Bevor die Folge losgeht, muss ich noch kurz was loswerden, weil ich so viele Nachrichten dazu bekommen habe in den letzten Wochen. Seit Anfang des Jahres bekommt ihr von mir noch mehr Folgen und das sorgt oft mal bei einigen für etwas Verwirrung. Also eigentlich ist es ganz einfach. Jeden letzten Freitag im Monat gibt es zusätzlich zu den regulären Folgen Verbrechen von nebenan eine neue Folge nebenan weltweit. Und da sprechen Franziska und ich über Verbrechen aus der ganzen Welt kostenlos und überall, wo es Podcasts gibt. Und wenn ihr mögt, könnt ihr euch diese Folgen sogar mit Bild angucken als kostenlosen Videopodcast auf YouTube und auf RTL Plus. Also eigentlich gar nicht so kompliziert, oder? Und jetzt viel Spaß mit der Folge. Verbrechen von nebenan. True Crime aus der Nachbarschaft. Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge Verbrechen von nebenan und Servus, sie trinkt gerade noch Wasser aus einer Kaffeetasse. Weil ich es kann. Die Frau des Hauses, Tanina. Ich bilde mir ein, dass das Wasser da drin länger kalt bleibt. Das ist interessant. Meinst du wegen Steingut? Nee, wegen Corona. Wegen den Echsenmenschen. Man weiß es nicht genau. Ja, das hat auch was mit diesen Kindergewürzen auf Chips drin. Bitte, bitte lass uns das nicht aufmachen. Wie können wir innerhalb von drei Sekunden so auf die schiefe Bahn geraten? Das passiert immer nur mit dir. Das muss an unserer gemeinsamen Vergangenheit beim Radio liegen, glaube ich. Ja, tiefgründig. Es ist ein bisschen warm bei dir, wenn ich das sagen darf. Ich bin nämlich heute bei dir. Ja, das ist so verrückt, dass man fast einen Knoten im Kopf bekommt. Also ich bin der Gast in deinem Podcast, während du hier bei mir zu Gast bist und meine Podcast-Technik nutzt. Das ist so wild. Es ist, also da kommt man fast nicht mit. Ja, ich bin jetzt gerade auch erst nach Hause gekommen. Wir haben uns ja vor der Haustür getroffen. Ich bin zum Stoßlüften noch nicht gekommen. Es war heute sehr schwül. Ja, aber wir werden das, glaube ich, gemeinsam durchstehen. Ja, schwitzen wir gemeinsam. Ich freue mich schon. Wir schwitzen gemeinsam. Bevor es losgeht, habe ich doch eine Ankündigung. Zum einen eine Bomb zu droppen, wie die jungen Leute sagen. Ist das das, was ich schon lange weiß? Ja, du weißt es schon lange. Ich habe ja auch immer so kleine Andeutungen gemacht, aber es ist ja immer so eklig bei so Medienleuten. Ich habe da ein Projekt, aber ich darf da nicht drüber reden. Hast du gesagt, dass es ein Fernsehprojekt ist, wo man dich im Fernsehen sehen wird? Das weiß ich gar nicht genau. Ich glaube ja, dass ich das eventuell auf der Bühne mal erzählt habe. Hast du auch gesagt, dass das ein Projekt ist, was, also ich gucke ja kein Fernsehen, aber das ist ein Format, was ich auch sogar gucken würde. Und zwar nicht nur, weil ich dabei bin, sondern auch des Formates. Nein, weil ich finde, das ist mal nicht so ein Müll. Kein Trash. Nein, es ist kein Trash und ich bin wahnsinnig stolz darauf, weil ich nämlich, als ich damals die erste Staffel gesehen habe, vor Jahren gedacht habe, boah, da möchte ich unbedingt mal mitmachen. Und jetzt war ich dabei, bei den Verrätern. Ich bin ein Teil der Verräter der aktuellen Staffel. Es ist so verrückt. Vielleicht habt ihr es schon irgendwo gelesen. Wenn nicht, dann erfahrt ihr es spätestens jetzt. Ich war in diesem verrückten Schloss. In Belgien. Mit der Sonja Zitlow. Mit Sonja Zitlow. Und wer da noch so mit dabei war, würde man natürlich jetzt auch gerne schon wissen. Aber das darfst du auch schon droppen. So zwei, drei Namen. Wer war da auch mit im Haus? Oder Schloss? Im Schloss. Es ist ein Schloss mit Kaminzimmer und alles. Mit Kaminzimmer und alles. Mit Zübeln und Schaf. Mit alles. Ja, ich bin immer noch ganz aufgeregt. Wir haben ja auch direkt danach gesprochen. Nach dem Dreh habe ich dich ja angerufen. Ich musste dich ja mental wieder irgendwie zusammenstücken. Also es ist wirklich das Krasseste, was ich jemals gemacht habe, psychologisch. Also ich hätte das nicht gedacht, ich habe vorher gedacht, ey, ich bin cool, ich bin Profi, das nimmt dich auseinander. Und da habe ich wirklich gestaunt, weil du bist ja Medienprofi und ich habe gedacht, mein Gott, das ist doch bloß ein Spiel. Ja. Das ist ja ein Fernsehspiel. Und du warst wirklich völlig fertig irgendwie. Ja, ja, total. Also das habe ich, ich habe es bis heute ehrlich gesagt, wirklich, doch du hast es mir erklärt, aber so bis in den Kern habe ich es nicht verstanden, dass einen das emotional wirklich so fasst dann da. Total, also deswegen, ich glaube, man kann das verstehen, wenn man es sieht, es war eine krasse emotionale Reise. Ich bin echt an meine Grenzen gegangen, ich habe tolle Leute kennengelernt, also ich kann mal zwei Namen jetzt hier droppen, ansonsten wäre ich vielleicht verklagt. Mareike Amado war dabei, worüber ich mich sehr, sehr, sehr gefreut habe. Das war so wirklich Kindheitserinnerung. Dann war Ralf Morgenstern dabei. Die Jüngere, der ist der tollste Mensch der Welt. Es war so lustig. Ja, ist der wirklich nett. Wir hatten so viel Spaß im Auto unterwegs, auf dem Weg zu den Missionen und so. Das war ganz, ganz toll. Konnte RTL wahrscheinlich nichts von verwenden, weil wir die ganze Zeit nur Quatsch gemacht haben. Aber es war ganz großartig. Und auch eine Person, wo sich vielleicht der eine oder die andere gefragt hat, was hat Philipp denn mit ihr zu tun? Jetzt kann ich es endlich aufklären. Kati Hummels war auch dabei. Und wir haben uns auch sehr gut verstanden. Also ich bin sehr überrascht da rausgegangen. Da habe ich ja auch gestaunt. Plötzlich gab es Bilder von dir mit Kathi Hummels spazierengehend. Da habe ich dich ja auch angerufen. Was ist passiert? Hast du mich etwa ersetzt? Nein. Und dann hast du mir erzählt, dass du sie da kennengelernt hast und auch noch auf besondere Art. Das wird man, wenn du es nicht rausschneiden, dann auch sehen. Ja, das wird man auch sehen, genau. Weißt du noch, was meine allererste Frage war, als du raus warst und mit mir endlich wieder sprechen konntest? Weil du warst ja auch weggesperrt. Ich war weggesperrt. Ich musste mein Handy abgeben und alles. Deine erste Frage war, ob ich ein Verräter war, wolltest du, glaube ich, wissen. Nein, ich habe dich gefragt, ob du als Erster rausgeflogen bist. Ja, und die Frage kann ich natürlich nicht beantworten. Das könnt ihr euch angucken ab dem 3. August auf dem RTL. Deswegen kleiner Sendetipp hier an der Stelle. Talina, bevor wir jetzt ganz tief ins Thema der Folge einsteigen, eine Frage. Wie stehst du zu Tauben? Und ich hätte dir tatsächlich vor ein paar Wochen noch gesagt, da Drecksviecher, Flugratten. Ich habe aber eine Doku über Tauben gesehen. Also es ging jetzt nicht um die, die da irgendwelche Flugtauben haben und so weiter und da irgendwie Sport mit betreiben, sondern dass da jemand, der hat so richtig Tauben geliebt, und hat das so erzählt, dass die es auch echt schwer haben, so auf der Straße zu leben, sage ich jetzt mal. Und seitdem sehe ich die doch ein bisschen anders. Und ich kann das auch echt nicht haben, wenn dann einer irgendwie so die erschreckt oder da eben hinterherläuft oder so. Nein, mein Herz schlägt jetzt etwas höher für Tauben. Ich habe nur überhaupt nicht die geringste Ahnung, was diese Frage hier zu suchen hat. Ja, sie hat durchaus ihre Berechtigung. Also ich muss ja sagen, ich bin ein bisschen fies vor Vögeln generell. Also ich finde Vögel irgendwie gruselig. Du weißt, was du mit so einem Satz anrichtest. Aber rede ruhig weiter. Nee, ich wollte nur sagen, also Vögel sind toll. aber ich habe immer ein bisschen Angst vor denen, weil ich als Kind mal die Vögel von Alfred Hitchcock gesehen habe. Und das hat sich, glaube ich, bei mir ein bisschen eingebrannt. Das finde ich gar nicht, überhaupt nicht schlimm. Da läuft die Runde, kommt einfach schlafen. Wenn ich irgendwo sitze und da sind so Krähen, denke ich sofort, die greifen mich gleich an. Du bist so eine weiche Seele. Ich bin eine weiche Seele in einem stahlharten Körper, ganz genau. Jetzt sehe ich es auch. Aber in diesem Fall, und deswegen ja meine Frage, spielen Tauben eine besondere Rolle. Eine davon namens Charlie wird sogar auf eine Art, ja, der Held dieser Ermittlungen. Es geht heute um die Jagd nach Deutschlands meistgesuchtem Erpresser, wie der Fokus damals schreibt. Kurz die Inhaltswarnung in dieser Folge, kommen Vögel zu Schaden. Außerdem streifen wir ganz kurz das Thema Suizidgedanken. Fast alle Namen wurden geändert. Bist du bereit herauszufinden, was Tauben in einem Kriminalfall brauchen? Bin quasi zum Abflug bereit. Sehr schön. Der 26. August 1996 startet in der Postabteilung der Tomi-Zentrale in Frankfurt eigentlich wie jeder andere Montag. Wie immer landen hier in der Zentrale des Soßenherstellers jeden Tag hunderte Briefe, Zuschriften von Partnern, aber auch Anregungen und Beschwerden von Tomi-Kunden. Einige Briefe werden an die zuständigen Abteilungen weitergegeben, andere landen sofort im Müll. Unter den Briefen, die der Angestellte Heinrich Lüders heute öffnet, befindet sich auch einer aus Dortmund. Der Absender ist eine gewisse Diamond GmbH. Als Lüders den Brief öffnet, ahnt er noch nicht, dass dies der Startschuss eines zweijährigen Katz-und-Maus-Spiels werden wird, das Millionen deutsche Haushalte in Angst versetzen und seinen Arbeitgeber etliche Millionen kosten wird. Der Brief ist mit einer Schreibmaschine geschrieben. In dem mit Rechtschreib- und Grammatikfehlern gespickten Text erklärt der anonyme Verfasser, er und seine Komplizen hätten etliche Tomy-Produkte mit Blausäure vergiftet und deutschlandweit in sechs Supermärkten verteilt. Dabei zählt der mysteriöse Briefeschreiber nicht nur akribisch auf, welche Produkte er vergiftet hat, Darunter die 200 Milliliter Packung Delikatesse-Mayonnaise, 250 Milliliter Lissos, Nudelsahne oder Meerrettich in der 190 Gramm Tube, sondern nennt auch die betroffenen Supermärkte. Sind überall im Westen Deutschlands verteilt. Betroffen sind zum Beispiel ein Rewe-Center in Dortmund, ein Penny-Markt an der Mainzer Landstraße in Frankfurt am Main und weitere Supermärkte in Kassel, Stuttgart, Dortmund, Hannover und Nürnberg. Zudem kündigt der Verfasser an, dass dies erst der Anfang sei, wenn er nicht bekommt, was er will. Er fordert Rohdiamanten im Wert von 25 Millionen Mark. Das wären nach heutigem Wert rund 22 Millionen Euro, also inflationsbereinigt. In der Tomi-Zentrale nimmt man den Brief ernst, denn Blausäure ist ein extrem gefährliches Gift. Bereits die Einnahme von einem Milligramm pro Kilo Körpergewicht kann zum Tod führen. Und so klingeln bei den Tomi-Verantwortlichen alle Alarmglocken. Was sollen sie jetzt tun? In dem Brief heißt es ziemlich eindeutig, keine Polizei, keine Hubschrauber, keine Straßenkontrollen und kein einziges Wort an die Öffentlichkeit. So, jetzt stellen wir uns mal vor, du wärst jetzt hier die Tomi-Chefin und kriegst so einen Brief. Hättest du dich daran gehalten oder wie hättest du darauf reagiert? Also ich denke, mir würde die Öffentlichkeit auf jeden Fall vorgehen. Also ich muss doch die Kunden warnen, dass sie vergiftet werden können. Ich würde das publik machen, ja. Also was die Öffentlichkeit angeht, da kommen wir gleich noch zu. Aber was das keine Polizei angeht, machen die Verantwortlichen von Tome genau das Gegenteil von dem, was der oder die Erpresser fordern und verständigen eben direkt die Polizei. Diese überprüft sofort sämtliche in dem Brief genannte Märkte auf die vergifteten Produkte und tatsächlich, man findet mehrere Tonprodukte mit einer tödlichen Menge an Blausäure. Also vielleicht für den Hintergrund, Erpressungen dieser Art sind für die Ermittler damals nichts Neues. In den 90er Jahren gehören sie fast zum Tagesgeschäft. Laut Hauptverband des Einzelhandels treffen die Berichte über Erpressungen in Supermärkten damals teilweise im Stundentakt ein. Produkterpressung ist fast schon zum Volkssport geworden, so der Verband. Damit sei Deutschland weltweiter Spitzenreiter. Die Polizei spricht damals dagegen von 100 bis 150 Fällen im Jahr. Neben Banken, denen mit der Veröffentlichung von Kundendaten gedroht wird, werden vor allem, wie in diesem Fall, Lebensmittelhersteller oder Supermärkte Opfer von Erpressung. Wahrscheinlich kannst du dir denken, warum die als Opfer ausgesucht werden von den Erpressern. Ja, weil die wahrscheinlich Geld haben, das sie zahlen können und weil du ja wahrscheinlich relativ unauffällig da dein Gift platzieren kannst oder du drohst halt nur an manchen Sachen. Ich kann mich erinnern, dass das eine Zeit lang, wenn du jetzt sagst 90er, dass das wirklich ganz ganz oft war. War da wieder eine Warnung oder da sollte wieder irgendwas vergiftet sein oder ein Joghurt oder sonst irgendwas. Ja, du kannst da ja mit einer Spritze einfach ein kleines Loch reinpiksen und da die Flüssigkeit rein. Das kriegst du ja schon irgendwie heimlich in einem Supermarkt hin. Ja, wir wollen jetzt natürlich niemanden auf Ideen bringen, aber es ist einfacher, das umzusetzen. Da hast du vollkommen recht. Und ich glaube, der Druck ist bei Lebensmittelherstellern natürlich viel größer bei so einer Erpressung. Also bei einer Bank zum Beispiel geht es jetzt nur in Anführungsstrichen um Kundendaten und in dem Fall geht es ja dann um die Gesundheit, ums schlimmstenfalls sogar um das Leben der Kunden. Die Firmen haben also eigentlich gar keine andere Wahl, als die Verbraucher schnell zu warnen und alle möglicherweise betroffenen Produkte direkt zu vernichten. Das kostet die betroffenen Firmen nicht nur viel Geld, sondern auch Image. Und das ist ja eigentlich ganz logisch, wenn ich jetzt mitbekomme, dass Tomisempf vergiftet sein könnte, dann kaufe ich wahrscheinlich sicherheitshalber lieber Kühnesempf oder was auch immer. Und, das hattest du ja gerade schon angesprochen, man muss schon dazu sagen, dass man es den Lebensmittelerpressern damals ziemlich einfach gemacht hat. Nur die wenigsten Lebensmittelverpackungen sind damals versiegelt und auch Kameras sind damals in Supermärkten viel seltener als heute. Also als Erpresser habe ich es relativ leicht in den Supermarkt rein zu spazieren, Senfglas aufdrehen, Gift rein und dann halt wieder weg. Und so sind Tomi und die Polizei in höchster Alarmbereitschaft. Zwar gibt etwa die Hälfte aller Erpresser nach der ersten Kontaktaufnahme schon auf und nur 10% aller Erpressungen gehen länger als eine Woche, doch sicher ist das nicht. Und dass der Erpresser nicht vor tödlichem Gift zurückschreckt, das hat er bereits gezeigt. Und so bleibt Tomi nichts anderes übrig, als Kontakt zu ihm aufzunehmen, wie im Erpresserbrief gefordert. Am Mittwoch, den 29. August und auch am 4. September erscheint deshalb in den Ruhenachrichten Dortmund in der Rubrik Suchen und Verkaufen, eine Anzeige, in der ein weißer Mercedes 190E Baujahr 81 mit 200.000 gelaufenen Kilometern und einer kleinen Beule angeboten wird. Die Telefonnummer der Anzeige ist aber nicht für den Autoverkauf gedacht, sondern dafür, dass der oder die Erpresser Thomi erreichen und die weiteren Schritte besprechen können. Jetzt beginnt das Warten. Am frühen Morgen des 8. September 1996, also anderthalb Wochen nach der ersten Zeitungsanzeige, meldet sich der Erpresser endlich. Sechsmal ruft er bei der Nummer aus der Anzeige an und spielt eine auf Band aufgenommene Ansage ab. Wir hören da mal rein und ich bin gespannt, ob du was verstehen kannst. Was hast du verstanden von diesem Anruf? Ich glaube irgendwas mit morgen Abend und 20 Uhr oder 22 Uhr. Krass, dann hast du bessere Ohren als ich. Weil ich habe wirklich nur morgen Abend verstanden. Das ist so ungefähr das Einzige, was man da raushören konnte. Was soll denn die Polizei da bitte raushören? Ja, das ist ein bisschen das Problem. Die verstehen nämlich auch nichts. Also die Qualität der Aufnahme ist so schlecht, dass die Ermittler keinen Schimmer haben, was der Anrufer von ihnen will. Das Einzige, was sie sozusagen festhalten können an der Stelle, ist, dass der Erpresser männlich ist und ohne hörbaren Akzent spricht. Aber was er jetzt von ihnen will, das versteht irgendwie keiner. Und deswegen passiert jetzt auch erstmal nichts. Und von diesem Verständnisproblem ahnt der Täter hingegen nichts. Und so trifft bald ein weiterer Brief bei Tomi ein. Der Erpresser zeigt sich enttäuscht, weil niemand auf seinen Anruf reagiert hat und kündigt an, bis zur nächsten Übergabe weitere Überraschungseier zu legen. Um seinen Worten Nachdruck zu verleihen, legt er dem Brief eine Tube Tomi-Mayonnaise bei. In ihr findet die Polizei 95 Milligramm Blausäure, genug, um einen Erwachsenen sofort zu töten. Von all dem bekommt die Öffentlichkeit, und die Frage hat es der eben aufgeworfen, nichts mit. Wegen der, Zitat, begrenzten Auswirkungen auf Verbraucher hält die Polizei den ganzen Fall geheim, um eine, Zitat, Hysterie in der Bevölkerung zu verhindern. Und so laufen die Ermittlungen im Verborgenen. Diese hat die Polizei in Frankfurt übernommen, wo Tomi damals seinen deutschen Hauptsitz hat. Und ehrlich gesagt haben die Ermittler zu diesem Zeitpunkt ziemlich wenig in der Hand. Sie wissen eben durch diesen Anrufmitschnitt, dass es mindestens einen männlichen Täter gibt. Über alles andere können sie nur mutmaßen. Laut Statistik sind die meisten Produkterpresser Männer zwischen 30 und 50, die sich in einer beruflichen oder finanziellen Schieflage befinden. Zum Beispiel durch Arbeitslosigkeit, Schulden oder Scheidung. Außerdem weisen sie häufig narzisstische Persönlichkeitsstörungen auf und sind neben dem finanziellen Aspekt getrieben von einem Wunsch nach Aufmerksamkeit oder einem Machtgefühl. Aber natürlich kann auch eine persönliche Beziehung zum Konzern bestehen. Der Presser könnte zum Beispiel ein aktueller oder ehemaliger Mitarbeiter sein, der sich ungerecht behandelt fühlt. Du merkst, da kommen ziemlich viele potenzielle Verdächtige in Betracht. Und damals wissen die Ermittler nicht mal, ob sie es mit einem Einzeltäter oder einer ganzen Gruppe zu tun haben, so wie es im Erpresserbrief behauptet wird. Also natürlich könnte das Wir in dem Brief auch ein Trick sein, denn die meisten Erpresser handeln erfahrungsgemäß allein. Auf der anderen Seite wurden Produkte in Supermärkten in ganz Deutschland vergiftet, weshalb die Polizei damals eher von einer Tätergruppe ausgeht. Der einzige Anhaltspunkt für die Ermittler ist, dass der erste Erpresserbrief aus Dortmund verschickt wurde. Wer auch immer Thumi erpresst, da ist sich die Polizei sicher, geht, Zitat, sehr systematisch und berechenbar vor. Die Vorgehensweise werden sie später als kalkulierbar und überschaubar bezeichnen. Also sie bilden sich so ein bisschen ein, dass sie wissen, was er als nächstes macht und dass sie auch so ein bisschen die Gefahr des Ganzen einschätzen können. Aufgrund der mangelnden Anhaltspunkte hoffen die Ermittler, den oder die Erpresser bei der Übergabe der Diamanten zu fassen. Doch es gibt ein Problem. Die Täter machen keinerlei Anstalten, eine erneute Übergabe vorzuschlagen. Zwar treffen bei Tomi in regelmäßigen Abständen neue Erpresserbriefe mit neuen Angaben zu vergifteten Produkten ein, doch Forderungen bleiben jedes Mal aus. Auch die Anrufe, die weiterhin beim Konzern eingehen, machen Tomi und die Polizei nicht schlauer. Inzwischen sind bereits fünf Erpresserschreiben eingegangen. Alle wurden mit unterschiedlichen Schreibmaschinen verfasst und anonym verschickt. Fingerabdrücke oder andere Hinweise auf die Identität der Täter enthalten sie nicht. Auch die Anrufe bringen die Ermittler nicht weiter. Jedes Mal scheinen die Täter mit einer anderen Stimme zu sprechen. Und so stecken die Ermittlungen in einer Sackgasse, als Anfang April 1997 der sechste Erpresserbrief ankommt. Wieder gibt es keine neuen Forderungen oder Infos zu einer Übergabe des Lösegeldes. Stattdessen heißt es, dieses Mal sind es nicht nur Tomi-Produkte. Und genau das ist das Problem. Wurde im ersten Erpresserbrief noch genau aufgeführt, welche Produkte in welche Größe vergiftet waren, finden sich in diesem Schreiben nur die drei betroffenen Supermärkte. Ein Condimarkt in Regensburg, eine Plus-Filiale in Saarbrücken und ein Lidl in Bremen. Jetzt müssen Tomi und die Polizei handeln. Das Risiko ist einfach zu groß. Die drei betroffenen Märkte werden sofort geschlossen, damit Polizisten dort mehrere Tage lang alle Lebensmittel gründlich untersuchen können. Oh Gott, die reißen da alle. Ja, musst du alles aufreißen. Und das ist ja ganz klar, das kannst du nicht unauffällig machen, wenn der Supermarkt geschlossen wird. Spätestens jetzt bekommen auch Menschen von außerhalb der Ermittlungsbehörden und der Firma davon mit. Also wendet sich die Polizei zum ersten Mal in diesem Fall an die Öffentlichkeit. Die Ermittler warnen vor dem Verzehr bestimmter Lebensmittel. Außerdem sollen Kunden alle Tomi-Produkte, die sie in den betroffenen Supermärkten bereits gekauft haben, umtauschen und bekommen dafür den vollen Preis zurück. Und tatsächlich finden die Ermittler auch dieses Mal vergiftete Lebensmittel. Im Saarbrücker Plusmarkt sind es vergiftete Senftuben und im Regensburger Condimarkt vergiftete Mayonnaise. Glücklicherweise kommt niemand zu Schaden. Anders verhält es sich bei Tomi. Laut einem Firmensprecher kostet nur diese Aktion die Firma etwa 30 Millionen Mark. Was für das Unternehmen aber noch weitaus schlimmer ist, jetzt weiß auch die Öffentlichkeit von der Erpressung. Tomi muss also dazu ein Statement abgeben und ich kann schon mal spoilern, dieses Statement ist nicht so richtig schlau. Also, um dieses Statement abzugeben, tritt Albrecht Koch, der Pressesprecher von Tomis Mutterkonzern Nestlé, vor die Kameras der Journalisten und erklärt, dass das Unternehmen bereits seit August letzten Jahres erpresst wird und es sich dabei sehr sicher um den oder die gleichen Täter handelt. Es bestehe aber kein Anlass zu größerer Sorge. Schließlich werde der Konzern im Schnitt einmal im Monat erpresst und bisher sei nie ein Kunde zu Schaden gekommen. Außerdem erklärt Koch, man sei im Extremfall sogar bereit zu zahlen. Dafür müssten die Erpresser sich allerdings melden, denn eine Möglichkeit der Kontaktaufnahme bestehe aktuell nicht. Wie finden wir das Statement? Also ich als Verbraucher würde sagen, ich kaufe aber jetzt ganz was anderes ein. Auf jeden Fall nicht mehr was von Tomi. Ja, also ich finde auch ein bisschen, ich meine, die wussten ja jetzt was dazu sagen, aber ich finde auch diese Darstellung, dass das ja eigentlich gar nicht gefährlich ist. Nein, kein Anlass zur großen Sorge. Ja, genau. Aber wir haben schon viel Blausäure gefunden. Ja, und genau das. Also sie sind jetzt seit mehr als einem Dreivierteljahr zu der Zeit erpresst worden, haben niemanden informiert, obwohl ja schon nach dem ersten Giftfund im August 1996 klar war, dass die das ernst meinen, ja. Ist denn damals die Presse dann auch ganz groß drauf angesprungen? Weil da müssen ja, wie lange ist das denn eigentlich, bis jetzt alles aufgedeckt haben? Und da waren ja nun mal auch Supermärkte, die geschlossen waren und die da komplett auf links gedreht wurden. Ja, das mit dem Supermarkt geschlossen war ja jetzt erst das erste Mal, weil vorher wussten sie ja immer ganz genau, welche Produkte das waren und konnten die dann unauffällig aus dem Regal nehmen. Aber ich meine, es ist ein Erpresser. Also wer garantiert dir, dass der wirklich nur die angegebenen Produkte vergiftet hat und nicht noch ein paar andere? Also die haben sich einmal ein Dreivierteljahr darauf verlassen. Der ist halt berechenbar, der wird ja nur das vergiften, was in dem Brief steht. Kann man sich heute überhaupt nicht mehr vorstellen. Total. Du wirst ja gar nichts mehr kaufen. Ich pflanze mir Kartoffeln an. Ja, also einfach, weil sie gehen auf dem Selbstversorgerhof auf dem Balkon. Ja, und was halt noch dazu kommt, es war jetzt wahrscheinlich strategisch gar nicht so klug ausgerechnet, ein Sprecher von Nestlé mit der Erpressung an die Öffentlichkeit gehen zu lassen. Denn davor hatten die meisten Deutschen gar keine Ahnung, dass Tomi zu Nestlé gehört. Und das ist natürlich diese Unsicherheit der Kunden, die überträgt sich jetzt von den Tomituben auch auf andere Produkte des Schweizer Weltkonzerts. Und wir wissen alle, wie groß Nestlé ist und welche Produkte da alle dazugehören. Vielleicht sind es heute noch mehr, als es damals waren, aber es war mit Sicherheit auch schon viel. Ja, ich habe ein paar recherchiert. Also Nescafé ist klar, Nesquil Kakao ist auch klar. Alete zum Beispiel wusste ich nicht, dass das dazugehört. Oder auch Maggi. Also es sind ganz viele Produkte, die damals schon dazugehörten und die werden dann auch nicht mehr gekauft. Und die Reaktionen der Menschen in Deutschland, die reichen von Wut bis Panik. Eine Bremer Supermarktkundin sagt zum Beispiel der Taz über die Erpressung. Ich habe die Nase von diesem Verrückten gestrichen voll. Mit meiner kleinen Rente bin ich auf die Angebote angewiesen. Also die will halt in einem günstigen Supermarkt einkaufen und kann eben nicht einfach auf ein anderes Produkt zurückgreifen. Im Spiegel spricht dagegen eine junge Erzieherin, die direkt neben dem betroffenen Bremer Supermarkt wohnt und meint, man lebt in Angst und Schrecken. Ein Monat später trifft der siebte Drohbrief ein und eröffnet eine neue Eskalationsstufe. Inzwischen habe man nicht nur Tomi, sondern auch weitere Nestlé-Produkte mit Cyanid versetzt. Und das in 23 Städten deutschlandweit. Diesmal haben die Erpresser die giftigen Lebensmittel nicht nur in Supermärkten, sondern, wie sie in dem Brief schreiben, auch an öffentlichen Orten wie Straßenbahnen, Parks oder Telefonzellen platziert. Als nächstes könnten auch Kindergärten dran sein, heißt es. Jetzt wird es ja richtig mies. Ja. Ja, das hat ja jetzt einen Ausmaß angenommen. Was willst du da jetzt noch machen? Also die Gefahr lauert ja überall. Ja, und also klar, ein erwachsener Mensch würde wahrscheinlich eher nicht irgendwie, keine Ahnung, eine Packung Milch. Die er auf der Parkbank gefunden hat, wegächsen. Nein, machen wir das regelmäßig. Gut, aber so Kinder natürlich, die denken da nicht drüber nach. Wenn das ein Schokoriegel ist oder so, das ist natürlich super, super, super gefährlich. Ich würde auch nicht wollen, dass mein Hund da reinbeißt. Ja, zum Beispiel, stimmt. Ist natürlich auch noch so eine Sache, klar. Also ja, man ist machtlos ehrlicherweise dagegen, muss man so sagen. Die haben gar keine Ahnung, die Ermittler, was sie dagegen tun können. Sie können halt nur die Öffentlichkeit informieren. Die bedrohten Supermärkte werden geschlossen und tonnenweise Lebensmittel sichergestellt. Aber auch Supermärkte, die nicht direkt betroffen sind, reagieren auf die Erpressung. So entfernt Tengelmann zwischenzeitlich sämtliche Tomy-Produkte aus den Regalen all seiner Supermärkte und auch andere Ketten zeigen sich verunsichert. In der Bevölkerung wächst ebenfalls die Angst, denn nach wie vor hat die Polizei keinen Verdächtigen oder auch nur eine heiße Spur. Die Idee, dass vergiftete Produkte nun überall lauern könnten, besorgt vor allem Eltern. Der Druck auf die Ermittler steigt jeden Tag. Deshalb richten sie eine Telefonnummer ein, unter der man sich die Anrufe der Erpresser anhören kann. Vielleicht, so hoffen die Ermittler, erkennt ja irgendjemand eine oder mehrere der Stimmen. Außerdem richtet die Polizei eine Hotline für Hinweise und Fragen ein. Pro Tag gehen damals zehntausende Anrufe ein, manchmal sogar mehr als hunderttausend. Also allein jetzt schon der Arbeitsaufwand ist natürlich klar und dann gibt es eben auch nicht mal brauchbare Hinweise unter diesen Anrufen. Stattdessen möchten die meisten Anrufer wissen, ob ihr Supermarkt betroffen ist und welche Produkte man denn noch kaufen kann. Also die Soko möchte ich sehen, wie viele Leute waren da drin. Das war, also das muss ganz, ganz furchtbar gewesen sein, weil du musst ja immer die Hoffnung haben, dass vielleicht doch der eine heiße Tipp dabei ist, aber da waren jetzt natürlich eigentlich nur faule Eier dabei. Also mit dem Fall sind die aber nicht damals auch noch zu Aktenzeichen XY ungelöst gegangen, oder? Nein, mit dem Fall. Weil da würden ja noch mehr Hinweise reinkommen. Das war ja damals auch gar nicht notwendig, weil das überall durch die Presse gegangen ist. Und das bringt noch eine weitere Problematik mit sich. Wir haben ein großes Problem mit Trittbrettfahrern. Es ist schwer, den richtigen Täter herauszufiltern, erklärt damals ein Sprecher der Frankfurter Polizei. Inzwischen ist der Fall des Thumier-Pressers längst Dauerthema an den Esstischen und in den Medien. So spricht der Spiegel beispielsweise von der gefährlichsten Produkterpressung der deutschen Kriminalgeschichte. Nesté-Firmenvorstand Klaus Sattler erklärt, das ist der größte, längste und aufwendigste Fall, mit dem wir je zu tun hatten. Und auch die Polizei bestätigt, dass es sich hier um den schwersten Fall kommerzieller Erpressung aller Zeiten handelt. Das merken vor allem die Ermittler in Frankfurt. Danach hattest du ja gerade gefragt, also kannst du dir vorstellen, Überstunden, Wochenendschichten und schlaflose Nächte gehören in dieser Zeit zum Standard, wie Rudolf Bauer, einer der Ermittler, sich später erinnert. Doch trotz hunderte Aktenordner gibt es nach wie vor keine wirkliche Spur zu den Tätern. Eine umfassende Videoüberwachung aller Supermärkte ist schlicht unmöglich. Also damals gab es ja die Videoüberwachung noch nicht, die hätte man extra installieren müssen und versucht mal in allen Supermärkten Kameras zu installieren. Und außerdem glauben die Ermittler, dass der oder die Erpresser die Produkte gar nicht erst im Supermarkt vergiften, sondern schon vorher präparieren und dann vor Ort nur noch schnell und unbemerkt auslegen. Niemand kann all die Zehntausende von Supermärkten und Discounter in ganz Deutschland kontrollieren. Immerhin verdichten sich die Zeichen, dass der Täter aus Dortmund stammen könnte, denn sämtliche der vergifteten Produkte aus der Erpressung im April sind in Dortmund gekauft worden, wie sich über die Produktnummern auf den Tuben nachweisen lässt. Und du erinnerst dich, auch der erste Erpresserbrief knapp ein Jahr vorher wurde aus Dortmund verschickt. Doch der oder die Täter scheinen ihr Vorgehen verändert zu haben. Hatten sie zu Beginn der Erpressung laut einem Polizeisprecher noch eine klare Nennung von sechs eindeutig bestimmten örtlichen Supermärkten und eine völlig präzise Beschreibung der ausgelegten kontaminierten Artikel angegeben, fallen diese inzwischen komplett weg. Bewertet man das Vorgehen zu Beginn noch als sehr systematisch, das hatte ich ja gerade schon gesagt, gehen Teile von Polizei und Presse inzwischen von einem absoluten Psychopathen aus. Also nicht so berechenbar, wie die Polizei am Anfang noch gedacht hat. Das liegt zum einen daran, dass der Täter immer weiter eskaliert und jetzt sogar damit droht, Kinder zu vergiften. Und zum anderen betont der Erpresser immer wieder, dass auf keinen Fall die Polizei eingeschaltet werden soll. Obwohl doch mittlerweile alle wissen, dass die bereits ermittelt und die Bevölkerung öffentlich um Mithilfe bittet. Also es ist ja kein Geheimnis, dass die Polizei hinter dem her ist. Und ein rational denkender Mensch... Sagen wir auch mal ein rational denkender Erpresser, der wirklich Geldprobleme hat und meint, das wäre jetzt die Lösung. Dem möchte ich aber wenigstens noch so ein bisschen Mitgefühl zugestehen, dass er sagt, da und da ist das, ihr kriegt genaue Hinweise, aber ich brauche das Geld. Und das nicht wirklich so wie im Wahn ausweitet, besonders auch auf Kinder. Also da ist ja gar keine Verantwortung mehr da. Nee, und ich kann ja schon mal sagen, es wird noch schlimmer. Also es wird noch wahnsinniger. Ich warte noch auf die Tauben. Ja, die Tauben kommen auch noch. Es gibt jetzt nach fast einem Jahr endlich mal konkrete Anweisungen für eine Übergabe des Lösegeldes. Nestlé soll am 2. Juni 1997 ein Inserat im Gebrauchtwagenteil der Berliner Morgenpost schalten, in dem die Übergabe vereinbart werden soll. Das könnte eine wichtige Spur sein, denn außerhalb Berlins liest damals kaum jemand die Morgenpost. Das war ja noch so Tageszeitung, kein Internet und so. Und weil die Ermittler den Täter nach wie vor in Dortmund vermuten, beschatten sie nun sämtliche Kioske, die die Morgenpost im Angebot haben. Tatsächlich, an einem Bahnhofskiosk in Dortmund taucht ein etwa 50-jähriger Mann auf, der genau die Ausgabe kauft, in der das Inserat abgedruckt ist. Er wird festgenommen, doch schon kurze Zeit später wieder freigelassen. Er hat mit der Sache nichts zu tun. Darüber hinaus scheitert auch der nächste Versuch einer Lösegeldübergabe und so geht die Erpresserserie weiter. Am 11. August trifft bei NSD ein neuer Drohbrief ein, in dem erklärt wird, in 55 Supermärkten in Berlin, Bremen, München und elf weiteren Großstädten befänden sich vergiftete Produkte. Kleiner haben was nicht, was? Also 55 Supermärkte. Besonders betroffen ist Dortmund mit 25 Supermärkten. Dieses Mal listet der Erpresser aber wieder alle betroffenen Filialen und Produkte akribisch auf, also so wie am Anfang. Unter den Produkten befinden sich aber nicht nur Tomi-Lebensmittel, sondern insgesamt 23 verschiedene Nestlé-Produkte. Die Reaktion von Polizei und Märkten ist die gleiche wie in den vorangegangenen Erpressungen. Supermärkte werden geschlossen, Produkte ausgetauscht und überprüft. Gleichzeitig rät die Polizei davon ab, Lebensmittel zu essen, die im August in Supermärkten gekauft wurden, die auch Tomi-Produkte führen. Also es wird immer wilder. Mehr können die Ermittler und das Unternehmen im Moment nicht machen. Von unserer Seite ist alles Erdenkliche getan worden, um den Verbraucher zu schützen, erklärt damals ein Sprecher von Nestlé. Doch dieses Mal hat der oder die Erpresser die Drohung aus dem vorherigen Brief wahrgemacht und vergiftete Lebensmittel nicht nur in Supermärkten, sondern auch an öffentlichen Orten versteckt, an denen besonders viele Kinder unterwegs sind. Diese Orte sind in dem Brief vom 11. August angegeben und jetzt hoffen die Ermittler, dass der oder die Täter sich vielleicht in der Nähe aufhalten und observieren deshalb einige in dem Brief beschriebene Spielplätze. So nach dem Motto, vielleicht hat er ja doch ein Herz. Und geht dazwischen, bevor ein Kind jetzt da irgendwie rangeht. Kommissar Rudolf Bauer zum Beispiel tarnt sich als Vater mit Kind, um den Täter zu erwischen. Doch auch das ohne Erfolg. Was die alles ausprobieren. Ja, die versuchen irgendwie, an den Täter ranzukommen, aber es klappt und klappt nicht. Klingt auch so kopflos irgendwie. Ja. Das ist ja die Nadel im Heuhaufen. Ist es ja wirklich. Also es ist vollkommene Überforderung, muss man sagen. Aber ich hätte es jetzt auch nicht viel besser gewusst. Irgendwann, als es dann an diesem Tag dunkel wird und sich immer noch kein Verdächtiger gezeigt hat, wird der Versuch abgebrochen und die Ermittler finden vor Ort tatsächlich einen vergifteten Milchshake verbuddelt im Sand unter der Spielplatzrutsche. Wenn ein Kind den Shake gefunden und getrunken hätte, wäre das ganz übel ausgegangen. Es scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis jemand zu Schaden kommt oder stirbt. Und diese Zeit scheint kurz vor Weihnachten 1997, anderthalb Jahre nach dem ersten Brief gekommen zu sein. Wieder geht bei Nestlé ein Brief ein und der hat es in sich. Dieses Mal haben der oder die Erpresser Adventskalender mit vergifteter Schokolade an 17 zufällig ausgewählte Haushalte in ganz Deutschland verschickt. Das ist mal eine ganz andere Art von Mies, oder? Also jetzt kommt das Gift direkt zu euch nach Hause. Ihr müsst es gar nicht mehr kaufen und dann auch noch so was Nettes. Ja, Sie haben gewonnen. Herzlichen Glückwunsch, der Adventskalender. Lecker Schokolade. Machen wir mal auf. Perfide. Das ist wirklich perfide. In ihrem Brief nennen die Erpresser alle 17 Namen und Adressen der Betroffenen. Und sofort versuchen die Ermittler natürlich die Menschen mit einem Anruf vor ihren giftigen Geschenken zu warnen. Aber nicht alle gehen ans Telefon. Kannst du dir auch vorstellen, dass da natürlich ein bisschen Panik ausbricht, weil man weiß ja nicht, vielleicht hat es schon jemand geöffnet. Und sofort werden die örtlichen Polizeidienststellen angewiesen, Streifen zu den Leuten nach Hause zu schicken, um die Adventskalender sicherzustellen. Aber sie kommen zu spät. Zwar haben die meisten die Kalender ungeöffnet gelassen, einige Menschen haben aber bereits von der vergifteten Schokolade gegessen. Zum Glück ist die Menge der Blausäure in der Schokolade so gering, dass sie keine bleibenden Schäden hinterlässt. Richtig Gänsehaut, obwohl das hier im Raum tierisch heiß ist. Das ist ja wirklich echt irre. Ja und damals, weißt du, gab es da schon Handys? Also die Leute nicht zu erreichen, ne? Und dann musst du da Streifen losschicken und ich stelle mir das richtig vor, macht die Tür auf, hat wahrscheinlich noch irgendwie Schokolade im Mund, Winkel und dann haut ihm der Beamte erstmal den Kalender außer Hand. Sie haben da doch wohl hoffentlich nicht von gegessen. Also die haben so ein bisschen Magen, Darm, mir ist es nicht gut. Genau, aber nichts bleiben das möglicherweise. Glück gehabt. Und ja, es gibt immer noch, trotz dieser Riesenaktion, keine heiße Spur. Also die Hoffnung der Polizei ist nach wie vor, den oder die Erpresser bei der Lösegeldübergabe zu stellen. Aber zu der ist es ja bisher nie gekommen. Denn wenn dann doch mal eine Übergabe vereinbart wurde, ist die von den Erpressern direkt wieder abgeblasen worden. Nestlé hat wegen der Erpressung nach eigenen Angaben mittlerweile Verluste in niedriger dreistelliger Millionenhöhe gemacht, vor allem durch den Imageschaden. Ein Nestlé-Sprecher beklagt die Berichterstattung damals als sieben Stunden Negativwerbung im Fernsehen. Und das hätte eine Firma, die jetzt nicht zu einem Weltkonzern gehört, wie Tomi in dem Fall wahrscheinlich längst in die Pleite getrieben, wie es damals ein Experte ausdrückt. Ein kleines Unternehmen steht da schnell vor dem Aus. Ein interessanter, wie ich finde, Side-Fact dazu. In den USA oder in Großbritannien, wo solche Produkterpressungen damals ebenfalls regelmäßig vorkommen, können sich Unternehmen dagegen versichern lassen. Also die Schäden, auch diese Imageschäden werden von einer Versicherung übernommen. Das ist aber damals in Deutschland verboten, weil das laut dem Deutschen Bundesversicherungsamt, ja, das gibt es wirklich, das würde den Anreiz für Erpresser erhöhen, wenn es solche Versicherungen gäbe. Ist auch irgendwie wild, ne? Könnte ich aber jetzt nicht einschätzen. Also wenn einer Erpresser erpressen will, dann ist dem völlig egal, ob da eine Versicherung dahinter steckt und wer das dann zahlt. Hauptsache es gibt die Kohle. Ja, also deswegen mittlerweile wurde das auch geändert, unter anderem auch wegen dieses Falles. Und dann kommt der 25. August 1998, ein neuer Brief, der insgesamt 11. Der mysteriösen Diamond GmbH kommt bei Nestlé an. Und nach zwei Jahren Erpressungsdrama scheint der oder die Erpresser endlich eine ernsthafte Übergabe zu planen. Laut Brief muss diese perfekt über die Bühne gehen, sonst sei, Zitat, eine Katastrophe unvermeidbar. Wie diese perfekte Übergabe über die Bühne gehen soll, schreiben die Erpresser in den nächsten Sätzen. Die Sache steigt am Donnerstag, den 3. September. Die drei Übergeber sollen an diesem Tag ab 4 Uhr früh in Dortmund sein. Dort sollen sie zu einer Telefonzelle kommen. Einer von die Übergeber soll eine weiße Anzug tragen. Machen Sie bloß keine Fehler, heißt es in dem Schreiben in etwas holprigem Deutsch. Wie es danach weitergehen soll, sollen die Überbringer des Lösegeldes dann vor Ort erfahren. Die geforderte Summe ist dieselbe wie vor zwei Jahren. Rohdiamanten im Wert von 25 Millionen Mark. Am 3. September 1998 ist es dann soweit. Frühmorgens fahren drei Polizeibeamte in Zivil zur besagten Telefonzelle in Dortmund. Einer von ihnen trägt einen weißen Anzug. Während die Männer dort auf den Anruf der Erpresser warten, beobachten zahlreiche ihrer Kollegen unauffällig die Umgebung. Die Ermittler hoffen, dass die Entführer selbst vor Ort sind, um die Telefonzelle im Blick zu behalten. Aber sie können niemand auffällig entdecken. Plötzlich klingelt das Telefon. Am Apparat ist die Stimme aus dem allerersten Anruf. Doch dieses Mal kann man den Mann verstehen. Er nennt den Polizisten drei neue Standorte. Einmal in Antwerpen, einmal in Wien und einmal in Breidenbach in der Nähe von Marburg. Umgehend machen sich Polizisten zu den genannten Standorten auf. Während die Ermittler in Antwerpen und Wien an den besagten Orten nichts Verdächtiges finden, entdecken die Polizisten in Breidenbach einen leeren Opel Kadett mit dem belgischen Kennzeichen PTT 384. Das Auto ist nicht abgeschlossen. Als die Einsatzkräfte den Kofferraum des Wagens öffnen, wartet dort eine Überraschung. Im Kofferrauminneren stehen mehrere Transportkörbe, in denen, und da sind wir jetzt endlich bei den Tauben, zwölf Brieftauben flattern. Außerdem im Auto ein Funkgerät, ein Taschenrechner und zwölf selbstgenähte winzige Rucksäcke. In dem beiliegenden Brief wird das weitere Vorgehen erläutert. Die Polizisten sollen die Rucksäcke mit den Diamanten befüllen, den Tauben umschnallen und sie losfliegen lassen. Wie findest du diesen Plan? Das wäre fast sprachlos. Ist das verfilmt worden? Soweit ich weiß nicht, aber es wäre auf jeden Fall verfilmt worden. Also das ist doch guter Stoff. Das ist ja völlig irre. Wie heißt denn das nochmal mit Leonardo DiCaprio, wo die den nicht kriegen? Catch me if you can. So in die Richtung geht das. Also ich stelle mir gerade die Beamten vor, wie die sagen, ja okay, gurr, gurr, mach mal deinen kleinen Rucksack auf. Ich stelle da jetzt mal ein paar Diamanten rein. Nein, ist das schreck. Ja, aber du kannst doch, und da mache ich einen kleinen Peilsender an die Taube dran, dann weiß ich doch, wo die hinfliegt. Ja, aber man muss sagen, also die Polizisten sind auf diese Übergabe auch nicht vorbereitet. Damit hat es keiner gerechnet. Und die müssen jetzt relativ schnell umdisponieren. Ey, weißt du, die ganze Zeit Frage. Ich weiß ja immer noch nicht, ist das eine, ein Erpresser oder sind das mehrere oder so. Hat der jedes Mal Schiss gekriegt, als es ernst wurde und an die Übergabe ging? Weil das ging ja über Monate. Ja, ja, genau. hier. Oder hatte der einen an der Marmel und hatte Spaß einfach an diesem ganzen Prozedere, da die Polizei so auf Trab zu halten. Also ist der Schaf auf die Kohle? Oder was tragt der denn da? Ja, das werden wir uns gleich mal genauer anschauen. Aber du kannst dir vorstellen, dass diese Übergabe natürlich jetzt nicht so einfach über die Bühne laufen kann. Weil wenn sie jetzt die Diamanten wirklich in diese kleinen, kleinen Ruchse... Ja, es gibt auch ein Bild davon, poste ich bei Instagram. Es sieht wirklich ganz süß aus. Oh, ein bisschen niedlich. Ja, und dann die Tauben losfliegen lassen, dann ist das Lösegeld weg und die Erpresser auch. Das ist irgendwie auch blöd. Sie müssen jetzt also Zeit gewinnen. Und dafür werden die Ermittler jetzt selbst zu Briefe schreibern. Ein Polizist schreibt auf einen Zettel, man wolle, bevor man die wertvollen Diamanten in die Luft schickt, sicher gehen, dass die Tauben auch ankommen. Sobald das passiert sei, sollen die Erpresser sich wieder melden. Den Brief stecken die Ermittler einer der Tauben in ihren Rucksack und schicken sie zusammen mit zwei ihrer Artgenossen auf die Reise. Noch am selben Tag geht der erwartete Anruf ein. Die drei Tauben sind angekommen. Alles. Das ist der geilste Fall, den wir je gemacht haben. Das ist schön. Freut mich. Also hat alles geklappt. Alles ist bereit für die Übergabe. Und die Polizei hat sich in der Zwischenzeit natürlich einen Plan ausgedacht. Was glaubst du, was haben die sich jetzt überlegt, wie sie das machen wollen? Die holen sich jetzt auch Brief da oben. Keine Ahnung. Einen Fall. Ich klebe an deinen Lippen. Mach einfach weiter. Okay, also der Polizei ist natürlich völlig klar, dass das jetzt ihre einzige Möglichkeit ist, den oder die Täter zu schnappen, wie sich Ermittler Rudolf Bauer erinnert. Wir hatten im Prinzip nur eine Chance, die mussten wir nutzen. Am Ende waren die Tauben die einzige Möglichkeit, mit dem Täter in Kontakt zu treten. Das hat die Sache zusätzlich erschwert. Es ist klar, der Plan muss gelingen. Daran, dass die Ermittler ihre Drohung einer Katastrophe wahrmachen, hat niemand Zweifel. Um das zu verhindern, setzen die Ermittler, wie du gerade schon vorgeschlagen hast, Peilsender ein. Insgesamt vier Tauben statten sie mit den Ortungsgeräten aus und lassen sie frei. Damit, so der Plan, sollen die Vögel die Polizei zu ihrem Taubenschlag und damit direkt zu dem oder den Tätern bringen. Doch viel Zeit haben die Ermittler nicht. Sie müssen sofort nach Ankunft der Tauben zuschlagen, denn die Täter werden die Peilsender direkt entdecken, wenn die Vögel gelandet sind. Aber so weit kommt es erst gar nicht. Noch bevor die vier Tauben geortet werden können, bricht das Signal ab. Falls die Tiere beim Erpresser angekommen sind, ist dieser jetzt vorgewarnt. Trotzdem haben die Ermittler noch eine Chance. Auch wenn der Entführer sich wahrscheinlich längst aus dem Staub gemacht hat, werden die restlichen Vögel wahrscheinlich immer noch zu dem Ort zurückfliegen, an dem sich der Taubenschlag befindet oder befunden hat. Dieser Weg ist so bei den Tieren eingespeichert sozusagen. Allerdings sind von den ehemals zwölf Tauben aus dem Wagen nur noch fünf übrig. Die Ermittler haben also noch eine letzte Chance. Für den Fall, dass das Signal wieder abbricht, sollen die fünf Vögel nicht nur verwandt, sondern auch von einem Hubschrauber verfolgt werden. Doch dafür ist das Wetter zu schlecht. Ein Gewitter ist aufgezogen und damit ist das Risiko für einen Helikopterflug oder dass die Tauben ganz verloren gehen einfach zu hoch und die Ermittler brechen den Versuch ab. Also man muss wirklich sagen, die haben so viel Pech in diesen Ermittlungen, wie man fast nur haben kann. Währenddessen versuchen die Ermittler herauszufinden, wem eigentlich das Auto gehört, mit dem die Tauben transportiert wurden. Die Ermittler können einen Mann im Rhein-Main-Gebiet ausfindig machen, der den Opel Kadett erst im Juni an einen Unbekannten mit dunklen Haaren verkauft hat. Einen Namen kann der Verkäufer den Polizisten allerdings nicht geben. Aber immerhin kann er den Ermittlern eine Beschreibung des Käufers liefern, aus der ein Phantombild erstellt wird, das allerdings auch nicht zum Täter führt. Und so ruht die letzte Hoffnung, den Tomi-Erpresser zu schnappen, auf fünf Tauben. Am 25. September 1998 wagen die Ermittler schließlich den dritten und letzten Anlauf. Die Sonne strahlt an diesem Tag, der klare Himmel bietet optimale Sicht und die Hubschrauber sind einsatzbereit. Ganze vier Helikopter hat man bereitgestellt, um die Erpressungsserie endlich zu beenden. Alles ist bereit, die Tauben fliegen los. Doch dann geht wieder etwas schief und liebe Tierfreunde, hört jetzt vielleicht bitte ganz kurz weg. Beim Start kommen zwei der Vögel den Rotoren der Hubschrauber zu nahe und werden getötet. Och, Jesus. Ja, und zwei weitere Tauben stürzen auch noch ab. Also es sind jetzt von fünf Tauben, ne? Eine. Eine ist noch über, es waren mal zwölf, jetzt ist nur noch eine über. Die Taube, die die Ermittler Charlie getauft haben. Wenn Charlie jetzt auch verloren geht oder abstürzt, war alles umsonst. Und natürlich besteht die Gefahr, dass der Erpresser sich rächen und der nächste Giftanschlag tödlich enden wird. Also hängt alles an Charlie. Aus den Hubschraubern, die der Taube in einigem Abstand folgen, sehen die Ermittler, wie Charlie schnurstracks Richtung Frankfurter Umland fliegt, bis zu einer Schrebergartenanlage in Kronberg im Taunus. Immer wieder umkreist er einen verlassenen Schrebergarten, als würde er irgendetwas suchen. Irgendwann landet Charlie auf einem Baum in dem Garten. Die Ermittler sind sich sicher, in diesem Schrebergarten muss sich der Taubenschlag befunden haben, den der oder die Täter benutzt haben. Charlie hat seine Aufgabe erfüllt, zumindest fast. Die Ermittler wollen noch seine DNA-Spuren sicherstellen. Dafür müssen sie das Tier einfangen. Doch alle Versuche, Charlie mit Futter von dem Baum zu locken, um ihn wieder einzufangen, scheitern. Und jetzt nochmal kurz weghören, wenn ihr Tauben liebt. Am Ende schießt ein Polizist Charlie von seinem Ast. Die Taube ist tot. Also ich muss mal sagen, das ist einfach komplett unnötig, dass die den jetzt vom Baum geschossen haben, weil die DNA-Spuren, die hätte man ja auch sichern können, bevor man die Taube fliegen lässt. Habe ich mich auch gerade, aber die hatten es irgendwie eilig. Die hatten es irgendwie eilig, scheinen da nicht so wirklich drüber nachgedacht zu haben. Also diese Spuren werden auch später in einem Prozess keine große Rolle mehr spielen. Also auch noch umsonst gestorben. Ja, im Prinzip ist Charlie umsonst gestorben und eigentlich ist Charlie ja ehrlicherweise auch der Heldchen dieser Geschichte. In der Zwischenzeit haben die Ermittler Kontakt mit dem Besitzer des Schrebergartens aufgenommen und dieser kann ihnen endlich einen Namen geben. Der Mann, der den Garten angemietet hat, heißt Andrei Neago, ein etwa 40-jähriger schmächtiger Typ mit Pferdeschwanz und drei goldenen Ringen im linken Ohr. Viel mehr weiß der Gartenbesitzer über Neago nicht. Auch die Nachbarn können kaum etwas zu dem unscheinbaren Mann sagen. Kontakt zu ihm hatten sie nur wenig, er sei lieber für sich geblieben. Einige der Nachbarn erzählen den Ermittlern aber, dass in Neagos Garten bis vor kurzem noch ein Taubenschlag gestanden habe. Vor etwa drei Wochen habe er diesen plötzlich zersägt und verbrannt und sei dann spurlos verschwunden und nie wieder aufgetaucht. Einen Tag später, am 26. September, wird André Neago in seiner Wohnung in Eschborn nördlich von Frankfurt verhaftet. Doch Neago bestreitet irgendetwas mit der Erpressung zu tun zu haben. Außerdem sieht er dem Mann auf dem Phantombild überhaupt nicht ähnlich. Ist André Niago also wirklich der Tumi-Erpresser? Und wenn ja, hat er vielleicht noch Komplizen? Also gibt es diese große Bande wirklich? Aber der hatte da die Tauben und er hatte da diese Parzelle. Also irgendwas muss doch da sein. Kannst du uns denn noch irgendwie was zu dem Mann erzählen? Weil der ist ja im Moment noch irgendwie so niemand. Ja, man muss sagen, die Infos zu ihm sind leider relativ dünn. Also vermutlich wird André Niago 1955 in Rumänien geboren. 1981 flieht er aus der kommunistischen Diktatur nach Deutschland. Hier verdiente sich sein Lebensunterhalt als Schlosser und als Landschaftsgärtner. Das Gehalt, das er bekommt, reicht gut zum Leben. Viel Luxus ist allerdings nicht drin. Außerhalb der Arbeit bleibt Niago eher für sich. Später wird er über sich selbst sagen, ich bin Einzelgänger. Das war schon immer so. 1995 erhält er die deutsche Staatsbürgerschaft. Er lebt ein ruhiges Leben. Seine Hobbys sind Reisen, Musik und Tiere. Am 19. August 1999, etwa elf Monate nach seiner Festnahme, beginnt dann am Frankfurter Landgericht der Prozess gegen den inzwischen 44-jährigen André Neago. Weil er weiter leugnet, der Tomi-Erpresser zu sein, stellen sich alle Beteiligten auf einen langwierigen Indizienprozess ein. Bis November, also ganze vier Monate, soll dieser dauern. Insgesamt sollen mehr als 80 Zeugen und zwölf Experten vor Gericht aussagen. Mit ihrer Hilfe soll geklärt werden, ob André Neago ein Erpresser und Giftmischer ist. Ihm wird vorgeworfen, insgesamt in acht Geschäften mit Blausäure vergiftete Lebensmittel ausgelegt zu haben, einen blausäurehaltigen Milchshake auf einem Kinderspielplatz versteckt zu haben und 17 vergiftete Adventskalender per Post verschickt zu haben. Als Indizien gegen ihn sollen unter anderem die Tauben, also deswegen diese DNA-Prüfung, Textilfasern in dem Opel Kadett und die Aussage der Nachbarn im Schrebergarten dienen. Doch als der Prozess beginnt, kommt alles anders als gedacht. Als André Niago zu den Vorwürfen befragt wird, antwortet er zur Überraschung aller, ja. Ich war es. Er habe die Drohbriefe verfasst, die Lebensmittel vergiftet, sie in die Supermärkte geräumt und die Kalender verschickt. Und zwar allein. Und dann fängt er an zu erzählen. Die Idee für die Erpressung sei ihm durch seine Tauben gekommen. Bereits in seiner Kindheit habe er eine Leidenschaft für die Vögel gehabt, dass Tauben Nachrichten überbringen können und von überall zu ihrem Zuhause zurückfinden, fasziniert den jungen André. Als er sich dann Mitte der 90er den Schrebergarten im Frankfurter Umland mietet, baut er sich in einem Bauwagen einen eigenen Taubenschlag und kauft mehrere Tauben. Also jetzt nochmal zurück zu dem DNA-Ding. Das war deswegen wichtig, um nachzuweisen, dass die getöteten Tauben unter anderem Charlie von denen abgestammt haben, die er damals gekauft hat. Also das war halt so ein nicht mal wirklich wichtiger Beweis, sondern nur so ein Nebenindiz. Ein Jahr später liest André Niago dann in einem Buch, dass Tauben im Krieg nicht nur Briefe, sondern auch kleine Lasten transportiert haben. In seinem Kopf reift die Idee, mithilfe seiner Tauben ein Unternehmen zu erpressen. Weshalb er das überhaupt will, kann er vor Gericht nicht erklären. Zwar schreibt er einem Bekannten einige Zeit vor der Tat, ich habe langsam die Schnauze voll von Arbeit. In akuter Geldnot habe er sich jedoch nicht befunden. Laut eigener Aussage habe er vor allem seinen Brieftaubenplan für zu gut befunden, um ihn nicht in die Tat umzusetzen. Aber wie soll er die Erpressung durchführen? Zu Beginn will Niago, so sagt er aus, eigentlich nur drohen, ohne tatsächlich Lebensmittel zu vergiften. Doch dann findet er auf einem Flohmarkt ein Buch mit Anleitung, wie man diverse Gifte herstellt. Zu Hause probiert André Niago dann, selbst Blausäure herzustellen und zwar erfolgreich. Dass er mit dem Gift tatsächlich Menschenleben gefährdet, will er damals nicht erkannt haben. Wegen des stechenden Geruchs der Blausäure habe er sich gedacht, das ist sowieso keiner. Weiß ich jetzt nicht, ob ich das so... Ich verstehe den ganzen Mann nicht. Das Einzige, was ich verstehe, ach guck mal, was man mit den Tauben so machen könnte. Ja, und das war glaube ich der Ausgang von allem. Aber alles andere darf ich nicht raus, ehrlich. Ja, es fällt mir auch schwer, das irgendwie auch nur ansatzweise verstehen zu können und auch zu sagen, ja weiß ich jetzt eigentlich gar nicht, warum ich erpresst habe, weil mit dem Geld, ja war nicht super, aber war okay. Weil irgendwann wurde das ja auch so groß und es waren ja auch so viele Städte und ich frage mich, wie hatten der das alleine alles, hat der das wirklich alleine gemacht? Hat er? Ja, ja, der ist da von Supermarkt zu Supermarkt getingelt und hat das da, also der muss riesige Kilometer auf seinem Tacho geachtet haben. Ich meine, er hat ja immer noch gearbeitet, ist er am Wochenende ins Auto gestiegen und hat das Zeug da verteilt. Ja, also er hat sich diesen Plan zurechtgelegt und hat gedacht, naja, kann ja keinem was passieren, Blausäure riecht man ja. Und auch die Frage, warum sich Niago ausgerechnet für Tomi als Opfer entscheidet, auch die kann er selbst nicht beantworten. Eine persönliche Beziehung zu dem Unternehmen oder zum Tomi-Mutterkonzern Nestlé hat der Erpresser jedenfalls nicht. Vielleicht hat er die Marke mit ihren 300 Millionen Mark jährlichem Umsatz als lohnendes Ziel gesehen. Vielleicht war sein Plan auch von Anfang an, irgendwann den Weltkonzern Nestlé zu erpressen. Aber dazu hat er sich gar nicht geäußert? Nee, er sagt selber, ich weiß nicht, wie ich da drauf gekommen bin. Habe ich einfach mit angefangen. Also er sagt vor Gericht immer wieder, er verstehe selber nicht, warum er das alles getan habe. Ich versuchte die ganze Zeit, es mir selbst zu erklären. Was ich auch ein interessantes Zitat finde, aber wenn ich es selber nicht verstehe, könnte ich auch einfach aufhören. Und ewig weitermachen, ausdehnen und ausbauen. Und ja, ich habe es ja ganz am Anfang schon erwähnt, die Produkte sind damals noch nicht versiegelt und so kann er die Blausäure einfach zu Hause in die Tuben spritzen und diese Tuben dann in den Supermärkten platzieren. Dann, nach dem Platzieren der vergifteten Tuben, schreibt Neago seinen ersten Erpresserbrief. Ein Komplizen habe es nicht gegeben, erklärt der Angeklagte vor Gericht. In den Briefen habe er immer nur wir geschrieben, um die Ermittler zu verwirren. Deshalb habe er auch jedes Erpresserschreiben auf eine andere Schreibmaschine getippt, die er vorher auf Flohmärkten kauft und anschließend entsorgt hat. Dafür fährt er jedes Mal in andere Städte, teilweise mehr als hunderte Kilometer weit. Also auch das, ne? Also der hat sich ja wirklich ein perfides Hobby gesucht, mit dem er echt beschäftigt gewesen sein muss. Aber es ist ja immer noch die Frage auf, wie hat er das hingekriegt, dass die Anrufer immer anders geklungen haben und auch das hat er sich... Gut überlegt. Also heute würde ich sagen, KI kein Problem. Ja, das war damals so ein bisschen was anderes. Auch da hat er sich Gedanken drüber gemacht. Er ist dann in andere Städte gefahren und ist dann mit dem Tonbandgerät durch die Stadt gelaufen und hat Obdachlose dafür bezahlt, einen vorformulierten Text vorzulesen. Deswegen waren das immer andere, Stimmen. Eigentlich hatte Niago gedacht, durch seine Erpressung schnell an Geld zu kommen, doch dann zieht sich das Ganze mehr als zwei Jahre lang. Ich habe oft Schiss gehabt, dachte jetzt haben sie mich. Immer wenn im Dunkeln ein Fahrzeug hinter mir fuhr, dachte ich, jetzt ist es vorbei, erinnert sich der Angeklagte. Irgendwann war das nur noch Stress. Außerdem hätten ihn Schuldgefühle geplagt, genau wie die Angst vor Verurteilung. Einmal habe er mit einer Freundin die Nachrichten geschaut, als mal wieder über die Erpressung berichtet wurde. Dabei habe seine Freundin gesagt, das muss ein Hochkrimineller sein. Hoffentlich bekommen sie ihn. All das habe so sehr an ihm genagt, dass er sogar über Suizid nachgedacht habe, erzählt er vor Gericht. Aber ganz ehrlich, er hätte ja aufhören können, wenn ihn das alles so belastet hat. Und wahrscheinlich wäre man ihm ja auch ohne die Übergabe nie auf die Spur gekommen. Weil nur aus den Briefen heraus hatte die Polizei ja nichts in der Hand. Sie haben es ja nur durch diese Übergabe geschafft. Aber André Niago macht trotzdem weiter. Die Tauben haben mich weitergetrieben, erklärt er. Das Ganze sei für ihn wie eine Sucht gewesen. Etwas, das Konzernerpresser übrigens häufig berichten. Und so zieht sich die Erpressung über zwei Jahre hin, bis es schließlich zur Übergabe kommen soll. Doch, wie wir wissen, läuft die nicht wie geplant. Zuerst schicken die Polizisten nur einen Brief und dann beim zweiten Mal die vier verwandten Tauben. Als die bei ihm ankommen, also die sind nicht verloren gegangen, die sind bei ihm angekommen, sei ihm direkt klar gewesen, dass man versucht habe, ihm eine Falle zu stellen. Also habe er direkt aus allen Peilsendern die Batterien entfernt und alle Tauben getötet. Dann habe er den Taubenschlag zerstört, den Garten komplett leer geräumt und sei ziellos durch die Nacht gefahren, bis er in Amsterdam gelandet sei. Seine Freiheit, aber auch sein erhofften Reichtum hat Nehago da schon an sich vorbeiziehen sehen. Irgendwann in dem Prozess fragt ihn der Vorsitzende Richter, was er überhaupt mit den ganzen Millionen machen wollte. Ich hätte mir eine kleine Hütte am Strand gekauft, erklärt Niago. Am liebsten irgendwo in Südamerika. Dieser Traum ist jetzt vorbei. Stattdessen sitzt André Niago in Frankfurt vor Gericht und wartet auf sein Urteil. Während seine Verteidigerin auf fünf Jahre Gefängnisstrafe hofft, fordert die Staatsanwaltschaft zwölf Jahre Haft. Bei Niago handelt es sich um einen gemeingefährlichen Giftmischer, der, Zitat, zumindest die Nähe zu einem versuchten Tötungsdelikt erreicht habe. Dass am Ende niemand schwer verletzt, geschweige denn getötet wurde, sei reines Glück gewesen. Durch das unerwartete Geständnis ist der Prozess am Ende zwei Monate kürzer als geplant. Am 23. September 1999 wird André Niago wegen versuchter räuberischer Erpressung und gemeingefährlicher Vergiftung zu elf Jahren Haft verurteilt. Die Richter halten ihm zugute, dass er alles gestanden hat und dass niemand verletzt wurde. Trotzdem ist das die höchste Strafe, die ein Produkterpresser in Deutschland bis dahin je erhalten hat. Und ich muss sagen, ich bin über diesen Begriff der gemeingefährlichen Vergiftung gestolpert. Hattest du das vorher schon mal irgendwo gehört? Ich nämlich nicht, oder? Also alle Begriffe sind mir bekannt, aber in der Kombination... Also das ist ein Straftatbestand, der nicht wirklich oft vor Gericht verhandelt wird. Ist das auch, wenn die Frau ihren Ehemann vergiften will und dem Arsenie die Suppe rührt? Da ist das Gift ja so eine Art Tötungsmittel. Da wäre es dann versuchter Mord oder eben Mord. Nee, das ist was, also laut Paragraf 314 des StGB macht sich der gemeingefährlichen Vergiftung schuldig, wer Wasserreservoirs oder Gegenstände vergiftet, die zum öffentlichen Verkauf oder Verzehr bestimmt sind. Also für die Gemeinschaft quasi. Dass man eben gar nicht sehen kann oder vorher ausrechnen kann, wie viele Opfer das eventuell haben könnte. Und es ist dabei auch nicht entscheidend, ob jemand tatsächlich zu Schaden kommt. Es reicht, wenn der Täter das auch nur in Kauf nimmt. Wer fahrlässig eine gemeingefährliche Vergiftung begeht, muss mit bis zu fünf Jahren Haft rechnen. Also, weil ich versehentlich irgendwie Benzin in Trinkwasserreservoir fallen lasse oder so. Und Sachstandkeim. Sachstandkeim, genau. Und bei Vorsatz sind eben bis zu zehn Jahre drin. André Niago wird sogar zu elf Jahren verurteilt, die er nach meinen Informationen komplett abgesessen hat. 2021 besucht ihn die FAZ in seiner ruhig gelegenen Wohnung in Frankfurt am Main. Soziale Kontakte hat der inzwischen 70-Jährige immer noch kaum. Nur ein Eichhörnchen besucht ihn hin und wieder auf seiner Fensterbank. Sein regelmäßiger Besucher, wie er es nennt. Nach eigenen Angaben bereut André Niago seine Tat und sagt, er habe seine Strafe verdient. Natürlich habe ich dafür gebüßt, aber es macht die Schuld nicht wieder gut. Die Schuld, dass mehr als zwei Jahre lang tausende Menschen in Deutschland der Gefahr einer tödlichen Vergiftung ausgesetzt waren, einfach nur für seinen Traum einer kleinen Hütte am Strand. Gestorben sind am Ende nur die, die André Niago erst auf die Idee zu seiner Erpressung gebracht haben und die ihm angeblich so viel bedeutet haben. Die zwölf Tauben aus seinem Schlag, darunter Charlie. Der landet übrigens ausgestopft im Kriminalmuseum des Frankfurter Polizeimuseums. Deswegen gibt es auch ein Bild von dem mit dem kleinen Rucksack. 2021 bis 2022 wird Charlie im Frankfurter Museum für moderne Kunst ausgestellt. Soweit ich weiß, ist er jetzt wieder im Museum im Keller des Frankfurter Polizeipräsidiums. Also falls ihr da gerade irgendwie unterwegs seid, schickt mir gerne ein Foto von Charlie bei Instagram. Ich würde mich freuen. Also erstens ist meine Liebe zu Tauben noch ein Stückchen gewachsen während dieser Geschichte. Und ich habe irgendwie richtig Hunger auf Pommes mit Tomi-Mayonnaise bekommen. Das werde ich mir heute noch gönnen. Was für ein Ritt war dieser Fall. Ich kann dir echt nur danken. Also ich habe hier gelacht, ich habe gestaunt, ich habe mitgefiebert, wie wenn ein kleines Kind ein Ühei auspackt. Also da war ja alles dabei. Also falls ich euch an manchen Stellen zu sehr gelacht habe und da irgendwie ein bisschen mehr ergriffen wart, als wir bei den Tauben waren. Aber es war auch so skurril. Ich hatte vor meinem inneren Auge immer diesen kleinen Rucksack. Nein, wie schreckt das auch ist. Guck mal gerade, ich habe ein Foto von dem kleinen Rucksack auf dem Handy. Den möchte ich dir natürlich jetzt nicht vorenthalten. Ich hatte zwischendurch immer vergessen, dass der ja Diamanten haben will. Also schöne Klunker. Ich habe nachgedacht, was sollen die denn da die Geldscheine in diese Rucksäcke für die Tauben? Aber es waren ja Steine. Jetzt guckt mal, ihr könnt euch das auch bei Instagram angucken. Das ist Charlie mit seinem kleinen Rucksack. Das ist ja wirklich allerliebst. Da lebt er aber. Nein, das ist der ausgestopfte Charlie. Das sieht ja total lebendig aus. Nein, nein, das ist der ausgestopfte Charlie. Ach, wirklich, der hält. Ja, also wirklich krass. Wenn der es nicht geschafft hätte, dann hätten die das einfach nie aufgeklärt. Also alles, was dieser Niago da getrieben hat und, das in Kauf genommen hat, dass es da Menschen gibt, die sich vergiften, die sterben könnten. Kinder vor allem. All das. Also das Einzige, was man ihm so zugutehalten kann, so auf emotionaler Ebene, ist, dass er Tiere liebt. Und dann kam ja jetzt zum Schluss auch noch, dass er die, die da mit dem Beilsender zurückkamen, aus Sicherheitsgründen, jetzt mal nur in einer Kleinigkeit, das wird ihm mit Sicherheit nicht leicht gefallen sein. Das ist zwar wirklich das Einzige, was ich da feststelle. Aber ansonsten, Wahnsinn. Und über so einen langen Zeitraum. Und du hast ja gesagt, das war ja ganz, ganz große Berichterstattung, dass du vorhin einmal diese kurze Szene geschildert hast, wie er das mit einer Freundin zusammen guckt. Aber du kriegst das ja mit, also heute wäre es ja noch mehr, da wäre das Netz ja voll, du würdest ja von allen Seiten da beschossen werden. Aber auch so, dass in den Zeitungen es gestanden haben, die Große mit den vier Buchstaben, Fernsehen hast du angemacht. Und dass du dann immer so bewusst bist, das bin ja ich. Also es klang jetzt so in deiner Darstellung, als hätte er sich da irgendwie fast schon von distanziert. Ja, musst du, glaube ich, auch ein Stück weit. Also ich glaube, das kannst du dann halt auf so eine Art und Weise von dir selbst wegschieben. Und das ist ja auch oft bei zum Beispiel Mördern. Nehmen wir jetzt den Fall, Frauke Liebs ist ja ein Fall, der ganz viele Leute immer noch total beschäftigt, weil der Mann, der Frauke ermordet ist oder die Frau, man weiß es ja nicht, aber wir gehen jetzt mal von einem Mann aus, ja immer noch irgendwie unter uns ist und keiner weiß es. Und ich habe mit verschiedenen Experten darüber gesprochen, Kriminalpsychologen, die sagen, ja, es kann durchaus sein, dass Leute das komplett von sich wegschieben, so eine Tat einkapseln und da auch gar nicht mehr dran denken. Also für uns wäre das unvorstellbar, aber es kann sein, dass jemand, keine Ahnung, irgendwen umbringt und am nächsten Tag mit seinen Kindern spielt und da überhaupt nicht mehr drüber nachdenkt. Und bei ihm scheint es ja so zu sein, als ob er das schon während der Tat so ein bisschen vor sich weggeschoben hätte, weil ganz sinnvoll sind mir diese Darstellungen nicht so erschienen. Also wenn er nicht mal sagen kann, warum er das überhaupt gemacht hat und warum Tomi... Ja, was ich noch ganz spannend dabei fand, war eben dieses Ding. Er hätte aufhören können, aber dass das aus den Statistiken so hervorgeht, dass so Erpresser da auch eine gewisse Sucht entwickeln. Und ist das so eine Sucht, weil das so aufregend ist, dieser Kick? Ja, zum einen ist es natürlich diese Aufregung, die du dann spürst. Es ist das Gefühl, ich bin schlauer als alle anderen. Das hat da natürlich auch eine Rolle gespielt, weil es ging ja alles von diesem Plan aus, wo er gedacht hat, boah, ist das klug, die kriegen mich nie. Ich musste ein bisschen auch an den Dagobert an den Espresser denken. Ja, stimmt, stimmt. Und ich glaube, der dritte Punkt ist dann häufig auch, die haben ja schon so viel investiert. Du hast ja jetzt das alles vorbereitet, du hast dir das alles überlegt, Du hast diese Erpresserbriefe geschrieben und nach einem Jahr ist die Kohle immer noch nicht da. Sagst du dann nach einem Jahr wirklich, na lassen wir es jetzt sein? Oder ziehst du es durch? Ich glaube, du träumst das ja. Das sind ja so Träume, glaube ich, so wie wenn wir denken so, ach, wenn ich mal im Lotto gewinnen würde. Und der ist ja immer schon eigentlich schon dran. Genau, genau. Also er hat die Diamanten schon praktisch in der Hand gespürt und hat gedacht so jetzt... Und wie klein dann sein Wunsch ist. Ich meine, er hatte ja einen Job, also für so ein kleines Haus, das könnte er doch noch sparen können. Wahrscheinlich hätte er das mit Sparen auch erreichen können, aber deswegen, ich glaube, das Geld war nicht das Hauptmotiv. Das war wirklich dieses, ich bin hier so eine kleine Maus, mich sieht keiner, mich nimmt keiner wahr, ich bin Einzelgänger und jetzt zeige ich es denen mal so richtig, dass ich viel schlauer bin als ihr alle. Aber so richtig als boshaft kam er ja zum Schluss auch nicht rüber dann in der Verhandlung. Das ist auch nicht mein Eindruck, dass er so ein boshafter Typ ist, aber wirklich so der Welt zeigen, ich bin schlau und ihr nicht. Tja, und jetzt fristet er so ein einsames Eichhörnchen da. Ja, deswegen, liebe Leute, einfach nichts vergiften, wenn es geht. Nee, das wäre schön. Also wie gesagt, ich wollte ja gleich auch noch so eine Tube. Schön, ich würde dich begleiten, weil Pommes mit Mayo finde ich jetzt eine sehr gute Idee. Ich liebe es, wenn du dich selber einlädst. Sehr schön, so einfach läuft es. So machen wir das. Deswegen, wir sind durch, es ist immer noch warm und ich freue mich jetzt passend zum Warmwetter auf Pommes mit Mayo. Danke fürs Zuhören und danke dir, Tannina, dass du wieder mein Gast warst. Es war ganz toll. Während ich dein Gast bin. Es verschmilzt heute ein bisschen. So wie wir hier schmilzen. Bis zum nächsten Mal. Ja, da bin ich leider nicht dabei. Also nicht bei der nächsten Folge. Aber wenn ich wieder, dann freue ich mich. Sehr schön. Tschüss. Verbrechen von nebenan. True Crime aus der Nachbarschaft.