Hallo und herzlich willkommen bei Nebenan weltweit und servus Franziska. Yes, servus. Freue mich sehr, wieder da zu sein. Ich freue mich auch, dass du wieder dabei bist. Jeden letzten Freitag im Monat bekommt ihr ab sofort eine Folge Nebenan weltweit zusätzlich zu Verbrechen von Nebenan, kostenlos und überall, wo es Podcasts gibt. Und ich kann schon mal disclaimen, gibt es dieses Verb? Ich weiß es nicht. Also disclaimer vorab, ich habe es jetzt jedenfalls gerade erschaffen. Es ist heute, muss ich sagen, Aufnahmen unter erschwerten Bedingungen. Ich habe noch so ein bisschen letzte Reste einer schweren Männergrippe und außerdem wird noch, das habe ich gerade gemerkt, vor meiner Haustür, also vor meinem Arbeitszimmer irgendwie die Straße aufgerissen. Also vielleicht möchte das Schicksal nicht, dass wir heute aufnehmen, aber wir lassen uns da nicht von abbringen. Es geht nämlich auch in wärmere Gefilde, es geht nach Texas und wir sprechen über einen Fall, der wirklich irre ist. Also ich habe mir bei der Recherche gefühlt dauerhaft an den Kopf gepackt und musste so ein bisschen an die Black-Stories-Spiele denken. Kennst du die? Also ich kenne den Namen, ich weiß, dass es existiert. Man muss doch irgendwie raten, wer hat wen umgebracht und die andere Person darf aber nur mit Ja oder Nein antworten, oder? Genau, es sind so verrückte Geschichten. Du kriegst halt eine Ausgangssituation.
Beispielsweise ein Mann liegt nackt in der Wüste und alle Knochen sind zerschmettert und er hat ein Streichholz in der Hand, was ist passiert. Und dann muss man halt über Nachfragen herausfinden, was passiert ist. Und so ein bisschen so ist eigentlich die Folge heute. Also damit du schon mal eine ungefähre Vorstellung davon hast. Ja, ich bin total gespannt.
Inhaltswarnung, ganz kurz vorab, es geht um schwere Schusswaffenverletzungen. Einige Namen habe ich außerdem geändert. Bist du nicht nur gespannt, sondern auch bereit? Ja, genau. Sehr gut, dann gehen wir jetzt rein. Der September kann in Texas noch ziemlich heiß sein. Das hat der 55-jährige Unternehmer Greg Flanagan heute wieder zu spüren bekommen. Nach einem harten Arbeitstag bei 34 Grad hat Greg deshalb jetzt nur noch eine Sache im Sinn. Entspannung. Seit 15 Jahren pendelt er jeden Montag etwa zwei Stunden aus seinem Heimatort Lafayette in Louisiana in die 115.000-Einwohner-Stadt Beaumont im Südosten von Texas. Hier führt er gemeinsam mit seinem Bruder Michael eine Leasingfirma für Grundstücke mit Erdölvorkommen, die OGM Land Company. Und fast jedes Mal, wenn er in Beaumont ist, schläft Greg im MCM Elegante Hotel. Ein großer Klotz an der Abfahrt der Interstate 10 am Rande der Stadt. Also Elegante ist jetzt nicht ganz so Elegante, wie der Name vielleicht vermuten lässt. Elegante.
Es hat sogar so einen Akzent. Deswegen vermute ich, dass es Elegante gesprochen wird. Es ist eher so ein Tagungshotel. Das hat aber alles, was man jetzt braucht, wenn man irgendwie auf Arbeitsreise ist. Auch an diesem Abend parkt Greg seinen Pickup-Truck auf dem üblichen Parkplatz unter den Palmen vor dem Hotel mit direktem Blick auf das bunt leuchtende Neonschild mit dem Hotelnamen auf dem Dach. Seine Firma hat ihm ein Zimmer im Cabana-Flügel gebucht, wie auch sonst immer. Von Zimmer 348 im dritten Stock hat man einen guten Blick auf den Pool im Innenhof des Hotels mit seinen Topfpalmen, den Sonnenschirm und den Pool liegen. Aufgrund der Temperaturen wird auch der jetzt am Abend noch sehr gerne von den Hotelgästen genutzt. Die Aussicht ist aber auch schon ehrlich gesagt das Spektakulärste an dem Zimmer. Sonst gibt es ja eigentlich nur braune Holzmöbel mit etwas abgenutzten Griffen, ein Fernseher und ein großes Queen-Size-Bett. Ja, also es klingt ja ganz nett, aber... Hotel ist Hotel. Genau. Ich weiß nicht, du warst ja bestimmt auch schon mal in den USA, die Hotels sind da meistens nicht ganz so schön wie hier, aber die haben immer alle einen Pool. Also egal, wenn du irgendwie in wärmeren Gegenden unterwegs bist, egal wie ranzig die Zimmer sind, einen Pool gibt es immer.
Und so eine Eiswürfel, Crushed-Eis-Maschine auf dem Flur, das habe ich auch sehr zu schätzen gelernt. Ja, habe ich tatsächlich noch nicht gesehen. Und als ich in Los Angeles war, war ich direkt am Meer in Venice Beach. Also da brauchte es dann auch keinen Pool. Ja, okay, gut. Wir haben ja mal so einen Roadtrip gemacht, Tanina und ich. Und da waren wir halt viel in diesen Motels, die auch so immer in diesem Pool angeordnet sind. Das ist schon noch eine andere Art von Unterprägung, würde ich jetzt mal sagen. Aber man muss sagen, Greg braucht ja auch nicht viel. Der erwartet nicht viel von seinem Hotelzimmer. Und als er dann von der Arbeit ins Hotel kommt, streift er, erschöpft seine braunen Lederstiefel von den Füßen und stellt sie neben seinen Koffer, wie er das abends immer macht. Der 55-Jährige ist ein Gewohnheitsmensch und dazu noch ziemlich ordentlich und gewissenhaft. Nach so vielen Jahren auf Dienstreise und unzähligen Hotelübernachtungen hat er eine ganz bestimmte Routine entwickelt. Die getragenen Klamotten werden auf den Boden des Schranks geworfen. Darüber hängt er ordentlich seine Hemden auf Kleiderbügel, damit die nicht knittern. Sein Koffer steht immer offen, damit er sich dort noch schnell neue Kleidung raussuchen kann. Auch an diesem Abend schlüpft er schnell aus seinen Jeans in eine leichte blaue Schlafanzughose. Während die anderen Hotelgäste den Weg zur Hotelbar suchen, macht es sich der 55-Jährige in seinem Bett gemütlich.
Dazu legt er ein weißes Handtuch auf die dicke Bettdecke, um sie nicht dreckig zu machen, und breitet darauf all die Dinge aus, die er abends zur Entspannung braucht. Vor allem der Aschenbecher und seine Zigaretten sind ihm wichtig. Ohne die sieht man ihn eigentlich nie. In welchem Jahr befinden wir uns da? Das ist 2010, also ist schon ein bisschen her. Aber da darfst du noch... Im Hotelzimmer rauchen. Ja. Ich glaube, das ist in den USA ähnlich wie in Deutschland, dass es so Bundesstaatenabhängig ist. Also in ganz vielen Gegenden in den USA darfst du nicht rauchen. Aber ich kann mich zum Beispiel daran erinnern, dass die in Las Vegas überall drinnen geraucht haben. Also scheinbar gibt es da dann irgendwie andere Regeln.
Und vielleicht, ich weiß nicht, ob das immer noch so ist, gibt es halt auch da diese Raucherzimmer. Hatte ich einmal das Glück, weil es das letzte freie Zimmer in dem Hotel war. Und selbst wenn man raucht, ist das ein bisschen eklig, weil die so leicht gelbe Wände dann irgendwie immer haben. Ja, ich erinnere mich an sowas. Ja, das gibt es heute, glaube ich, nur noch ganz, ganz selten. Aber nur, dass du so eine kleine Vorstellung davon hast, wie er sich das da gemütlich macht. Also er breitet das alles so auf seinem Bett aus. Und neben die Zigaretten und den Aschenbecher legt er sein Feuerzeug und sein Blackberry. Also du siehst, wir sind schon ein bisschen länger her, 2010. Und außerdem noch eine Fernbedienung für den Fernseher und einen Knusperschokoriegel. Mit einem Malzbier in der Hand und zwei Kissen im Rücken genießt Greg seinen Feierabend. Die Klimaanlage hat er vorher noch komplett aufgedreht, denn er mag es gerne kalt zum Schlafen. Wie in einem Kühlraum witzelt seine Frau Susi immer. Greg braucht keine Gesellschaft und kein Bier an der Hotelbar. Ihm reichen seine Kippen und ein guter Actionfilm. An diesem Abend entscheidet er sich für Iron Man 2.
Zwischendurch schreibt er noch kurz mit seiner Ehefrau. Die führt zu Hause in Lafayette ein Bed and Breakfast und ist gerade dabei, die Steuererklärung fertig zu machen. Sie erzählt ihm, dass sie gut vorankommt und er antwortet noch, super Schatz. Greg ist kein Mann der großen Worte, aber er freut sich jedes Mal sehr darauf, seine Frau am Wochenende wiederzusehen. Bis dahin dauert es an diesem Abend aber noch etwas. Um sich die Wartezeit zu versüßen, steht er noch einmal kurz auf, um sich in der Mikrowelle seines Hotelzimmers Popcorn zu machen. Weil die Elektrogeräte in solchen Hotels ja oft nicht die neuesten sind, gibt es dadurch einen Kurzschluss. Der Strom in Greggs Zimmer fällt plötzlich aus, genauso wie in einigen angrenzenden Zimmern neben und unter ihm. Also ruft Gregg etwas zerknirscht unten an der Rezeption an und fragt, ob sich jemand das Ganze mal ansehen kann.
Eigentlich ist Greg ein eher unauffälliger Hotelgast. Er macht keine Probleme und beschwert sich nie. Deshalb ist ihm das Ganze eher unangenehm, dass er da jetzt eben anrufen muss und sagen muss, kann mal jemand hochkommen. Gut, es ist natürlich nicht seine Schuld. Absolut nicht, absolut nicht. Aber ich kann das verstehen, wenn man irgendwie, also ich habe das auch manchmal, wenn ich abends noch irgendwas brauche, dass ich dann mal so denke, ich will die jetzt eigentlich nicht stören. Ja, ja, ja, total. Aber klar ist natürlich auch Teil des Jobs und er hat Glück, weil schon kurz nach dem Anruf kommt ein Hotelmitarbeiter hoch, um den Sicherungsschalter wieder umzulegen und wünscht Greg anschließend noch einen schönen Abend. Als dieser gegen halb neun das Zimmer 348 verlässt, also der Mitarbeiter, läuft der Strom wieder und Greg kann in Ruhe seinen Actionfilm weitergucken. Doch er wird das Ende des Films nicht mehr erleben. Am nächsten Morgen versucht ihn seine Frau Susi gegen halb acht auf dem Handy zu erreichen. Wenn Greg nicht zu Hause ist, telefonieren sie eigentlich jeden Morgen miteinander. Doch dieses Mal geht er nicht ran. Susi versucht es mehrfach, vergeblich. Auch auf der Arbeit haben die Kollegen Greg nicht gesehen, wie sie bei einem Anruf in der Firma erfährt. Da Greg sonst immer sehr zuverlässig ist, machen sich alle schnell Sorgen. Deshalb fahren zwei Kollegen im Hotel Elegante vorbei, um nach Greg zu sehen. Doch auch auf ihr Klopfen an der Tür des Hotelzimmers reagiert niemand.
Gegen 9 Uhr holen sie deshalb schließlich den Hotelmanager, der ihnen die Zimmertür aufschließt. Als erstes schlägt ihn muffig warme Luft entgegen, gemischt mit dem Geruch nach kaltem Zigarettenrauch. Dann entdecken sie Greg. Er liegt zusammengekrümmt, etwa zwei Schritte vom Bett entfernt, auf dem Boden, das Gesicht auf dem abgetretenen grünen Teppich und eine angebrannte Zigarette in der linken Hand. Er trägt noch immer seine gemütliche Pyjama-Hose, doch seine Haut hat einen bläulich-grauen Farbton angenommen. Greg Flanagan ist tot. Oh, okay. Gehe ich recht in der Annahme, dass es sich bei unserem heutigen Mordfall um den Mord an Greg handelt? Also wenn er jetzt eines Herzinfarktes gestorben wäre, wäre es wahrscheinlich kein Stoff für diese Folge gewesen. Naja, es könnte sich ja auch noch herausstellen, dass er der Mörder ist von jemand anderem. Das stimmt, das stimmt. Aber Greg ist unser heutiges Ob. Ist er vergiftet worden oder so?
Also, daran denke ich jetzt so bei dem bläulich-grünen Farbton oder wie du es gesagt hast. Ich kann ja mal ein bisschen schildern, wie es erstmal aussieht, also was so der erste Eindruck ist. Denn wie er zu Tode gekommen ist, das kann ich schon mal spoilern, ist eigentlich das größte Rätsel in diesem Fall. Auf den ersten Blick sieht nichts nach einem Verbrechen aus. Das stellt auch Detective Scott Apple vom Bowman Police Department fest, als dieser etwa eine Stunde später das Hotelzimmer betritt. Er ist gerufen worden, weil die Glastür zum Balkon leicht offen stand und man deshalb nicht ausschließen kann, dass sich jemand Zutritt verschafft hat oder über diesen Weg geflohen ist. Apple ist ein kleiner, sportlicher Mann mit kurzen grauen Haaren, die er sorgfältig mit Gel stylt. Scott Apple ist mit Leib und Seele Polizist und hat sogar seine Frau auf der Arbeit kennengelernt. Als jahrelanger Teamleiter bei der Spezialeinheit Swords hat er schon viele besondere Tatorte und Leichen gesehen. Doch für diesen Fall sind seine Erfahrungen und sein geschultes Auge offenbar gar nicht nötig. Der Körper von Greg Flanagan weist keinerlei sichtbare Verletzungen auf. Nur auf seiner linken Wange ist eine zweieinhalb Zentimeter lange Abschürfung zu sehen.
Wahrscheinlich von dem Sturz auf den Teppich kommt. Das Zimmer sieht ordentlich und sauber aus, nichts deutet auf einen Kampf hin. Und auch ein Raubüberfall lässt sich schnell ausschließen, denn in der Tasche von Greggs Jeans steckt immer noch seine braun-leder-Geldbörse mit einigen Hundert-Dollar-Noten. Auch die Hotelgäste aus den benachbarten Zimmern haben nichts gehört oder gesehen, wie der Ermittler nach einer kurzen Befragung schnell herausfindet. Kurz denkt Apple auch über Suizid nach. Doch seine Kollegen finden in dem Zimmer weder Tabletten noch irgendwelche anderen Mittel, mit denen sich Greg Flanagan umgebracht haben könnte. Also war es wahrscheinlich ein Herzinfarkt, vermutet der Ermittler. Und wir wissen natürlich, dass es das nicht war.
Ja, gut, aber eine Vergiftung könnte es ja so aussehen lassen, als hätte er einen Herzinfarkt gehabt. Und genau, und man muss eben auch sagen, dass ein Herzinfarkt nicht völlig unrealistisch ist in dem Alter und vor allem auch nicht bei Greggs Lebensziel. Der ist 55, der ist zwar schlank, aber man sieht halt, dass er nicht so sehr auf seine Gesundheit geachtet hat. Also es ist viel in der Sonne, also kaum Sonnenschutz und außerdem hat er häufig Alkohol getrunken, gerne gegessen und auch Unmengen an Zigaretten geraucht. Sport war für den 55-Jährigen ein Fremdwort und auch gegen Ärzte hat er eine ziemlich große Abneigung, wie seine Ehefrau Susi erzählt. Was ja viele Männer eines gewissen Alters miteinander teilen, wir gehen nicht zum Arzt, ist insgesamt eine eher ungünstige Kombination.
Für Susi ist der Tod ihres Ehemannes deshalb keine so große Überraschung, auch wenn sie die Nachricht natürlich sehr trifft. Sie hat schon immer befürchtet, dass ihr Mann irgendwann einfach tot umfällt, wenn er nichts an seinem Lebensstil ändert. Also eigentlich auf den ersten Blick ist dieser Fall eindeutig, ein natürlicher Tod. Das denken zumindest damals alle, bis Greg Flanagan obduziert wird.
Seine Leiche wird zum Gerichtsmedizinischen Institut von Jefferson County gebracht. Hier schaut sich der Gerichtsmediziner Dr. Tommy Brown Greggs Körper ganz genau an. Brown arbeitet schon seit vielen Jahren in diesem Job und hatte schon ganz viele Tote auf dem Tisch. Der Mediziner weiß ganz genau, was er zu tun hat. Auch er nimmt als erstes die Abschürfung an der linken Wange wahr. Doch das ist nicht die einzige Verletzung. Greggs Hoden sind blau und geschwollen, ein Bluterguss zieht sich von dort bis über die Hüfte. Aus einem kleinen Riss tritt Flüssigkeit aus und für den erfahrenen Gerichtsmediziner sieht es so aus, als hätte den Mann dort etwas sehr hart getroffen. Das passt auch zu dem nassen Fleck auf der Schlafanzughose. Bis hierhin sind die Ergebnisse noch relativ unauffällig. Richtig kurios wird es erst, als sich Brown das Innere von Greggs Körper genauer ansieht. Denn was er findet, passt so gar nicht mit der Theorie des Herzinfarktes zusammen. Greg sieht aus, als wäre er von einem Bus überrollt worden. Er hat starke innere Verletzungen, mehrere seiner Organe sind eingerissen und er hat eine Menge Blut an Stellen, an denen kein Blut sein sollte. Darm, Leber und Magen sind schwer beschädigt, zwei Rippen sind gebrochen. Uns im rechten Herzvorhof ist ein Riss zu erkennen. Solche Verletzungen kommen normalerweise bei schweren Verkehrsunfällen vor oder wenn jemand massiv verprügelt und misshandelt wurde.
In Greggs Fall könnten die Verletzungen die Folge von schweren Tritten und Schlägen sein, vermutet der Rechtsmediziner. Und plötzlich wird aus einem Herzinfarkt Mord. So trägt es Brown als Todesursache in das offizielle Formular ein. Wahrscheinlich ahnt er zu diesem Zeitpunkt nicht, dass der Tod von Greg Fennigan zu einem der größten Rätsel in der texanischen Kriminalgeschichte werden wird. Und die erste große Frage ist, wie kann man einen Mann so brutal verprügeln, dass sein Inneres aussieht wie nach einem Autounfall, ohne dass irgendjemand durch die dünnen Wände des Hotels etwas davon mitbekommt und ohne Kampfspuren zu hinterlassen? Ja, aber... Also ohne Kampfspuren zu hinterlassen, im Zimmer und man sieht ja außen an ihm auch nichts. Also das müsste man doch irgendwie sehen, wenn er geschlagen worden wäre oder auch jemanden geschlagen hätte. Ich meine, da hast du ja dann mit Unterbunden an den Knöcheln, aber da war ja nichts.
Also es gibt ja irgendwie Menschen, die behaupten, dass sie andere so schlagen können, dass man von außen nichts sieht. Das könnte ich mir vielleicht noch ansatzweise erklären, aber das geht eigentlich mit diesen schweren innerlichen Verletzungen nicht zusammen. Weil es könnte ja theoretisch sein, dass der irgendwie geschlagen wurde schon vorher und dann erst später an den Folgen der inneren Verletzungen gestorben ist. Weißt du, dass er gar nicht gemerkt hat, wie schwer er verletzt war. Aber es ist alles ein bisschen seltsam. Aber passt es noch zusammen mit dem, ich kann jemanden so schlagen, dass man nichts sieht, dass es dann so endet? Ja, eigentlich nicht. Und dann hat er doch ganz leger diese Zigarette in der Hand, als sie ihn gefunden haben. Ja.
Also das passt auch nicht so ganz vielleicht damit zusammen. Aber meine Theorie mit dem Gift kommt bei diesen schweren inneren Verletzungen wohl auch nicht mehr in Frage. Nee, also irgendwie verpuffen gerade alle Theorien, so wie die Herzinfarkt-Theorie von ganz am Anfang. Und wir sind nicht die Einzigen, die jetzt ein bisschen die Stirn runzeln. Natürlich steht auch Ermittler Scott Apple vor einem Rätsel, denn so ein Fall ist dem ehrgeizigen Detective noch nie untergekommen. Nichts sieht nach einem Überfall oder einem Kampf aus. Keiner der Hotelgäste in den Nachbarzimmern hat jemanden gesehen oder etwas gehört. Außerdem war die Tür zu Zimmer 348 von innen abgeschlossen. Also so ein bisschen Sherlock Holmes mäßig, der Mord im abgeschlossenen Zimmer. Aber die Balkontür war ja offen. Genau, der einzige Zugang wäre die Balkontür, die war ja offen. Aber auch das scheint für Ermittler Apple unwahrscheinlich. Das Hotelzimmer liegt nämlich im dritten Stock. Und jetzt nicht so, dass man da einfach hochkommen könnte. Ich habe mir das Gebäude angeschaut.
Also kein Balkon, der direkt daran anschließt. Genau, man kann ja jetzt nicht einfach so irgendwie an irgendwelchen Blumenranken oder Balkonen hochklettern. Und dann ist natürlich noch die Frage, wer hätte ein Motiv, Greg Flanagan umzubringen. Die erste, die dem Detective in den Sinn kommt, ist Gregs Frau Susie. Ihr Mann hatte mit seinem Bruder in den letzten Jahren ein erfolgreiches Unternehmen aufgebaut und gutes Geld gemacht. Außerdem wusste Susie Flanagan genau, in welchem Hotel Greg seit 15 Jahren schläft und wie seine Routinen abends aussehen. Doch als sich Detective Apple lange uns ausführlich mit der trauenden Susie unterhält, sagt ihm sein Bauchgefühl etwas ganz anderes. Die Witwe ist am Boden zerstört, als sie hört, dass ihr Mann keines natürlichen Todes gestorben ist. Es ist eine so schwierige Situation, wenn das Leben eines unglaublichen Menschen auf unehrenhafte Weise verkürzt wird, sagt sie. Und Apple spürt, dass Susie Flanagan es ernst meint. Es gibt keinen einzigen Hinweis darauf, dass sie den Tod ihres Ehemannes gewollt hätte. Im Gegenteil, Susie und Greg kennen sich seit ihrer Jugend und wirken sehr verliebt. Die hübsche Blondine ist, als sie sich kennenlernen, gerade mal 20 Jahre alt, Sängerin einer Rockband und schnell unsterblich verliebt in Greg. Die beiden heiraten ziemlich jung und trennen sich danach auch mal für eine Weile, um eigene Wege zu gehen. Dabei stellen sie aber schnell fest, dass sie nicht ohne einander können.
Auch Freunde des Paares bestätigen, dass die beiden immer noch sehr verliebt waren. Susie selbst sagt, Greg war der netteste Mann, den ich je kennengelernt habe. Das ist aber schön, wenn man sowas über seinen Ehemann sagen kann. Ja, also wenn man sie so über ihn reden hört, merkt man wirklich, dass da ganz viele Gefühle irgendwie immer noch im Spiel sind. Und auch die Arbeitskollegen und Freunde sprechen so positiv über Greg. Der Mann mit dem leicht grauen Bart und dem sympathischen Lächeln war überall beliebt. Höflich, bescheiden und hilfsbereit, so beschreiben ihn sein Bruder Michael und auch seine Arbeitskollegen. Er hätte dir nicht nur sein letztes Hemd gegeben, sondern auch noch die Schuhe an seinen Füßen, betont einer seiner Freunde.
Am Wochenende hilft Greg seiner Frau in ihrem Bed and Breakfast in Lafayette. Seine restliche Zeit verbringt er gerne draußen in der Natur beim Fischen oder Jagen. Oft kocht er danach für seine Freunde oder Familie. Er lehnt sich einfach gern zurück und genießt das Leben, so beschreibt es einer von Greggs engsten Geschäftspartnern. Genau wie an diesem Abend im Zimmer 348, in dem Gregg eigentlich nur in Ruhe ein Bier trinken und einen Actionfilm gucken wollte. Doch wer hätte ihn umbringen wollen? Das fragt Detective Scott Apple, auch Greggs Frau Susie, die ist sich sicher, dass Gregg keine Feinde hatte. Weder in seinem jetzigen Job noch in den Jahren zuvor, in denen Greg als leitender Ingenieur für Ozeanschiffe oft monatelang auf See unterwegs oder als Landman für Öl- und Gasunternehmen Grundstücke für Ölbohrungen vermittelt hat. Dieser Job ist zwar hart und manchmal auch rau, aber in Texas jetzt nichts Ungewöhnliches und Greg war immer mit Leib und Seele dabei. Diesen Job hatte er nur aufgegeben, um mehr Zeit mit seiner Frau verbringen zu können.
Diese vermutet, dass jemand in dem Hotel etwas mitbekommen haben muss von der Tat. Gregs Freunde und Familie setzen deshalb eine Belohnung von 50.000 US-Dollar aus, in der Hoffnung, dass jemand neue Informationen für sie hat. Sie sind fest entschlossen, Gregs Mörder zu finden und zur Rechenschaft zu ziehen. Also auch das ist ja schon mal ein ziemlich deutliches Zeichen, dass der ein guter Typ gewesen sein muss, wenn die Leute so viel Geld zusammenschmeißen für Hinweise. Also ich frage dich jetzt einfach mal, hast du eine Idee, was ein Motiv sein könnte und vor allen Dingen, wer denn eine Gelegenheit gehabt haben könnte, Greg Flanagan zu töten? Ja, also wenn Greg so großzügig und hilfsbereit war, wir alle sagen.
Wenn er tatsächlich ermordet worden ist, dann müsste da ja etwas passiert sein von dem, die Familie nicht weiß, von dem die Ermittelnden einfach noch nicht wissen. Vielleicht hat es jemanden gegeben, der ihm Susi ausspannen wollte und sich dachte, wenn Greg erstmal aus dem Weg geschafft ist, dann habe ich es leichter. Das wäre möglicherweise ein Motiv. Oder vielleicht will jemand Jahre später Rache für einen Deal, bei dem er sich betrogen gefühlt hat.
Weil das ist ja sicherlich auch nicht ganz so einfach da mit dieser ganzen Ölsache. Genau, diese Landmen sind ja dafür da, um sozusagen Grundstücke zu sichern für diese Ölbaufirmen und da kannst du natürlich auch, hast du recht sein, dass jemand dann sagt, boah, da wurde ich aber über den Tisch gezogen, weil da war so ein großes Ölvorkommen. Ja, genau. Ja, stimmt. Genau das. Und ihn dann dafür verantwortlich macht. Wie ist das denn in diesem Hotel? Gibt es da Überwachungskameras? Die sind ja oft ganz hilfreich, dass man vielleicht sehen kann, ob da noch jemand unterwegs war. Genau, also die gibt es da natürlich, wie fast überall in den USA, hängen da Überwachungskameras. Und natürlich schaut sich Detective Apple nochmal die Videos von diesen Kameras an. Und die haben auch funktioniert, weil in meinem Fall gerade in diesem Moment funktionieren sie nicht. Die haben durchaus funktioniert. Sehr gut. Apple will natürlich genau wissen, wer in dem Hotel an diesem 15. September ein- und ausgegangen ist, aber die Aufnahmen zeigen nichts Auffälliges. Dann stößt der Detective auf das Telefonprotokoll aus Greggs Zimmer. Wir erinnern uns, am Abend hat Greg von dort aus wegen des Stromausfalls an der Rezeption angerufen. Der Hotelmitarbeiter Dylan Parker, der daraufhin zu dem Zimmer geschickt wurde, ist die letzte Person, die Greg lebend gesehen hat. Deshalb rückt Parker in den Fokus von Detective Apple.
Der Hotelmitarbeiter hatte Zugang zu Zimmer 348 und muss Greg von seinen vielen Besuchen in dem Hotel zumindest flüchtig gekannt haben. Er müsste eigentlich gewusst haben, dass Greg Flanagan immer allein reist. Ermittler Scott Apple holt mehr Informationen über Dylan Parker ein und entdeckt dabei etwas, das bei ihm alle Alarmglocken klingeln lässt. Der kräftige Wartungstechniker arbeitet nämlich erst seit anderthalb Jahren in dem Hotel und ist ein vorbestrafter Sexualstraftäter. Hinzu kommt, dass Parker sich anfangs angeblich gar nicht mehr erinnern kann, an diesem Abend noch in Greggs Zimmer gewesen zu sein. Das macht den Mann für Scott Apple mehr als verdächtig. Möglicherweise waren die Verletzungen, die zu Greggs Tod führten, ja die Folgen von SM-Spielchen zwischen den beiden Männern. Für seinen Job muss der Techniker Schuhe mit Stahlkappen tragen. Tritte mit diesen Schuhen könnten die schweren Verletzungen an Greggs Hoden verursacht haben.
Auf so Cock-and-Ball-Torture nennt man das, glaube ich. Da stehen ja so manche. Man darf es halt nicht übertreiben und ich glaube mit Stahlkappenschuhen ist eine ganz schlechte Idee. Ja, es gibt ja glaube ich noch diesen Trampling-Fetisch, dass Leute das gut finden, wenn auf den rumgetrampelt wird. Könnte auch wirklich eine Möglichkeit sein. Und dass es dann länger gedauert hat, bis der Tod eintrat. Genau, dass man es vielleicht nicht direkt gemerkt hat, die inneren Verletzungen und dann später der Tod eingetreten ist. Also das ist dann so ein bisschen die Theorie, die Scott Apple zu diesem Zeitpunkt hat. Er versucht also so viele Informationen wie möglich über Parker einzuholen und vernimmt ihn mehrfach. Doch Parker schwört immer wieder, dass er mit dem Tod von Greg Flanagan nichts zu tun hat und einfach nur seinen Job machen wollte. Andere Hotelmitarbeiter beschreiben Dylan Parker als ruhigen, verlässlichen und hart arbeitenden Kollegen.
Irgendwann muss Detective Apple sich eingestehen, dass er mit Parker auf der falschen Spur ist. Doch der Ermittler hat noch eine zweite Idee, die auch mit dem Stromausfall zusammenhängt. Denn dieser betraf ja nicht nur Greggs Zimmer, sondern auch die Räume direkt unter und neben ihm. In Zimmer 349 waren an diesem Abend zwei Elektriker untergebracht, die einen Auftrag für eine Ölfirma in Beaumont hatten. An diesem Abend haben sie in ihrem Zimmer viel Bier getrunken und mit einem weiteren Kollegen eine kleine Party gefeiert. Als der Strom ausgefallen ist, müssen sie schon ziemlich betrunken gewesen sein.
Möglicherweise haben sie sich nach dem Stromausfall bei Greg beschwert und es kam zu einem Streit mit einem tödlichen Ausgang. Scott Apple beschließt, die Elektriker noch einmal genauer zu befragen. Neun Tage nach Greggs Tod fährt er deshalb wieder ins Hotel Elegante, wo die Männer noch immer wohnen, denn ihr Auftrag in Beaumont ist noch nicht vorbei. Die Männer sind alle um die 50 und man sieht ihnen die harte Arbeit an. Als Scott Apple ihnen erklärt, warum er dort ist, fragt einer der Männer neugierig nach. Was ist denn eigentlich mit dem Typen passiert? Sein Name ist Lance Mueller. Er hat scharfe Gesichtszüge und sein dunkles Haar wird langsam dünner, sodass an seiner Stirn große Geheimratsecken sichtbar werden. Doch noch hat Apple keine Antwort auf diese Frage. Er will von Mueller und seinen beiden Kollegen Timothy Steinmetz und Trent Passano wissen, ob sie an diesem Abend etwas Ungewöhnliches bemerkt haben. Diese Frage hat er ihnen auch schon vor neun Tagen gestellt und sie geben ihm immer wieder die gleiche Antwort. Sie haben nichts mitbekommen, nur als sie abends aus der Hotelbar kamen, wollen sie ein Husten aus dem Nachbarzimmer gehört haben. Da war es aber schon weit nach Mitternacht.
Auch Passano, der am Abend mit den beiden anderen auf dem Hotelzimmer Bier getrunken hat, hat keine Geräusche oder ähnliches aus dem Nachbarzimmer gehört. Die Männer wirken ziemlich geschockt und bieten Apple ihre Hilfe an. Weil sie noch eine Weile in der Stadt sind, geben sie dem Ermittler auch freiwillig ihre Handynummern, damit der sie jederzeit kontaktieren kann, falls er noch etwas benötigt. Doch der Ermittler weiß nicht mehr so richtig, wo er noch suchen soll.
Also ganz viele Spuren am Anfang, die alle irgendwie ins Nichts führen. Ich würde jetzt aber sagen, wenn drei Männer gemeinsam in einem Hotelzimmer sind, die unterhalten sich sicher über irgendwas, lachen. Vielleicht haben sie die Musik oder einen Fernseher laufen oder so. Man achtet da doch nicht so auf das, was vielleicht aus einem anderen Zimmer kommen könnte an Geräuschen. Und wenn sie dann eh schon besoffen sind, dann kriegen sie es wahrscheinlich noch weniger mit oder merken sie es überhaupt nicht. weil es nicht wichtig scheint in dem Moment. Ja, das stimmt. Es kommt halt darauf an, wie laut dieser Streit oder der Kampf, wenn denn einer stattgefunden hat, im Nebenzimmer war. Ob du dann wirklich was hörst. Klar, wenn da jetzt ein Fernseher umgeschmissen wird, würdest du es wahrscheinlich mitkriegen. Aber da wissen wir ja, dass es nicht passiert ist. Genau, wissen wir, dass es nicht passiert ist. Aber wenn einer den anderen beispielsweise wirkt oder so und ihm den Mund zuhält, dann kann das durchaus sein, dass man es gar nicht mitkriegt im Nebenzimmer. Da hast du natürlich recht. Genau. Oder wenn es zu sexuellen Aktivitäten gekommen ist, Und da achte man dann wahrscheinlich auch nicht so drauf. Nein, hast du recht. Also zum Glück ist Ermittler Apple jemand, der nicht so schnell aufgibt und der auch schon wieder die nächste Theorie hat. Eine zweideutige Handynachricht lässt den Ermittler vermuten, dass Greg Flanagan am Abend seines Todes Kontakt zu einer Prostituierten gehabt haben könnte. Hat vielleicht ein wütender Zuhälter Greg so zugerichtet.
Doch weder Greggs Freunde noch seine Familie glauben auch nur eine Sekunde, dass Greg in so etwas verwickelt war. Doch die Überwachungskameras an diesem Abend haben keine fremde Frau gefilmt, die spätabends das Hotel betritt oder verlassen hat. Später stellt sich heraus, die Polizei hat die falschen Telefonaufzeichnungen ausgewertet. Die Nachrichten stammen nicht von Greggs Handy, sondern von dem eines Drogendealers, der zu diesem Zeitpunkt observiert wurde. Also da hat man einfach die Aufzeichnungen verwechselt. Und das war jetzt eine riesenlange, sollte definitiv nicht passieren. Also in dem Fall war das eine ganz lange falsche Ermittlungsschleife, die ich jetzt ein bisschen abgekürzt habe, weil am Ende ja nichts bei rumgekommen ist. Aber es gab wirklich den Verdacht, dass er da irgendwie in Verbrechen verstrickt ist. Turns out war gar nicht sein Handy. Ja, aber hieß der andere auch Greg Flanagan oder wie kann denn das sein? Ja, vielleicht haben die zwei Überwachungen angefordert und dann die Umschläge verwechselt. Also so richtig doof könnte sein. Aber ja, wie gesagt, sollte nicht passieren. Nee, definitiv nicht. Und ja, wie man dann rausfindet, halt völlig falsche Spur auf Gregs Handy, finden sich nur Arbeitsanrufe und E-Mails und dazwischen ein paar Familienbilder und Nachrichten von Susi. Also auch diese Spur löst sich in Luft auf. Die Ermittlungen stecken nach sechs Monaten endgültig fest.
Gregs Bruder Michael beauftragt noch einen Privatermittler aus Houston. Doch nach einem kurzen Blick auf den aussichtslosen Fall meldet sich dieser nie wieder. Also selbst ein Privatdetektiv sagt, Da können wir nichts mehr machen. Ist natürlich auch nicht jeder Privatdetektiv gleich gut. Richtig.
Wobei man ja sagen will, das ist ja in seinem... Vielleicht hat er den Falschen angerufen. Ja, vielleicht hat er den Falschen angerufen, aber eigentlich ist es ja im Interesse des Privatdetektivs zu sagen, da könnte ich noch was rausfinden, weil somit verdient der ihr Geld. Also wenn der selbst schon sagt, keine Chance. Ja, ehrlich. Zumindest ehrlich, genau. Also es ist so, dass der Tod von Greg Flanagan für immer ein Rätsel zu bleiben scheint, aber das will seine Ehefrau Susi nicht hinnehmen. Als sie mit Gregs Familie und Freunden über ihre Wut und Verzweiflung über die festgefahrenen Ermittlungen spricht, nennt ihr eine Freundin einen Namen, der für die späteren Ermittlungen noch sehr wichtig werden wird. Ken Brennan. Brennan ist Privatermittler aus Florida, geht auf die 60 zu und hat eine erfolgreiche Karriere bei der Polizei auf Long Island und der amerikanischen Drogenbehörde hinter sich. Er ist immer braun gebrannt und hat ein einnehmendes Lächeln, klare blaue Augen und einen ziemlich eleganten Modegeschmack. Doch vor allem ist Ken Brennan ein sehr erfolgreicher und scharfsinniger Ermittler, der schon einige Fälle aufklären konnte, die als hoffnungslos galten. Brennan ist mittlerweile so berühmt, dass ihm viel mehr Fälle angeboten werden, als er annehmen kann. Wenn man ihn fragt, wo nachher sich seine Fälle aussucht, antwortet er, ich habe kein Interesse daran, Menschen falsche Hoffnungen zu machen. Also er nimmt wirklich nur Fälle an, wo er das Gefühl hat, dass er den Leuten wirklich helfen kann.
Damit er sich einen Fall genauer ansieht, muss Brennan sich schon sehr sicher sein, dass er ihn lösen kann. Susie will alles versuchen, um Greggs Mörder zu finden, also meldet sie sich bei Brennan. Der steht gerade auf einem Golfplatz in Florida, als sein Handy klingelt. Der Privatdetektiv hört sich Susies Geschichte aufmerksam an. Die mysteriösen Umstände von Greggs Tod reizen den Privatermittler und deshalb bittet er Susie in seinem starken New Yorker Akzent darum, ihm die Unterlagen zu Greggs Tod zu schicken. Er hat schon oft die Erfahrung gemacht, dass es bei festgefahrenen Ermittlungen helfen kann, wenn ein frisches Augenpaar sich nochmal alles von Anfang an anschaut. Möglicherweise findet er etwas, das vorher übersehen wurde. Kurz nach Susis Anruf trifft er sich mit Detective Scott Apple. Im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen stört es den erfahrenen Ermittlern nicht, dass jemand von außen sich in seinen Fall einmischt. Im Gegenteil, die beiden sind sich sofort sympathisch und Apple freut sich über die Unterstützung.
Ken kann gut mit Leuten umgehen, stellt er schnell fest. Die beiden treffen sich erst in einer Sportsbar in Beaumont, dann fahren sie gemeinsam in das Hotel. Apple zeigt Brennan die Tatortfotos aus Zimmer 348 und auch den Obduktionsbericht. Außerdem erzählt er von den Szenenermittlungen und all den Spuren, die ins Nichts geführt haben. Ich finde es ja schön, dass er sagt, er nimmt nur Fälle an, wo er sich sicher ist, dass er sie lösen kann und die Polizei steckt seit Monaten so komplett fest, hat gar keine Ahnung und er meint, ja, Griechen. Also wenn man sich ein bisschen mit dem Typen beschäftigt, an Selbstbewusstsein mangelt es ihm jetzt nicht unbedingt. Aber ich finde auch interessant, dass Scott Apple direkt sagt, jo, wir treffen uns, wir tauschen uns aus. Weil der könnte jetzt auch sagen, nö, finde ich doof, das ist hier eine Polizeiangelegenheit. Aber das spricht ja eigentlich für ihn. Also er hat wirklich Interesse daran, diesen Fall zu lösen und sei es mithilfe eines Privatdetektivs.
Und ja, die beiden unterhalten sich. Brennan hört die ganze Zeit zu, was Scott Apple so alles erzählt, stellt nur selten eine Nachfrage. Als Apple fertig ist, ist es für einen kurzen Moment still in dem Hotelzimmer und dann sagt Brennan plötzlich, ich glaube, ich weiß, wie der Typ gestorben ist und wer der Mörder ist. Danach ruft er Greggs Frau Susie an und stellt ihr genau zwei Fragen. War ihr Mann links- oder rechtshänder? Und hielt er beim Rauchen die Zigarette in der linken oder der rechten Hand? Was glaubst du, was für eine Spur hat er entdeckt? Hat Greg die Zigarette in der falschen Hand gehalten?
Das könnte ja bedeuten, dass ihm nach dem Tod jemand die Zigarette zwischen die Finger gesteckt hat, aber zwischen die falschen. Zum Beispiel? Ja, das ist auch wieder so ein bisschen Sherlock Holmes mäßig irgendwie. Ja, ja, total. Ken Brennan ist nämlich beim Sichten der Tatortfotos etwas aufgefallen, das Apple nicht bemerkt hat, denn der ist Nichtraucher im Gegensatz zu Brennan, hat vielleicht deshalb nicht so drauf geachtet. Und Brennan ist sofort die Zigarette in der linken Hand des Opfers ins Auge gefallen. Greg Flanagan war aber Rechtshänder. Das hat dem Susi am Telefon gerade bestätigend auch mit der rechten Hand geraucht.
Warum also hat man die abgebrannte Zigarette in der anderen Hand gefunden? Für Brennan gibt es dafür nur eine mögliche Erklärung. Greg muss sich die Zigarette kurz vor seinem Tod von der rechten in die linke Hand gesteckt haben, vermutlich um die Zimmertür mit seiner rechten Hand zu öffnen, weil das wird es ja als Rechtshänder mit der rechten Hand tun. Jemand muss dann in sein Zimmer eingedrungen und ihn zusammengeschlagen haben. Den Zeitpunkt kann Brennan auch ziemlich genau eingrenzen. Grenzen. Hier kommt nämlich die Klimaanlage ins Spiel. Denn von Gregs Frau Susi wissen die Ermittler ja, dass ihr Mann es immer gerne eiskalt in seinem Schlafzimmer hat. Als die Polizei ihn am nächsten Morgen findet, ist es in dem kleinen Raum aber sehr stickig und warm und die Klimaanlage ist ausgeschaltet. Eine Folge des Stromausfalls am Abend, vermutet Brennan. Und weil es an diesem Abend immer noch ziemlich warm war, muss ich das Zimmer sehr schnell wieder aufgeheizt haben. So schnell, dass Greg das vermutlich bemerkt haben müsste und die Klimaanlage wieder eingeschaltet hätte. Normalerweise, weil er mag es ja gerne kalt. Also kann man vermuten, dass er zu diesem Zeitpunkt schon tot war. Er muss also ganz kurz nach dem Stromausfall gestorben sein. Wie wir ja schon wissen, hat der Wartungstechniker gegen halb neun den Strom wieder angestellt. Brennan vermutet also, dass Greg vor neun Uhr gestorben ist. Und auch er hat, genau wie sein Kollege Apple am Anfang, die Elektriker im Verdacht.
Seine Theorie, die Männer sind betrunken und wütend nach dem Stromausfall und klopfen an Greggs Tür, Dieser steht nochmal vom Bett auf, nimmt die Zigarette in seine linke Hand, um die Tür zu öffnen und die Männer stürmen in sein Zimmer und treten heftig auf ihn ein. Greg bricht daraufhin zusammen mit schwersten inneren Verletzungen, bleibt auf dem Teppich liegen und stirbt.
Gefällt mir jetzt nicht so. Also das mit der Klimaanlage, dass Greg kurz nach dem Stromausfall gestorben sein musste, das klingt absolut logisch. Ja. Das hätte mir auch auffallen können, weil du es vorher so betont hast, dass er immer so in so einem Kühlschrank schlafen wollte.
Der andere Teil hier mit den Elektrikern, das gefällt mir nicht. Beziehungsweise, also wenn ich am Rauchen bin, wenn ich mir das so vorstelle, dann stecke ich mir die Zigarette zwischen die Lippen, um die Hand frei zu haben, mit der ich die Tür öffnen möchte. Ich nehme sie nicht in die andere Hand. Es kann natürlich sein, dass andere Leute das anders machen. Ich würde es genau so machen, wie das da geschildert ist. Würde es in die andere Hand nehmen? Ja, ich würde es mir in den Mund stecken. Ja, okay. Ist vielleicht typenabhängig, aber ich würde jetzt, keine Ahnung, wenn ich es zum Handy greife oder so, mache ich die auch in die andere Hand. Und im Mund stecken finde ich uncool. Weiß ich nicht, mache ich nie. Aber es ist halt eine Theorie, ne klar. Uncool, Philipp. Nein, das sieht so komisch aus. Nein, das ist sehr viel cooler. So cowboyhaft. Ja, okay, ich checke es. Aber man sollte sowieso nicht rauchen. Man sollte sowieso. Kinder raucht nicht. Genau, das sind nur theoretische Unterhaltungen, die wir ja gerade führen. Also okay, du findest diese Theorie mit dem Zigarettenhandwechsel ein bisschen schwachbrüstig. Gefällt mir nicht. Da gefällt mir das tatsächlich besser, was ich vorher gesagt habe, dass jemand anders eben die Zigarette zwischen die Finger gesteckt hat und nicht wusste, rechts oder links nicht darauf geachtet hat. Also wir können auf jeden Fall sagen, dass das beide, also der Polizist Apple und der Ermittler Brennan, der Privatermittler, in Richtung dieser drei Elektriker gehen. Also die glauben beide, dass diese Elektriker mehr wissen, als sie zugeben.
Vielleicht hat sich ja, wenn einer von ihnen der Täter war, also wenn es nicht alle drei waren, derjenige, der es gemacht hat, bei seinen Kollegen verplappert. Also machen die beiden nochmal die Runde und befragen auch die Kollegen der drei Elektriker. Weil die waren ja nicht nur alleine, das ist ja eine größere Mannschaft, die da arbeitet. Und all die Kollegen der dreien Ostzimmer 349 haben natürlich von dem Toten im Hotel gehört, doch keiner weiß mehr. Bis die Ermittler auf einen Vorarbeiter treffen, der von einem Schuss gehört haben will. Die beiden Ermittler schütteln den Kopf. Das ist wohl ein anderer Fall, sagt Brennan überzeugt. Doch auf dem Weg zum Auto macht sich bei Ken Brennan ein komisches Gefühl breit. Später erinnert er sich, wenn dein sechster Sinn dir etwas sagt, wenn du ohne Grund ein ungutes Gefühl hast, dann geh der Sache nach. Und genau das macht der Primatermittler aus Florida. Wir müssen nochmal zurück ins Hotel, erklärt er seinem Kollegen Scott D'Apple, der zwar ziemlich skeptisch ist, letztendlich aber doch mitkommt. Nach Gregs Tod wurde das Zimmer mehrfach gründlich durchsucht und anschließend wahrscheinlich hunderte Male gereinigt, weil der Hotelbetrieb ist ja normal weitergegangen, da waren auch immer wieder neue Hotelgäste drin. Damit wäre jede Spur längst vernichtet. Doch dem Privatermittler aus Florida lässt der Gedanke an eine Kugel nicht mehr los.
Gemeinsam mit seinem Kollegen stellt er das ganze Zimmer auf den Kopf, schaut unter dem Bett, unter Schränken und in jeder Ecke nach. Doch er findet nur Staubflusen und Dreck. Die beiden Männer wollen gerade aufgeben und das Hotelzimmer verlassen, als Brennan doch noch etwas bemerkt. Eine kleine Delle an der Wand, direkt hinter der Durchgangstür zum Nachbarzimmer 349.
Auf den ersten Blick sieht es so aus, als wäre die Delle durch den Türgriff verursacht worden, der vielleicht einfach mal einmal zu fest gegen die Wand geschlagen wurde. Wahrscheinlich hat deshalb keiner der Mittler auf diese Delle geachtet. Doch als Brennan genauer hinschaut, bemerkt er, dass sie nicht vom Türgriff stammen kann, denn beim Öffnen der Tür trifft der Griff die Wand an einer ganz anderen Stelle. Der Privatermittler hat eine Vermutung, doch um die zu bestätigen, müssen die beiden Männer in das Nachbarzimmer. Und auch hier machen sie eine entscheidende Entdeckung. An der Wand, gleich neben der Durchgangstür, zwischen den beiden Hotelzimmern, finden sie ein kleines Loch. Es ist etwa so groß wie eine kleine Geldmünze. Irgendjemand hat es mit rosa Zahnpasta und Taschentüchern zugestopft, sodass es auf den ersten Blick kaum auffällt. Doch es ist ganz klar ein Loch, verursacht von einer Kugel. Als kurz darauf Beamte der Spurensicherung mit einem Laser hindurchleuchten, landen sie genau auf dem Hotelbett im Zimmer 348. Und zwar exakt dort, wo Greg Flanagan gesessen und Iron Man 2 geschaut hat, kurz bevor er starb. Der Kerl wurde erschossen, stellt Brennan erstaunt fest. Damit hatte bis zu diesem Zeitpunkt wirklich niemand in diesem Team gerechnet.
Das ist ja komplett irre. Aber sag, wie kann es sein, dass eine Kugel bei der Obduktion nicht aufgefallen ist? Ja, das sollte definitiv nicht passieren. Ja, aber ich kann mir vorstellen, wo sie eingetreten ist. Ja, wir schauen mal, ob du recht hast mit deiner Vermutung. Also diese Kugel muss sich doch noch in seiner Leiche befinden, nachdem ja im ganzen Zimmer kein Geschoss gefunden worden ist.
Also es ist mir schon klar, dass der Rechtsmediziner da nicht mit dem Metallsuchgerät drüber geht. Aber er hat ihn ja geöffnet und nachgesehen und diese ganzen schlimmen Verletzungen festgestellt. Also es ist jetzt irgendwie so schwer vorzustellen, dass eine Kugel da nicht aufgefallen wäre. Ja, vor allem hat er ja kein Einschlussloch festgestellt. Das ist ja das große Rätsel in dem Fall. Das wäre ja der erste Hinweis darauf gewesen, dass da eine Kugel im Spiel war. Da habe ich meine Theorie dazu, aber ich lasse dich mal erzählen. Ja, genau. Wir schauen jetzt mal, ob deine Theorie stimmt. Also natürlich gehen jetzt Scott Apple und Ken Brennan erstmal zum Rechtsmediziner, zu Dr. Brown. Und das ist ja eigentlich jemand, der jahrelange Erfahrung hat und dessen Ergebnisse auch relativ eindeutig schienen. Die beiden fahren also nochmal in die Rechtsmedizin und berichten Brown von ihrer neuen Theorie. Der schaut die beiden nur unglaublich an. Schließlich hat er weder eine Kugel noch ein Einschussloch entdeckt. Aber die beiden Ermittler bleiben hartnäckig. Sie wollen, dass Brown die Leiche nochmal untersucht. Das ist aber unmöglich, denn Greg Flanagan ist mittlerweile verbrannt worden. Sollte jemals eine Kugel in seinem Körper gesteckt haben, wird man das nicht mehr feststellen können.
Also bleiben den Ermittlern nur noch die Bilder der Obduktion. Gemeinsam mit Brown gehen sie die nochmal ganz genau durch. Diesmal wissen sie, wonach sie suchen müssen und sie werden fündig. Das ist ein Einschussloch, sagt Brennan nach einiger Zeit entschlossen und zeigt dabei auf einen winzigen Riss im Herzen, den Riss, den ich eben schon erwähnt habe, das ist ja dieser Riss der Kammer. Dieser, also der Mediziner, muss ihm zacknisch zustimmen. Die Kugel ist offenbar durch Gregs Hoden in den Körper eingedrungen und hat sich von dort ihren tödlichen Weg durch den ganzen Körper gebahnt und dabei die Organe quasi von innen zerrissen. Das Eintrittsloch am Hoden war allerdings kaum zu erkennen, da die Haut dort so weich ist und sich vermutlich über die Wunde gelegt hat. Wenn man nicht gezielt nach einem Einschussloch schaut, kann diese Verletzung schnell mit stumpfer Gewalt erklärt werden. Das war genau das, was ich gedacht hatte.
Wie soll man denn da drauf kommen? Es ist ein sehr, sehr, sehr, sehr unwahrscheinlicher Fall, dass eine Kugel genau dort eintritt an dieser Stelle, dass sich dann die Haut noch drüber legt, dass man es kaum sehen kann. Und ja, dass eben dabei Organe so verletzt werden, dass man es eben auch als innere Verletzung durch zum Beispiel eine Prügelei erklären könnte. Und dass es so weiter wandert im Körper tatsächlich. Genau, genau, genau. Genau. Und ja, spätestens jetzt ist allen klar, Greg wurde offenbar wie aus dem Nichts von einer Kugel aus dem Nachbarzimmer getroffen, die ihn innerhalb von kürzester Zeit von innen hat verbluten lassen. Vermutlich ist er noch aufgestanden, um Hilfe zu holen, dann aber nach wenigen Schritten zusammengebrochen. Der Rechtsmediziner schätzt, dass er nach etwa 30 Sekunden tot war. Dieses Rätsel haben die Ermittler also gelöst. Also es war wirklich so, die Vermutung mit der Zigarette, er hat die schon in die linke Hand genommen und wollte aufstehen und mit der rechten Hand die Tür aufmachen, um Hilfe zu suchen und ist dabei dann zusammengebrochen. Die große Frage ist jetzt natürlich, wer hat die Waffe abgefeuert?
Ja, gute Frage. Aber es hatte ja einer der Kollegen von den Elektrikern von nebenan, hatte ja einen Schuss gehört. So ist er überhaupt erst drauf gekommen. Also würde ich jetzt sagen, die netten Männer von nebenan, die da gesoffen haben. Ist ja eigentlich die einzig logische Erklärung, weil der Schuss kam ja definitiv aus deren Zimmer. Ja, also haben dann besoffen mit der Waffe gespielt. Das wäre auch eine mögliche Erklärung, ja. Also es gibt ja jetzt kein Motiv, dass sie ihn hätten töten wollen und wenn, warum dann durch die Wand schießen. Ja. Also deswegen denke ich, es war ein Unfall. Deshalb ist jetzt auf jeden Fall klar, die drei Männer müssen nochmal befragt werden und die Ermittler sind sich sicher, dass einer von denen da was mit zu tun hat, aber sie können es halt nicht beweisen.
Noch nicht. Sie müssen die Elektriker endlich zum Reden bringen. Also fahren die beiden Anfang Juni 2011 nach Wisconsin, um dort Timothy Steinmetz ein weiteres Mal zu vernehmen. Neun Monate ist der Tod von Greg Flanagan jetzt her und Steinmetz ist längst wieder von seinem Job in Beaumont nach Hause zurückgekehrt. Sie treffen ihn im Vernehmungszimmer der örtlichen Polizeistation. Angeblich ist das Ganze nur eine Routinebefragung und weil sie in dem Fall nicht weiterkommen, so erklären sie es Steinmetz. Der sitzt den beiden Männern an einem langen Holztisch gegenüber, auf dem überall Akten verteilt sind. Er trägt ein schwarzes Shirt und eine helle Basecap und sieht so entspannt aus, als würde er gleich zu einem Football-Spiel fahren. Auch Privatdetektiv Brennan kaut ganz entspannt an seinem Kaugummi herum, während er Steinmetz ein weiteres Mal befragt, was der an diesem Abend im Hotel Elegante in Beaumont gemacht hat und ob ihm etwas Ungewöhnliches aufgefallen ist. Was der Elektriker erzählt, ist für keinen der beiden Ermittler neu. Steinmetz wundert sich noch, dass sie extra den langen Weg nach Wisconsin gefahren sind, Nur um sich das Ganze von ihm nochmal anzuhören. Sie legen ihm seine Aussage nochmal schriftlich vor und er soll diese überprüfen und unterschreiben.
War es das? fragte Elektrika die beiden Männer vor sich ungeduldig, nachdem er den Stift nach der Unterschrift wieder hingelegt hat. Er will schon aufstehen und gehen, doch Brennan hält ihn zurück. Mit seiner Unterschrift unter der Aussage haben sie Steinmetz in der Hand. Jetzt haben sie ein Problem, stellt Brennan nüchtern fest. Er erzählt dem überraschten Mann, dass die Polizei längst weiß, was an dem Abend passiert ist und dass Steinmetz lügt. Und gerade eben hat er seine Falschaussage unterschrieben. Dafür können sie ihn ins Gefängnis bringen. Gefinkelt.
Gefinkelt, eingeschädelt oder wie das heißt. Also ja, das war eine Falle und er ist halt komplett reingetreten. Und Steinmetz wird natürlich jetzt unruhig, weil er weiß, dass er einen Fehler gemacht hat. Und Brandon fragt ihn, wollen Sie zusammen mit Lance Mueller in den Knast? Und genau diese Frage reicht, um den Mann schließlich zum Reden zu bringen. Was er erzählt, klingt unglaublich. Timothy Steinmetz, Lance Mueller und Trent Passano machen sich an diesem 15. September einen entspannten Abend im Elegante Hotel. Gemeinsam trinken sie in Zimmer 349 einige Bier, quatschen über Football, Frauen und Geld.
Mit steigendem Alkoholpegel wird die Stimmung immer ausgelassener und Müller schickt irgendwann Passano los, um aus seinem Auto auf dem Hotelparkplatz eine Flasche Whisky und seine Waffe zu holen. Eine 9mm Ruge. Als Passano damit wiederkommt, fängt der betrunkene Müller an, mit der Pistole wild im Zimmer herumzufuchteln. Dabei zielt er erst auf Steinmetz, der sich auf den Boden wirft und seinen Kollegen beschimpft. Dann richtet Müller die Waffe lachend in Passanos Richtung, der zu diesem Zeitpunkt am Fußende des Bettes sitzt. In dieser Sekunde löst sich plötzlich ein Schuss aus der Waffe. Passano springt sofort auf und tastet panisch an sich herunter, doch die Kugel hat ihn verfehlt. Stattdessen ist sie in die Wand zum Nachbarzimmer eingeschlagen. Für einen kurzen Moment ist es ganz still in dem Raum, als die drei Männer mit angehaltenem Atem das Loch in der Wand begutachten. Sie fürchten, dass gleich jemand ins Zimmer gestürmt kommt und sie dann unangenehme Fragen beantworten müssen. Doch nichts regt sich und auch in dem Nachbarzimmer scheint alles still zu sein.
Zu dem Zeitpunkt sind sich die Männer laut Steinmetz nicht mehr sicher, ob dort überhaupt jemand eingecheckt hat, auch wenn das Hotel zu diesem Zeitpunkt recht gut besucht ist. Also bringt Müller seine Waffe sofort wieder in den Wagen und Passano geht wütend und mit klopfenden Herzen allein auf sein Zimmer zurück. Für ihn ist der Abend gelaufen. Doch Müller und Steinmetz beschließen, dass sie den Schock mit noch mehr Alkohol runterspülen wollen und machen sich auf den Weg an die Hotelbar.
Erst als am nächsten Morgen die Polizei vor dem Nachbarzimmer auftaucht und einen Leichensack aus dem Zimmer trägt, dämmert den beiden langsam, was passiert ist. Ich dachte, er hat diesen Kerl umgebracht, erklärt Steinmetz den Ermittlern. Doch er hält dicht und deckt seinen Kumpel Lance Mueller.
Nach diesem Erlebnis gehen alle drei Männer wieder ganz normal ihrer Arbeit nach und Mueller lagert die Waffe sicher im Tresor seines Anwalts. Sie sprechen ihre Geschichte ab, falls jemand Nachfragen stellt und Mühler trichtert den anderen beiden ein, dass sie nichts von der Waffe sagen dürfen. Als ihr Job in Beaumont erledigt ist, fahren die drei wieder nach Hause nach Wisconsin, so als wäre nie etwas passiert und nach einigen Monaten sind sie sich ziemlich sicher, dass sie mit ihrer Geschichte durchgekommen sind. Wer sollte schon darauf kommen, dass der Typ im Nachbarzimmer erschossen wurde? Doch jetzt, wo die Wahrheit raus ist, scheint Steinmetz fast erleichtert zu sein. Es war ein Unfall, schwörte den beiden Ermittlern, die ihm die ganze Zeit aufmerksam zugehört haben. Und das war ja auch so ein bisschen deine Theorie eben. Ja, aber die haben so viel falsch gemacht. Man zielt nicht mit einer Pistole auf Menschen, es sei denn, man möchte sie tatsächlich umbringen. Man macht das niemals aus Spaß, egal ob man jetzt weiß, dass sie geladen ist oder denkt, sie ist nicht geladen. Und wenn man besoffen ist oder auf Drogen, dann hat das Ding fest verschlossen, im Schrank zu bleiben. Oder im Auto in diesem Fall. Obwohl ich bezweifle, dass ein Auto der beste Ort ist, um eine Waffe aufzubewahren.
Okay, aber meine Güte. Ja, und als es dann mal passiert war, haben sie natürlich gelogen und so getan, als wüssten sie von nichts. Ja. Weil ja auch, sie wurden ja mehrmals befragt, da war ja nie die Rede davon, dass er erschossen wurde. Also natürlich nach neun Monaten können sie davon ausgehen, dass da nichts mehr kommt. Ich kann mir vorstellen, dass die dann irgendwann ihr Glück kaum fassen konnten, weil nie von irgendwie erschießen die Rede war. Und sie sich vielleicht auch eingeredet haben, dass sie es ja gar nicht waren. Sonst hätte man ja irgendwie was davon gehört, dass da eine Schusswaffe mit im Spiel war. dass der vielleicht völlig unabhängig von diesem Schuss einen Herzinfarkt bekommen hat. Keine Ahnung, kann man sich bestimmt einreden, wenn man möchte. Und das Abfeuern der Waffe, kann man sagen, war vielleicht ein Unfall, wenn man jetzt davon ausgeht, dass das alles so stimmt. Sehr, sehr dumm. Aber das, was danach passiert, ist eben nicht. Nein, genau. Aber du fuchtelst nicht mit einer Waffe rum vor Menschen. Absolut. Und zielst nicht damit auf Menschen. Also Unfall, jein. Im Grunde. Du solltest damit rechnen, dass etwas Schlimmes passiert.
Absolut. Wobei ich halt sagen muss, dass ich das Verhalten danach noch viel schlimmer finde. Keiner von denen klopft mal irgendwie nebenan beim Zimmer und versucht rauszufinden, ob jemand verletzt wurde. Stattdessen haben sie das Loch in der Wand mit Zahnpasta zugekleistert, also haben versucht ihre Spuren zu verwischen, haben die Waffe verschwinden lassen und haben dann, zumindest zwei von ihnen, an der Bar weitergefeiert, als wäre nichts gewesen. Dass sie nach Mitternacht dann noch ein Husten von Leben angehört haben, wie es sowohl Mueller als auch Steinmetz in ihren Befragungen angegeben haben, ist mehr als unwahrscheinlich. Denn zu diesem Zeitpunkt war Greg Flanagan ziemlich sicher schon mehrere Stunden tot. Die Ermittler vermuten, dass sich die Männer in ihrer Erinnerung vielleicht im Tag vertan haben. Vielleicht war es aber auch eine bewusste Lüge, um das irgendwie zu bestätigen. Der lebte da noch. Ist aber auch, man weiß es nicht ganz genau, die waren auch ziemlich betrunken an dem Abend. Und auch am nächsten Morgen rühren sich die Männer nicht, als sie die Polizisten sehen. Und das, obwohl sie ja zumindest geahnt haben müssen, dass die Kugel von Müller etwas mit dem Tod des Mannes im Nachbarzimmer zu tun gehabt haben muss. Das Richtige wäre gewesen, sich zu melden und zu sagen...
Ja, pass mal auf, Waffe ist losgegangen. Ich hoffe, es hat nichts damit zu tun, aber der Vollständigkeit halber melden wir es mal. Das wäre die richtige Variante gewesen. Man merkt auch, dass Steinmetz erleichtert ist, dass er sich das jetzt alles von der Seele geredet hat und er erklärt sich sogar bereit, den Ermittlern zu helfen, um Mueller zu schnappen. In ihrer Gegenwart ruft er seinen Kollegen auf dem Handy an. Der hat offenbar schon nervös auf den Anruf gewartet. Schließlich hatte Steinmetz ihn vom Besuch der Polizisten erzählt. Gemeinsam sind sie vorher noch mal ihre abgestimmte Geschichte durchgegangen, damit sich niemand verplappert. Ich habe ihnen erzählt, was wirklich passiert ist, gesteht Steinmetz seinem Kollegen jetzt. Er rät Mühler dazu, sich zu stellen und ebenfalls ein Geständnis abzulegen, weil die Polizei sowieso schon hinter ihm her ist. Der flucht ins Telefon. Scheiße, die werden mich schnappen. Er ahnt nicht, dass die Polizei zuhört und liefert den beiden Ermittlern im weiteren Gespräch genug Beweise dafür, dass er es war, der die Waffe abgefeuert hat. Also die sind auch jetzt keine Superverbrecher. Die sind jetzt nicht besonders schlau, wie die sich angestellt haben. Verbrechen von nebenan, weltweit.
In diesem Fall super, wirklich nebenan. Im Zimmer nebenan. Ja, total. Neun Monate hat es gedauert, bis die Ermittler das Rätsel um Greg Flanikens Tod endlich lösen konnten. Kurz danach wird Lance Mueller in Wisconsin verhaftet. Einige amerikanische Medien beschreiben ihn als Familienmenschen, der als Elektriker seit vier Jahren für das gleiche Unternehmen gearbeitet hatte und viele Freunde hatte. Er soll seinen Kindern immer wieder erklärt haben, wie wichtig es ist, das Richtige zu tun. Auf Englisch gibt es den Spruch Do as I say, not as I do Ja, wäre schön, wenn er es selber auch umgesetzt hätte Ja, klar, jeder macht Fehler Aber das war einfach grob, fahrlässig und sehr, sehr dumm Ja.
Was passiert jetzt? Lenz Mühler wird angeklagt, hast du dir wahrscheinlich schon gedacht, und zwar wegen fahrlässiger Tötung. Für die Familie von Greg Flanagan ist das damals ein großer Erfolg. Schließlich haben sie monatelang gehofft, dass die Polizei Gregs Tod doch noch irgendwie aufklärt. Aber ihr Wunsch nach einer gerechten Strafe scheint zu zerplatzen, denn die Bezirksstaatsanwaltschaft will den Fall so schnell wie möglich vom Tisch haben.
Dass sich in Texas mal versehentlich einen Schuss aus einer Waffe löst, ist nämlich leider keine Seltenheit. Von daher haben die Richter meist Verständnis für solche Fälle und eine Verurteilung ist alles andere als sicher. Passiert halt. Hier haben alle Waffen, man ballert rum, werden halt Leute getötet versehentlich. Ist so.
Also deswegen will die Staatsanwaltschaft mit Mueller einen Deal eingehen. Aber die Staatsanwaltschaft hat die Rechnung ohne den gewissenhaften Privatermittler Ken Brennan gemacht. Als der erfährt, dass Mueller möglicherweise mit einem Deal davonkommt, stattet er der Staatsanwaltschaft gemeinsam mit Apple und Greggs Frau Susi einen Besuch ab, um Druck zu machen. Wir werden nicht zulassen, dass dieser Fall unter den Teppich gekehrt wird. Jemand soll sich dafür schuldig bekennen, forderte er bei dem Treffen mit energischer Stimme. Er macht noch einmal deutlich, dass Greg Flanagan nicht nur die Nummer in einer Akte ist, sondern ein Mensch, der von vielen geliebt und geschätzt wurde. Ein Mensch, um den getrauert wird und der grundlos aus dem Leben gerissen wurde. Ken Brennan schafft es tatsächlich, den Staatsanwalt zu überzeugen. Es gibt keinen Deal, aber auch kein großes Gerichtsverfahren. Denn Mueller nutzt im September 2012 eine Besonderheit im US-amerikanischen Strafprozessrecht. Er plädiert auf No Contest. Also das bedeutet sowas wie keine Einwände und das ist ein ganz interessanter Kompromiss, den es so in der Form bei uns zum Beispiel in Deutschland oder in Österreich eben nicht gibt. Also das bedeutet, der Angeklagte bekennt sich nicht offiziell als schuldig, er wehrt sich aber auch nicht gegen ihn erhobenen Vorwürfe und erkennt damit an, dass die Informationen in der Anklage richtig sind. Also nach dem Motto, ich sage zwar nicht explizit, dass ich es war, aber das stimmt schon so, was er herausgefunden hat.
Für das Gericht wird das dann aber wie ein Schuldeingeständnis behandelt. Das heißt, dass die Person in einem Strafprozess verurteilt werden darf. In einem Zivilprozess darf eine No-Contest-Erklärung dagegen nicht als ein Schuldeingeständnis gewertet werden, was ich auch ganz interessant finde. Also da wird ganz unterschiedlich vorgegangen. Es war ein Unfall. Das ist das Einzige, was Lenz Müller noch zum Tod von Greg Flanagan zu sagen hat.
Gregs Frau Susi sieht das ganz anders. Nachdem sie endlich erfahren hat, was mit ihrem Mann passiert ist, ist sie geschockt von der Gleichgültigkeit der drei Männern. Ich finde es beängstigend, dass Menschen so rumlaufen können, sagt sie damals Reportern. Als dann am 29. Oktober 2012 vor Gericht das Urteil verkündet wird, ist Susi gemeinsam mit Freunden und Familie extra die mehr als zwei Stunden aus Lafayette nach Beaumont gefahren. Um keinen Preis will sie diesen Moment verpassen. Und auch die Ermittler Scott Apple und Ken Brennan sitzen an diesem Tag im Gerichtssaal. Schließlich haben sie einen der ungewöhnlichsten Kriminalfälle ihrer Karriere gelöst. Wann findet man jemals einen, der im Bett liegt und von einer Kugel im Unterleib getroffen wird, die durch seinen Körper aufsteigt und ihn tötet? Das ist eine Chance von 1 zu 1 Million, fasst Ken Brennan den seltsamen Fall später zusammen. An diesem Tag ist in dem Gerichtssaal in Beaumont keine Rede mehr von einem Unfall. Stattdessen spricht der Richter von vorsätzlich verantwortungslosem Handeln. Und es kommt heraus, dass sich diese Einstellung durch Mühlers Leben zieht wie ein roter Faden. Also ist er doch nicht der tolle Saubermann da? Ja, nicht so ganz. Es wundert mich nicht. Also ich weiß nicht, was jetzt noch kommt, aber es wundert mich nicht, weil wer mit einer Waffe besoffen im Hotelzimmer rumfuchteln will, der hat wahrscheinlich vorher schon anderen Mist gebaut.
Ja, und es ist auch so ein Ding, dass er Sachen macht, von denen er eigentlich weiß, dass sie völlig verantwortungslos sind, aber er macht sie trotzdem. Also die Ermittlungen haben zum Beispiel ergeben, dass der 48-Jährige schon mehrfach betrunken am Steuer seines Autos erwischt wurde und deshalb sogar kurz vor dem Prozess noch verhaftet wurde. Also selbst nachdem er wusste, ich bin jetzt bald vor Gericht wegen dieser Waffen-Greg-Flanagan-Geschichte, ist er immer noch besoffener Auto gefahren. Also hat da auch wieder andere Leute...
Und sowas wirft natürlich kein gutes Licht auf den Angeklagten, wie selbst sein Verteidiger zugeben muss. Der Richter wendet sich direkt an Müller und hält ihm vor, dass sein rücksichtsloses Verhalten irgendwann jemanden getötet hätte. Also dieses betrunkene Autofahren. Und am Ende hat es das ja auch getan. Und das nur, weil er betrunken mit einer Waffe herumgefuchtelt hat. Müllers Frau sitzt an diesem Tag ebenfalls im Gerichtssaal und fängt bei diesen Worten sehr heftig an zu weinen.
Susie Flanagan hat Lance Müller ganz genau im Blick, als der Richter an diesem Tag schließlich das Urteil verkündet, zehn Jahre Haft. Die gesetzliche Höchststrafe ist doppelt so hoch. Ken Brennan hätte sich deshalb eine höhere Strafe gewünscht. Wenn jemand nach ihm geguckt hätte, nur an die Tür geklopft hätte, dann wäre Greg vielleicht noch am Leben, meint er.
Timothy Steinmetz und Trent Passano kommen ohne Strafe davon, weil sie der Polizei mit ihren Informationen wesentlich bei der Aufklärung des Falles geholfen haben. Lance Mueller dagegen muss für sein verantwortungsloses Handeln in den Knast. Er wirkt blass in seinem dunkelgrauen Anzug. Als Gregs Fitt Vessusi ihn direkt anspricht, weiß Mueller nicht, was er antworten soll. Sie haben ihn nicht absichtlich getötet, aber getötet haben sie ihn dennoch. Aus Selbstsucht, mit jeder Lüge und mit ihren Verschleierungen und Vertuschungen, sagt sie und schaut ihm dabei direkt in die Augen. Susie hofft, dass Lenz Müller die Zeit im Gefängnis nutzt, um sich mit seinen Fehlern auseinanderzusetzen. Du bist endlich gezwungen, dich selbst anzusehen, dein Leben anzusehen, das du noch hast, während Greg zu Staub zerfallen ist in einer Schachtel in dem Haus, in das er nie zurückkehren konnte. Susi, ja das ist natürlich schon... Hart, eher gutes Recht, das zu sagen, aber wenn dich das nicht trifft, dann ist irgendwas bei dir falsch gelaufen, glaube ich. Nee, das ist schon gut gesagt, finde ich.
Susi reicht danach außerdem noch Klage gegen Steinmetz und Passano ein, außerdem gegen das Hotel und die Sicherheitsfirma, die für das Hotel verantwortlich war. Sie glaubt ähnlich wie Brennan, dass ihr Mann vielleicht eine Überlegungschance gehabt hätte, wenn jemand nach dem Schuss direkt nach ihm gesehen hätte.
Denn auch wenn der Rechtsmediziner schätzt, dass Greg innerhalb von 30 Sekunden nach dem Schuss gestorben sein muss, ausschließen kann er nicht, dass er vielleicht noch länger überlebt hat. In späteren Aussagen hat er laut Susis Anwälten sogar von bis zu 10 Minuten gesprochen. Und das wäre ja durchaus eine Zeitspanne, wo man ihn noch vielleicht hätte retten können. Allerdings konnte ich nicht herausfinden, was aus diesen anderen Klagen passiert. Geworden ist. Möglicherweise wurden sie fallen gelassen oder es gab eine Einigung, die nicht öffentlich geworden ist. Also das halte ich für wahrscheinlicher, dass man sich da irgendwie außergerichtig geeinigt hat. Das Zimmer 348 im Elegante Hotel hat nach Greggs Tod jedenfalls schon viele neue Gäste gesehen. Männer wie Greg Flanagan, die abends nach einem harten Arbeitstag nur einen entspannten Feierabend genießen wollen. Sie haben in dem gemütlichen Queen's Hays Bett geschlafen, vielleicht einen Film geguckt und sind am nächsten Morgen zur Arbeit gefahren, ohne etwas von Greg Flanagan und seinem tragischen Tod in diesem Zimmer zu ahnen. Doch bei allen, die mit diesem Fall zu tun hatten, wird der Name wahrscheinlich nie in Vergessenheit geraten. Ken Brennan und Scott Apple feiern nach dem Urteil noch bei einem gemeinsamen Mittagessen. Der ungewöhnliche Fall hat die beiden Ermittler zusammengeschweißt und daher verabreden sie sich noch an diesem Tag zum gemeinsamen Golfspielen.
Susie Flanagan und Gregs Freunde können knapp zwei Jahre nach Gregs sinnlosem Tod endlich versuchen, damit abzuschließen. Susie hilft dabei auch die Musik. Sie schreibt mehrere Songs über ihren verstorbenen Ehemann und die Trauer, die sie seitdem begleitet. Ach ja, sie hat ja gesungen, als sie sich kennengelernt haben. Sie war ja Sängerin einer Band und nimmt das so ein bisschen wieder auf. Ja, es ist großartig, also so zu schreiben, egal ob das jetzt Songs sind oder Tagebuch oder was auch immer, das kann sehr dabei helfen, Dinge zu verarbeiten. Total, also Kreativität hilft wirklich Gefühle. Oder auch malen. Genau, egal was es ist, whatever floats your boat, das hilft echt so Sachen rauszulassen, kann ich aus eigener Erfahrung sagen.
Ihr Glaube und das Schreiben hätten ihr dabei geholfen, keine verbitterte Person zu werden, erklärt Susi in einem Interview im Juli 2016. Denn das hätte sich auch der lebensfrohe Greg nicht für sie gewünscht. Da ist sich Susi sicher. Greg würde sagen, gut gemacht zu. Du hast durchgehalten. Du hast herausgefunden, wer es getan hat und hast ihn vor Gericht gebracht. Jetzt zieh weiter und hab ein glückliches Leben. Ich denke, das würden sich die meisten wünschen für ihren Partner, für ihre Partnerin. Aber ich möchte nochmal was dazu sagen, vielleicht zu seinen Überlebenschancen. Ich bin natürlich keine Ärztin, ganz klar. Aber ich denke, es ist egal. Also für ihn persönlich nicht, aber für das Ende, ob Greg, nachdem er getroffen wurde, noch 30 Sekunden gelebt hat oder noch 10 Minuten. Also ich hoffe für ihn eher, dass er einen schnellen schmerzlosen Tod hatte. Aber was ich meine, retten können, hätten sie ihn meinem Verständnis des Ganzen nach so oder so nicht. Also weil auch bei der Autopsie nicht festgestellt werden konnte, was los war und die Kugel seine Organe zerfetzt hat, hätte ein Notarzt da auch nichts mehr machen können. Also selbst wenn jetzt im anderen Nebenzimmer ein Notarzt gewesen wäre, ja, stimmt. Und die Elektriker gleich gesagt hätten.
Hilfe, Hilfe, da ist was passiert. Also die Überlebenschance, die Susi da sieht, sehe ich persönlich nicht. Er wäre so oder so sehr schnell gestorben. Ja, also diese Verletzung oder diese Art von Verletzung kannst du nicht innerhalb von 10 Minuten, selbst wenn nicht nur ein Notarzt, sondern auch ein OP-Saal direkt nebenan gewesen wäre, kann man glaube ich ausschließen. Ich verstehe natürlich, dass man sich an dieser Hoffnung klammert. Das macht für die Täter oder für den Täter und die beiden Mitwisser natürlich nicht so einen Unterschied, weil die konnten das ja nicht wissen. Also jetzt zu sagen, der hätte eh nicht gerettet werden können, ist natürlich eine leichte Begründung. Sie hätten davon ausgehen können, dass man den vielleicht noch retten kann. Und die hätten auf jeden Fall eingreifen müssen. Ja, natürlich, auf jeden Fall. Also sie hätten was machen müssen, sie hätten was sagen müssen. Ich meine nur, auch wenn er noch zehn Minuten gelebt hätte, das hätte nicht gereicht, weil in diesen zehn Minuten ist der Rettungswagen wahrscheinlich noch nicht mal da. Nein, absolut, absolut. Aber klar, natürlich klammerst du dich irgendwie an die Vorstellung, dass da noch etwas anders hätte laufen können. Und vielleicht macht es das auch ein bisschen einfacher, weil das ja auch wieder ein absolut sinnloser Tod ist.
Der liegt da einfach nur auf dem Bett, guckt einen Film, raucht eine Zigarette, Bums, tot. Also das hat ja nichts mit ihm zu tun und mit dem, was er gemacht hat. Kein Motiv dahinter. Überhaupt kein Motiv. Nicht, dass ein Motiv einen Mord besser machen würde. Aber es ist so komplett aus dem Zusammenhang, aus dem Leben gerissen. Und vielleicht versucht man dann so ein bisschen eine Art Sinn oder positive Ausgangsmöglichkeit in dieser Geschichte zu finden. Was ich total nachvollziehbar finde. Ja, ich kann es auch nachvollziehen.
Ich weiß nur nicht, ob es wirklich hilft. Ja, stimmt. Weil der Ausgang ist... Derselbe. Das ist, glaube ich, fast. Absolut. Aber es scheint so, von dem, was ich gelesen habe, dass Susi es geschafft hat, damit abzuschließen auf ihre Art. Ja, es begleitet einen immer weiter. Genau. Es ist nie ganz weg, aber sie kann weitermachen. Sie hat Kreativität und arbeitet Kreativsachen auf, was ja positiv ist. Und ich finde, der Fall zeigt eben auch, dass es manchmal ganz entscheidend ist, wer ermittelt und wie viel Biss derjenige hat oder manchmal nur die richtige Idee. Also es ist ja nicht so, dass Gott Apple nicht alles getan hätte, um diesen Fall zu lösen, aber es muss der ersten Außenstehende da kommen mit einer frischen Idee und sagen, warte mal, da passt doch irgendwas nicht. Ja, es ist sicherlich immer gut, noch einen ganz frischen Blick darauf zu werfen. Und ja, manche Leute haben halt einfach im entscheidenden Moment die richtige Idee. Wie zum Beispiel einen Podcast zu starten.
Ja. Auch das, auch das. Vielleicht nicht so weltbewegend, aber... Nicht ganz so weltbewegend, das stimmt. Auch gut. auch gut, aber auch auf eine Art Lebensverändern, ich glaube sowohl bei dir als auch bei mir. Ja, definitiv. Ja, verstehst du jetzt, warum ich am Anfang gesagt habe, hier, das hat was von Black Stories? Ja, nicht gesponsert, das war nicht weit. Nicht gesponsert, absolut nicht gesponsert und weißt du jetzt vielleicht auch schon, die Beispiel Black Story, die ich dir genannt habe, der Mann, der nackt in der Wüste liegt, mit einem Streichholtz in der Hand. Ja, ja, ich komme darauf zurück. Hast du eine Ahnung, wie er zu Tode gekommen sein könnte? Nein. Weil ich dachte, bevor ich jetzt, während ich jetzt so ein Beispiel in die Welt werfe, die Leute werden nachher nie die Lösung erfahren, die werden alle verrückt. Okay, Moment, sag nochmal die Aufgabe. Ich hoffe, ich kriege sie noch richtig zusammen, weil es ist schon sehr lange her, dass diese Aufgabe immer gespielt wird. Ein Mann liegt nackt in der Wüste mit einem Streichholz in der Hand. Genau. Und er ist offenbar aus großer Höhe gestürzt. Er ist im Flugzeug rausgefallen. Nackt. Ja, Mile High. Ach so meinst du. Ja, okay. Nicht ganz, also nur um das festzuhalten, das ist natürlich ein fiktiver Fall bei diesen Black Stories. Also nicht, dass jetzt irgendwer sagt, ich erzähle einen echten Kriminalfall. Also ich kann mich noch an die Auflösung erinnern, weil ich die so krass fand. Also der Mann ist mit mehreren Leuten in einem Heißluftballon unterwegs gewesen. Und sie haben ein Problem, Luft entweicht und sie sind zu schwer.
Sie sind zu schwer, um zu überleben. Also ziehen sie sich alle aus? Und werfen ihre Kleidung runter, in der Hoffnung, dass das reicht, stellen dann fest, es reicht immer noch nicht. Und einer von ihnen, keine Ahnung, wie viel das war, muss jetzt sozusagen, damit die anderen überleben, aus dem Ballon springen. Und deswegen ziehen sie Streichhölzer. Er hat das kürzeste Streichholz gezogen. Und er ist deswegen nackt mit einem Streichholz in der Wüste. Da hast du besseren Feuerzeug dabei. Da hast du besseren Feuerzeug dabei. Ja, genau, das sind diese Black Stories. und das war so meine erste Assoziation, als ich von diesem Fall gehört habe, weil es auch so Puzzlespiele hatten und dann Sachen auf einmal eine Bedeutung haben und so. Also ja, wir haben uns da jetzt durchermittelt, würde ich mal sagen. Hat mir großen Spaß gemacht und wir machen nächsten Monat direkt weiter und diesmal geht es in ein Land, was True Crime technisch nicht so oft auftaucht, also zumindest nicht in den Podcasts, die ich höre. Es geht nach Kenia. Oh.
Interessant. Ja, deswegen, ich freue mich schon drauf, ein bisschen anderen Fall aus einer etwas anderen Umgebung zu erzählen. Und ich würde sagen, du bist auch wieder mit dabei. Ja, natürlich. Ich packe mein Köfferchen und dann geht es wieder auf Reisen. Sehr gut. Nächsten Monat. Wir hören uns jeden zweiten Montag bei Verbrechen von Nebenan und natürlich ab jetzt zusätzlich jeden letzten Freitag bei Nebenan weltweit. Also auf jeden Fall den Podcast abonnieren, um nichts zu verpassen. Das wollte ich schon lange mal wieder sagen. Und fünf Sterne geben oder Daumen hoch. Genau, all das.
Ja, das ist wirklich, ich habe das schon ganz lange nicht mehr gesagt, aber es ist so, so wichtig, wenn ihr einen Podcast gut findet, dass ihr positive Bewertungen schreibt, weil sonst schreiben nur die Bewertungen, die den Podcast doof finden. Und es gibt natürlich ein völliges Missverhältnis. Aber ich kenne das von mir auch, wenn man was gut findet, schreibt man oder sagt man das eher selten. Und ich habe mir wirklich vorgenommen, jetzt immer Sachen, die ich toll finde, ob das jetzt Restaurants sind oder auch Leute. Wenn ich Leute mag, denen einfach mal zu sagen, weißt du was, du bist ein ganz toller Mensch oder bist ein ganz toller Freund. Das ist so mein Vorsatz für dieses Jahr bisher. Philipp, ich finde, du bist ein ganz toller Typ. Ich bin sehr gern mit dir Podcast verheiratet. Sehr, sehr, sehr lieben Dank. Ich kann das nur zurückgeben. Und bevor es jetzt hier zu romantisch wird, hören wir uns nächste Folge von Nebenan weltweit wieder in einem Monat. Danke, Franziska. Bis dann. Baba. Tschüss.