wie ich, gilt für andere Kinder ja auch, also für kleinere Kinder. Ich behandle meinen Teenager so, wie ich von meinem Teenager behandelt werden möchte, ohne dass ich erwarte, dass er mich so behandelt. Mhm. Hm, wir werden ein bisschen drauf rumkauen jetzt und jetzt auf die Spülmaschine gehen. Wenn ich mein Teenager-Kind so behandle, wie ich behandelt werden möchte, dann kann es durchaus sein, dass mein Teenager-Kind den Ministerposten mit der Spülmaschine hat. Ich mache das mal ein bisschen anders, weil bei uns zu Hause ist es unter anderem der Müllminister, mein Sohn mit seinen 18 Jahren. Ich erwarte nicht, dass er den Müll runterbringt. Wenn ich sehe, dass der Müll voll ist, informiere ich den Minister, den Müllminister und schreibe eine WhatsApp-Nachricht. Lieber Müllminister, der Müll droht überzuquillen. Sind sie heute bereit, den Müll hinunterzutragen und dann gibt es so ein Lachsmiley, hahaha und abends ist der Müll weg. Das heißt, ich bin bereit, ihn daran zu erinnern, weil ich würde mich auch mega freuen, wenn mich jemand an Dinge erinnert und mich unterstützt. Ich liebe, unterstützt zu werden. Ich liebe, wenn jemand für mich die Führung übernimmt, ohne dass ich erwarte, dass er es dann macht, weil ich kann immer noch den Müll rausbringen, wenn es mich stört. Mhm. Und so bringt mein Sohn, ich bringe den Müll nicht runter. Es sei denn, er ist nicht da oder es wird mir zu bunt. Nur in der Regel gebe ich Raum, Erfahrung zu sammeln. Das heißt, ich sage nicht erst Bescheid, wenn der Müll schon von alleine runterlaufen könnte, sondern ich sage ein bisschen vorher Bescheid. Und es passieren auch diese magischen Dinge, dass der Müll runtergebracht ist, ohne dass ich was geschrieben habe. Und das feiere ich dann natürlich. Gibt es die nächste WhatsApp-Nachricht. Hey, Günther, der Müll ist entweder von alleine in den Müll runtergewandert oder du hast ihn als Müllminister runtergebracht. Wenn zweitens der Fall ist, herzlichen Dank für dein Mitmachen. Kommt wieder so ein Lachsmiley. Mami, bist du lustig? Schenkelklopfer. Gilt es auch fürs Teenagerzimmer. Also ich weiß, dass viele Eltern daran verzweifeln, dass in dem Teenagerzimmer ja sehr viel Müll rumliegt und Chaos und vergammelte Essensreste. Ist das was, wo du sagst, nee, das gehört dem Kind und der Teenager entscheidet? Oder sagst du, nee, okay, also wenn es jetzt um verschimmeltes Essen geht, da müssen die Eltern dann auch mal kurz Bescheid sagen oder ein Machtwort sprechen oder was auch immer. Ja, Machtworte werden bei mir nicht gesprochen. Bei mir wird drauf hingewiesen. Also ja, mit dem Zimmer finde ich gerade ganz spannend. Ich amüse mich gerade ein bisschen, dass du das ansprichst. Denn gestern ist bei uns zu Hause was Magisches passiert. Mein Sohn kam nach Hause und meinte, Mami, ich habe heute mein Zimmer aufgeräumt. Willst du mal sehen? Ich habe sogar Fenster geputzt. Ich so, hast du Fieber? Ja, habe ich den Krankenarzt, den Krankenwagen zu rufen? Oder war das hier passiert? Und ich komme in das Zimmer und es strahlt. Es ist geputzt, die Fenster sind geputzt. Die dreckige Wäsche, die, glaube ich, seit vier Jahren, das war so ein Kunstwerk, glaube ich. meines Sohnes. Wäsche, die er offensichtlich nicht brauchte, keine Ahnung. Es wurde gewaschen und so. Ja, um deine Frage zu beantworten. Also grundsätzlich ist das der Raum des Kindes und dieses Kind darf den Raum für sich so gestalten, dass dieses Kind sich darin wohlfühlt. Und das ist sehr individuell. Wenn ich jetzt merke, dass da auf Schimmel entsteht, Tiere rumlaufen, dann geht es ja schon auch um meine Verantwortung und dass ich schon auch gucken kann, wie steht es mit der Gesundheit. Und die Kinder lernen ja auch gerade erst, die Konsequenzen ihrer Handlungen zu tragen. Das heißt, dann würde ich schon darauf hinweisen und würde zeigen, wie es geht. Und würde fragen, kann das sein, wenn du hier sitzt, dann ist das so chillig, mit dem Teller und dann ist das super ätzend, den noch in die Küche zu tragen und am nächsten Tag siehst du den Teller und denkst so, ach, der dürfte eigentlich in die Küche. Ehrlich gesagt, oh nee, gar kein Bock und so. Und dann vergehen die Tage und die Wochen und die Monate und dann sprießt da der Schimmel drauf. Kann das sein, dass du Unterstützung brauchst, diese Dinge zu erledigen, dich um dich zu kümmern? Und dann könnten wir irgendwas ausmachen. Wahrscheinlich braucht das Teenagerkind da noch Unterstützung. Ich werde nicht einfach reingehen und das Zimmer aufräumen. Das mache ich nicht. Nur ich darf schon darauf hinweisen und helfen dabei, es zu schaffen. Es geht ja darum, die Achtung übersetze ich mit dem Glaubenssatz, ich kümmere mich um mich. Wie geht denn das? Ich kann ja nicht einfach sagen, du bist jetzt in der dritten Autonomiephase, da heißt es hier, du kannst achtsam mit dir umgehen, du kannst dich um dich kümmern, also ab heute bitte alles alleine machen. Nee, es ist ja ein Prozess. Und dabei helfe ich und unterstütze ich. Und ich mache das super gerne. Da sind wir wieder bei der Kooperationsbereitschaft. Ich bin super kooperativ. Weil ich meinen Kindern gerne helfe, sich zu erfahren und zu lernen, wie kann ich mich um mich kümmern, sodass es für alle anderen auch in Ordnung ist. Und dann passieren halt irgendwann solche Sachen, dass das Zimmer auf einmal, dass die Fenster geputzt sind. Ja, darauf warte ich aber noch. Also das ist auch unfassbar individuell. Also ich finde es immer ganz spannend. Also meine Tochter, die neigt da zum absoluten Teenager-Tum. Das Zimmer sieht aus, als wäre da eine Bombe eingeschlagen. Die räumt aber auf, weil sie es irgendwann dann mal stört. Ich mache die Tür nur noch zu. Ich will das gar nicht sehen. Nicht mein Bier. Also Essensreste habe ich noch nicht entdeckt. Insofern denke ich, ob jetzt alles da auf dem Boden liegt, mir egal. Die kriegt einen Rappel. Also nach spätestens einer Woche sagt die, ich habe jetzt aufgeräumt. Und das hält genau zwei Stunden. Dann sieht es aus wie vorher. Aber zumindest dieser Prozess ist erkennbar. Wohingegen mein Sohn sagt, ist mir völlig egal. Ich sitze hier, hier ist mein Computer, da ist mein Bett. Das ist alles wunderbar. Und ob da jetzt drei leere Kaugummipackungen entstehen oder zwölf. Der würde wahrscheinlich wie dein Sohn warten und sagen, mit 18 putze ich jetzt Fenster und mache die 735 Kaugummipackungen weg. Ja, genial. Also das würde ich ja schon direkt fragen, ob du das festhalten darfst. Ob du da Fotos von machen kannst. und irgendwann da so ein kleines Kunstprojekt draus machen. Das sollte man tatsächlich tun. Also es ist unglaublich, wie viele zum Beispiel Sonnenblumenkernschalen in ein Zimmer passen. Ach, Tatsache. Das ist ja aber sensationell. Ja, das ist doch der Raum, Erfahrungen zu sammeln und schon es anzusprechen. Und ich bin dann auch so wirklich, es geht ja auch um Wertschätzung, brauchen Sie ja auch. Ich bin beeindruckt, wie du dich um dich kümmerst. Es ist nicht so, wie ich es machen würde, wie ich mich um mich kümmere. Ich brauche eine andere Atmosphäre im Zimmer, Ich möchte nur noch mal für meine Sicherheit fragen, fühlst du dich so, wie dein Zimmer gerade gestaltet ist, wie die Sachen da rumliegen, fühlst du dich so wohl? Und dann wird dein Sohn sagen, ja, Pudelwohl. Ja, natürlich. Dein Zimmer, dein Wohlfühlort gönn dir. Genau, das halte ich ungefähr ein Jahr aus. Und dann sage ich so, jetzt fängt es an, dass ich mich unwohl fühle. Darf ich denn das Zimmer aufräumen? Nee, auf gar keinen Fall. Ja, nee, also nach einem Jahr kriege ich dann schon den Rappelstrack. Aber es ist doch gar nicht dein Zimmer. Geht dein Sohn in dein Zimmer und fragt, ich halte das hier nach einem Jahr nicht mehr aus, mir liegen hier zu wenig Sonnenkernblume rum. Nein, aber wenn ich dann irgendwann keinen sauberen Schlüppi mehr habe, den ich waschen kann, dann beeinträchtigt das ja schon meine Arbeitsabläufe auch mal wieder. Deinen sauberen Schlüppi. Er freut sich ja dann auch und sagt, wenn es jetzt jemand anderes macht, dann ist es ja auch okay für mich. Ja, nur er macht es nicht für sich. Nee, er macht es ja gar nicht. Ich mache es dann für mich. mit Ringe tatsächlich in die Privatsphäre ein, hast du völlig recht, aber nicht unerlaubt. Also ich frage und hinterher sagt er, ach ja, so ist doch schöner. Und dann denke ich mir, okay, wenigstens dieses Learning gibt es, weißt du, dass er tatsächlich feststellt, es gibt Unterschiede. Es hat keinen Effekt. Siehst du irgendeine Veränderung? Naja, ich habe auch noch nicht bis 18 gewartet. Also ich gehe davon aus, mit 18 wird es eingehen. Nein, es hat für mich einen Effekt, dass ich irgendwann für mich sage, ich muss die Tür nicht immer aktiv schließen, sondern ich halte es auch noch aus, wenn die auch mal offen ist. Vielen Dank. Und wie gesagt, ich will ausreichend Wäsche zum Waschen haben. Ja, aber mein Sohn wäscht seitdem er zehn ist seine Wäsche selber. Und das ist ja auch ein Trick. Das ist praktisch. Naja, das ist nicht nur praktisch, sondern ich möchte meinen Kindern ja helfen, sich zu lernen, sich um sich zu kümmern. Und was dein Sohn gerade lernt, ist eben, irgendwer macht es halt dann. Das ist nicht, er lernt sich um sich zu kümmern. Sondern Mama hält es halt irgendwann nicht mehr aus und dann macht es halt. Und irgendwann hat er eine Frau, die das irgendwann nicht mehr aushält und dann macht sie es halt oder was. Also das ist nicht... Naja, die Frage ist ja auch immer, welchen Maßstab habe ich. Also ich denke immer, ich gehe eigentlich mein Leben lang selbstverständlich davon aus, dass andere Menschen die gleichen Maßstäbe haben wie ich, aber muss doch feststellen im Laufe meines Lebens, ey, das ist gar nicht so. Also da gibt es die Freundin, die sagt, ey, ist mir völlig egal, ob da Brötchenkrümel unter dem Tisch liegen, das stört mein Wohlbefinden überhaupt nicht. Oder, also wirklich, ich war ganz verstaunt, Das war so mein Learning, je älter man wird, wie unterschiedlich die Ansprüche der einzelnen Menschen an die eigene Körperhygiene sind und an die eigene Wohnumgebung. Und da heilt es mir total schwer, meine Maßstäbe so als quasi den Zenit, an dem sich alle möglichst orientieren sollen, zu formulieren. Es gibt ja, also ich sage mal, wir haben alle die gleichen Bedürfnisse, nur die Strategien sind halt unfassbar individuell. Und wie schön ist es, wenn es diese Individualität geben darf. Und es gibt eben nicht das eine richtig und den einen Maßstab, sondern jeder hat seinen eigenen. Und was brauche ich, damit ich bereit bin, andere so sein lassen zu können, wie sie sind? Also es bleibt ja das Zimmer deines Sohnes und wenn du sagst, ich kann das nicht ertragen, dann darf die Tür zu sein. So, das wäre so das Einzige, wo ich sage, da setze ich eine Grenze. Nur meine Aufgabe ist ja, meinen Kindern mitzugeben, dass es diese verschiedenen, wenn du sagst Maßstäbe, dass es diese verschiedenen Sichtweisen gibt, diese verschiedenen Strategien, um Bedürfnisse sich zu erfüllen. Es geht ja hier zum Beispiel bei ihm geht es ja in seinem Zimmer auch um Geborgenheit, wie er sich wohlfühlt und das hat niemand zu beurteilen und auch nicht zu verurteilen. Und er darf seinen Raum haben, hier Erfahrung zu sammeln und ob er dann mit 18 aufräumt oder mit 60, kann mir doch scheißegal sein. Es ist ja, ich werde nie mit diesem Menschen in einem Zimmer leben. Ja, aber das ist schon ja auch ein Teil meines Hauses, der möglicherweise auch durch das Wohlfühlen in stickiger Luft sich auf andere Wohnbereiche auswirkt. Das ist ja ein Teil des Ganzen und tatsächlich fällt es mir schwer, das loszulassen. Das mag sein, dass es nicht der richtige Weg ist, aber da frage ich mich wieder, wo ist meine Grenze und die ist dann zumindest einmal im Jahr überschritten. Bei anderen Themen fällt mir das deutlich, deutlich leichter. Also zum Beispiel Mediennutzung ist ja auch so ein Thema, was in ganz vielen Familien, gerade im Teenageralter, eine Riesenrolle spielt. Und da schlägst du ja auch einen relativ ungewöhnlichen Weg vor. Du sagst, Bildschirmzeiten festlegen ist überhaupt nicht der geeignete Weg, sondern es ist viel sinnvoller, da sind wir wieder beim Thema, die Jugendlichen lernen sich um sich selbst zu kümmern, sich selbst zu beobachten. Also einfach mal zu gucken, wie geht es mir, wenn ich zwei, wenn ich vier, wenn ich sechs Stunden am Tag am Handy bin, lerne ich aus dieser Selbsterfahrung so viel mehr. Finde ich total gut. Geht allerdings nur, ich sage das nochmal für die Zuhörenden, weil das bei Teenagern so ist. Also wenn die Kinder kleiner sind, gehe ich da andersrum. Nur es geht halt immer darum, Räume zu finden, wo sie Erfahrung sammeln dürfen. Und in meinem Buch findest du dann ja auch die Studie, die ich, so nenne ich das, empfehle, mit dem Teenagerkind gemeinsam Studien zu machen. Und das würde zum Beispiel auch bei dem Zimmer aufräumen helfen, dass wir gemeinsam, dass nicht ein Jahr gewartet wird, sondern dass wir gucken, wie können wir dann gemeinsam Wege finden und mal rausfinden, was ist eigentlich das, was du brauchst, was brauche ich. Und so ist es für mich beim Handy oder Medienkonsum eben auch, dass ich da diese Räume öffne, die ich ja begleite. Ich lasse die Kinder ja nicht damit alleine. Aber was machst du, wenn am Ende dieser Studie ein Kind sagt, ja also mit den sechs Stunden geht es mir wunderbar. Wir wissen jetzt als Erwachsene wahrscheinlich selbst gut, dass es eher unwahrscheinlich ist, dass es tatsächlich so ist. Aber wie gehst du damit um? Also ich glaube, bei Teenagern, wenn die so 14, 15 sind, ist es sechs Stunden schon fast wenig. Echt? War mal realistisch. Keine Ahnung. Es wird nicht rauskommen, dass es ihnen gut geht, weil der Körper das nicht verarbeiten kann. Okay, ich bin gespannt. Ich muss es unbedingt noch ausprobieren. Ja, und jeder ist da auch anders. Jeder Körper verarbeitet Medien ja auch anders. Ja, also ich zum Beispiel kann es viel, ich brauche viel mehr Kraft dafür, Dinge, diese Sachen zu verarbeiten, als mein Sohn zum Beispiel. Und das haben wir rausgefunden, weil wir diese Studien dann gemacht haben. Und wenn einmal rauskommt, sechs Stunden, ich bin total fein, dann beobachte ich das als Elternteil wieder. Und wenn ich merke, ich merke Verhaltensveränderungen zum Beispiel, dann würde ich wieder unterstützend sagen, also ich habe einen anderen Eindruck, ich möchte da nochmal reingehen, wir prüfen nochmal, welche Apps, wie, wo, was. Nur ich habe bisher nicht die, wenn die Basis da ist, dass alles sein darf, dass ich nicht zu funktionieren habe, dass ich nicht zu machen habe, was Mama oder Papa gefällt. Dann trauen sich die Kinder ehrlich zu sein, weil sie keine Angst haben, dass ihnen Medienzeit genommen wird. Und auch hier passiert dann eben, irgendwann passieren die Dinge. Ich darf nur diesen Raum geben und es war auch gestern das Gespräch mit meinem Sohn, gestern ist viel passiert zwischen meinem Sohn und mir, dass er mir erzählt, er hat sich jetzt überlegt, dass er sich ein iPhone 5 holt, für 40 Euro oder so. Und wo er nur die Apps drauf macht, also kein Instagram, kein YouTube, weil er sagt, er hängt viel zu viel am Handy. und da habe ich gefragt, warum denn jetzt ein iPhone 5? Du könntest ja auch dein iPhone benutzen. Warum brauchst du zwei iPhones? Bei dem anderen bin ich es halt so gewohnt. Das ist so ein Habit, da greife ich drauf. Und wenn ich die App, dann hole ich mir die halt wieder runter. Aber das iPhone 5, das ist ja auch viel kleiner und da kannst du das alles viel schlechter sehen. Da habe ich da gar keinen Bock drauf. Das heißt, er nimmt jetzt für unterwegs, will er sich das iPhone 5 holen. Ich brauche einen Moment, um diese Strategie zu verstehen. Ich muss die ja nicht gut finden oder sinnvoll finden. Wichtig ist, dass er selber reflektiert. Dass ihn ein Verhalten an sich stört und was er tun kann, um sich auszuprobieren. Und diese Fähigkeit, sich so ehrlich, knallhart in die Fresse zu reflektieren, das dürfen die Kinder lernen. Das können ja viele Erwachsene gar nicht. Und das ist das Ergebnis, wenn du diese Räume schaffst und wenn du die Kinder, mitmachen lässt, mitentscheiden lässt, mit Erfahrung sammeln lässt. Und wenn du sie lernst zu hinterfragen und zu beobachten. und eben nicht sagst, wenn da rauskommt, sechs Stunden, gar kein Problem, das kann nicht sein. Ja, das kann nicht sein, wir machen weniger. Wenn du rausgefunden hast, die sechs Stunden, alles klar, einigen wir uns da drauf und dann beobachten wir ja weiter. Mhm. Und dann die Möglichkeit zu haben, seine Meinung zu ändern oder eben doch sagen, ach, wenn ich ganz ehrlich bin, eigentlich die sechs Stunden, ich hatte nur Angst, dass ich da nicht genug habe, aber irgendwie tut es mir nicht gut oder so. Auch solche Gespräche mal zu führen, weil ich keinen Schiss davor habe, dieses Gespräch zu führen, weil ich, ja, also diese Dinge sind möglich. Ich brauche nur die Eltern, die bereit sind, sich dem so zu öffnen. Und wenn ich weiter Erwartungen habe oder wenn ich Behauptungen habe oder wenn ich meine eigenen Ansprüche über die des Kindes stelle, dann geht das nicht. Dann sind das keine Gespräche auf Augenhöhe. Jetzt wird Teenagern ja gerne an den Kopf geworfen, ja, du bist alt genug, das zu machen. Und du stellst diesen Satz ziemlich in Frage. Du sagst, wir überschätzen Teenager oft, weil sie körperlich schon fast erwachsen sind und auch sprachlich sehr überzeugend erklären können. Und wir dann denken, dass sie eigentlich gar keine Hilfe mehr brauchen. Aber du sagst doch, die brauchen Hilfe. Ja, das siehst du ja an dem Verhalten. Je auffälliger das Verhalten ist eines Teenagers, desto größer sind die Defizite seiner Bedürfniserfüllung. Und je größer die Defizite sind, desto mehr Hilfe brauchen sie. Und jedes Verhalten, was schwierig ist für uns, ist nicht gegen uns, sondern ist ein Schrei nach Hilfe. Und was macht man dann? Naja, das, wovon ich gerade die ganze Zeit rede. Hingehen, ansprechen, Gespräche auf Augenhöhe führen, den Raum geben, dass alles sein darf, keine Erwartungen haben und rausfinden, welche Bedürfnisse dahinter stecken. Und wenn das dann Bedürfnisse sind, aus den anderen beiden Autonomie-Phasen, wenn ich jetzt auf mein Konzept der lila Liebe gucke, auch zu gucken, wie können die denn erfüllt werden. Manche Dinge dürfen auch nachbeeltert werden, denn bereits Teenager-Kinder haben, im System Trigger sitzen und dann kannst du am Teenager-Kind direkt innere Kindarbeit machen Da braucht man mit 30 nicht zum Psychiater zu gehen. Das ist ein gutes Ziel. Du bist ja auch quasi die Expertin für gewaltfreie Kommunikation. Das ist so dein Herzensthema. Und für den Fall, dass es jetzt Eltern gibt, die uns zuhören und tatsächlich noch nichts vom Thema gehört haben, kannst du, es ist schwierig, kurz erläutern, in Anführungsstrichen, wie es funktioniert, also was die Grundlagen sind und inwieweit mir das gerade oder vor allem im Teenageralter total gut weiterhelfen kann. Ja, in der Kürze liegt ja die Würze. Vielleicht haben wir jetzt beim Zuhören schon mitbekommen, dass das mir recht schwer fällt, mich kurz zu fassen. Nur es ist ja nicht das erste Mal, dass ich das gefragt werde, ob ich mal ganz kurz die gewaltfreie Kommunikation zusammenfassen kann. Ich gebe mir also große Mühe und mein Bestmögliches. Die gewaltfreie Kommunikation von Marsha Rosenberg entwickelt, ist für viele eine Kommunikationsstrategie, wie wir Konflikte in Verbindung lösen können und dann, wie du gesagt hast, wie funktioniert das? Sind wir dann auch beim Funktionieren? Ich gehe da gerne von weg. Ich möchte nicht, dass es funktioniert. Und ich möchte auch nicht, dass die gewaltfreie Kommunikation als Kommunikationsstrategie mal eingesetzt wird und mal nicht. Sondern für mich ist es wirklich die Frage, wie möchte ich leben? Wie möchte ich mit mir und mit anderen Menschen umgehen? Hat dann wieder auch viel mit Integrität und Respekt und Achtung zu tun. Und Marsha Rosenberg hat die gewaltfreie Kommunikation in zwei Teile aufgeteilt. Einmal in die Technik und einmal in die Haltung. Ich würde sagen, 70 Prozent machen die Haltung aus und 30 Prozent am Ende diese, Kommunikationsstrategie. Also wie spreche ich jetzt wirklich? Es ist vielmehr diese Haltung, wie ich auf Konflikte gucke. Und dabei helfen so Ziele der gewaltfreien Kommunikation zum Beispiel, dass es darum geht, dass wir Verstehen und Verstandenwerden erfüllen, was auch ein Bedürfnis ist. Also ich versuche so zu kommunizieren, dass mich Menschen verstehen bestmöglich. Nur wir wissen ja, wie es ist. Ich rede von Äpfeln und auf einmal wollen sie mir Bananen verkaufen. Dann darf ich nochmal von vorne anfangen und ich versuche so zu kommunizieren, dass ich auch bestmöglich verstanden werde. Und wir versuchen aus dem Kampf rauszukommen, wer hat Recht, wer ist Schuld, sondern in eine Verbindung reinzukommen. Wie finden wir eine Lösung, dass es am Ende für alle machbar ist, dass es am Ende für alle irgendwie okay ist und nicht, weil jemand sagt, naja gut, dann machen wir es halt so. Nee, du machst das jetzt nur, weil du keinen Bock mehr auf den Konflikt hast. Ja, aber ist egal. Nee, ist nicht egal. Du bist auch wichtig. Also wie können alle wichtig sein, sodass keiner unterdrückt wird? Das sind so Ziele der gewaltfreien Kommunikation, um es kurz zu fassen. Und was ich Eltern gerne mitgebe, ist die für mich wichtigste Haltung für Eltern, die ich aus der gewaltfreien Kommunikation herausgearbeitet habe, dass kein Kind und auch kein Teenager etwas macht, um dich zu ärgern. Sondern sie machen es immer für sich, auch wenn es für uns schwer nachvollziehbar ist in dem Moment. Und das ist dann wieder unsere Aufgabe. Was versuchen sie sich denn mit dem Verhalten gerade zu erfüllen? Und wenn wir das Bedürfnis rausgefunden haben, und das Coole ist ja, mit Teenagern kannst du ja sprechen, also wenn sie denn antworten. Und wenn ich das rausgefunden habe, worum es geht, zu gucken, was gibt es für Strategien, die für unsere Familie, wie du eben meintest, das ist ja auch, unsere Wohnung und da kommen Düfte aus dem Zimmer, wie können wir Lösungen finden, dass es eben für alle in Ordnung ist und nicht nur für deinen Sohn, der sich in seinem Zimmer dann wohlfühlt. Weißt du, was ich meine? Ja, total. Sehr schön auf den Punkt gebracht. Ich habe auch noch eine gute Nachricht, weil du hast mit uns darüber auch schon ganz, ganz ausführlich gesprochen. Also wenn die Zuhörer denn jetzt exakt das Thema gewaltfreie Kommunikation interessiert, unbedingt in Folge 112 klicken. Die verlinken wir natürlich auch nochmal in den Shownotes. Und in den Shownotes findet ihr natürlich auch einen Link zu Kathis aktuellem Buch. Und das hat sie uns auch mitgebracht. Ihr könnt ein Exemplar gewinnen. Schaut wie immer, wenn eine Folge frisch erscheint, schnell mal bei Insta vorbei. Da haben wir nämlich ein Posting, wo das Buch nochmal genauer vorgestellt wird. Und wenn ihr dort kommentiert, ganz kurz nur, dann habt ihr die Chance, es zu gewinnen. Und wenn ihr vielleicht gar kein Insta habt, was ja vielleicht auch eine gute Idee ist, Dann dürft ihr uns auch gerne, gerne eine Mail schreiben an wunschkindblog.gmail.com. Ja, Kathi, ganz, ganz lieben Dank, dass du heute bei uns zu Gast warst. Spannendes Thema, wir sind ja selber alle mittendrin. Und ich habe viel für mich mitgenommen und werde es jetzt mal versuchen, zwei Jahre auszuhalten und tatsächlich die Tür nicht mehr zu öffnen. Ich danke euch sehr für eure Fragen und den Diskurs und den authentischen Austausch. Ich hatte ganz große Freude und hoffe, dass neben dir, Daniel, auch andere noch was für sich mitnehmen konnten und vielen Dank, dass ich bei euch zu Gast sein durfte. Ja, auch ganz, ganz lieben Dank an euch, dass ihr wieder mit zugehört habt. Wir freuen uns natürlich auch, wenn ihr in der nächsten Woche wieder mit dabei seid. Wir freuen uns auf euch und sagen für heute erst einmal, vielen Dank fürs Zuhören und Tschüss! Tschüss! Das war der Podcast vom gewünschtesten Wunschkind.