Das gewünschteste Wunschkind, der Podcast. Hallo und herzlich willkommen zu Das gewünschteste Wunschkind, der Podcast mit Daniel Graf und Katja Seide. Wenn wir unsere Kinder morgens in die Kita oder in die Schule bringen, geben wir einen ziemlich großen Teil unserer Verantwortung ab. Und wir vertrauen darauf, dass sie dort nicht nur betreut und unterrichtet werden, sondern auch, dass sie sich dort sicher fühlen können. Und dann erzählt unser Kind vielleicht irgendwann, dass es zur Strafe allein sitzen musste oder dass es nicht mit raus durfte, dass eine ganze Klasse oder Gruppe bestraft wurde, oder dass eine Fachkraft etwas gesagt hat, für das wir uns selbst ziemlich schämen würden, wenn es unserem Kind gegenüber herausgerutscht wäre. Dann ist es gar nicht so einfach einzuschätzen, war das jetzt eine unangenehme Situation, die im Alltag eben mal passieren kann oder war die Fachkraft vielleicht überfordert oder wurde hier tatsächlich eine Grenze überschritten? Denn auch die andere Seite gehört dazu. Viele ErzieherInnen und Lehrkräfte arbeiten seit Jahren unter enormem Druck. Es fehlt Personal, Gruppen und Klassen sind viel zu groß und oft müssen mehrere schwierige Situationen gleichzeitig aufgefangen werden. Aber was heißt das für unsere Kinder? Was müssen sie aufgrund dieser schwierigen Bedingungen vielleicht hinnehmen und was auf gar keinen Fall? Und woran erkennen Eltern psychische Gewalt? Und vor allem, was können wir tun, wenn wir das Gefühl haben, dass mit unserem Kind in einer Einrichtung nicht gut umgegangen wird? Darüber sprechen wir heute mit der promovierten Pädagogin und Bestseller-Autorin Dr. Martina Stotz. Martina ist außerdem Dozentin mit den Schwerpunkten Bindung, Erziehung und Entwicklungspsychologie und Familienberaterin. Herzlich willkommen, liebe Martina. Hallo, ihr Lieben. Ich freue mich so, dass ich wieder da sein darf. Wir freuen uns auch. Martina, fangen wir mal mit einer Situation an, die wahrscheinlich viele Eltern kennen. Das Kind kommt nach Hause und erzählt, dass es beispielsweise nicht mit raus durfte oder wirklich irgendwo allein sitzen musste oder vor der ganzen Gruppe zurechtgewiesen wurde. Man hört sich das so an und fragt sich, ist das eine pädagogische Entscheidung, die mir vielleicht nicht gefällt oder ist hier wirklich eine Grenze überschritten worden? Woran können wir das denn unterscheiden? Ja, erstmal so von Weitem ist es natürlich total schwer, das zu unterscheiden. Deswegen würde ich erstmal bei mir selbst anfangen und vielleicht erstmal tief durchatmen, bevor ich impulsgesteuert ins Gespräch mit meinem Kind gehe. Weil vielleicht wäre so die erste Impulsreaktion sowas wie, das geht ja gar nicht oder das darf die Person nicht machen. Oder vielleicht kommt da auch Wut hoch oder die Mama ist genervt, wenn sie das hört. Und genau deswegen ist es so wichtig, erstmal tief durchzuatmen, bei sich anzukommen. um vielleicht nochmal den sicheren Boden unter den Füßen zu spüren und dann erstmal sich total auf das Kind einzulassen. Ja, also wirklich erstmal die Gefühle anzunehmen des Kindes, genau zuzuhören, möglichst ruhig zu bleiben, wenn einem das gelingt, auch wenn vielleicht innerlich einiges tobt, vielleicht durch das Atmen versuchen, klar und ruhig zu bleiben und dann wirklich das Kind zum Beispiel erzählen lassen und sagen, wie war das für dich, da hast du dich bestimmt erschrocken oder wie hast du dich denn da gefühlt und, was ist denn genau passiert und einfach erstmal versuchen, so ein gutes Bild zu kriegen von der Situation. Und dann dürfen wir nicht vergessen, dass Kinder ja oft auch Dinge anders vielleicht erzählen, wie sie objektiv passiert sind, nicht weil sie lügen, sondern weil sie es so empfunden haben. Also es kann durchaus auch sein, dass ein Kind zum Beispiel sagt, der Erzieher hat mich geschlagen. Das ist ein drastisches Beispiel. Und das ist so nicht passiert. Nur der Erzieher ist zum Beispiel sehr laut geworden und dann hat das Kind es vielleicht so empfunden. Und deswegen ist es immer ganz wichtig, da genau hinzuhören, auch natürlich mit der Fachkraft dann ins Gespräch zu gehen, um wirklich ein objektives Bild zu bekommen und trotzdem natürlich die Gefühle des Kindes ganz ernst zu nehmen und zu sagen, ja, da warst du total erschrocken oder dann warst du wahrscheinlich erst mal ganz einsam, wenn du da alleine warst. Und jetzt kommt aber der Punkt, um wirklich konkret auf eure Frage zu antworten. Also psychische Gewalt wäre es, wenn diese pädagogische Fachkraft es mit einer strafenden inneren Haltung gemacht hätte. Ja, es ist ein Riesenunterschied, ob ich zum Beispiel sage, komm, wir gehen jetzt mal zusammen darüber und wir machen eine kurze Pause. Und weil ich merke, dem Kind ist alles zu viel, es ist überreizt, ja, dann habe ich das auch als pädagogische Fachkraft schon gemacht, dass ich einfach mit dem Kind versucht habe, ein bisschen Ruhe zu finden und das eigentliche Bedürfnis beim Kind zu erfüllen. Vielleicht auch Eins-zu-eins-Betreuung, Bindung, Sicherheit. Wenn ich allerdings dieses Kind ausschließe, wirklich mit dieser strafenden inneren Haltung, dann ist es eine Form von psychischer Gewalt und eigentlich steht und fällt dann alles mit der inneren Haltung, die diese Fachkraft in dem Moment hat. Und gibt es denn Dinge, die in Kitas und Schulen immer noch ziemlich normal erscheinen, obwohl wir sie eigentlich kritischer betrachten sollten? Also wenn du jetzt sagst, das ist schon psychische Gewalt? Ja, also ich finde, dass da noch viel zu wenig eigentlich aufgeklärt wird. Das liegt natürlich auch an der fehlenden Ausbildung oft der Erzieher und Erzieherinnen. Ich arbeite so häufig auch mit Hochschulen, die zum Beispiel von Bindungs- und Bedürfnisorientierung noch ganz wenig nur gehört haben, was total schade ist. Das bestätigen mir auch alle ErzieherInnen, sogar Kita-Leitungen erzählen mir das, dass es leider immer noch kein Thema ist. Und dazu gehört einfach zu psychischen Gewalt, wenn ein Kind beschämt wird vor anderen, wenn ihm gedroht wird, wenn es ausgeschlossen wird. So Sachen wie auch auf die stille Treppe setzen gibt es noch. Oder es gibt einen Stuhl vor der Tür. Es gibt auch nach wie vor dieses Belohnungs- und Bestrafungssystem, dass ein Kind in der Wolke landet, anstatt in der Sonne. Und darüber ja auch beschämt wird oder was leider auch noch viele pädagogische Fachkräfte aus Überforderung oder fehlendem Wissen machen, ist, Kinder komplett zu ignorieren, ihnen sozusagen die Liebe und Zuwendung zu entziehen, das Isolieren natürlich und jede Form von Bestrafung, wie du darfst jetzt nicht mit raus in den Garten oder du bleibst in der Pause drin, wenn das eben auch dann mit dieser strafenden inneren Haltung passiert. Jetzt hast du ja eben schon gesagt, dass das Kind natürlich nur aus seiner Perspektive erzählen kann und das für uns Eltern wahnsinnig schwer ist einzuschätzen, inwieweit das dann jetzt der Realität entspricht. Aber natürlich muss ich es ja trotzdem ernst nehmen, was mein Kind erzählt. Wie schaffe ich es denn da zu differenzieren, was gesichert ist oder was vielleicht doch auch anders erzählt wurde, als es stattgefunden hat? Also ich stelle mir das wahnsinnig schwer vor. Ja, total. Es ist also, wie gesagt, ganz entscheidend ist erstmal dieses Zuhören und dann Empathie schenken. Also auch so Sätze wie, das klingt so, als wäre das richtig schwer für dich gewesen und dann auch wirklich vielleicht das Bedürfnis nochmal zu benennen. Da hast du dich vielleicht in dem Moment allein gefühlt und du hättest so gern auch mit den anderen Kindern gespielt und dazugehört, weil Zugehörigkeit für Kinder ja auch in der Kita und Schule so wichtig ist. Das ist so der erste Schritt. Und wenn ich dann merke, dass das Kind sich sehr schnell wieder entspannt und vielleicht auch gar nicht mehr davon erzählt und ich auch so den Eindruck habe, es geht am anderen Tag eigentlich gern wieder in die Kita oder in die Schule, dann kann das schon wirklich ein. Guter Indiz dafür sein, dass es vielleicht einfach so eine einmalige Sache war, die das Kind gar nicht allzu sehr beschäftigt. Wenn ich allerdings merke, da sind wirklich auch andere Symptome da, wie das Kind entwickelt so eine Kita oder Schulunlust oder das Kind möchte einfach vielleicht dann wirklich gar nicht mehr hingehen oder erzählt immer und immer wieder davon, dann ist das schon ein Zeichen dafür, dass das was ist, was das Kind nachhaltig auch beschäftigt. Und da sind übrigens auch Kinder sehr unterschiedlich und das ist auch sehr temperamentabhängig, denn manche Kinder haben einfach ein dickeres Fell und können auch damit umgehen, wenn eine Lehrkraft oder ein Erzieher mal schimpft und andere, die leiden schon darunter, wenn ein anderes Kind geschimpft wird. Ja, das heißt, auch da dürfen wir immer so ein bisschen die Individualität des Kindes nicht aus dem Blick verlieren und ganz ernst nehmen, wie das Kind sich verhält und daraus dann genau irgendwelche Schlüsse ziehen. Und natürlich, meine Empfehlung ist schon auch, wenn ich mir Sorgen mache als Mutter, das ist ähnlich, wenn ein Kind krank ist, ja, und da sagt man ja auch immer, lieber nochmal abklären, dann sollte ich als Mutter oder Vater einfach dieses Gespräch mit der Fachkraft suchen und da dann möglichst objektiv rangehen und sagen, mein Kind hat wertfrei beschrieben ABC erzählt und ich würde so gerne ihre Sicht dazu hören, denn manchmal empfinden Kinder ja vielleicht was anders, wie sie das empfunden haben. Und dann da in ein offenes Gespräch gehen, wenn möglich auf Augenhöhe und wertschätzend. Weil wenn sich die Fachkraft angegriffen fühlt, entsteht meistens gleich so ein Widerstand und man kommt nicht richtig in Verbindung und keinen Schritt weiter. Und was ist mit Kindern, die gar nichts erzählen? Gibt es ja auch, dass die zu Hause oder dass die es einfach in sich reinfressen und zu Hause irgendwie nichts davon erzählen, was in der Kita vorgefallen ist oder in der Schule. Gibt es denn Veränderungen im Verhalten, bei denen Eltern genauer hinschauen sollten, weil sie eben darauf hindeuten können, dass sich ein Kind in der Kita oder in der Schule nicht sicher fühlt? Auf jeden Fall. Also das sind wirklich drastische Trennungsschwierigkeiten. Ja, wobei viele Kinder auch Trennungsschwierigkeiten haben. Nur wenn ich merke, das spitzt sich zu, dann ist es wichtig, da genau dahinter zu schauen. Dann manchmal so auch das Bauchweh am Morgen. Das muss gar nicht unbedingt richtiges Bauchweh sein, weil das Kind krank ist, sondern Kinder können das oft noch nicht richtig einschätzen. Manchmal ist Bauchweh auch einfach ein Unwohlsein, weil ich vielleicht ängstlich bin oder weil ich ja vielleicht mich nicht so sicher fühle. Dann sagen Kinder oft, sie haben Bauchweh. Dann auch Schlafprobleme können darauf hindeuten, dass Kinder vielleicht da sich nicht richtig sicher und wohl fühlen oder manchmal auch extreme Wutausbrüche am Nachmittag, wenn Kinder abgeholt werden. Andere Kinder ziehen sich dann eher so in sich zurück, zeigen einfach so ein Verhalten, dass man das eigene Kind nicht wiedererkennt. Ich sage immer, wenn irgendwie klar ist, mein Kind ist anders, als ich es kenne. Das ist irgendwie nicht mehr mein Kind, sondern es ist irgendwie ganz anders. Dann ist es auch immer wichtig, nochmal hinzuhören. Und was auch ganz typisch ist, sind so Regressionsverhaltensprozesse. Damit meine ich, dass ein Kind plötzlich Dinge nicht mehr kann, die es vorher konnte. Vielleicht lässt es wieder ein, wenn es zum Beispiel schon trocken war oder wie gesagt, es sucht in der Nacht plötzlich wieder ganz viel Kontakt, obwohl es eigentlich schon im eigenen Bett geschlafen hat. Ja, oft so Veränderungen im Alltag sind häufig Signale dafür. Kein Beweis, allerdings Signale, dass dein Gespräch wichtig wäre mit der Fachkraft. Lass uns mal auf die Fachkräfte ein bisschen genauer schauen. Also viele arbeiten da wirklich unter einem enormen Druck. Also es fehlt ganz häufig Personal. Ich habe schon gesagt, die Gruppen sind viel zu groß. Und es passiert ja da auch im Alltag irgendwie ständig verschiedene Sachen nebeneinander. Was macht denn diese dauerhafte, es ist ja eine Überlastung mit der Beziehung zu den Kindern. Also dadurch steigt ja auch das Risiko, dass Erwachsene dann eben durch die Überforderung anfangen zu drohen, zu beschämen oder zu bestrafen. Ja, also was ich ganz oft höre von pädagogischen Fachkräften, die ich auch im 1 zu 1 oder in meinem Fachkräftekurs begleite oder in der Akademie sind, hauptsächlich diese mentalen Schwierigkeiten, die darüber entstehen. Also Fachkräfte, die ich begleite, die wollen es einfach liebevoll und bedürfnisorientiert lösen. Und selbst diese Fachkräfte, die schon so viel wissen, kommen total an ihre Grenzen, weil sie einfach im System maximal überlastet, überfordert. Und jetzt kommt das Wichtigste, überreizt sind. Und wenn diese Fachkräfte überreizt sind, dann werden sie im Umgang mit Kindern genervt. Ja, genervt, sage ich immer, kommt von einem überreizten Nervensystem, weil die Nerven blank liegen. Finde ich immer ganz wichtig, sich das mal bewusst zu machen. Und das bedeutet einfach, dass die Kinder sich dann nicht mehr das Nervensystem der Fachkraft ausleihen können. Und Kinder, die besondere Bedürfnisse haben, und davon haben wir in unserem System immer mehr und mehr Kinder, die können sich dann nicht mehr festhalten. Ich sage immer, wenn eine Fachkraft reguliert ist und wenn es sehr gut geht, dann kann sich auch ein Kind, das besondere Bedürfnisse hat, das mehr Sicherheit braucht, wie sie an so einem Gerüst festhalten. Und das ist dann nicht mehr möglich. Und es brauchen eben so viele Kinder diese Sicherheit, weil nun mal, wie du gerade schon so klar beschrieben hast, die Gruppen oft sehr groß sind. Dann gibt es natürlich diesen extrem mangelhaften Personalschlüssel, gerade in Kitas und auch in den Schulen ist es teilweise so, dass Lehrkräfte Doppelklassen führen. Also es sind einfach Zustände im System, die es manchmal gar nicht möglich machen, da wirklich noch bindungs- und bedürfnisorientiert zu reagieren, weil den pädagogischen Fachkräften dann die Selbstregulation fehlt, weil sie so desreguliert sind. Das ist natürlich schwierig. Einerseits können wir gut verstehen, warum jetzt eine überforderte oder überreizte Fachkraft in einer Situation ungünstig reagiert. Aber das macht die Situation für das Kind ja nicht weniger belastend. Was würdest du sagen, was müssen denn Kinder vielleicht tatsächlich aushalten lernen? Und wo würdest du sagen, dafür darf Überlastung absolut keine Erklärung sein? Ja, also in meiner perfekten Welt wäre es einfach so, dass erstes Mal das System natürlich anders wäre und alle pädagogischen Fachkräfte einfach diese bindungsorientierten Handlungsstrategien haben. Das wäre einfach für mich immer so dieser große Wunsch, den ich habe. Und wenn Kinder dem ausgesetzt sind und immer wieder psychische Gewalt erfahren, dann finde ich, es ist wichtig, natürlich Kinder zu stärken, wenn möglich die Betreuungszeit zu reduzieren, gerade in Kitas. Denn wir wissen aus der Forschung, dass gerade eben Kleinkinder oder auch Kinder vor allem unter zwei Jahren natürlich ganz besonders auch unter diesen Bedingungen leiden oder auch unter psychischer Gewalt. Und je älter ein Kind wird, also gerade auch in der Schulzeit, ist es natürlich auch in der Lage, mehr und mehr sich von so einem Verhalten abzugrenzen, wenn es zu Hause ganz viel Liebe und Kraft kriegt. Also ich sage deswegen immer morgens vor der Kita und Schule unbedingt ganz arg den Bindungstank auffüllen. Und da habe ich auch so süße Geschichten von Kindern, die dann sagen, ach, wenn ich geschimpft werde, das ist mir egal, Mama, ich habe ja deine Liebe. Oder solche Geschichten, die mich immer so rühren, dass ich manchmal auch so merke, wenn Kinder zu Hause so gestärkt werden, dann können die manchmal ganz schön viel auch ab. Also dann haben sie ein richtig dickes Fell und das liegt daran, dass sie oft durch die Begleitung ihrer Eltern lernen, dass das Verhalten der Person nichts mit ihrem Wert zu tun hat. Das lernen die oft schon zu Hause. Also da möchte ich auch gleich mal alle Eltern feiern, die zuhören und diesen Podcast hören, denn das dürfen wir nicht unterschätzen, was das für eine Kraft ist. Diese bedingungslose Liebe, die wir Kindern schenken, das hilft ihnen, Dinge nicht so persönlich zu nehmen. Kommt natürlich dann auch wieder aufs Temperament des Kindes an. Damit meine ich, was hilft es, wenn wir mit Kindern zum Beispiel auch ins Gespräch gehen und sagen, schau mal. Und was könntest du denn machen, um dich vor sowas zu schützen? Also es gibt zum Beispiel Kinder, die ziehen sich morgens eine Ritterrüstung an, wenn da irgendwie die blöde Lehrerin ist, die sie nicht mögen. Oder sie haben so einen Schutzmantel um sich rum aus Regenbogenfarben. Also manche Kinder sind da total zugänglich. Und dann hilft es ihnen, manchmal vielleicht so mit Schimpfen oder auch Lautstärke umzugehen. Und vielleicht auch lautes Schreien, das machen leider auch viele pädagogische Fachkräfte. Da sage ich auch manchen Eltern, es ist okay, wenn das Kind zum Beispiel auch Ohrstöpsel reinmacht für so einen Moment. Also dass die Kinder so für sich so ein paar Strategien haben, um sich nicht hilflos zu fühlen. Nur das sollte natürlich eher so die Notfalllösung sein. Und wenn dieses Beschämen, also all diese Dinge, die ich vorher aufgezählt habe, bestrafen, drohen, wirklich regelmäßig vorherrscht, dann ist es aus meiner Sicht einfach ein Fall dann wirklich für eine Eskalation auch hin bis zur Schulleitung, bis zur Einrichtungsleitung, dass da einfach was passiert, dass entweder die pädagogischen Fachkräfte weitergebildet werden. Ich würde dann zum Beispiel auch, wenn es jetzt mein Kind wäre, das Kind auch eine Zeit lang einfach zu Hause lassen, wenn das halt irgendwie möglich ist. Und eine andere Lösung suchen, denn was auch helfen kann, sind dann manchmal so zwei, drei Bindungstage zu Hause, wenn irgendwie alles gerade so schief geht oder vielleicht auch die Bezugserzieherin nicht da ist. Auch das empfehle ich Eltern immer, wenn sie merken, gerade ist es nicht so gut in der Kita, weil irgendwie die Bezugserzieher krank sind oder wenig Erzieher da sind, da wirklich so eigene Lösungen zu finden, um das Kind auch zu schützen. Und das ist natürlich je nach Kind dann ganz individuell. Also da könnte ich jetzt zwei Stunden drüber sprechen, was wir da alles tun können. Ja, aber dann lass uns nochmal kurz einen Blick auf die Fachkräfte werfen. Also ich hätte gerne nochmal so ganz, ganz, ganz prägnantes Beispiel irgendwie. Ich kann mir vorstellen, dass jetzt vielleicht der oder die eine oder andere zuhört und sich fragt, ja, wie funktioniert es denn? Also nehmen wir mal so eine ganz typische Situation. Ich habe ein Kind, das schlägt ein anderes und da muss ich natürlich als Fachkraft dann eingreifen, um das Kind zu schützen. Wie kann ich das dann machen, ohne dass ich das schlagende Kind jetzt beschäme oder da drohen muss oder es aus der Gemeinschaft ausschließe? Also ich hatte ja vorher schon von dieser liebevollen Grundhaltung gesprochen. Erstmal ist es wichtig, mit dem Blick auf das Kind zu schauen, das macht das gerade, um sich ein Bedürfnis zu erfüllen. Ja, also das Kind hat einfach noch keine andere Strategie, hat vielleicht auch von zu Hause vielleicht nicht so viel Sicherheit. Oft sind es auch die Kinder, die sehr bindungsleer in die Kita oder Schule kommen. Oder es ist ein Kind mit besonderen Bedürfnissen und es möchte sich in dem Moment abgrenzen, bei dem alles zu viel ist und es überreizt ist. Also es kann viele Gründe geben, warum ein Kind schlägt. Ganz entscheidend, ein Kind schlägt nie aus bösem Willen, sondern weil es noch keine andere Strategie hat. Was ich dann konkret tue, ist, ich sage zum Beispiel, stopp. Ich beschütze euch und greife ein, also mit dieser liebevollen Grundhaltung, ohne dieses Kind für seine Gefühle zu verurteilen. Ich darf dieses Verhalten natürlich nicht okay finden, ich setze dem Verhalten eine Grenze. Und das Kind wird mit seinen Gefühlen trotzdem ernst genommen und seinen Bedürfnissen. Und dann ist der zweite Schritt das Umlenken. Also dass ich besuche, das eigentliche Bedürfnis des Kindes zu erfüllen. Also wenn ich jetzt da an meine Zeit in der Kita denke, ich war lang musikalische Früherzieherin, dann hätte ich zum Beispiel dieses Kind danach zu mir hergeholt. Oft ist es dann die Sicherheit und hätte es dem Kind vielleicht sogar eine Aufgabe gegeben. Ja, und gesagt, kannst du kurz Instrumentenwart sein und vielleicht mein Instrument halten? Oder könntest du jetzt die Instrumente verteilen? Also dem Kind die Wirksamkeit geben und gleichzeitig die Sicherheit. Das ist oft eine gute Strategie, um Kinder, die, sag ich mal, körperlich sich äußern, Ja, zu regulieren und ihnen ja einfach zu zeigen, ich bin für dich da, ich verurteile dich nicht und oft ist das dann schon die Lösung, dass das Kind sich wieder entspannen kann und sich dann sozusagen, ja, das Nervensystem der Bezugsperson ausleihen kann. Und ich würde jetzt gerne nochmal auf die Eltern zu sprechen kommen, denn wenn jetzt mein Kind jeden Tag irgendwie aus der Kita kommt und mir erzählt, dass da die Fachkräfte irgendwie gewaltvoll mit ihnen sprechen oder, sie auf den Stuhl setzen oder was auch immer, auf den stillen Stuhl natürlich. Wie spreche ich denn das in der Einrichtung an? Also Eltern haben ja häufig auch so ein ungutes Gefühl, weil sie ihr Kind ja da am nächsten Morgen auch wieder hinschicken und sie auch auf eine gute Beziehung zu den Fachkräften anwesend sind. Also das muss man schon sehr feinfühlig machen, glaube ich. Finde ich auch, ja. Allerdings, wenn ich jetzt weiß, es war wirklich eine Aktion, die sehr deutlich auf psychische Gewalt hinweist, wie zum Beispiel auf den stillen Stuhl setzen, dann heißt es ja manchmal, ja, da muss man einen Termin machen, damit der Fachkraft ein bisschen Ruhe besprechen. Ja, auf der anderen Seite, am anderen Tag ist das Kind ja wieder der Fachkraft ausgesetzt. Deswegen bin ich da in solchen Momenten tatsächlich eher dafür, das direkt am anderen Morgen einmal anzusprechen. Denn es ist aus meiner Sicht eine Notsituation, in der wir sehr schnell das Gespräch suchen sollten. Das heißt, ich würde dann eventuell entweder am Nachmittag schon kurz eine E-Mail schreiben, schildern, was das Kind erzählt hat und sehr deutlich auch in der E-Mail machen, dass mich das zum Beispiel erschrickt. Also ich habe mich darüber erschrocken, dass ich das gehört habe. Ich würde deswegen gerne, wenn ich morgen früh komme, ganz kurz mit Ihnen darüber sprechen, denn mir ist ganz wichtig, dass mein Kind sich dort wohlfühlt und einfach eine Grenze setzt in dem Verhalten. Denn das ist etwas, was ich schon oft erlebt habe, auch mit pädagogischen Fachkräften. Also ich habe ja auch als Schulberaterin gearbeitet und war dann immer so diese Schnittstelle zwischen Lehrkräften und auch Eltern. Und da erlebe ich schon, wenn Lehrkräfte merken, oh, das ist was, was nach Hause geht, dann fühlen sie sich in diesem Moment natürlich auch, sage ich mal, beobachtet. Und so traurig das klingt, es lohnt sich schon dann auf jeden Fall sehr klar eine Grenze zu setzen, weil es leider so ist, dass gerade viele pädagogische Fachkräfte dann doch auch Respekt davor haben, vor diesen Elterngesprächen Respekt davor haben, auch vor der Konsequenz, weil oft sind die ja selbst mit dieser operanten Konditionierung aufgewachsen. Die wurden als Kind bestraft, deswegen verhalten sie sich so und deswegen reagieren die auch sehr schnell auf, sage ich mal, klare Grenzen. Und da möchte ich alle Eltern einladen, so traurig das ist, dass es so sein muss, wirklich sehr schnell eine klare Grenze zu setzen, sehr klar auch für das Kind einzustehen und zu sagen, das ist nichts, was ich akzeptiere und wir finden da bestimmt eine andere Lösung. Wichtig ist allerdings trotzdem immer natürlich die Augenhöhe zu wahren und zu sagen, ich weiß, sie haben so viele Kinder und sicher ist es oft nicht leicht, ja dann alle im Blick zu haben. So kann zum Beispiel ein Satz starten, um ins Gespräch zu kommen. Und ja, so kann ein Gespräch gestartet werden. Und dann ist es ganz wichtig, sich sehr klar zu äußern und natürlich auch Einfühlung zu schenken und gleichzeitig, klar zu machen, dass sowas aus Elternsicht nicht geht. Und was mache ich, wenn meine Sorge da ganz vehement abgewehrt wird? Also wenn ich beispielsweise höre, ja, das hat ihr Kind völlig falsch verstanden oder das machen wir halt hier so oder sogar vielleicht dann der Ball zurückgespielt wird und das heißt, ja, Sie wissen ja gar nicht, wie schwierig Ihr Kind hier manchmal ist. Wie gehe ich denn damit um? Also ich finde, wenn zum Beispiel jetzt die Fachkraft sagen würde, Ihr Kind hat das falsch verstanden, würde ich zum Beispiel sagen, das mag sein. Nur mein Kind hat es eben so erlebt und es hat sich so gefühlt und dieses Fühlen und dieses Erleben, das nehme ich ernst und das ist mir wichtig. Also ich würde da immer sehr klar dabei bleiben, dass das eigene Kind trotzdem ernst genommen wird oder... Auch wenn jetzt Fachkräfte sagen, das machen wir eben so, das sind so unsere Regeln. Und dann finde ich es immer ganz wichtig, nach dem pädagogischen Konzept zu fragen. Denn ich weiß nicht, es kennen vielleicht viele Eltern, die zuhören. Oft steht jetzt auf der Webpage ein tolles pädagogisches Konzept und wie alles. Ausgearbeitet ist. Und jede Kita zum Beispiel braucht auch so ein Gewaltschutzkonzept. Auch Schulen zum Beispiel sollten klare pädagogische Konzepte haben. Und das brauchen die für ihre Betriebserlaubnis. Und wirklich danach auch kritisch fragen und dann, wenn es so abgewirrt wird, wird auf jeden Fall über die Schulleitung gehen und, wenn eben möglich, eine weitere Fachkraft, die objektiv ist, mit reinnehmen. Und oft, wenn das gar nicht funktioniert, dann ist es in der Schule leider oft so, dass es dann erst über das Schulamt schneller klappt. Auch wenn die Schulleitung zum Beispiel blockiert, dann ist der nächste Step einfach leider das Schulamt, weil das ist sozusagen wieder die höhere Instanz für die Lehrkräfte. Und das ist meine Erfahrung, sobald das Schulamt zum Beispiel eingeschaltet wird, geht plötzlich alles ganz schnell. Ja, das ist halt so. Viele versuchen dann immer, das so unter den Teppich zu kehren, weil natürlich haben dann oft auch die Lehrkräfte aufgrund der Überforderung, auch die Schulleitungen völlig auch nachvollziehbar, einfach auch gar nicht die Kapazitäten eben für solche Konfliktgespräche. Es geht ja eben um das Wohl des Kindes und dann sollte aus meiner Sicht eher an anderen Stellen gespart werden und sowas dann ernst genommen werden. Also unbedingt dranbleiben. Also ich möchte da auch nochmal betonen, wir bewegen uns mit den pädagogischen Fachkräften auf Augenhöhe. Wir haben eine Erziehungs- und Bildungspartnerschaft. Und das Wort Partnerschaft? Das zeigt einfach, dass wir als Eltern uns nicht unter die pädagogischen Fachkräfte stellen müssen, sondern wir dürfen mit einem Selbstbewusstsein und auch eben, mit dem Bewusstsein, dass Eltern Rechte haben, ja auch in dieser Erziehungs- und Bildungspartnerschaft in so ein Gespräch gehen. Also auch diese klare Haltung, ich bin hier mit euch auf Augenhöhe, bewirkt schon ganz viel. Ja, das ist ja was, was die Fachkräfte vielleicht oder auch die Schulleitung, die Kita-Leitung dann auch zwischen den Zeilen spürt und liest. Mit welcher Klarheit komme ich da in einem Gespräch? Mhm. Jetzt hast du gerade schon das Schulamt angesprochen. Das geht in Richtung meiner Frage. Ich wollte gerne wissen, wann denn der Punkt erreicht ist, an dem das Gespräch mit der Fachkraft jetzt nicht mehr ausreicht. Wo du sagen würdest, nee, da sollten die Eltern zur Schulleitung oder zur Kita-Leitung gehen oder vielleicht sollten sie sich Unterstützung außerhalb der Einrichtung holen. Gibt es da so einen Punkt? Ja, auf jeden Fall. Also ich glaube, das ist individuell so ein bisschen so, wie wenn das Kind, sage ich mal, Fieber hat, finde ich, sollte dann der nächste Arzt irgendwie mit einbezogen werden, wenn ich mich nicht mehr wohlfühle. Und genau an dieser Stelle würde ich Eltern ermutigen, das dann zu tun, wenn ich den Eindruck habe, zum Beispiel die Klassen mehr Kraft oder auch die Bezugserzieherin, der Bezugserzieher nimmt es nicht wirklich ernst, was ich sage. Es verändert sich vielleicht auch danach rein gar nichts. Und oft ist es ja auch so, dass einfach die Chemie nicht richtig stimmt. Ich habe vielleicht den Eindruck, ich komme einfach nicht durch zu dieser Person. Es ist ja auch so, dass wir Mama einfach nicht so sympathisieren mit jeder Person. Und auch dann ist es wichtig, weitere Personen mit einzubeziehen. Wie gesagt, dann die Leitung und dann eventuell einfach andere Fachpersonen. Das Problem ist allerdings so ein bisschen, dass ja auch nicht jedes Bundesland die sogenannten Kita-Berater hat. Ja, oder auch nicht jede Schule hat sofort irgendwie einen Schulpsychologen oder einen Sozialpädagogen oder so parat, weil die auch oft total überlastet sind. Und darum braucht es da einfach unbedingt auch andere Lösungen. Und wichtig finde ich trotzdem immer diesen runden Tisch, also man sagt ja in der Fachsprache runder Tisch. Mehrere Menschen an einem Tisch sitzen, die Lehrer, die Leitung eventuell und eben dann eine weitere Fachkraft, die objektiv dann auch das Gespräch leiten kann. Ich will jetzt nochmal ganz kurz darüber sprechen, welchen Unterschied es dann macht, ob wir jetzt über ein dreijähriges Kind in der Kita oder über ein zehnjähriges Schulkind sprechen. Also da haben wir Eltern ja doch sehr, sehr unterschiedliche Möglichkeiten, aber auch die Bedürfnisse der Kinder ändern sich ja ganz altersabhängig. Ja, und vor allem ja natürlich auch, wie sie die Sachen nach Hause bringen. Das finde ich auch an der Stelle nochmal wichtig. Gerade die Kleineren verarbeiten oft das, was sie erleben, in der Kita in Rollenspielen. Also ich erlebe das dann oft so bei Eltern, die ich begleite, dass das Kind dann zum Beispiel im Rollenspiel sagt, du bist jetzt leise oder jetzt setzt du dich hin. Weil sie das einfach so nachspielen, wie die Bezugsperson dann in der Kita mit ihnen redet. Das heißt, bei den Jüngeren kann ich das oft so aus diesen Rollenspielen entnehmen. Und dann kann ich auch nachfragen, oh, woher hast du das denn? Und dann kann ich vielleicht rausfinden, ah, okay, so wird in der Kita mit meinem Kind gesprochen. Und gerade bei den älteren Kindern ist es oft so, dass die nicht gerne aus der Schule erzählen. Das kennen vielleicht auch viele Eltern. Das hängt einerseits damit zusammen, dass sich Kinder oft entspannen wollen und einfach die Schule Schule sein lassen wollen, wenn sie nach Hause kommen. Und manchmal auch, weil sie Sachen vergessen wollen, weil sie irgendwie auch darunter gelitten haben. Und entscheidend ist bei einem dreijährigen Kind, ist es so, dass es oft so ist, dass wenig gesprochen wird, eigentlich auch beim Grenzen setzen und dass sie im Grunde auch ganz viel Handeln brauchen. Also sie brauchen viel Sicherheit, wie Körperkontakt. Also ein Kita-Kind darf auch ruhig mal auf dem Schoß von der Erzieherin sitzen und ich habe die dann oft so ganz nah bei mir gehabt und den Arm um die Kinder, die sich noch ein bisschen schwer getan haben oder viel Sicherheit gebraucht haben. Und bei den älteren Kindern ist es oft so, die wollen unbedingt ernst genommen werden, wenn sie sich schwer tun. Die wollen gehört werden, gesehen werden, wollen mit ihrer Meinung auch gehört werden. Da hilft es auch gerade, wenn es Probleme in der Schule gibt, wenn man sich wirklich mit denen mal alleine an den Tisch setzt und sagt, komm, jetzt reden wir mal darüber. Wie ist das denn aus deiner Sicht und wie geht es dir denn damit? Da habe ich so viele Schüler so im Kopf, die dann auch so offen und auch so, ja schon so erwachsen argumentieren und erklären. Sondern so oft bringt es so viel, einfach mit den Kindern in diesem Alter auch zu sprechen. Denn das wird oft vergessen. Oft wird immer so auf der Eltern- und Erwachsenenebene alles gelöst, anstatt wirklich auch mal das Kind zu fragen, gerade wenn es älter ist. Und vor allem auch bei den Älteren finde ich es auch wichtig, dass das Kind gefragt wird, ob das angesprochen werden soll. Wenn jetzt zum Beispiel das Kind erzählt vom Streit in der Pause und vielleicht jetzt auch mit einem anderen Kind oder so, da hilft es mir auch nochmal zu fragen, hey, ist das was, was du alleine klären wirst? Sollen wir darüber zu Hause sprechen oder soll ich dich unterstützen? Oder soll ich mal mit der Lehrerin oder dem Lehrer sprechen? Es sei denn, es wird zu drastisch, dann entscheide ich auch bei einem älteren Kind, zum Beispiel bei Mobbing oder so, dass ich mit der Fachkraft ins Gespräch gehe. Nur auch da ist es wichtig, die Meinung des Kindes zu akzeptieren. Wohingegen bei einem jüngeren Kind würde ich das natürlich als Mama oder Papa einfach tun. Jetzt können wir als Eltern den Personalschlüssel oder die Gruppengröße oder auch die Arbeitsbedingungen ja nicht verändern. Gibt es denn trotzdem was, was Eltern tun können, damit eine Einrichtung irgendwie anders mit solchen Situationen umgeht, jetzt ohne, dass den Fachkräften noch mehr Anforderungen aufgebildet werden? Ja, auf jeden Fall. Also natürlich brauchen auch pädagogische Fachkräfte, die sich ja oft zerreißen, also im Alltag, unbedingt ganz viel Wertschätzung. Denn häufig ist es natürlich so, dass immer mit ihnen in den Kontakt getreten wird, wenn was nicht so gut läuft. Und so kleine Wertschätzung wie allein morgens. Kurz zu sagen, gestern ist das und das passiert, hat mein Kind das erzählt und es hat sich so drüber gefreut. Vielen Dank, dass Sie das so kreativ gemacht haben. Also wirklich diese kleinen Dinge zu sehen, zu wertschätzen, weil oft steckt ja so viel Liebe auch in so einem Kita- oder Schulalltag. Ich erinnere mich selbst noch als musikalische Früherzieherin, wie wunderschön das war, wenn einfach mal eine Mama zu mir kam und gesagt hat, die singt zu Hause immer die Lieder und dann erzählt sie immer ganz viel und vielen Dank, dass sie das so schön machen. Da geht einem das Herz auf. Das ist auch was, wovon natürlich Menschen zehren oder auch als Lehrkraft, dass ich da immer mal wieder so diese Rückmeldung bekommen habe, dass davon. Nähren sich natürlich pädagogische Fachkräfte auch, um weiter auch mit den Kindern liebevoll umgehen zu können. Und was immer natürlich hilft, ist so diese Augenhöhe, also immer wieder einen Blick zu haben, es bringt gar nichts, wenn ich mich nicht ins Boot setze zu dieser Fachkraft. Es geht schlussendlich um dieses Beziehungsdreieck Kind, Fachkraft und Eltern, auch wenn es manchmal echt schwer ist und sich auch einfühlen einfach in die Fachkraft. Und was ich auch total wertvoll finde, ist, das ernst zu nehmen, dass wir als Eltern einfach auch mitwirken können, dass wir Teil dieser Kita- oder Schulfamilie werden können. Also ich kenne viele Eltern, die zum Beispiel dann in Elternbeirat gehen oder. Einfach dann auch im Förderverein sind, um für die Kinder an der Schule oder in der Kita schöne Dinge zu organisieren. Dazu gehört zum Beispiel auch, ich habe ja eine Fortbildung für Fachkräfte, dass zum Beispiel es Eltern gibt, die das finanzieren, die zum Beispiel sagen, ich habe da so eine tolle Ausbildung oder Weiterbildung und die würde ich jetzt finanzieren. Da habe ich so eine Lizenz zum Beispiel auch für Schulen oder Kitas oder sowas. Das wird manchmal auch über einen Förderverein finanziert, dass alle Lehrkräfte zum Beispiel die Weiterbildung zur Bedürfnisorientierung dann an der Schule machen oder alle Erzieher. Und was auch immer gut ist, ist nochmal ganz interessiert, so nach dem pädagogischen Konzept zu fragen. Weil oft ist es so, dass das natürlich in diesem ganzen Bürokratiewahnsinn und was die Fachkräfte da alles leisten müssen, total untergeht. Mit welcher inneren Haltung begleiten wir Kinder eigentlich? Und was wirklich von zu Hause aus noch übernommen werden kann, ist den Bindungstank morgens füllen, also ganz viel kuscheln, das Kind gut vorbereiten, auch auf Konfliktsituationen. Dass ich zum Beispiel sage, guck mal, wenn es heute wieder passiert, was könntest du dann tun? Und dann kenne ich halt wirklich Kinder, die dann am Ende sagen, ich hatte heute meine Ritterrüstung an. Als die geschrien hat, hatte ich ja die Ritterrüstung. Das war mir egal. Also es ist schon spannend, wie Kinder sowas auch annehmen oder dann lernen, sich auch von Gefühlen anderer abzugrenzen oder auch das Perspektive übernehmen. Dass sie sagen, ach, heute war meine Lehrerin mal wieder überfordert. Dass es dann gar nicht so sehr auf das eigene bezogen wird, sondern die Kinder das wahnsinnig gut können zu sagen, ja, ich glaube, sie hätte irgendwie Unterstützung gebraucht. Das ist faszinierend, was die Kleinen da teilweise leisten auch schon, emotional und sozial. Ja, ich finde deine Idee auch total interessant, dass es da wirklich jemanden in den Einrichtungen geben sollte, der eben die Bindungs- und Bedürfnisorientierung ganz besonders im Blick hält. Erklär uns nochmal ganz am Ende kurz unserer heutigen Folge, wie genau stellst du dir denn die Rolle vor und was genau könnte sich denn da im Alltag unserer Kinder ändern? Ja, also es ist ja so, dass ich auf meiner Bindungsakademie tatsächlich Familienberater ausbilde und dort gebe ich eben ganz viele Tools an die Hand, wie Bindungs- und Bedürfnisorientierung gelebt werden kann, eben auch wirklich in Kitas und in Schulen. Also es gibt ein Modul, das heißt Kita- und Schulpsychologie. Und da habe ich ganz viele Erzieher und Lehrkräfte, die bei mir sind, die diese Ausbildung machen. Und die sind jetzt tatsächlich schon tätig und schulen zum Beispiel ihre Kollegen, helfen bei Konfliktsituationen intern eben weiter. Denn es ist ein Riesenunterschied, ob jemand von außen kommt, was natürlich auch oft wichtig ist, dieser objektive Blick, oder ob ich eine Person im Team habe, die einfach diese liebevolle, bindungsorientierte Grundhaltung in sich trägt, vor allem auch ganz viel entwicklungspsychologisches Hintergrundwissen hat. Und es ist leider oft verkümmert. Und dann in bestimmten Konfliktsituationen natürlich auch auf Augenhöhe mit den Kollegen und Kolleginnen reagieren kann. Und vielleicht auch erklären kann, guck mal, ich glaube, der hat halt geschlagen, weil die Eltern haben sich heute Morgen gestritten, hat er mir erzählt. Oder bei dem Kind habe ich so den Eindruck, der könnte sich vielleicht im neurodivergenten Bereich bewegen. Der braucht vielleicht einfach mehr Ruhe. Lass uns doch mal Kopfhörer anschaffen. Das heißt, eine Person, die wirklich von innen heraus dieses System verändert, die Fachkräfte durch diese liebevolle Haltung weiterbildet und. Das rührt mich einfach so sehr zu sehen, wie alle, die jetzt auch Absolventen oder Absolventinnen meiner Akademie sind und diese Ausbildung gemacht haben, das ist ein Fernlehrgang. Dass die tatsächlich dann in der Lage sind, auch auf Augenhöhe das zu bewirken. Weil oft würde man sich vielleicht denken, ja, dann kommt da so ein schlau wie Schlumpf und erklärt mir, wie das alles geht. Nur es ist eben das Schöne, da die so in Verbindung sind und einfach auch zusätzlich natürlich diese Ausbildung machen. Manchmal ist es sogar, dass es vom Träger finanziert wird, was ich toll finde. Und ja, dass dadurch sich wahnsinnig viel von innen heraus einfach verändert und die Belastung auch mental natürlich dann für die Kollegen und Kolleginnen weniger wird. Denn wir wollen ja alle als Erzieher und Erzieherinnen und Fachkräfte nach Hause gehen und uns wohlfühlen mit dem, wie wir mit den Kindern umgegangen sind. Ja, also ich hatte auch so Tage als Lehrerin, wo ich mir dachte, oh Gott, heute war ich echt irgendwie mal ungeduldig oder so. Und die Tage, an denen ich heim bin und alles so leben konnte, wie es mir am Herzen liegt, da war ich einfach danach total erfüllt und aufgeladen, auch wenn der Morgen anstrengend war. Und genau das wünsche ich einfach jeder pädagogischen Fachkraft und natürlich vor allem den Kindern, dass es jemand gibt, der da wirklich was verändert. Ja, das klingt total traumhaft und schön. Also wer da Interesse hat, wir verlinken das natürlich auch in den Shownotes, die passende Stelle an deiner Seite. Da kann man das dann natürlich noch mal genauer nachlesen. Also ich glaube, eine Sache ist bei dem Thema ganz besonders schwierig. Wir als Eltern, wir sind meistens nicht dabei, wenn unsere Kinder in einer anderen Betreuung sind. Und wir müssen halt darauf vertrauen, dass andere Menschen gut mit ihnen umgehen. Und wir müssen aber auch bis zu einem gewissen Maß akzeptieren, dass da eben auch Fehler passieren. Aber schlechte Rahmenbedingungen, die dürfen eben nicht dazu führen, dass wir bestimmte Dinge normal finden, die unseren Kindern vielleicht Angst machen, die sie beschämen oder vielleicht sogar aus der Gemeinschaft ausschließen. Und vielleicht hilft es schon öfter und genauer zuzuhören, wenn uns unser Kind etwas erzählt, auch nachzufragen und Probleme anzusprechen, ohne eben, dass wir uns alle sofort zum Gegner machen. Ja, wir wünschen uns wirklich von Herzen, dass alle Fachkräfte ausreichend Zeit und Unterstützung haben, damit unsere Kinder wirklich zugefandt und liebevoll betreut werden können. Und vielen lieben Dank, liebe Martina, an dich, dass du dabei auch so wertvoll unterstützt. Ich danke euch, dass ihr diesem Thema heute eine Bühne gegeben habt. Das ist so wichtig für den Kinderschutz. Ich danke euch für eure ganze großartige Arbeit, die ihr leistet. Dankeschön, das können wir zurückgeben. Und an euch da draußen sagen wir ganz, ganz lieben Dank fürs Zuhören. Wir hören uns, wenn ihr mögt, auch sehr gerne in der nächsten Woche wieder. Bis dahin sagen wir erst einmal für heute Tschüss. Tschüss. Tschüss. Das war der Podcast vom gewünschtesten Wunschkind.