Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Nebenan weltweit. Jetzt habe ich es hingekriegt und Servus Franziska. Ja, hallo, Servus. Ich habe ja manchmal noch ein bisschen mit dem Titel meines eigenen Podcasts zu kämpfen, aber jetzt in Folge 7 habe ich es hinbekommen. Wie jeden letzten Freitag im Monat bekommt ihr heute wieder eine extra Dosis True Crime bei Nebenan weltweit. Sprechen Franziska und ich über Fälle aus der ganzen Welt kostenlos und überall, wo es Podcasts gibt. Und davon gibt es noch mehr, wenn ihr möchtet. Bei RTL Plus hört ihr exklusiv zwölf weitere Folgen dieses Podcasts, also mit anderen Fällen. Also eigentlich ist es schon Episode 19. Stimmt, wir sind ja mit der Zählung, hast du recht, wir sind mit der Zählung ja nochmal neu angefangen für die Free-Folgen, richtig. Aber eigentlich ist es schon die 19. Folge, was es noch blöder macht, dass ich mir den Titel des Podcasts nicht merken kann. Wir reisen heute in ein Land, in dem ich selbst noch nie war, obwohl ich sogar eine familiäre Connection dahin habe. Mein Onkel hat dort nämlich ein paar Jahre gelebt und gearbeitet. Mazedonien, beziehungsweise wie es heute heißt, Nordmazedonien. Warst du schon mal da? Nein, ich habe überhaupt von Osteuropa noch kaum was gesehen. Ich war mal in etwa 1000 Jahren mit der Schauspielschule in Bulgarien. Da sind wir auf so einem Festival aufgetreten, aber halt auch nur in so einer kleinen Stadt, also nicht mal in der Hauptstadt. Von der habe ich wirklich nur den Flughafen gesehen und halt den Weg rein und raus. Aber, weißt du was, die andere Hälfte meiner Schauspielschule, also meiner Schauspielklasse, die war in Mazedonien. Und zwar gab es oder gibt es vielleicht immer noch dort so ein großes Schauspielschultreffen in Skopje. Die sind da hingefahren. Aber wir haben halt aufgeteilt. Deswegen war ich nicht in Mazedonien. Aber du warst immerhin im Gewinnerland des diesjährigen Eurovision Song Contest. Bulgarien. Gratulation nochmal an der Stelle. Ich will ja nicht sagen, ich habe es vorher gesagt, aber ich habe es vorher gesagt. Der große ESC-Kenner. Ja, nicht immer, aber dieses Mal war ich mir doch relativ sicher. Aber wir wollen ja nicht nur über Musik sprechen, sondern auch über Verbrechen. Und das ist in dieser Folge schon, ja. Ein hartes Verbrechen. Wir sprechen über Folter, über sexualisierten Missbrauch und auch über Suizid. Soweit zur Inhaltswarnung. Solltet ihr mit diesen Themen Probleme haben, dann könnt ihr diese Folge natürlich überspringen. Bist du bereit? Wollen wir uns aufmachen nach Mazedonien? Da. Sehr gut. War das mazedonisch? Man weiß es nicht. Ich glaube schon. Okay, gut. Sehr schön. An diesem Dienstag, den 16. November 2004, hängt der Nebel tief über dem Städtchen Kitschewo. Die Provinzstadt im Westen Mazedoniens mit ihren rund 27.000 Einwohnern liegt eingezwängt zwischen Bergen. In einer kleinen Wohnung am Rande der Stadt lebt Mitra Semyanoska. Früher hat die 64-Jährige mit den kurzen dunklen Haaren und dem breiten Lächeln als Putzfrau gearbeitet. Mittlerweile ist sie Rentnerin. Mitra ist beliebt in ihrer Nachbarschaft. Sie gilt als spontan, offen und freundlich. Als sie an diesem Morgen ihre Wohnung verlässt, will sie wie jede Woche auf den Markt gehen, um einzukaufen. In der verschlafenen Stadt ist so früh noch nicht viel los. Es gibt kaum Fremde oder Touristen, die sich nach Kitschebo verirren und wenn, dann sind sie nur auf der Durchreise in die ca. 100 Kilometer entfernte Hauptstadt Skopje. Die Bewohner hier sind unter sich, sie kennen sich und so begrüßt Mitra auf ihrem Weg noch einige Nachbarn, bis sie zwischen den hellen Steinmauern der Stadt verschwindet. Niemand ahnt, dass Mitra nie wieder zurückkommen und die Ruhe in diesem Ort ein grausames Ende finden wird. Am Dienstagabend wartet Katinka Semyanowska zu Hause mit dem Abendessen auf ihre Mutter. Doch Mitra kommt nicht. Also macht sich die 41-jährige Katinka auf den Weg, um nach ihrer Mama zu sehen. Mitras Wohnung ist leer. Alles sieht so aus, als sei die 64-Jährige gerade erst aus der Tür gegangen. Sofort hat Katinka ein ungutes Gefühl. Einfach so zu verschwinden, sieht ihrer Mutter gar nicht ähnlich. Mitras Nachbarn erzählen, sie hätten die Rentnerin seit den Morgenstunden nicht mehr gesehen. Aus Sorge ruft Katinka bei der Polizei in Kitschewo an und meldet ihre Mutter als vermisst. Die Ermittler nehmen die Angst der 41-Jährigen jedoch nicht besonders ernst. Als sie die Wohnung der Rentnerin durchsuchen, finden sie keine Hinweise auf einen Einbruch oder einen Kampf. Außerdem ist Mitra als lebenslustig und spontan bekannt. Und so vermuten die Ermittler, sie habe sich einfach eine Auszeit genommen. Und so bleibt Katinka mit der Angst um ihre Mutter allein. Deshalb wendet sich die 41-Jährige an den einzigen Mann, der ihr jetzt noch helfen kann. Vlado Taneski ist 52 Jahre alt, hat dichtes schwarzes Haar und markante Augenbrauen. Seit mehr als 20 Jahren arbeitet er als Journalist in Kitschewo. Er kennt alle und jeden in dieser Stadt, vom Müllmann bis zum Bürgermeister. Meist veröffentlicht der Reporter seine Artikel bei Nova Macedonia. Der ältesten Tageszeitung des Landes. Ursprünglich wurde die Nova Makedonia 1944 als Propagandablatt der damaligen jugoslawischen Machthaber gegründet und war lange Jahre in den Händen des Staates. 2003 wechselt die Tageszeitung den Besitzer und gehört jetzt einem IT-Unternehmer aus Skopje. Vlado Taneski arbeitet als freier Korrespondent für Kitschewo und die Umgebung für die Nova Makedonia. Er berichtet also aus einer Gegend, in der eher selten etwas passiert. Und doch hat es der 52-Jährige schon dreimal geschafft, den Staatspreis für die beste Berichterstattung zu bekommen. Nebenbei schreibt Taneski Essays über die Schafhirten und die einsamen Landschaften der Gegend, die oft ziemlich schwülstig daherkommen. Keine Spur eines Menschen, der getrieben von nostalgischen Gefühlen für die Haufen glattgeschlüffener Steine sich hierher verirrte, wo einmal Menschen lebten und starben. Also das ist jetzt ein Zitat aus einer seiner Aufsätze. Und genau dieser Wladotaneski soll Katinka jetzt helfen, ihre verschwundene Mutter Mitra zu finden. Das klingt für uns vielleicht etwas schwülstig, aber ich finde das eigentlich ganz schön. Also was für uns deutsche Muttersprachler so blumig, übertrieben, dramatisch daherkommt vielleicht, ist ja Teil der Ausgangssprache und Kultur. Und die finden das, was wir so schreiben, im Gegensatz dann vielleicht kalt und klinisch. Und ja, ich finde das ganz spannend. Ich habe mir auch vor Jahren ein Buch über Sprache ausgeliehen und auch schon mehrmals angefangen, aber irgendwie habe ich es nicht geschafft, es fertig zu lesen. Sorry Hafize, ich denke, du wirst es nicht zurückkriegen. Liebe Grüße an der Stelle. Ja, Grüße. Ich kaufe dir ein neues, melde dich. Aber zurück zum Thema. Also es ist ja immer wieder so, dass JournalistInnen, dort weitermachen, wo die Ermittler oder die Ermittlungen der Polizei aus diesem oder jenem Grund aufgehört haben. Ja, weil die eben oft auch nochmal andere Möglichkeiten haben. Die müssen sich natürlich ganz so streng an Vorgaben halten. Und wie in dem Fall ist es ja sehr gut, wenn du jemanden hast, der wirklich ganz viele Connections hat, der alle kennt, der alle Gerüchte der Straße irgendwie aufgreift und dem nachgehen kann. Wobei ich jetzt gerade überlege, ich kann mich gerade nicht daran erinnern, dass ich schon mal einen Fall hatte, wo ein Journalist wirklich effektiv an der Lösung beteiligt war. Aber oft ist es schon so, dass die dann die wichtigen Hinweise geben oder dass sie dann auch mal irgendwas entdecken, was die Polizei eben jahrelang nicht entdeckt hat. Also das passiert schon. Hattest du das bei dir im Podcast schon mal? Ähm... Ich bin gerade überfragt bei über 300 Fällen, die ich schon gemacht habe. Sorry. Ja, aber die haben ja einen ganz anderen Zugang zu den Leuten. Und auch diese Hürde der Uniform, die manche empfinden, die ist bei einem Journalisten nicht so da. Ja, und ich glaube gerade bei einem Land, was vor nicht allzu langer Zeit noch eine Diktatur war, ist ja das Verhältnis Polizei und Bevölkerung auch nochmal ein ganz anderes. Also dieses Vertrauen in die Polizei ist natürlich bei den Menschen, die jahrelang von der Polizei irgendwie bespitzelt und aus nichtigen Gründen verhaftet wurden, ein ganz anderes, als es vielleicht in Deutschland so der Fall wäre. Also da kann so ein Journalist wahrscheinlich noch mehr erfahren als ein Polizist in Uniform, wie du gerade schon gesagt hast. Das denke ich auch. Deswegen, wir schauen mal, wie erfolgreich Vlado jetzt ist. Der willigt nämlich ein, einen Artikel über das Verschwinden von Mitra Simianowska zu schreiben. Und auch für den Journalisten ist das eine große Chance, weil ich habe ja gerade schon erzählt, dass in Kitschewo eher selten was passiert. Und als freier Korrespondent wird Vlado Tarneski nur bezahlt, wenn er Artikel in der Nova Makedonia unterbringen kann. Also das kenne ich auch noch aus meiner freien Journalistenzeit. Wenn man nicht für irgendeine Schicht eingeteilt ist, muss man ein Thema vorschlagen. Und am besten muss man schon drei andere Themen in der Hinterhand haben, weil wenn das erste Thema abgelehnt wird, hast du halt nichts, wofür du bezahlt wirst. Und so ist es bei Vlado auch. Der 52-Jährige ist Journalist vom alten Schlag. Seine Texte tippt er nicht am Rechner, sondern auf der Schreibmaschine und verschickt sie dann nicht per Mail, sondern gibt sie am Telefon an die Redaktion durch. Und das ist Anfang der 2000er? Das ist Anfang der 2000er, wo man meinen könnte, da gibt es schon andere Möglichkeiten. Für seine Artikel und Reportagen interviewt der Reporter am liebsten ältere Menschen, die wie er dem alten kommunistischen Jugoslawien hinterher trauern. Und so scheint Wlado Tanevsky der perfekte Mann für eine Geschichte über eine verschwundene Rentnerin zu sein. Schon am nächsten Tag weiß jeder in Kitschevo, dass Mitra Semyonovska verschwunden ist. Sofort machen Gerüchte die Runde, die 64-Jährige sei durchgebrannt und habe ein neues Leben angefangen. Oder hat sie vielleicht Ärger mit einem eifersüchtigen Liebhaber gehabt? Und da sind wir wieder bei diesem etwas negativ konnotierten, sie war eine lebenslustige Frau. Das wird ja Frauen immer so ein bisschen vorgehalten, wenn sie zu lebenslustig sind. Ein unsteter Lebenswandel. Das haben wir hier in dem Fall auch. Also da kann man sich denken, wenn eine Frau verschwindet, dann muss das irgendwas Sexuelles oder Beziehungstechnisches gewesen sein. Ja gut, aber wie viele Personen im Alter von 64 Jahren brennen denn durch und. Fangen irgendwo anders noch ein neues Leben an? Ja, wenn nicht jetzt, wann dann, könnte man natürlich auch sagen. Ja, natürlich. Aber wie oft passiert denn sowas? Ja, also... Also in jüngeren Jahren auf jeden Fall. Das ist so. Hatte ich auch schon mal eine Folge darüber gemacht. Aber das halte ich auch für ein bisschen seltsam, diese Theorie. Man muss auch sagen, dass es keine wirklich konkreten Hinweise dazu gibt, trotz mehrerer Artikel von Wladutaneski über Mietras verschwinden. Und so dauert es zwei Monate, bis Mietras Tochter Katinka endlich Gewissheit hat. Am Mittwoch, den 12. Januar 2005, ist ein Müllsammler in der Stadt unterwegs. Er stöbert auf einer verlassenen Baustelle am Stadtrand herum, auf der Suche nach Dingen, die er zu Geld machen kann. Dabei fällt sein Blick auf eine Art Paket, das unter einem grauen Stahlpfosten zwischen alter Kleidung und anderem Müll liegt. Das Paket ist in Plastikfolie eingewickelt und mit schweren Steinen bedeckt. Als der Mann die Folie aufreißt, verschlägt es ihm den Atem. Unter dem Plastik entdeckt er die nackte Leiche einer Frau. Die Polizei wird später feststellen, dass die Tote mit einem Telefonkabel gefesselt wurde. Es handelt sich um Yitra Semyonovska. Die Untersuchungen ergeben, dass sie bereits einige Wochen vorher ermordet wurde. Sie wurde gefoltert, vergewaltigt und schließlich erdrosselt. Die Stadt steht unter Schock. Wladutaneski fühlt sich in seinem Anfangsverdacht bestätigt. Schließlich hat er zuerst über das Verschwinden berichtet und den Fall ernst genommen. Der Journalist stürzt sich in die Recherchen, interviewt die Angehörigen, befragt Freunde und Verwandte von Mitra Semyonovska. Auch die Polizei beginnt jetzt mit den Ermittlungen. Tatsächlich finden die Ermittler bald Parallelen zu einem anderen Fall, der sich knapp zwei Wochen vorher ereignet hat. Am Silvesterabend 2004 brechen zwei junge Männer namens Ante Risteski und Igor Mieczewski in ein Haus in Malköck ein, einem Dörfchen etwa 20 Minuten von Kitschewo entfernt. Dort lebt der alte Radoslav Bucinowski. Die beiden jungen Männer überfallen Bucinowski und foltern ihn auf grausamste Art und Weise, Unter anderem quetschen sie ihm den Penis und die Hoden mit einer glühenden Zange. Bozinovsky stirbt qualvoll und seine beiden Folterer rauben ihm das Wenige, was er hat. Für die Staatsanwaltschaft ist klar, zwei so brutale sadistische Morde innerhalb weniger Tage können kein Zufall sein. Also werden der 28-jährige Anderis Teski und sein Kumpel Igor Mieczewski wegen Doppelmordes angeklagt an Radoslav Bozinovsky und an Mitra Semyonowska. Angeblich haben die beiden die Morde sogar schon zugegeben. Und so beginnt kurze Zeit später der Prozess gegen die beiden Männer vor dem Gericht von Kitschevo, einem beige-grauen Kasten aus der Zeit des sozialistischen Jugoslawiens. Zahlreiche Journalisten sind an diesem Tag gekommen, um über den spektakulären Prozess gegen die beiden mutmaßlichen Doppelmörder zu berichten. Einer von ihnen ist Vlado Taneski. In seinem grauen Anzug, seine dunkle, werdige Haare ordentlich nach hinten gekämmt und mit einem aufmerksamen Blick sitzt Vlado auf seinem Stammplatz im Gerichtssaal. Interessiert verfolgt er die Verhandlung und notiert sich alle Einzelheiten. In Handschellen betreten die Angeklagten den Saal und starren an die Decke. Tarneski beschreibt die beiden später in seinem Artikel so. Von Zeit zu Zeit flüsterten sie wie zu sich selbst, alles vorbei und jetzt bezahlen wir für unser Verbrechen. Und tatsächlich gestehen Rasteski und Mieczewski die brutale Folter und den Mord und auch den Raub an Radoslav Bucinowski. Beide sind nach eigenen Angaben betrunken und unterdrugen gewesen, als sie den alten Mann ermordet haben. Als es vor Gericht dann um den Mord an Mitra Semyonowska gehen soll, streiten beide Angeklagte plötzlich alles ab. Sie hätten mit dieser Tat nichts zu tun, beteuern Ryszewski und Smierczewski immer wieder. Ihr Geständnis sei unter Zwang erfolgt. Sie seien von Polizisten verprügelt worden, bis sie einen Mord zugeben, den sie nicht begangen haben wollen. Die Ermittler in dem Fall bestreiten das. Und auch die Richter glauben den beiden Männern nicht und verurteilen sie jeweils zu einer lebenslangen Haftstrafe. Die Menschen in Kijewo sollen endlich wieder ruhig schlafen können. Doch schon damals hätte man sich fragen können, ob der Albtraum für die Menschen in der Stadt wirklich schon vorbei ist. Ja, ich hatte es vor relativ kurzem bei einem Fall aus der Ukraine, dass die Polizei einfach einen Schuldigen finden wollte, egal ob es der richtige ist oder nicht. Mehrere in diesem Fall sogar, das war der Fall des Serienmörders, der Hit-Catch. Also einfach mal jemandem gleich alles in die Schuhe schieben, dann ist er Ruhe, hoffen sie irgendwo anscheinend. Aber das ist halt leider nicht so. Denn wenn du nicht den richtigen Mörder hast und der eventuell dann noch mehr Taten begeht, noch mehrere Morde, ja, dann geht es weiter und du musst immer nur noch mehr Leute einsperren, bis du vielleicht irgendwann tatsächlich den richtigen hast. Ja, so sollte es natürlich nicht funktionieren. Das war jetzt einfach random Leute einsperrt in der Hoffnung, dass man irgendwann den richtigen trifft. Aber ich muss auch sagen, es ist klar, kann man jetzt argumentieren, beides sehr brutale Verbrechen. Und es ist eine sehr kleine Stadt. Wie groß ist die Chance, dass mehrere Leute darum laufen, die sowas begehen? Auf der anderen Seite gibt es auch nicht wirklich viele Ähnlichkeiten bei den Verbrechen, weil der alte Herr ist ausgeraubt worden. Und ja, die Frau, also es ist ja auch ein ganz anderer Opfertypus, könnte man sagen. Ja gut, es ist schon möglich, dass sie beides begangen haben, nur weil sich die Verbrechen nicht ähneln. Aber ich gebe zu, ich habe von dem Fall vorher schon gehört. Du hast schon eine Ahnung, wie es ausgehen könnte. Ich habe schon eine gewisse Ahnung. Ich bin mir sicher, dass es noch weiter geht und dass diese Mordserie damit nicht aufhört. Nein. Wie sieht es aus mit dem Alibi? Haben die eins in dem Fall von Mitra? Das ist das Wilde. Also einer der beiden Angeklagten hat definitiv ein Alibi für den Tag, an dem Mitra Simelovskar verschwunden ist. Und das hat die Ermittler und das Gericht damals nicht überzeugt, weil die waren ja zu zweit. Also es hätte ja der andere nur gewesen sein, der sie dann entführt hat. Und es gibt aber noch einen weiteren Hinweis, dass hinter dem Mord an Mitra noch mehr steckt. An der Leiche der Frau finden die Ermittler nämlich damals Spermaspuren. Das heißt, wir gehen hier von einem Sexualmord aus, aber die DNA passt weder zu Ante Risteski noch zu Igor Mieczewski. Von den beiden gibt es dagegen keine Spuren an Mietras Leiche, was natürlich anhand der Misshandlungen relativ überraschend ist. Also es spricht eben doch einiges dafür, dass Ante und Igor in diesem Fall wirklich so unschuldig sind, wie sie behaupten. Oder aber es gab noch einen dritten Täter, der mit den beiden zusammen gemordet hat. Also das sind so die Theorien, die es zu dem Zeitpunkt gibt. Auch Reporter Wladotaneski schreibt über die Zweifel, die nach dem Urteil bleiben. Aber der Fall wird nicht wieder neu aufgerollt. Und so kehrt in Kitschewo irgendwann wieder Ruhe ein. Aber die Ruhe, du hast es dir gerade schon gedacht, hält nicht lange. Am Samstag, den 10. November 2007, macht sich Lubica Litschowska auf den Weg zum Einkaufen. Sie ist 56 Jahre alt, hat mittellange schwarze Haare, große Augen und ein freundliches Lächeln. Auch Lubica lebt am Rand von Kitschewo und arbeitet unter der Woche als Putzfrau in mehreren Wohnblocks. Ihre Familie ist arm und mit ihrem Job verdient sie halt etwas zur Familienkasse dazu. Lubeza ist als ruhige, bescheidene und freundliche Frau bekannt. Auf dem Weg in die Stadt trifft und grüßt sie einige Nachbarn. Von ihrem Einkauf an diesem Morgen wird sie jedoch nie wieder zurückkehren, genau wie drei Jahre vorher Mitra Semyonowska. Auch sie wird noch am selben Abend von ihrer Familie bei der Polizei als vermisst gemeldet. Sofort flammt die Angst in Kitschewo wieder auf. Der Erste, der über das Verschwinden von Lubica berichtet, ist Blado Taneski. Er spricht mit Nachbarn, fragt sich in ihrem Wohnviertel durch und interviewt auch Lubicas Sohn Duko. Der hat in seiner Verzweiflung schon selbst bei allen Familien nachgefragt, für die seine Mutter geputzt hat. Aber niemand hat etwas Verdächtiges beobachtet. Und wieder verschlingen die Menschen Taneskis Artikel zu dem Fall. Doch eine heiße Spur gibt es nicht. Das ändert sich erst drei Monate später, am 3. Februar 2008. Es ist ein kalter und nasser Tag in den Bergen um Kitschewo. Ein LKW-Fahrer macht gerade eine Pause an einem Rasthof am Strascher Pass, der Kitschewo mit der Stadt Gostiwa verbindet. Als er von der Toilette zurückkommt, schaut er zufällig den Abhang hinunter und macht eine schreckliche Entdeckung. Aus dem Müllberg unten am Hang ragt ihm eine menschliche Hand entgegen. Sofort informiert der Lkw-Fahrer die Polizei. Unter dem Müll finden die Ermittler die Leiche von Lubica Tichoska. Die ersten Untersuchungen zeigen ein klares Bild. Wie Mitra ist auch sie gefoltert, vergewaltigt und erdrosselt worden. Anschließend wurden ihre Beine mit einem Telefonkabel zusammengebunden und ihre nackte Leiche in einem durchsichtigen Plastiksack entsorgt. Die Autopsie ergibt wenig später, dass Lubica nur wenige Tage vor ihrem Fund ermordet wurde. Das heißt, der Täter muss sie wochenlang irgendwo festgehalten haben nach ihrem Verschwinden. Das ist richtig gruselig. Nur drei Tage später titelt die Zeitung Nova Makedonia, ein Mörder stalkt jetzt auch Kitschevo. Der Artikel dazu stammt von Wlado Tarneski, der sowohl das Interview mit dem Sohn des Opfers als auch seine eigenen Theorien veröffentlicht. In einem Bericht für die Tageszeitung Utrinski-Wesnik schreibt Tarneski fünf Tage nach dem Leichenfund, die Gerüchteküche brodelt. Dort stellt Wlado Tarneski die Vermutung auf, dass Litschowska von einem Auto angefahren und schwer verletzt wurde. Vielleicht haben der oder die Fahrer des Autos die Situation ausgenutzt und die ohnmächtige Frau mitgenommen, sie gefoltert, missbraucht und dann ermordet. Eine andere Theorie, die Tarneski in seinen Artikeln erwähnt, ist, dass der Mord an Lubitscha Litschowska mit den beiden Morden an Radoschlaff-Buczynowski und Mitra Semyonowska zusammenhängen könnte. Doch deren Mörder sitzen ja, zumindest wenn es nach dem Gericht geht, in Haft. Ja, richtig. Aber da hatten wir schon so unsere Zweifel, ob der Ann-Mitra und der Ann-Radoslav wirklich zusammenhängen. Aber dieser Fall jetzt, der scheint doch sehr verwandt zu sein mit dem Mord Ann-Mitra. Ja, also wobei der Mörder sich jetzt mehr getraut hat, wenn er Ljubica mehrere Wochen lang festgehalten hat. Er eskaliert also weiter, was ein sehr schlechtes Zeichen ist, ja. Genau, er fühlt sich sicher, sicherer vermutlich als beim ersten oder wer weiß, ob es dann erster war. Ja, das wissen wir jetzt noch gar nicht. Ja, schlechtes Zeichen auf jeden Fall. Schlechtes Zeichen. Du hast gerade die Parallelen schon angesprochen. Es sind beide Frauen mittleren Alters gewesen, beide als Putzfrau gearbeitet, beide auf dem Weg zum Einkaufen verschwunden. Also es sind schon sehr krasse Parallelen. Und ja, diese Vorstellung, dass da jemand, das ist gerade schon gesagt, dass so eine Hand aus so einem Müllberg ragt, finde ich total gruselig. Die Theorien, die Vlado Tarneski da vertritt, finde ich, ein bisschen konstruiert, weil wie groß ist die Chance, dass ich mit dem Auto zufällig wen anfahre und dann denke auch, Mensch, wo sie jetzt ohnmächtig ist, die Frau, dann kann ich sie auch gleich mitnehmen und irgendwo einsperren. Das ist schon sehr wild. Ist es, aber ich habe erst vor ganz kurzem gehört, dass ein Mann irgendwo in den USA, war das glaube ich, gesehen hat, dass eine Frau einen Autounfall hatte und sie vergewaltigt hat. Wow. Ja, das, äh... Also, okay. Gut, aber zurück zu diesem Fall. Ich bin immer wieder überrascht, wie grenzenlos böse einfach manche Menschen sein können. Wo du denkst, das ist ja so eine Situation, also da überhaupt auf diese Idee zu kommen. Aber du hast ja gerade gesagt, kann es durchaus geben oder hat es in den USA gegeben. Also es wäre möglich. Genau. Ich hätte es mir nicht vorstellen können, jetzt wo ich das gehört hatte. Ja, vielleicht hat Vlado hier recht. Also wo wir uns auf jeden Fall mittlerweile einig sind, auch mit den Menschen in Kitschewo, ist, dass da kaum noch jemand daran glaubt, dass Ante Risteski und Igor Mitschewski auch hinter dem Mord an Mitra Semyonowska stecken. Dafür sind die Parallelen zum Mord an Lubitsa Litschowska zu groß. Und dann, jetzt wird es richtig gruselig, fällt Lubitsas Nachbarn außerdem auf, dass knapp fünf Jahre vorher schon mal eine ältere Frau in dem Viertel spurlos verschwunden und nie wieder aufgetaucht ist. Die 78-jährige Putzfrau Gorica Pavleska ist im Mai 2003 einfach weg. Wirkliche Ermittlungen gibt es damals nicht. Man vermutet, dass sie zum Arbeiten in die Hauptstadt Skopje gegangen ist. Irgendwann gerät die Geschichte in Vergessenheit und die Menschen erinnern sich erst wieder daran, als im Frühjahr 2005 die Leiche von Lubica Lichoska gefunden wird. Du hattest ja schon die Vermutung aufgestellt, dass es vielleicht nicht der erste und zweite Mord des Täters war. Das würde jetzt dafür sprechen. Also es gibt ein Muster irgendwie, oder? Es waren wohl alle aus dem gleichen Viertel. Ja. Dann, wenn ich mich recht erinnere, waren alle Putzfrauen. Mhm. Ja. Und es waren jetzt auch nicht mehr unbedingt die Jüngsten. Also die Jüngste war 55, 56. Ja, Mitte 50, ja. Die Älteste, Ende 70 jetzt, fast 80. Ja, als Putzfrau-Reinigungsfachkräfter arbeitest du halt viel alleine in verlassenen Gebäuden oder bei irgendjemandem in der Wohnung vielleicht, je nachdem. Also ich kann mir vorstellen, dass andere Putzfrauen jetzt Angst haben, vor allem welche über 50, noch allein zu jemandem in die Wohnung zu gehen oder, in eine leere Schule zu gehen. Weil sie ja nicht wissen, ob ihnen da irgendjemand auflauert, der dasselbe mit ihnen vorhat. Ja, absolut. Also da geht die Angst um in der Stadt völlig verständlich. Also die Polizei hat eine Sonderkommission mittlerweile gegründet, um die Taten an den verschwundenen und ermordeten Frauen aufzuklären. Allerdings vergehen nur wenige Wochen, bis es das nächste Opfer gibt. Und mittlerweile, du hast es gerade schon vermutet, trauen sich vor allem ältere Frauen kaum noch aus dem Haus. Auch die 65-jährige Schivana Timelkoska, die als Putzfrau in einer Volksschule arbeitet, hat Angst vor dem Frauenmörder, von dem jetzt alle sprechen. Also genau das, was du gerade schon angesprochen hast. Gerade wenn man so zur, Beutegruppe gehört, macht man sich natürlich seine Gedanken. Und Schivana hat eben auch alle Artikel von Wladotaneski zu den Morden gelesen, und hofft, dass der Täter endlich gefasst wird. In Zeiten wie diesen geht Schivana lieber nicht vor die Tür. Doch dann klingelt am 7. Mai 2008 ihr Telefon. Am anderen Ende erklärt jemand der 65-Jährigen, ihr Sohn habe einen Autounfall gehabt und liege im Krankenhaus. Voller Sorge um ihr Kind vergisst Schivana ihre Angst und verlässt das Haus. Nachbarn sehen sie noch aufgeregt über die Straße laufen und zu einem Mann ins Auto steigen. Als ihr Sohn wenig später völlig unversehrt nach Hause kommt, wundert der sich, wo seine Mutter ist. Er hatte keinen Unfall und er ist auch nicht im Krankenhaus gewesen. Und als Shyvana auch nach einiger Zeit nicht wieder auftaucht, meldet ihr Sohn sie als vermisst. Sofort beginnt die Suche nach der 65-Jährigen, leider ohne Erfolg. Am nächsten Tag findet eine Frau ein klingelndes Handy am Straßenrand, etwas außerhalb von Kitschevo. Am anderen Ende ist die Polizei, die schon mehrfach Schiwanas Handynummer gewählt hat. Immer mehr scheint es so, als habe jemand Schiwana Temelkoska in eine Falle gelockt. Neun Tage später haben die Ermittler dann die schlimme Gewissheit. Am 16. Mai 2008 wird auf einer Müllhalde in der Nähe des Fußballstadions der Stadt eine Leiche gefunden. Es ist Schiwana. Sie wurde vergewaltigt, erdrosselt, in einem Plastiksack entsorgt, uns mit einem Telefonkabel verschmiert. Doch im Gegensatz zu den anderen Opfern ist sie nicht nackt, als sie gefunden wird. Shyvana trägt einen dunkelgrünen Bademantel mit Punkten, der, wie die Untersuchungen ergeben, nicht ihr gehört hat. Also der Täter hat sie umgezogen oder angezogen. Es ist dann ein Damen- oder ein Herrenbademantel. Das wäre jetzt interessant. Ja, da kommen wir später noch zu. Ist er neu, ist er alt? Also zu dem Bademantel, der wird später noch wichtig werden, kommen wir gleich noch. Die Rechtsmediziner stellen bei Schivana fünf gebrochene Rippen und 13 Schnittwunden am Kopf fest. Außerdem wurde sie unter anderem mit einer Glasflasche vergewaltigt. Und wie schon bei Mitra Semyonowska finden die Mediziner auch an der Leiche von Giovanna Temelkoska Spermaspuren. Eine DNA-Analyse beweist, beide stammen vom selben Täter. All das beschreibt drei Tage nach dem Leichenfund auch Reporter Wladud Tarneski in seinem neuesten Artikel über die Mordserie. Zitat, die Menschen in Kitschepu leben in Angst und Schrecken, seit am Wochenende eine weitere Leiche gefunden wurde. Die Polizei und Einwohner der Stadt halten das mysteriöse Verschwinden und den Tod von Shyvana Timelkowska und Luby Zalitschowska für die Taten einer einzigen Person eines Serienmörders. Ah, okay. Du hast jetzt nur zwei Namen genannt. Also Mitra lässt er aus. Genau, er lässt Mitra aus, weil er ja noch ein bisschen irgendwie am Anfang eine andere Theorie vertreten hat. Also das passt ja auch nicht so ganz zusammen. Er hat ja noch gesagt, die könnten wohl doch zusammenhängen, die Taten. Aber in diesem Artikel spricht er nur von den beiden und außerdem gibt Taneski dem Mörder auch noch den Namen, unter dem man ihn auch heute noch kennt, das Monster von Kitschewo. Und interessanterweise müssen jetzt auch so langsam die Ermittler mal öffentlich zugeben, dass sie nach einem Serientäter suchen. Das machen ja öfter Ermittler irgendwie ungern, weil sie natürlich kein Täterwissen preisgeben wollen und weil sie auch keine Panik in der Bevölkerung auslösen wollen. Aber ehrlicherweise ist es dafür ja schon längst zu spät. Bald sieht sich sogar der Bürgermeister von Kitschewo zu einem Statement genötigt, in dem er sagt, dass er solche Verbrechen bisher nur aus westlichen Filmen kennt. Die Sonderkommission der Polizei arbeitet mittlerweile mit Spezialisten aus ganz Mazedonien zusammen, um den Täter zu finden. Das ganze Land verfolgt die Ermittlungen durch die Artikel von Bladotanewski, der in aller Ausführlichkeit über die Ermittlungen schreibt. Fast jeden Tag meldet sich der Journalist bei Polizeisprecher Ivo Kotevski, um ihn zu fragen, ob die Ermittler etwas Neues herausgefunden haben. Doch meistens möchte oder darf Polizeisprecher Kotevski ihm nichts zu den laufenden Ermittlungen sagen. Also spricht Taneski auch mit Beamten des Innenministeriums und mit Nachbarn und Verwandten des dritten Opfers Sivana Timekoska. Für ihn kein Problem, denn die Frau wohnte in seiner Nachbarschaft. Die Ermittler stehen mittlerweile unter großem Druck. Und so beauftragen sie zum ersten Mal in der mazedonischen Kriminalgeschichte Experten damit, ein psychologisches Täterprofil des Frauenmörders zu erstellen. Also auch das hier ein absolutes Novum in diesem Fall. Hast du eine Idee, in welche Richtung dieses Profil gehen könnte? Also alle hatten den gleichen Beruf. Alle waren Ü50, sicher nicht super sportlich und trainiert. Also der Täter sucht sich jemand, bei dem er gewiss ist, dass er mit wenig und wenn dann schwacher Gegenwert zu rechnen hat. Also körperlich schwach einfach. Alle sind aus demselben Viertel. Da würde ich annehmen, dass er entweder auch hier lebt lebt oder immer wieder hierher kommt, zum Beispiel um zu arbeiten, wobei er sie ja Tage oder Wochen lang gefangen hält. Also wird er wahrscheinlich eher in Kijewo wohnen. Ja. Oder er müsste sie irgendwo hintransportieren und dann wieder zurück. Das ist möglich, ja, aber vielleicht nicht ganz so wahrscheinlich, Denn es muss ja auch unbeobachtet von Nachbarn oder irgendwelchen anderen Leuten geschehen. Was dann vielleicht auch heißt, dass dieser Ort, wo er sie festhält. So gelegen ist, dass halt da auch ihn niemand, beziehungsweise die Frauen niemand hören kann. Und was mir aufgefallen ist, du hast gesagt, dass die letzte Giovanna Hissi, dass sie einen Anruf bekommen hat von jemandem, der sich als Polizist ausgegeben hat. Das heißt, er muss hier irgendwie an ihre Telefonnummer gekommen sein. Das war also keine spontane Entführung, sondern wirklich geplant, dass er sie haben wollte. Ja, und der Täter musste jetzt auch ein bisschen zu anderen Maßnahmen greifen, weil eben die meisten Frauen aus seiner bevorzugten Opfergruppe sich eben nicht mehr aus dem Haus getraut haben. Ja. Konnte also jetzt nicht so einfach auf der Straße zuschlagen wie vorher. Ja, du hast schon ziemlich viele Punkte genannt, die bei dieser Fallanalyse auch eine Rolle spielen. Also Mitra, Lubica und Schivana waren alle nicht mehr ganz jung, haben alle als Putzfrau gearbeitet oder früher mal gearbeitet und haben eben in derselben Nachbarschaft gewohnt. Also wie du gerade gesagt hast, der Mörder scheint jemand zu sein, der sich in diesem Viertel extrem gut auskennt, der eine persönliche Beziehung dazu hat, weil er selbst dort wohnt, mal dort gewohnt hat oder irgendwie Verwandte dort hat oder dort gearbeitet hat. Und es spricht eben einiges dafür, dass er die Opfer vielleicht sogar persönlich gekannt hat. Außerdem muss der Täter kräftig genug sein, die Frauen zu überwältigen. Also auch wenn die vielleicht nicht ganz so viel sich wehren können wie eine junge sportliche Frau, wird es ja Gegenwehr geben. Und er muss gleichzeitig intelligent genug sein, seine Opfer nicht nur in seine Gewalt zu bringen, sondern auch über Tage gefangen zu halten, ohne erwischt zu werden. Als Motiv vermuten die Experten bei ihm eine tiefsitzende sexuelle Frustration, die in der Kindheit oder Jugend ihren Ursprung hat und sich zu pathologisch-sadistischen Begierden entwickelt hat. Damit können die Ermittler ihre Suche nun wenigstens ein bisschen eingrenzen. Viele Männer aus der Stadt werden jetzt überprüft und befragt. Außerdem haben die Ermittler noch eine weitere Spur, von der die Öffentlichkeit zu diesem Zeitpunkt noch nichts weiß. Auf einem alten Pullover, den man neben der Leiche von Shyvana Temelkoska auf der Müllhalde gefunden hat, entdeckt ein Forensiker eine Blutspur. Aber das Blut gehört nicht, wie zuerst vermutet Shyvana, sondern einer männlichen Person. Vielleicht dem Mörder. Ah, stimmt denn die DNA mit dem Sperma überein, das man gefunden hat? Auch dazu kommen wir gleich. Muss ich noch ein bisschen hier auf Spannung halten. Mit all diesen Erkenntnissen können die Ermittler den Kreis der Verdächtigen schließlich auf 150 Männer aus Kitschewo eingrenzen. Alle werden befragt und überprüft. Am Ende bleiben drei Männer übrig, die als Täter in Frage kommen und die alle kein Alibi haben. Ein Taxifahrer und zwei Nachbarn der Opfer. Alle drei werden um eine DNA-Probe gebeten. Kurze Zeit später klicken die Handschellen. Am 22. Juni 2008, einem Sonntagnachmittag, klingelt beim Chefredakteur der Zeitung Nova Macedonia das Telefon. Polizeisprecher Ivo Kotevsky ist dran und erklärt dem Chefredakteur, man habe das Monster von Kichiro endlich festgenommen. Ein Namen will der Polizeisprecher aber nicht nennen. Sofort wählt der Chefredakteur die Nummer seines Reporters Vlado Taneski. Wenn jemand den Namen des Verdächtigen kennt, dann Vlado. Doch der Journalist geht nicht ran. Auch nach mehreren Versuchen nicht. Also versucht der Chefredakteur beim mazedonischen Innenministerium an den Namen des Mörders zu kommen. Doch dort sagt man dem Journalisten einen Satz, mit dem er niemals gerechnet hat. Sie haben keinen Reporter in Kitschebo mehr. Der Mann, den die Ermittler wenige Stunden vorher festgenommen haben, das sogenannte Monster von Kitschewo, ist niemand anderes als Reporter Wlado Tarneski. Hat er natürlich toll gemacht. Also er war immer an den Ermittlungen dran, er hat ständig mit der Polizei gesprochen und dadurch erfahren, wie viel sie wissen, und wie nah sie auch dran sind, ihn zu schnappen, was er sich vielleicht noch erlauben kann oder nicht. Hätte man meinen können, er zieht quasi die Reißleine für sich selbst, besorgt sich einen falschen Pass und geht ins Ausland, bevor sie ihn kriegen. Aber da hat er sich wohl zu sicher gefühlt und war wohl zu geil auf den Erfolg, den er mit seinen Artikeln über sich selbst hatte. Ja, und natürlich auch diese Artikel haben ihm ja eine gewisse Art von Kontrolle gegeben, weil er konnte ja auch Gerüchte streuen und damit auch die Ermittlungen wieder in eine ganz andere Richtung lenken. Also man soll jetzt keine Mörder loben, das machen wir hier natürlich auch nicht, aber er hat es schon schlau angestellt. Hat sich, glaube ich, aber am Ende dann doch für ein bisschen schlauer gehalten, als er wirklich war. Weil so ein Pullover mit Blutspuren da an der Müllhalde zu vergessen, ist nicht so schlau. Also so schlau, wie er gedacht hat, war er dann am Ende doch nicht. Du hast ja gerade gefragt nach der DNA. Also die DNA von Vlado stimmt sowohl mit den Blutspuren von dem Pullover, als auch mit den Spermaspuren an den Leichen von Mitra Semyonowska und Szywana Timelkowska überein. Also damit ist ganz klar belegt, wer dahinter steckt. Und an Liubizar waren keine. Genau, da hat man keine mehr gefunden, was aber auch vielleicht auch an der, langen Liegezeit eventuell gelegen haben könnte. Vlado streitet alles ab, aber was ich ganz interessant finde, er hat sich in einem seiner Artikel selbst verraten. Ha, ha. Wobei wir wieder bei dem Punkt sind. Gar nicht so klug. Er ist gar nicht so schlau, wie er sich selber für gehalten hat. Am 19. Mai 2008 schreibt Taneski für die Nova Makedonia über den Mord an Shyvana Temelkoska. Zitat, die neueste Leiche wurde auf einer Müllkippe gefunden. Sie war mit einem Stück Telefonkabel gefesselt, mit dem die Frau zuvor erdrostelt worden war. Aber dieses Detail konnten zu diesem Zeitpunkt nur die Ermittler kennen und der Täter. Also es war bekannt, dass es dieses Telefonkabel als Fesselungswerkzeug gab, aber dass das gleichzeitig auch noch die Tatwaffe ist, also das Mordwerkzeug, das haben die Ermittler eben nicht rausgegeben. Da könnte er jetzt aber auch geraten haben und einfach was Falsches geschrieben haben. Manchmal hört man nicht richtig zu, macht seine eigenen Schlüsse und dann steht sowas in der Zeitung. Und die Leute haben es nicht selbst getan. Also es kommt vor. Das kommt durchaus vor. Allerdings war das, glaube ich, so der Moment, der das alles ins Rollen gebracht hat. Natürlich haben wir seine Artikel gelesen, erklärt Polizeisprecher Ivo Kotevsky später der New York Times. Und die haben uns misstrauisch gemacht. Er wusste zu viel. Ja, er war übermütig. Er war übermütig, ganz genau. Als herauskommt, dass das Monster von Kitschewo und der Reporter, der es berühmt gemacht hat, ein und dieselbe Person sind, stürzen sich auch internationale Medien auf den Fall. Fernsehteams und Zeitungsreporter aus aller Welt reisen in die mazedonische Provinz. Vor allem für die Familien, Freunde und Nachbarn der ermordeten Frauen ist die Nachricht, wer hinter dem Mord steckt, ein Schock. Viele von ihnen kennen Wlado Taneski persönlich. Soran, der Sohn des letzten Opfers, Szywana Temekowska, erinnert sich noch genau an den Moment, in dem er, ohne es zu wissen, dem Mörder seiner Mutter gegenüber saß. Er kam zu uns nach Hause. Wir haben gesprochen und er hat mich immer wieder nach Details gefragt, wer hätte gedacht, dass es am Ende unser Nachbar war. Wladow Taneski ist für die Menschen hier nicht nur ein Reporter, er ist ein Nachbar und er ist einer von ihnen. Du weißt, was für ein Wort ich gern für Menschen wie ihn verwende. Scheißfigur. Ja, Scheißfigur. Dass der sich da noch so eingemischt hat, der. Der muss das geliebt haben, das Leid zu sehen, das diese Familien erleben. Das ist auch meine Vermutung, dass er das vor allem deshalb gemacht hat, um sich am Leid der Angehörigen zu ergötzen. Weil es ist natürlich ein großes Risiko, denen so gegenüber zu treten. Müsste er nicht machen, seinen Artikel kann er ja trotzdem schreiben. Also wie du schon sagst, ich glaube, der fand das einfach geil, da zu sitzen und zu wissen, ey, ich habe deine Mutter ermordet und du weißt es nicht. Und du weinst jetzt, haha, schlimm. Aber jetzt haben wir schon viel über seine Tat nach 2003 oder 2004 gehört. Erzähl mir doch mal, wie hat das Ganze angefangen? Wie wurde aus einem sicherlich süßen Kind, das wir alle mal waren, so ein sadistischer Serienmörder veröffentlicht? Älterer bis alter Frauen. Ja, also finde ich übrigens einen ganz wichtigen Punkt, den du da ansprichst, den wir oft, glaube ich, vergessen in der Berichterstattung. Selbst die furchtbarsten Serienmörder waren mal irgendwann süße Babys. Kann man sich irgendwie nicht vorstellen. Oder vergisst man wahrscheinlich oft. Ja, so süße Babys, die so gut riechen. Wir schauen uns jetzt mal an, wie das bei Vlado war. Der wird 1952 als zweites von insgesamt drei Kindern in der Gegend um Kitschewo geboren. Sein Vater Tadje arbeitet als Nachtwächter, seine Mutter Gorica als Putzfrau in einem Krankenhaus. Beide sind strenge, brutale Eltern. Wenn eines der Kinder nicht spurt, kommt der Gürtel des Vaters zum Einsatz. Trotzdem sagt Vlados' jüngerer Bruder 2016 in einem Interview, wir hatten eine normale Kindheit. Ja, unsere Eltern waren streng, aber welche Eltern sind das nicht? Ja, man kann es halt auch beschönigen für sich selbst, wenn es hilft. Okay, aber nur weil etwas normal ist oder als normal gilt, heißt es nicht, dass es auch gut ist. Ja, also Kinder zu schlagen, egal wer euch das erzählt, das ist nicht normal. Vor allem nicht mit dem Gürtel, also das ist einfach nochmal ein anderes Level. Nach seinem Schulabschluss besucht Vlado eine Berufsschule für Techniker und arbeitet später als Metallarbeiter. Er fügt sich gut in die Strukturen unter dem damaligen Diktator Tito ein und rutscht die Karriereleiter deutlich nach oben, bis auf eine politische Schule. Das sind so Schulen, wo nur Leute hindurften, die besonders gut mit dem System und der Partei zusammengearbeitet haben. Also so eine Art Kaderschmiede, könnte man sagen. 1973, als Vlado 20 Jahre alt ist, lernt er bei einem Lyrikwettbewerb die ein Jahr jüngere Studentin Wessner kennen. Die beiden verlieben sich, heiraten vier Jahre später und bekommen zwei Söhne. Er war immer ruhig und sanft, wird Wessner später über Blado sagen und fügt hinzu, es war die ideale Ehe. Mit dem, was wir wissen, ist das ein bisschen schwer nachzuvollziehen, wie man sowas sagen kann, weil eine ideale Ehe, wo der Mann andere Frauen umbringt, komisch. Aber ja, sie hat wahrscheinlich wirklich nichts davon mitbekommen und warum sie nichts davon mitbekommen hat, da kommen wir jetzt gleich zu. 1980 ziehen die beiden zusammen nach Kitschevo, Vlados Heimat. Vlado hat dort eine Stelle beim staatlichen Sender Radio Kitschevo bekommen. Fünf Jahre später wechselt er als angestellter Korrespondent zur Zeitung Nova Macedonia, die damals noch dem Staat gehört. Er ist ein angesehener Mann mit einem Job, der viele Privilegien mit sich bringt. Trotzdem leben er und Wessner aber nicht allein, sondern mit Vlados Eltern in deren Haus. Vlados jüngerer Bruder ist nach der Oberschule gegen den Willen der Eltern weggezogen. Daraufhin enterben die Eltern den Bruder und auch Vlado bricht den Kontakt zu ihm für die nächsten 30 Jahre ab. Auch seine Schwester hat kaum Kontakt zur Familie. Ich kann mir denken, warum? Ja, das ist dann immer, wo die Eltern nachher sagen, ich kann gar nicht verstehen, warum meine Kinder den Kontakt zu mir abgebrochen haben. Naja, think about it. Ist aber in dem Fall eben wichtig, weil Vlado das einzige Kind ist, das dann noch da ist und um das sich seine Mutter kümmern kann. Also da ihre ganze Mutterliebe ist das falsche Wort, aber ihre ganze Konzentration fließt eben in Vlado und er fügt sich auch so in diese Rolle ein, obwohl es dauernd Streit gibt. Koritza, also seine Mutter, gilt als schroff. Ein Bekannter nennt sie sogar eine böse Frau. Auch Vlados Ehefrau Wessner beschreibt ihre Schwiegereltern später als autoritär und mit altmodischen Ansichten. Und doch, als Wessner es einmal wagt, Flados Eltern zu kritisieren, spricht er daraufhin eine Woche lang nicht mehr mit ihr. Und das ist die ideale Ehe? Ja, mit einem Muttersöhnchen, wie wir jetzt erfahren haben. Ja, ich habe das schon oft gehört von Frauen, dass ihr Ehemann oder Partner sie nicht verteidigt. Sondern automatisch auf der Seite der Eltern, automatisch auf der Seite der Mami ist. Mhm. Ich persönlich bin der Meinung, das geht nicht. Vor allem, wenn sie zusammenleben müssen, wegen ihm. Aber okay, ja, die ideale Ehe, na gut, jeder hat eine andere Vorstellung. Ja, allerdings. Jetzt wird es allerdings auch nicht viel besser, von hier aus kann ich schon mal verraten. Nach dem Ende Jugoslawiens und der daraus folgenden Unabhängigkeit Mazedoniens wird es für die Familie schwieriger, über die Runden zu kommen. Und auch die Spannungen zwischen Vlado und seinen Eltern werden immer größer. Sein Vater, der immer schon ein Einzelgänger war, zieht sich im Alter in das Sommerhaus der Familie abseits der Stadt zurück, pflegt seinen Garten und züchtet Ziegen. Dort erhängt er sich dann im August 2002. Nur vier Monate später stirbt auch Vlados Mutter. Sie hat offenbar versehentlich eine Überdosis Schlaftabletten geschluckt. Und also zwei Todesfälle der Eltern, zu denen es ja doch irgendwie trotz aller Schwierigkeiten ein enges Verhältnis gab in sehr kurzer Zeit. 2003 verliert dann der inzwischen 50-jährige Vlado dann auch noch seine Festanstellung bei der Nova Makedonia, als der Inhaber der Zeitung wechselt. Also die gehört ja vor dem Staat und jetzt ist sie eben privatwirtschaftlich und da wird gesagt, hier Festanstellung gibt es nicht mehr, du darfst jetzt als Freier für uns weiter arbeiten. Vlado Taneski schlägt sich also als freier Journalist durch, schreibt außerdem Essays und Kurzgeschichten. Etwa zur selben Zeit bekommt Wessner ein Jobangebot als Inspektorin im Erziehungsministerium in Skopje, 120 Kilometer von Kitschewo entfernt. Auch ihre beiden Söhne wollen zum Studium in die Hauptstadt ziehen. Vlado allerdings bleibt in Kitschewo. Er will irgendwann nachkommen, erklärt er seiner Ehefrau, während er ihr beim Umzug hilft. Der 51-Jährige hat nicht nur das Sommerhaus seiner Eltern, sondern auch ihr Haus in der Stadt geerbt, wo er weiterhin lebt. Und in beiden ist je ein Elternteil gestorben. Ja. Mhm. Und jetzt kommen wir dazu, warum vielleicht Wessner gedacht hat, dass es die ideale Ehe ist, weil die beiden sehen sich nur noch am Wochenende und bald weiß sie überhaupt nicht mehr, was ihr Mann so den ganzen Tag macht. Auch die Menschen in Kitschewo selbst bekommen den Einzelgänger kaum noch zu Gesicht. Wladutaneski raucht nicht, er trinkt nicht, er verlässt das Haus so gut wie gar nicht mehr. Nur seine Artikel beweisen eigentlich, dass es ihn noch gibt. Und zu diesem Zeitpunkt verschwindet dann auch die erste Frau in Kitschewo. Die 78-jährige Gorica Pavelska, eine ehemalige Putzfrau und Nachbarin von Vlado Taneski, die uns Bekannte seiner Mutter, die zufällig auch noch denselben Vornamen trägt. Sie wird nie gefunden. Auch gruselig, ne? Zwei Gorizas. Ja, aber dein Gesichtsausdruck sagt mir schon was. Was sagt er dir denn? Jetzt bin ich gespannt. Also er ist jetzt Anfang 50, Gorica ist Ende 70. Gorica wird wohl so im Alter seiner Mutter gewesen sein. Mhm, mhm, hat den gleichen Namen, ja. Es ist ohnehin grauslich, aber wenn man sich das so vorstellt, dass er diese Gorica vielleicht getötet hat oder mit ihr getan hat, was er halt mit ihr getan hat. Weil er an seine Mama gedacht hat dabei, dann kommt noch so ein anderes Level an grauslich für mich dazu. Ja. Also ich gehe jetzt einfach mal aus, dass er es war, der für Goritzas Verschwinden zuständig war. Also wir müssen sagen mutmaßlich, weil das ist nie aufgeklärt worden. Aber die Parallelen sind natürlich so riesengroß. Und die Chance, dass da noch jemand rumrennt, der ältere Frauen entführt, die als Putzfrau arbeiten, alle in derselben Nachbarschaft wohnen, das ist jetzt schon eher unrealistisch. Ja, sorry, ich hatte vergessen, dass es nicht bewiesen ist. Ja, also ich würde es auch eben als gegeben hinnehmen, aber wir können es eben nicht zu 100 Prozent sagen. In der Zwischenzeit, und du hast gerade gesagt grauslich, es wird jetzt noch grauslicher, in der Zwischenzeit durchsuchen die Ermittler auch das Sommerhaus von Wladotaneski. Draußen vor der Stadt, eingebettet zwischen grünen Wiesen und bunten Feldern, steht das zweistöckige Haus mit Blumenbüschen vor dem Hof in einer malerischen Landschaft. Aber im Haus ist es dunkel und kalt. Überall finden die Polizisten jetzt Unmengen an Pornografie, außerdem Schuhe und andere Kleidungsstücke der ermordeten Frauen. Inzwischen wissen sie, der dunkelgrüne Bademantel mit Punkten, den Sivana Timelkoska trug, als sie gefunden wurde, gehörte Vlados Mutter. Ah ja. Also er hat eine Frau missbraucht und ermordet und ihr danach den Bademantel seiner toten Mutter angezogen. Oder währenddessen. Oder vielleicht auch währenddessen. Also es sieht sehr nach einem Motiv irgendwie hier aus an der Stelle. Relativ schnell ist den Ermittlern klar, dass das Sommerhaus der Ort gewesen sein muss, an dem Vlado die Frauen tagelang festgehalten und misshandelt hat. Noch am Tag seiner Festnahme wird Vladotaneski dem Haftrichter vorgeführt und für 30 Tage in Untersuchungshaft gebracht. Er kommt ins Gefängnis im 70 Kilometer entfernten Tito. Wegen Überfüllung der Haftanstalt muss er sich seine Zelle mit drei weiteren Gefangenen teilen. Der Reporter verhält sich unauffällig und kommt mit seinen Zellengenossen scheinbar gut aus. Doch in der Nacht zum Montag, den 23. Juni 2008, um 1.50 Uhr, rufen seine Zellengenossen plötzlich um Hilfe. Die heraneilenden Wärter finden den 56-jährigen Journalisten im Waschraum der Zelle, leblos mit dem Kopf im Wassereimer. Alle Wiederbelebungsmaßnahmen bleiben ohne Erfolg. Seine Lunge ist voll mit Wasser. Äußere Verletzungen gibt es nicht, bis auf eine kleine Prellung an der Nasenwurzel, die er sich wahrscheinlich bei einem Erstickungsanfall unter Wasser zugezogen hat. Das Monster von Kichewo ist tot. Es hat sich ertränkt. Kann man sich in einem Wassereimer selbst ertränken? Die Frage habe ich mir auch gestellt und mit dem, was ich gelesen habe, Ohne jetzt Tipps geben zu wollen, ist es wohl sehr schwer, aber es ist möglich. Weil eigentlich hast du einen natürlichen Reflex zu atmen. Genau, genau. Also ich habe das auch schon mal gelesen, dass man sich fast nicht selbst ertränken kann. Und dann die Prellung an der Nasenwurzel, hat er sich währenddessen im Wassereimer angehaut oder was? Genau, das ist die Erklärung dafür. Ja, ich habe meine Zweifel. Ja, dann bist du nicht ganz alleine mit den Zweifeln. Außerdem, wie lange dauert denn das? Das dauert doch. Und die Zellengenossen sind erst zu spät draufgekommen, dass hier was passiert. Wie tief haben denn die geschlafen? Wie gut ist das Oropax, das sie haben in diesem Knast? Ja, lass uns da gleich nochmal drüber sprechen. Ich will noch mal ein paar Sachen noch erzählen dazu. Also Wladoczaneski hat eine Notiz in den Taschen, als er stirbt. Und auf dieser Notiz steht, wo ein längerer Abschiedsbrief liegt. Eine Hin- und Rückfahrkarte von Kitschewo nach Skopje und eine Blisterpackung Paroxetintabletten werden auch noch gefunden. Das sind Antidepressiva, die das Suizidrisiko deutlich erhöhen können. Vor allem, wenn es, wie im Fall von Wladoczaneski, familiäre Vorbelastungen gibt. Also sein Vater hat sich ja definitiv suizidiert, seine Mutter vielleicht, wir wissen es nicht genau. In seinem Abschiedsbrief schreibt Flado, ich bin stolz auf meine Familie und liebe sie sehr. Ich habe nichts von dem getan, was mir vorgeworfen wird. Ich habe diese Morde nicht begangen. Mit diesen letzten Worten lässt er die Angehörigen der Opfer, die Ermittler und seine Familie zurück. Seine Frau Wessner ist fassungslos. Kurz vor seinem Suizid hatte sie ihren Ehemann noch im Gefängnis besucht und ihn gefragt, was passiert sei. Sie will wissen, mit wem sie 31 Jahre lang verheiratet ist. Es ist ja auch klar, wenn sie da nichts von geahnt hat, dir wird ja komplett der Boden unter den Füßen weggezogen. Aber Vlado sagt nichts dazu. Er bittet seine Frau in diesem letzten Gespräch, ihre gemeinsamen Kinder zu grüßen und verspricht, dass sich alles aufklären wird. Statt Antworten sind es aber noch mehr Fragen, die der Journalist hinterlässt. Landesweit berichten die Medien über das Monster von Kitschevo. Sie schreiben über den Journalisten, der ältere Frauen, die seiner Mutter ähnlich sehen, entführt, foltert, vergewaltigt, grausam ermordet und dann über seine eigenen Morde schreibt. Ein Online-Magazin titelt in Anspielung auf die 80er-Jahre-Kultserie Murder, She Wrote. Also das kennen wir hier als Mord ist Ihr Hobby mit Angela Lansbury. Hieß auch mal immer, wenn sie Krimis schrieb. Wirklich? Das kenne ich nicht. Ich kenne das nur unter dem anderen Titel. Also Murder, She Wrote heißt es im Original. Der Journalist schreibt über Wladow Tarneski, Murder, He Wrote and Murder, He Committed. Ah, clever. Ja, ja, ja, ja. Und in der Zeit nach dem Tod von Wlader Tarneski gibt es in Kitschewo Menschen, die ähnlich wie du nicht an einen Suizid glauben wollen. Also natürlich gehen direkt die Gerüchte los, dass das die Ermittler waren, um ihm den Mord in die Schuhe zu schieben und um so ein Ende in diese Ermittlungen zu bringen. Wobei man sich ja schon fragen muss, warum hätten die Ermittler, die ja sehr hart daran gearbeitet haben, Tadeschi zu überführen, ihn töten wollen. Und auch die mazedonische Regierung, die zu dieser Zeit über einen EU-Beitritt verhandelt hat, sollte eigentlich kein Interesse daran haben, ihr Justizsystem mit einem falschen Suizid im Gefängnis schlecht dastehen zu lassen. Weil das wirft natürlich auch ein schlechtes Licht auf das Gefängnis. Wie kann sowas passieren? Trotzdem wabern Gerüchte durch das Land, dass Taneski vielleicht gar kein Serienkiller war. So soll das Blut auf dem Pulli von einem Mann mit der Blutgruppe B-positiv stammen, wie damals berichtet wurde. Wladow Taneski allerdings hatte laut Akten seiner Militärzeit aus den 70er Jahren die Blutgruppe 0-positiv. Die Polizei widerspricht, man habe niemals eine Blutgruppe genannt. Polizeisprecher Ibu Kodeski sagt dazu, letztendlich gab es viele Indizien, die ihn als Verdächtigen belasten und uns veranlassten, Anklage gegen ihn zu erheben. Wir hofften, er würde uns Details zu einer vierten Frau liefern, die 2003 verschwand. Das ist ja der Fall, über den wir gerade schon gesprochen haben, die Gorica. Denn wir glaubten, dass er auch in diesem Fall verwickelt war. Und ja, das Verschwinden von Gorica Pawelska ist bis heute leider nicht aufgeklärt. Wlados Frau Wesner will in einem Interview 2016 nicht über die Morde sprechen. Das sei zu schmerzhaft. Stattdessen erzählt sie von den positiven Seiten von Wladotanewski, der aus ihrer Sicht ein wunderbarer Ehemann und liebender Vater war. Ähnlich wie in Deutschland werden die Ermittlungen auch in Mazedonien nach dem Tod eines Verdächtigen eingestellt. Polizeisprecher Kotewski sagt damals, wahrscheinlich werden wir niemals ganz genau erfahren, was passiert ist. Aber eine Sache steht fest, in Kitschewo verschwinden keine Frauen mehr. Die Provinzstadt zwischen den Bergen im Westen Mazedonien ist wieder unscheinbar und verschlafen. Nur manchmal verirren sich jetzt vereinzelt Menschen in die Stadt. Es sind Journalisten, Autoren und Filmemacher, die sehen wollen, wo das Monster von Kitschewo gelebt und gemordet hat. Bis heute weiß niemand wirklich, ob diese Geschichten vom Journalisten als Serienmörder wirklich alle wahr sind. Ihr Autor, Wladys Tarneski, hat sie mit ins Grab genommen und sich so unsterblich gemacht. Hm. Wir wissen natürlich, dass es vorkommt, dass die Polizei Unschuldigen auch Morde in die Schuhe schiebt. Sie könnten theoretisch Beweismittel in sein Sommerhaus gebracht haben und er war in Wirklichkeit unschuldig. Und ja, dieser grün gepunktete Bademantel, das wird kein Einzelexemplar gewesen sein. Es wäre schon sehr viel Aufwand, um jemanden im Mord in die Schuhe zu schieben, aber klar, die Möglichkeit besteht grundsätzlicher. Ja, aber natürlich, dass nach seiner Festnahme bzw. seinem Tod niemand mehr entführt und vergewaltigt wird. Also keine Frauen, die den bisherigen Opfern gleichen, das ist halt auffällig. Und selbst wenn der Mörder weitergezogen wäre in eine andere Stadt, irgendjemand hätte wahrscheinlich eine Verbindung hergestellt. Ja, weil es gab ja immer Zweifel daran, dass es vielleicht gar nicht er war. Ja und auch diese Parallelen zwischen den Opfern und Wladers Mutter. Also das habe ich jetzt nicht erzählt, weil ich es nicht verifizieren konnte, aber sie soll den Opfern wohl sehr ähnlich gesehen haben oder die Opfer ihr, also dieser Typ Frau, ich habe halt kein Foto von ihr gefunden, deswegen konnte ich es nicht verifizieren und soweit ich weiß, hat sie wohl auch zwischendurch mal als Putzfrau gearbeitet. Also die Zufälle sind ja schon sehr, sehr, sehr, sehr groß. Sind sie, also wenn, dann müsste der andere Mörder zeitgleich gestorben sein, ungefähr. Glaube, der Fall ist eben vor allem dadurch so mysteriös, dass er eben nicht hundertprozentig aufgeklärt werden kann, weil Wladotaneski tot ist. Und wenn es zu einem Gerichtsprozess gekommen wäre, selbst wenn er in dem Prozess alles abgestritten hätte, würden wir da heute nicht mehr in der Form drüber diskutieren. Weißt du, also es ist der Suizid oder der Tod im Wassereimer, der das Ganze so komisch wirken lässt und ich habe ehrlich gesagt da eine andere Theorie zu. Ja, okay. Meine Theorie ist, dass die Mithäftlinge den getötet haben, weil du weißt ja, dass bestimmte Arten von Sexualstraftätern im Knast nicht besonders gut gedient sind. Und wie du schon gesagt hast, dass da, ich glaube drei waren ja mit in der Zelle, dass die nicht mitkriegen, dass der nachts aufsteht und sein Kopf in den Eimer steckt. Das ist ganz komisch. Aber hat er dann diesen Abschiedsbrief selbst geschrieben? Weil ich meine, den wird man ja seiner Frau gezeigt haben. Davon gehe ich mal aus. Und sie muss ja dann bestätigen, ob das seine Handschrift ist. Beziehungsweise wenn sie sieht, das ist nicht die Handschrift meines Mannes, dann wird sie doch was sagen. Ja, also der Brief stammt von ihm. In dem längeren Abschiedsbrief selbst steht aber nichts explizit, soweit ich weiß, von einem Suizid, sondern da steht ja nur drin, ich bin so verzweifelt, ich bin stolz auf meine Familie, ich habe nichts von dem getan, was mir vorgeworfen wird. Also da hat er es einfach aufgeschrieben und es war nicht als Abschiedsbrief gedacht. Das wäre eine Möglichkeit. Und es kann ja auch durchaus sein, dass er Suizidgedanken hatte. Würde ja auch passend zu diesem Antidepressivum, was er auch mal eingenommen hat. Aber die Art des Suizids ist halt so ein bisschen seltsam. Ja, auch noch mit dieser Prellung an der Nase. Also es ist ganz seltsam. Also ich glaube nicht an die große Staatsverschwörung, weißt du, dass der mazedonische Staat jetzt gesagt hat, nee, wir suchen uns jetzt einen, dem schieben wir alles in die Schuhe und dann lassen wir den noch in Haft umbringen. Ich glaube es wirklich eher wahrscheinlich, dass die mit Häftlinge gedacht haben, so dem zeigen wir es jetzt mal. Weil das würde ja auch erklären, warum keiner was mitbekommen hat. Ja, genau. Ja, ja, das denke ich auch, dass das eine gute Möglichkeit ist. Aber du hast recht, es ist so fast schon, also der ganze Fall so klassischer, Filmstoff oder so Psychofüllerstoff. So der Prototyp des Serienkillers, der irgendwie ein Problem mit seiner Mutter hat. So Norman Bates im Psycho so ein bisschen. Ja, genau, genau. Hat das mal jemand verfilmt? Weil das bietet sich doch so dermaßen an. Soweit ich weiß nicht, aber du hast recht, es würde sich definitiv anbieten. Vor allen Dingen, weil ja auch dieser Twist, dass der Journalist, der darüber beschreibt, also ich meine, dass ich sowas ähnliches schon mal in irgendeinem Film gesehen habe, aber ich komme nicht mehr drauf, welcher das war. Das ist ja auch so ein, es ist so eine Fitzeck-Wendung. Liebe Grüße an Sebastian an der Stelle, aber das ist ja, weißt du, so am Ende des Buches, man denkt die ganze Zeit, jetzt haben sie ihn gleich und dann kommt raus, es ist alles ganz anders. Der Reporter war es. So, weißt du? Wild. Sehr. Sehr, sehr wild. Kann man noch ein bisschen drüber nachdenken. Ja, das können wir tun. Wir haben ja noch ein bisschen Zeit nachzudenken, weil wir hören uns ja dann erst in einem Monat wieder. In einem, ich möchte sagen, ganz anderen Setting. Oh, wovon wird es uns verschlagen? Ich verrate dir das Land nicht. Ich gebe dir so ein paar Hinweise. Okay. Steuerfluchtparadies, Umsteigeflughafen. Seltsame Influencer. Okay, nicht die Cayman-Insel. Da wirst du nicht umsteigen. Nee. Dubai. Oh ja. Es geht nach Dubai. Wir machen einen Fall aus der arabischen Welt. Und es hat auch ein bisschen was mit Glitzer und Glamour auf eine Art zu tun. Aber auch mit einer sehr traurigen Geschichte. Und darüber sprechen wir dann in der nächsten Folge von Nebenan weltweit. Und ich freue mich schon sehr darauf. Und jetzt, wie du gesagt hast, ich glaube, ich muss auch noch mal ein bisschen mein Hirn zu diesem Fall zermatern. Ja, das ist immer das Problem. Wir werden es nicht lösen. Wir werden nicht mit Sicherheit sagen können, auch wenn wir drüber schlafen, er war es oder er war es nicht. Können wir immer spekulieren. Ja, also falls ihr Theorien dazu habt zu diesem Fall, schreibt es gerne. Bei Instagram werde ich auch einen Post dazu machen. Also sammelt das gerne in den Kommentaren. Ich finde das manchmal total spannend, weil dann doch andere Leute nochmal auf, ganz andere Sachen kommen als man selbst. Also manchmal kriegst du so zu Fällen Nachrichten wie, haben die Ermittler damals die Telefondaten überprüft? Ja, also so ein bisschen selber denken können die manchmal schon. Aber oft sind es dann wirklich so Gedankenwindungen, auf die ich selbst gar nicht kommen würde. Und deswegen finde ich das immer so spannend, diesen Austausch. Also ja, wenn ihr eine Theorie habt. Man kann ja auf YouTube auch unten Kommentare schreiben. Stimmt, kann man auch. Denn man kann sich ja diesen Podcast nicht nur anhören, sondern auch anschauen. Bei YouTube zum Beispiel und bei RTL Plus. Guter Hinweis. Also auch da könnt ihr gerne eure Theorien hinterlassen. Wir sind sehr gespannt. Und dann werde ich jetzt schon mal meine Louis Vuitton-Taschen packen und meine Birkin bag. Ja, vergiss deinen RMS-Schall nicht. Ich vergesse meinen RMS-Schall und meinen großen Sonnenhut nicht. Und dann geht es für uns ab nach Dubai. Ich stelle mir das so ein bisschen so vor, unsere Ankunft in Dubai. Wie war hast du Sex in the City 2 gesehen? Das war in Abu Dhabi, aber so ist schon ein paar Jahre her. Ja, genau. Also so kannst du dir das vorstellen, wenn wir da aussteigen aus dem Privatjet. Ja, Riesen-Sonnenbrille und ein fliegender Schal. Genau das ist der Look. Sehr gut. Ich freue mich drauf und vielen Dank. Wir hören uns in der nächsten Folge wieder, Franziska. Ich danke und ich kann kaum warten. Sehr gut. Bis dahin. Bis dann. Bussi, baba. Tschüss.