Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Nebenan weltweit und Servus Franziska. Servus Philipp. Es ist wieder Flytag. Ich finde es so wunderbar. Du kriegst nicht genug von Flytag. Ich kriege nicht genug von Flytag. Ich finde das so gut und ich ärgere mich so, dass ich nicht selbst drauf gekommen bin, dass mir das Leute bei Instagram geschrieben haben. Also falls ihr immer noch überrascht seid, dass ihr heute eine neue Folge in eurem Podcast-Player habt, das soll so. Das ist kein Versehen. Jeden letzten Freitag im Monat bekommt ihr eine extra Dosis True Crime bei Nebenanweltweit. Oh, ich dachte, wir können es gemeinsam sagen. Und ich war ein bisschen zu langsam. Eins, zwei, drei. Nebenanweltweit. Ich habe nicht gedacht, dass du jetzt so langsam wirst. Ja, das ist so Radiomoderatoren. Nebenanweltweit. Meine sehr verehrten Damen und Herren, bitte begrüßen Sie Ihren Host Franziska Singer. Ich bin dann mehr so, glaube ich, beim Frühstücksradio daheim, wo man ein bisschen schneller spricht und es alles sehr, sehr lustig ist. Ja, aber das ist ja meistens so, dass der Mann Sachen sagt und die Frau lacht. Das finde ich ja bei Radiosendern immer ganz, ganz schlimm. Ja, das müssen wir halt andersrum machen. Ja, du sagst die klugen Sachen, ich lache einfach. Ja, wir sprechen hier über Fälle aus der ganzen Welt, kostenlos und überall, wo es Podcasts gibt. Und wenn ihr mögt, sogar auch als Videopodcast bei YouTube und RTL Plus. Ich sage das nur deswegen, weil mir immer Leute schreiben, ich würde so gerne mal einen Videopodcast sehen von euch. Ja, aber dann sagen die Leute wieder, ich habe mir das ganz anders vorgestellt, wie ihr aussieht. Ich habe gedacht, ihr seid viel jünger. Ja, das ist auch immer schön. Wobei ich immer denke, es ist jetzt ja nicht so schwierig, Rosse, wie wir aussehen. Weil sowohl bei dir als auch bei mir sind ja unsere wunderschönen Visagen auf dem Podcastcover drauf. Sie sind auf dem Podcastcover drauf. Man kann uns googeln, da findet man sehr viele Fotos. Wir haben sogar bei den Wikipedia-Seiten auch mit Foto. Da steht auch das Alter drauf, bei mir zumindest. Ich weiß nicht, wie eitel du bist. Ja, ich hätte es einfach richtig dumm. Ich hätte einfach lügen sollen. Aber jetzt ist es zu spät, jetzt steht es da. Dich noch älter machen, damit dann alle sagen, oh, wie jung siehst du aus. Was für ein sexy Daddy bist du denn? Ja, genau das hatte ich mir davon erhofft. Aber ja, also ihr müsst hier als Zuhörer auch ein bisschen mitarbeiten, ja? Also. Man kann das alles nachgucken, wenn man das möchte. Muss man aber auch nicht. Man kann einfach zuhören. Heute geht es, nachdem wir in der letzten Folge einen Ausflug nach Mazedonien gemacht haben, nach Dubai. Ja, genau. Wie hast du letztes Mal gesagt? Seltsame Influencer und ein Flughafen, der hauptsächlich zum Umsteigen genutzt wird. Ja, also das sind so meine Connections mit Dubai. Was verbindest du mit Dubai? Dasselbe eigentlich. Außerdem aber noch Wüste und horrende Bedingungen. Ausbeutung von Menschen. Ein tolles Reiseziel. Nicht. Aber ich bin gespannt, also für mich halt nicht. Ich bin gespannt, was für einen Fall du mir heute erzählen wirst und was ich dadurch vielleicht noch lerne über die Vereinigten Arabischen Emirate. Dubai ist ja kein Staat, auch wenn das manche denken. Das ist kein eigenes Land. Genau. Sondern das ist ein Teil der Vereinigten Arabischen Emirate. Richtig. Und ich bin ehrlich gesagt bei dir. Ich kenne Dubai auch nur als Flughafen vom Umsteigen, wenn man irgendwie Richtung Asien fliegt zum Beispiel. Und ich kenne auch viele Leute, die da gerne Urlaub machen. Aber um dir beizupflichten, für mich wäre das jetzt nichts unbedingt, weil ich muss nicht bei 40 Grad im Schatten in einer Skihalle Skifahren. Das finde ich irgendwie ein bisschen wild. Es gibt so Dinge, nur weil man sie tun kann, heißt es nicht, dass man sie tun sollte. Das ist ein sehr, sehr kluger Satz. Wir gehen jetzt mal rein und sprechen nicht nur über Skihallen, sondern auch über ein Verbrechen, was in Dubai stattgefunden hat. Und bevor es losgeht, wie immer die Inhaltswarnung, es geht hier um ganz explizite Beschreibung von Stichverletzungen. Das ist für den Fall wichtig, deswegen schildere ich das so. Falls ihr damit nicht klarkommt, könnt ihr diese Folge natürlich überspringen. Bist du bereit? Hast du dein Reisegepäck beisammen? Ich packe meinen Koffer und nehme mit einen Philipp. Sehr gut. Und zwei Mikrofone. Ja, das ist gut. Das machen wir. Und damit sind wir auch schon mittendrin im Fall. Der 28. Juli 2008 ist ein typischer Sommertag in Dubai. Bei mehr als 40 Grad wollen wohl die meisten der wohlhabenden Einwohner am liebsten den ganzen Tag in ihren klimatisierten Wohnungen verbringen. Vermutlich geht es auch Susanne Tamim so, als sie sich frühmorgens für den Tag fertig macht. Die 30-jährige Libanesin mit den braunen Haaren pendelt regelmäßig zwischen London und Dubai hin und her. Erst vor zehn Tagen ist sie wieder aus England zurückgekehrt, um in ihre neue Wohnung einzuziehen, die sie sich gerade erst mit ihrem Partner für 760.000 US-Dollar gekauft hat. Ihr neues Eigenheim ist ein Apartment im 22. Stock der Riemal Towers in Jumeirah Beach, einem der teuersten Viertel der Stadt, direkt am Strand. Also wie der Name schon sagt. Wäre das nichts für dich? 22. Stockwerk. Hast du Höhenangst? Also weiß ich nicht, ob ich darauf Bock hätte. Nein, aber direkt am Strand, ja, wenn man irgendwie dann über das Meer rausschauen kann oder so. Aber ansonsten, ich weiß nicht, ob Häuser so hoch sein müssen. In Dubai auf jeden Fall schon. Also in New York war ich auch, glaube ich, im 24-Sitz-Stock oder so im Hotel. Wie war das? Und das war schon cool, weil man ja so einen krassen Blick über die ganze Stadt hat. Aber mir ist jedes Mal so ein bisschen schwindelig geworden, wenn ich aus dem Fenster geguckt habe. Ein bisschen komisch ist es schon. Also du kannst dir vorstellen, absolut luxuriöse Wohnung in so einer luxuriösen Wohnanlage. Das ist 760.000 US-Dollar. Das kommt mir auch richtig billig vor für sowas. Da gibt es natürlich noch wesentlich teurere Wohnungen. Also es ist jetzt kein bescheidenes Apartment, aber es ist jetzt auch nicht so. Hier, es gibt ja noch The Palm und The World, diese Inseln, diese künstlichen Inseln, wo es da ganze Villen gibt und so. Das ist es jetzt nicht, aber es ist schon einigermaßen feudal. Erst gestern hat Susanne hier rund 20 Gäste in ihr Apartment eingeladen, um ein wenig zusammen zu feiern. Auch wenn die Nacht für sie relativ kurz war, muss sie heute früh aufstehen, denn sie hat heute ihre Fahrprüfung. Ihr Taxi, das sie zu der Prüfung fahren soll, hat sie bereits im Voraus für 9 Uhr morgens bestellt. Kurz bevor Susanne ihr Apartment verlassen will, klingelt es plötzlich an der Tür. Auf dem Bildschirm der Videoüberwachung sieht sie einen Mann mit einem Cap vor der Tür stehen. Über die Fernsprechanlage stellt er sich als Vertreter der Immobilienfirma vor, von der sie die Wohnung gekauft hat. Er wolle ihr noch ein kleines Dankeschön vorbeibringen, erklärt der Mann und hält einen Briefumschlag mit dem aufgedruckten Firmenloge in die Kamera. Tamim öffnet die Haustür. Zur Not muss der Taxifahrer kurz warten. Lange wird das mit dem Geschenk wohl nicht dauern. Kurz darauf steht der Mann auch schon vor ihrer Wohnungstür. Als Termin diese öffnet, ist das Lächeln des Mannes verschwunden. Stattdessen sieht sie ein großes Messer in seiner Hand. Dann holt der Mann aus. Ein paar Stunden später machen sich mehrere Freunde und Verwandte Sorgen um Susann-Termin. Sie ist nicht zu ihrer Fahrprüfung gekommen und geht auch nicht ans Telefon. Das ist sehr untypisch für die 30-Jährige. Außerdem weiß ihr engster Kreis, dass die Sängerin in letzter Zeit immer wieder bedroht wurde. Als Susann sich um 16 Uhr immer noch nicht gemeldet hat, macht sich schließlich ihr Cousin auf den Weg zu ihrem Apartment. Als er sieht, dass Susannes Wohnungstür offen steht, bekommt er direkt ein sehr ungutes Gefühl. Doch das, was er im Flur des Apartments entdeckt, ist noch viel schlimmer, als er befürchtet hat. Susanne liegt im Flur in einer riesigen Blutlache. Die Schnitte an ihrem Hals sind so tief, dass ihr Kopf fast abgetrennt wurde. Ihr ganzer Körper ist übersät mit Stichverletzungen, besonders ihr Gesicht ist kaum noch zu erkennen. Das klingt ganz so, als ob der Mord persönlich gewesen ist. Das ist ja direkt Overkill, ihr den Kopf fast abzutrennen und die ganzen Stiche ins Gesicht rein. Also wenn es besonders auf ihr Gesicht abgesehen hatte, dann gehe ich als Amateurdetektivin davon aus, dass er sie nicht mehr ansehen wollte und vielleicht sicherstellen wollte, dass auch sonst sie niemand mehr ansehen kann. Ja, also das ist das, was sich aufdrängt, dass da eine Frau zerstört werden sollte im wahrsten Sinne. Genau, ihr Gesicht gerade eben etwas, was doch den meisten von uns sehr wichtig ist. Also das Aussehen, ja, das meine ich. Hat der Täter sonst noch was gemacht? Hat er was gestohlen? Hat er die Wohnung zerstört? Hat er eine Botschaft hinterlassen? Nein. Du schüttelst den Kopf. Nein. Also er hat sie nur sehr, sehr grausam getötet. Und die Polizei, die kurz darauf eintrifft, kommt zu einem ähnlichen Schluss wie du. Für die Ermittler steht schnell fest, das Motiv hinter dieser grausamen Tat muss ein persönliches gewesen sein. Dubais Polizeichef erklärt das damals so, die Art, in der das Töten geschehen ist, lässt auf ein Rache-Motiv schließen, da nichts aus dem Apartment genommen und nichts zerstört wurde. Das war das, was du gerade gefragt hattest. Zudem lassen die Hämatome an Tamims Armen und Beinen sowie ein abgebrochener Nagel darauf schließen, dass sie sich heftig gegen ihren Mörder gewehrt haben muss. Auch der wahrscheinliche Todeszeitpunkt ist rasch ermittelt. Dieser muss um kurz vor neun gelegen haben, denn als der bestellte Taxifahrer um neun vor dem Apartment eintrifft, ist von Susanne Tamim nichts zu sehen und sie geht auch nicht mehr an ihr Handy. Sofort sichten die Beamten die Aufnahmen der Überwachungskameras in dem Gebäude und aus der Umgebung. Und da vielleicht mal kurz zum Hintergrund. Dubai ist mit 8500 Kameras pro Quadratkilometer eine der wohl am besten überwachten Orte der Welt. Zum Vergleich, London, was ja als einer der am meisten überwachten Städte Europas gilt, kommt auf 650 Kameras. Was ich persönlich ja auch schon viel finde. Wenn du da mal gewesen bist, dann fällt dir das auch auf, dass überall Kameras sind. Und wenn du dir das jetzt mal 10 vorstellst, ist ja eigentlich... Dann bist du immer noch nicht an der Zahl dran. Genau, also es ist einfach wahnsinnig viel. Aber das bedeutet ja, dass du dort keinen Schritt machen kannst, ohne dabei gefilmt zu werden. Zumindest in den Gegenden, wo sich wohlhabendere Personen aufhalten. Ja, die Unterscheidung ist wichtig, genau. Also in Dubai werden Gebäude, aber auch öffentliche Bereiche wie Plätze und Straßen lückenlos überwacht. Das Emirat gilt deshalb als einer der sichersten Orte der Welt. Ja, du bist halt ein gläserner Mensch dann. Das kann man mögen. Ist immer so ein bisschen eine Frage der Persönlichkeit. Also möchte man überwacht oder möchte man besonders sicher sein? Und reine Kameraüberwachung führt ja nicht unbedingt zu mehr Sicherheit. Du kannst dann nachher die Tat nur leichter aufklären. Also das ist für die Ermittlungen wichtig, denn auf den Aufnahmen fällt den Ermittlern besonders ein Mann mit schwarzer Basecap, schwarzer Jogginghose und einem Brief in der Hand auf. Den habe ich ja eben schon geschildert. Dieser betritt den Rimal Tower um 8.48 Uhr und nimmt den Fahrstuhl nach oben. Nur zwölf Minuten später verlässt er das Gebäude wieder. Den Brief trägt er nicht mehr bei sich. Außerdem hat er seine Kleidung gewechselt. Auf den Kameras kann man erkennen, wie der Unbekannte anschließend in ein nahegelegenes Hotel geht, dieses um 9.30 Uhr wieder verlässt und in ein Taxi Richtung Flughafen steigt. Was mit der Kleidung des Mannes passiert ist, erfahren die Baben nur kurze Zeit später. Nur ein Stockwerk unter Tamims Apartment finden sie die schwarze Hose und ein T-Shirt voller Blut in einem Mülleimer. Weitere Hinweise sind Fußabdrücke, die der Täter in der Blutlache hinterlassen hat, sowie der Brief samt Fingerabdrücken, den sie am Tatort finden. Auch das Gesicht des Mannes ist auf den Kameraaufnahmen klar zu erkennen. Und so stellt auch der Polizeichef fest, dass diese Tat eine eher semiprofessionelle Tötung, Zitat war. Also ganz schlau hat der Täter sich da nicht angestellt. Also professionell dann eigentlich nur noch im Sinne von. Hat funktioniert. Ja, er hat seinen Auftrag ausgeführt. Genau. Weil ansonsten klingt es jetzt nicht so professionell, wenn du die Fußabdrücke hast, Fingerabdrücke, man sein Gesicht erkennen kann. Also jeder tatsächliche Profi oder auch Semiprofi. Würde doch darauf achten. Also für die Ermittler sind natürlich diese ganzen Hinweise, die der Täter hinterlassen hat, Gold wert. Anhand der Seriennummer der gefundenen Hose können sie diese zu einer nahegelegenen Shopping-Mall zurückverfolgen, wo sie feststellen, dass die Hose tatsächlich erst vor wenigen Tagen gekauft wurde. Und zwar gemeinsam mit Schuhen, deren Sohlen mit den Abdrücken am Tatort übereinstimmen, sowie ein Messer. Also auch die Tatwaffe ist in dieser Mall gekauft worden. Also ich weiß nicht, wir haben beide schon Fälle gehabt von, ich nenne sie jetzt mal Amateurmördern. Weil sie eben keine Auftragsmörder waren, wo professioneller, in Anführungszeichen bitte immer, vorgegangen wurde, wo sie Leute extra mit genügend Abstand alles mit Bar bezahlt haben in verschiedenen Städten oder so. Also, dass man das überhaupt noch semiprofessionell, sorry, dass ich mich daran gerade aufhänge, aber dass man das überhaupt noch semiprofessionell nennt, das ist doch irgendwie ein bisschen seltsam. Ja, es ist nicht mal, was wäre denn die Hälfte von semiprofessionell, quadroprofessionell, also noch nicht mal das ist es, denn es geht noch weiter. Er hat nicht nur alle Sachen direkt in einem Einkaufszentrum um die Ecke gekauft, sondern er hat auch noch mit seiner Mastercard bezahlt, also nicht bar. Und so haben die Ermittler bereits fünf Stunden nach dem Entdecken der Leiche einen Namen und einen Hauptverdächtigen. Das klingt ja, als ob der gefunden werden will. Ja, könnte man auf die Idee kommen. Wer dieser Hauptverdächtige ist, wird der Öffentlichkeit hingegen nicht verraten. Und zwar, obwohl das öffentliche Interesse an diesem Verbrechen kaum größer sein könnte. Das liegt erstens daran, dass Dubai und die Vereinigten Arabischen Emirate als einer der sichersten Orte der Welt gelten. Die Mordrate dort liegt bei 0,75 pro 100.000 Einwohnern. Deutschland, das ja auch ebenfalls relativ sicher ist, liegen wir da bei etwa 0,9. Also es ist noch deutlich darunter. In Österreich auch. Ja, ist ähnlich wahrscheinlich. Genau. Und in der Schweiz war es, glaube ich, 0,5, habe ich mal gesehen. Ah, okay. Gut, dann ist es eben noch sicherer. Aber ich glaube, der wichtigere Punkt, warum dieser Fall so für Aufsehen sorgt, ist, dass es hier eben nicht um den Tod einer der 10.000 Gastarbeiter aus Pakistan, Indien oder Bangladesch geht, die hier teilweise unter schlimmen Umständen leben und arbeiten und dort auch zu Tode kommen. Das führt dann eben auch zu Ermittlungen, aber eben nicht zu so öffentlich geführten, sondern hier ist eine reiche Prominente gestorben. Susanne Tamin ist zu diesem Zeitpunkt ein Superstar in der arabischen Welt und ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich sie jetzt vorher noch nicht kannte, aber ich bin auch nicht so firm in arabischer Popmusik. Sagt dir der Name was oder hattest du vorher schon mal von ihr gehört? Nein, ich wollte dich tatsächlich vorher schon fragen, weil du erwähnt hattest, dass sie Sängerin ist oder war. Was singt sie denn so? Irgendwas, was man bei uns vielleicht auch kennen könnte? Eher nicht. Vielleicht ist das der richtige Zeitpunkt, um ein bisschen mehr über sie zu erzählen. Die hat nämlich eine sehr spannende Geschichte. Susanne Tamim wird am 23. September 1977 in Beirut geboren, wo sie nach der Trennung ihrer Eltern bei ihrem Vater Abed aufwächst. Schon in Susannes Kindheit kristallisiert sich ihr Gesangstalent heraus. Als Kleinkind singt sie religiöse Lieder für Freunde und Familie. Uns begeistert die mit ihrer Stimme. Doch ihr Gesang bleibt im engsten Kreis. Vater Abed ist streng und religiös. Dass seine Tochter öffentlich singt, möchte er nicht. Ebenso versucht er Susanne von interessierten Jungs fernzuhalten. Ob es zu ihrem Schutz oder aus Kontrollzwang ist, Abed hat stets ein Auge auf seine Tochter. Sie hat ein erfülltes Leben geführt, aber unter meiner Obhut, erzählt er Jahre später. Ergänzt aber, ich bereue manchmal, dass ich während ihres Aufwachsens so überbeschützend war. Also hat er doch gemerkt, dass er da vielleicht ein bisschen übertrieben hat. Denn ewig kann er Susanne nicht von ihrer Leidenschaft fernhalten. 1996 meldet sich die mittlerweile 18-Jährige mit den grünen Augen bei der beliebten Talentshow Studio El Fan an und schafft es tatsächlich, die Show zu gewinnen. Also es ist so ein bisschen das DSDS der libanesischen Welt, könnte man sagen. Susanne verzückt das Publikum mit ihrer Stimme. Aber nicht nur das, denn neben ihrem Gesang wird, wie in der Musikindustrie üblich, auch das Aussehen der damals noch Teenagerin in den Mittelpunkt gerückt, sehr zum Unmut ihres Vaters Abed. Ich habe oft gebetet, dass sie nicht gewinnt, erklärt er später in einem Interview. Meine Tochter war wunderschön und sie hatte eine wunderschöne Stimme, aber ich wollte nicht, dass sie diesen Weg einschlägt. Ich wollte, dass sie eine gute Bildung erhält, heiratet und ein normales Leben umgeben von ihrer Familie führt. An dieses normale Leben ist nach dem Gewinn der Show nicht mehr zu denken. Tamin zieht von zu Hause aus und schmeißt ihr gerade angefangenes Pharmaziestudium hin, um sich komplett der Musik zu widmen. Schon bald erscheint ihr erstes Album mit dem Titel Saken Albi, mit Singles wie dem gleichnamigen Saken Albi oder La Anna und Anna Il-Achkak. Also ich bin sehr schlecht in Arabisch, bitte verzeiht. Also sie singt auf Arabisch und ich habe interessanterweise in einem Artikel aus dem Spiegel aus der damaligen Zeit gelesen, dass Popsängerin damals eines der wichtigsten Exportprodukte aus dem Libanon in die arabische Welt sind. Also Zitat aus dem Artikel. Libanesische Sängerinnen sind in der arabischen Welt ein bisschen das, was französische Sängerinnen für Deutsche sind. Sexy, verspielt und so ein bisschen schlüpfrig. Das ist ja interessant. Ich hatte keine Ahnung. Wusste ich vorher auch nicht. Also die haben so ein bisschen diesen leicht verruchten Ruf, den man zu Französinnen manchmal nachsagt. Für ihre Karriere legt Susanne sich schon früh unters Messer, lässt sich ihre Brüste vergrößern und ihren Augen einen Katzenlook verpassen, der in Teilen der arabischen Welt als Schönheitsideal gilt. Also ich werde natürlich auch ein paar Fotos von ihr posten bei Instagram. Also es ist schon eine wirklich auffällig. Schöne Frau mit einer großen Ausstrahlung. Also man kann schon verstehen, warum die so zum Star geworden ist. Susanne stürmt die Charts und wird schnell in der ganzen arabischen Welt zu einem bekannten Gesicht. Mit dem Erfolg wird sie auch medial dauerpräsent. Häufig ist ihre Musik dabei aber nur Nebensache. Denn es ist vor allem ihr Liebesleben, das die Schlagzeilen beherrscht. 2002 heiratet sie ihren ersten Ehemann Ali, den sie noch an der Uni kennengelernt hat. Kurze Zeit später trennt sie sich wieder, weil sie sich von ihm eingeengt fühlt. Ali will Susanne kontrollieren als Mann und als ihr Manager. Susannes Bruder Khalil erinnert sich, für ihn war sie ein Business, ein Besitz. Nach der Scheidung zieht die Sängerin wieder zu ihrer Familie, doch nicht für lange. Denn nur kurze Zeit später lernt sie den Produzenten Adel Matuk kennen und die beiden heiraten. Doch auch ihr zweiter Mann will Susanne nicht nur privat, sondern auch beruflich kontrollieren. Die junge Frau unterschreibt bei Matuk's Label einen 15-Jahres-Vertrag. Das ist wirklich lang. Etwas, das sie schon bald bereut. Ebenso wie ihr erster Mann ist auch Matuk ein Control-Freak und möchte am liebsten, dass sie ihre Gesangskarriere beendet und für ihn zur Hausfrau wird. Hm, es ist oft klüger, die Karriere und das Liebesleben voneinander getrennt zu halten. Man muss nicht nur, weil man sich privat mag, unbedingt zusammenarbeiten. Darf ich hier kurz abschweifen? Mir fällt nämlich spontan eine andere Geschichte ein. Und zwar die von Mariah Carey. Kennst du das? Ich weiß, dass die auch mit ihrem Labelboss verheiratet war und dass der sie auch kontrolliert hat, was sie anzieht und wie sie sich gibt und so, oder? Er hat sie quasi gefangen gehalten, also sie durfte nichts machen, wenn er das nicht abgesegnet hat, bis sie das irgendwann, also da war sie noch jung, ja, es war irgendwann am Anfang, ich weiß es nicht genau, aber eher gegen Anfang ihrer Karriere, also jetzt nicht, vorgestern, bis sie es dann irgendwann geschafft hat, sie hatte so eine Tasche schon gepackt und irgendwie so versteckt, dass sie es nicht finden konnte. Und mit der Hilfe einer Freundin hat sie es dann irgendwann geschafft, aus ihrem goldenen Käfig zu fliehen. Und das ist einer der größten Popstars unserer westlichen Welt. Und Susanne, ja, die macht wohl irgendwie sowas ähnliches hiermit. Ich weiß nicht, was sich diese Männer einbilden. Da haben sie eh schon so viel Macht und Geld und das reicht ihnen nicht. Ja, vor allem, er kommt ja selbst aus der Branche Also er hat ja scheinbar kein Problem damit andere Sängerinnen leicht bekleidet auf die Bühne zu schicken aber seine eigene Frau soll das doch dann bitte nicht machen. Ja, klar. Aber ich meine, sie unterschreibt ja auch einen 15-Jahres-Vertrag und dann sagt er, hey, hör doch auf zu singen. Dann erfüllt sie ja ihren Vertrag auch gar nicht eigentlich. Nee, das wird wahrscheinlich der Plan gewesen sein, sie mit diesem Vertrag zu binden und sie dann sozusagen verschwinden zu lassen karrieretechnisch, weil er ja dann ihre Karriere kontrollieren kann. Und ja, es ist nicht so überraschend, dass Susanne schon kurz nach der Hochzeit die Scheidung fordert und auch das Auflösen ihres Vertrags, weil ich bin mir ziemlich sicher, 15 Jahre ist auch komplett sittenwidrig. Und wahrscheinlich hat er keinen Anwalt mal drüber geschaut, der nicht von ihm in Auftrag gegeben worden wäre. Genau. Und auch wenig überraschend, Adel verweigert ihr beides, also die Scheidung und die berufliche Trennung. Susanne will sich davon nicht stoppen lassen und versucht, ohne ihn weiter Musik zu machen. Allerdings nutzt Matuk seinen Einfluss in der Branche, um dafür zu sorgen, dass seine Ex nirgendwo anders unter Vertrag genommen wird. Also der ist auch heute noch ein sehr, sehr einflussreicher Produzent, den man oft auf roten Teppichen sieht. Also der hat von seiner Macht nichts eingebüßt und erhebt außerdem schwere Vorwürfe gegen Susanne Tamim. So zeigt Matuk seine immer noch Ehefrau an, weil sie ihm 350.000 US-Dollar gestohlen haben soll. Sogar einen geplanten Auftragsmord an ihm. Also er sagt im Prinzip, die hat hier Mörder bestellt, um mich umzubringen, unterstellt er ihr. Auch Gerüchte, Susanne und ihr Vater Abed seien Teil eines Heroin-Schmugglerringes, machen in dieser Zeit die Runde. Also da wird mit richtig harten, ekligen Bandagen gekämpft. Und tatsächlich schafft es Adel Matuk, ein Gerichtsurteil zu erwirken, laut dem Susanne eine Zeit lang den Libanon nicht verlassen darf. Also er hält sie wirklich gefangen, als sie sich von ihm trennen will. Und so rücken ihre Musik und ihr Talent nur wenige Jahre nach ihrem Durchbruch immer weiter in den Hintergrund. 2002 erscheint noch ein Album von ihr. Danach wird es musikalisch still um die ehemalige Popqueen. Mit Ausnahme der Single Lovers, die sie 2006 herausbringt und dem getöteten libanesischen Premierminister Rafi Kariel widmet. Zu diesem Zeitpunkt hat Susannes Privatleben eine erneute Wendung genommen. Und zwar am Silvesterabend 2004-2005. Den feiert Susanne Tamim im Red Star Resort in Ägypten, in dem ihre Tante arbeitet. Auf der Silvesterparty lernt sie auch den Besitzer des Hotels, Hisham Talat Mustafa, kennen. Mit 45 Jahren ist der deutlich älter als die damals 27-jährige Susanne, doch die beiden verstehen sich auf Anhieb. Mustafa verspricht Susanne, ihr bei der Scheidung von Adolmatouk zu helfen. Der 45-Jährige mit dem imposanten Schnäuzer ist ein einflussreicher Mann. Seine TMG Holding ist der größte Immobilienentwickler Ägyptens. 2024 zum Beispiel verkaufte die Firma Immobilien im Wert von 10 Milliarden Dollar. Ja, also das ist schon ein sehr, sehr reicher Mann. Und auch politisch ist der Unternehmer in seiner Heimat gut vernetzt. Unser Fall spielt ja vor dem ägyptischen Frühling. In Ägypten ist zu diesem Zeitpunkt noch Husni Mubarak, genannt der Pharao, seit 25 Jahren unangefochten Staatspräsident des Landes. In dessen National Democratic Party ist auch Hisham Talat Mustafa Mitglied und als enger Vertrauter von Mubaraks Sohn Jamal Teil der ägyptischen Elite. Genau mit diesem mächtigen Mann geht Susanne Tamim nun eine Beziehung ein. Und das, obwohl Hisham bereits eine Ehefrau und drei Kinder hat. Wobei man sagen muss, in Ägypten ist es nach islamischem Recht übrigens bis heute vollkommen legal, dass ein Mann bis zu vier Ehefrauen hat. Eine Frau darf allerdings, surprise, surprise, nur einen Ehemann haben. Natürlich, wie könnte es anders sein? Ja, verdammt, die ist eine Moral. Finanziell verwöhnt, hier schaum seine neue Freundin Susanne. Er hält ihr dauerhaft eine Hotelsuite frei und nimmt sie regelmäßig in seinem Privatjet mit. Doch der Luxus hat einen hohen Preis. Ebenso wie ihre vorherigen Partner will Mustafa die absolute Kontrolle über Susanne. Ein Journalist schreibt später, er wollte nicht, dass sie sang. Der Komponist Samir Sefir reiste sogar nach Ägypten, um die Produktion ihres neuen Albums zu überwachen, das jedoch nie veröffentlicht wurde. Also sie versucht irgendwie immer wieder mit der Musik durchzustarten, weil das ihre Leidenschaft ist. Ja klar, das können wir gut verstehen. Ja genau und dann gibt es eben Männer, die sie davon abhalten wollen. Es ist wirklich wie verhext. Laut Freunden hat Tamim in keiner ihrer Beziehungen jemals Kontrolle über ihr eigenes Leben. Nach knapp drei Jahren ist sie Hishams Kontrollwahn leid und flieht nach London, wo sie den britisch-irakischen Kickbox-Weltmeister Riyad al-Azawi kennenlernt und eine Beziehung mit ihm eingeht. Ein breiter Typ mit vollem Bart, dessen selbstsicheres Lächeln verrät, dass er Erfolg gewohnt ist. In seiner gesamten Karriere wird er keinen einzigen Kampf verlieren. Doch auch Riad kann Susanne kein komplettes Gefühl der Sicherheit geben. Obwohl sie nun tausende Kilometer von Ägypten entfernt ist, fürchtet sich Tamim immer noch vor ihrem Ex Hisham Talat Mustafa. Sie fühlt sich verfolgt und bekommt außerdem immer wieder seltsame Drohanrufe und Nachrichten. Außerdem versucht Hisham Susannes gesamtes Vermögen in der Schweiz einfrieren zu lassen. Sie hat in einem Zustand der Panik gelebt. Sie hat nicht mal von einer Pepsi-Flasche getrunken, wenn es nicht sie selbst war, die sie geöffnet hat. Sie hatte Angst um ihr Leben, berichtet Susanns damaliger Friseur. Ihre Angst geht sogar so weit, dass sie die Polizei einschaltet. Doch auch das hilft ihr nicht. Schließlich wird es ihr zu viel und sie zieht gemeinsam mit ihrem neuen Freund Riad ins vermeintlich sichere Dubai, wo alles besser werden soll. Ach, das ist so schlimm. Vielen Dank. Aber jetzt haben wir eigentlich zumindest zwei Ex-Männer, die ihr vielleicht nach dem Leben getrachtet haben könnten. Ja, vielleicht sogar auch noch der allererste Irrmann. Genau. Zwei bis drei. Natürlich war es keiner von ihnen selbst, aber mit genügend Geld und den richtigen Verbindungen kann ein Auftragsmord kein Problem darstellen. Ja. Und gerade der letzte, also was war der erste nochmal vom Beruf? Das weiß ich gar nicht. Sie hat ihn auf jeden Fall im Studium kennengelernt. Achso, okay. Dann wird der nicht so viel Einfluss gehabt haben. Wahrscheinlich nicht. Den lassen wir mal weg. Ja. Aber der Musikproduzent und dann dieser Geschäftsmann mit den politischen Verbindungen. Also für die ist es ja durchaus denkbar, dass sie sowas machen lassen. Ja, also wir haben ja eine Menge an Verdächtigen, drei, vielleicht auch nur zwei, aber auf jeden Fall gibt es da schon einige, die sich anbieten würden. Während die Fahndung nach Susannes Mörder, um dessen Identität die Polizei weiterhin ein Geheimnis macht, weiterläuft, ist Susann Tamins Familie verzweifelt. Sowohl ihr Vater Abed als auch ihr Ex-Mann Adel Matuk fliegen nach Dubai, doch wirklich was ausrichten können sie natürlich nicht. Am 2. August 2008 wird Susannes Leichnam schließlich nach Beirut geflogen, wo sie am nächsten Morgen auf einem islamischen Friedhof beerdigt wird. Ihr Grabstein ist aus weißem Marmor. Neben der Familie trauern weltweit zahlreiche Fans um die Sängerin. Vor allem auf den sozialen Medien ist die Bestürzung über den grausamen Tod des Popstars riesig. Es gibt Trauervideos, unterlegt mit ihren Songs und lange Abschiedsbriefe von Fans. Einer schreibt zum Beispiel auf Facebook, Oh Geliebte der Massen, oh schönste Stimme, schönstes Bild, Ruhe in Frieden. Du wurdest angegriffen, verbannt, ungerecht behandelt und am Ende haben sie dich getötet. Warum? In dieser Zeit wird der Name Tamim zu einem der meistgegugelten Begriffe in der arabischen Welt. Auch in den klassischen arabischen Medien ist der Mord an Susanne Tamim eines der Team. Einige Redaktionen und Blätter gehen dabei extrem weit und drucken Fotos von Tatort und von Tamims Fleiche auf ihren Titelseiten. Und die sind immer noch im Internet zu finden. Googelt nicht danach, ich habe sie gesehen. Das ist wirklich ganz, ganz, ganz schlimm. Sowas geht zu weit. Ja, natürlich. Also man ermordet ja eine Person praktisch noch ein zweites Mal, wenn man sie so zeigt irgendwie in der Öffentlichkeit. Und ich finde, das geht auch einfach niemandem was an. Das öffentliche Interesse ist, ich habe es gerade schon gesagt, immens. Und dadurch wächst auch der Druck auf die Polizei, bald einen Täter zu präsentieren. Aber diese gibt weiterhin keine Infos heraus, außer dass es einen arabischen Tatverdächtigen gibt. Und so sind es vor allem Gerüchte, die medial immer mehr die Runde machen. Früh ist die Rede von einem möglichen Auftragsmord und es hält sich das Gerücht, dass der Täter Ägypter sei. So titelt die unabhängige ägyptische Zeitung Aldous Tour. Ist eine großägyptische Persönlichkeit an dem Mord der libanesischen Sängerin Susanne Tamim beteiligt. Und jetzt wird es wirklich krass. Noch am selben Tag werden drei Aldous-Tour-Journalisten von den ägyptischen Behörden zur Vernehmung einbestellt. Der Verkauf der Ausgabe wird verboten und alle Exemplare aus den Läden entfernt. Die ägyptische Generalstaatsanwaltschaft hat nämlich ein Verbot erlassen, über den Fall zu schreiben. Also, falls mal wieder irgendwer mir erzählen will, dass man bei uns ja gar nichts mehr sagen darf in Deutschland und meinetwegen auch in Österreich, das hier bedeutet es, wenn man wirklich nichts mehr sagen darf, wenn nicht die Regierung die Meinungs- und Pressefreiheit in einem Land einschränkt. Heftig, aber man kann sich ja denken, welche Interessen dahinter stehen. Absolut. Was zunächst ein Gerücht ist, wird bald zur Tatsache. Am 6. August, also knapp zwei Wochen nach dem Mord, wird in Kairo an Bord eines Restaurantboots auf dem Nil ein schlanker Mann Mitte 30 verhaftet. Der Mann ist Ägypter und heißt Mosen al-Sukari. Es ist der Mann, den die Ermittler auf den Überwachungskamera-Aufnahmen aus dem Haus von Susann Tamim gesehen haben. Und der Mann, mit dessen Kreditkarte die blutverschmierten Kleidungsstücke am Tatort kurz vorher gekauft wurden. Tests ergeben darüber hinaus, dass sich neben Tamims DNA auch seine DNA-Spuren auf den Kleidungsstücken befinden. Ebenso stimmen die Fingerabdrücke am Tatort mit denen von El Sukari überein. Der Hauptverdächtige im Mord der libanesischen Sängerin Susanne Tamim in Dubai kommt also, wie einige Medien vorher schon spekuliert haben, aus Ägypten. Das überrascht mich jetzt wenig. Ja, man hätte es kommen sehen können. Wobei, woher der Austragskiller kommt, ist ja eigentlich fast für den Fall gar nicht so relevant. Nein, aber bei den Reaktionen der Regierung noch dazu. Aber wer ist denn dieser Mann? Was kannst du mir über den erzählen? Ja, man muss leider sagen, dass es ganz, ganz wenige Informationen nur gibt über Mohsen al-Sukhari. Das kann auch ein bisschen mit dieser Nachrichtensperre in Ägypten zusammenhängen. Also ägyptische Medien hatten nicht die Chance, großartig zu ihm zu recherchieren. Was man aber weiß, zum Zeitpunkt seiner Verhaftung ist er Mitte 30 und früher hat er wohl als Polizist gearbeitet. Später wechselt er dann den Beruf und wird privater Sicherheitsmann. Bis 2004 arbeitet er in dieser Funktion beim Four Seasons Hotel in Sharm el-Sheikh am Roten Meer. Und Besitzer dieses Hotels ist, du kannst es dir vielleicht schon denken, Hisham Talat Mustafa. Also einer der reichsten und mächtigsten Männer Ägyptens, uns. Exfreund von Susanne Tamim. Und genau diesen Geschäftsmann belastet Mohsen al-Sukari nach seiner Verhaftung schwer. Mohsen erklärt den ägyptischen Ermittlern, Hisham Mustafa habe ihm zwei Millionen US-Talot dafür angeboten, Tamim umzubringen. Der Mord an der jungen Frau sei lange geplant gewesen. Eigentlich hätte Tamim schon in London getötet werden sollen. Al-Zukari erzählte den Ermittlern, dass Mustafa ihn beauftragt habe, Susanne Tamim in der britischen Hauptstadt vom Balkon zu werfen und das Ganze wie ein Selbstmord aussehen zu lassen. Al-Zukari erzählt, er habe den Job zwar angenommen, aber nie wirklich vorgehabt, Susanne wirklich umzubringen. Immer wieder will er seinen Auftraggeber vertröstet haben, doch dieser sei hartnäckig geblieben. Und so will Mosen Al-Zukari weiter an Susanne Tamim drangeblieben sein und sie über Wochen sowohl in London als auch in Dubai ausspioniert haben. Die benötigten Visa für die Reisen habe Mustafa ihm beschafft. Zum Beweis seiner Anschuldigungen zeigt er den Polizisten Textnachrichten und Telefonate, die er heimlich mitgeschnitten hat. In einer der Sprachmemos hört man Hisham Talat Mustafa sagen, der beste Weg, sie loszuwerden, ist sie von oben hinunter zu stürzen. In höchstens einer Woche oder zehn Tagen mehr habe ich dazu nicht zu sagen. Also der macht ordentlich Druck. In einem heimlichen Mitschnitt eines Telefonates hört man als Sukari sagen, rufen Sie mich zur Sicherheit von unterschiedlichen Nummern an. Es gibt gute Neuigkeiten. Die Angelegenheit ist fast gelöst. In anderen Telefonaten wiederum hören die Ermittler, Auftraggeber Hisham Mustafa wütend auf seinen Auftragskiller einreden, nachdem der ihm vom Scheitern eines Mordversuches erzählt. Also es kommt nicht wirklich zum Versuch, weil es schon vorher abbricht, aber er erzählt ihm halt, ah, hat leider wieder nicht geklappt. Aber das ist so interessant, dass er diese Gespräche mitschneidet. Ja, man könnte meinen, dass er entweder vorgehabt hat, seinen Auftraggeber irgendwann zu erpressen, weil das wäre ja ein Grund, oder sich schon mal rückzuversichern, genau, falls ihm was passiert oder falls er gefasst wird. Also man muss sagen, Namen werden in diesem Telefonat nicht genannt, es wird immer nur von einer Frau gesprochen oder von Ziel, aber dass es um Termin geht, ist relativ offensichtlich. Kurz nach Terminstod schickt Al-Zukari seinem Auftraggeber dann folgende Nachricht. Boss, vergiss bitte nicht mehr das Geld zu schicken. Das Geld habe er von Mustafa persönlich erhalten, erklärt Al-Zukari den ägyptischen Polizisten in der Vernehmung und führt sie zum Versteck des Geldes. Also das gibt es wirklich. Trotzdem behauptet Mohsen Al-Zukari, dass er Susanne Tamim nicht ermordet hat. Stattdessen tischt er den Ermittlern eine ziemlich abenteuerliche Geschichte auf. Am Tag vor Susannes Tod, also am 28. Juli 2008, will er die Sängerin in ihrer Wohnung besucht haben. Dabei habe er ihr einen Bilderrahmen übergeben, der mit Kokain gefüllt war. Ob die Sängerin gewusst hat, dass in dem Bilderrahmen Koks versteckt war, ist nicht ganz klar. Jedenfalls war laut Mosen als Sukari der Plan, nach dem Besuch die Polizei zu rufen, um Susanne Termin wegen Drogenbesitzes anzuschwärzen. Das ist natürlich bei uns auch keine gute Sache, aber in den Vereinigten Arabischen Emiraten ist Drogenbesitz doch noch um ein Vielfaches schlimmer. Ja, genau das. Also Dubai hat beim Thema Drogen und auch die restlichen Emirate eine absolute Null-Toleranz-Politik. Das kenne ich eigentlich sonst nur so aus Ländern wie Singapur. Also schon der Besitz von allerkleinsten Mengen kann zu langen Haftstrafen führen. 2007 zum Beispiel wird ein ägyptischer Banker wegen des Besitzes von 0,03 Gramm Haschisch, also das ist so viel wie so ein kleines Sandkorn, ein einzelnes Sandkorn, zu vier Jahren Haft verurteilt. Bei Drogenhandel ist in dem Emirat sogar die Todesstrafe möglich, also das könnte wirklich ein Plan gewesen sein, um sie loszuwerden, als dann als Zucaris Anwälte dazu stoßen wird ihm plötzlich klar dass er sich mit der Drogengeschichte auch selbst in Gefahr bringt, weil er hat ja erzählt dass er die Drogen besorgt hat und versteckt hat, und da plötzlich fällt ihm dann auf dass irgendwie doch kein Kokain in dem angeblichen Bilderrahmen war, Nicht so richtig glaubwürdig. Nach der Übergabe will Mohsen als Sukari dann seinen Auftraggeber Hisham Mustafa in Ägypten angerufen und ihm gesagt haben, dass der Auftrag erledigt und zu seinem Termin tot sei. Also er will ihn angelogen haben und hat dann aber einfach gar nichts gemacht. Wie glaubwürdig finden wir das? Und davon hat er keinen Audio-Mitschnitt. Komischerweise nicht. Mhm, gut, aber wenn er ihm sagt, ja, die Susanne ist jetzt tot und dann kommt er drauf, das stimmt gar nicht. Also, das ist ja schon sehr gefährlich für ihn selbst. Klingt ein bisschen komisch. Ist nicht so richtig durchdacht. Also, er war da. Er war bei ihrer Wohnung, aber an einem anderen Tag und er hat sie nicht niedergemetzelt. Das war ein anderer Mann am Tag drauf. Der Klamotten getragen hat, die er mit seiner eigenen Kreditkarte bezahlt hat. Die ihm ja auch nicht gestohlen wurde. Richtig. Das hätte er noch sagen können. Und wo auch DNA von ihm drauf war. Ja. Ja, okay. Da er den Mord in London schon nicht erledigt hatte, könnte der Auftraggeber natürlich die Nase von ihm voll gehabt und jemand anderen engagiert haben. Also das gebe ich nur auch noch zu bedenken. Zusätzlich zu all dem, was mit seiner Aussage wahrscheinlich alles nicht stimmt, beziehungsweise die Beweise, die gegen ihn sprechen, möchte ich das auch noch mit in den Raum werfen. Ich sage mal so, wenn ich jetzt ein Auftraggeber von einem Mord wäre und ich würde jemandem irgendwie zwei Millionen Dollar bieten dafür, dass er wen umbringt und habe wahrscheinlich schon einiges an Spesen bezahlt und Visa bezahlt, Da würde ich aber schon darauf drängen, dass derjenige den Job auch erledigt und nicht noch einen zweiten losschicken. Ich meine, es ist nicht ganz ausgeschlossen, aber die Spuren führen halt alle zu Mosen-Alzukabe. Also das ist, da aus der Nummer kommt er, glaube ich, nur schwerlich wieder raus. Ja. Also die Ermittler sehen das ähnlich wie wir beiden. Also die glauben ihm kein Wort, bis auf einen Punkt, dass er den Auftrag hatte, Susanne Tamim zu ermorden. Das glauben sie ihm schon. Das kann er auch ziemlich gut belegen. Interessant finde ich aber, dass zu diesem Zeitpunkt noch nicht offiziell gegen den Auftraggeber, also gegen Hesham Mustafa, ermittelt wird. Doch obwohl von den ägyptischen Behörden kaum Infos zu den Ermittlungen herausgegeben werden, kommt die Presse ziemlich schnell auf die Verbindung zwischen dem Killer und einem der reichsten Männer des Landes. Weil er hat ja ganz offiziell schon vorher für ihn gearbeitet. Schon kurz nach der Festnahme von Mohsen al-Sukhari berichten mehrere Medien darüber, dass der mutmaßliche Mörder früher als Sicherheitsmann für Mustafa gearbeitet hat. Und so taucht der Name von Susannes Exfreund zum ersten Mal im Zusammenhang mit dem Mord in der Presse auf. Unangenehm für den Herrn. Unangenehm für den Herrn. Und man muss auch sagen, dass es eben nicht ägyptische Medien sind, sondern dass es Medien in Dubai sind, die darüber berichten. Die kann er nicht so kontrollieren. Die kann er nicht so kontrollieren. Und das ist natürlich genau das, was Hisham Talat Mustafa mit all seinem Einfluss die ganze Zeit zu verhindern versucht hat. Und so tritt der Geschäftsmann mit den weißen Haaren und dem dicken schwarzen Oberlippenbart im August im ägyptischen Fernsehen auf und weist alle Vorwürfe weit von sich. Bei diesen handele es sich lediglich um, Zitat, Gerüchte der Konkurrenz gegen unser Unternehmen auf lokaler und internationaler Ebene. Natürlich. Mustafa geht sogar so weit zu sagen, dass diese Gerüchte gegen ihn der ägyptischen Wirtschaft, also der gesamten Wirtschaft schaden würden, weil dadurch der Börsenkurs seiner Firma, der TMG Holding, in den Keller gekracht ist. Als Reaktion darauf fordert der mächtige Mann ein Gesetz, das das Verbreiten von Gerüchten unter Strafe stellen soll. Das ist schon wild, ne? Also die Eier musste er erstmal haben. Während Mustafa sich um Kopf und Kragen redet, blickt ganz Ägypten gespannt auf den Fall. Zweifel an der Schuld von Isham Talat Mustafa hatte kaum jemand. Trotzdem glauben die Menschen in Ägypten nicht, dass Mustafa bestraft oder auch nur verhaftet wird. Schließlich ist Korruption damals weit verbreitet und Mustafa hat einen direkten Draht zu Staatschef Mubarak und dessen Familie. Im Ägypten der 2000er Jahre ist das ehrlicherweise gleichzusetzen mit der Komm-aus-dem-Gefängnis-Freikarte bei Monopoly. Also kannst eigentlich machen, was du willst. Wenige Jahre zuvor ist ein Vertrauter des Präsidenten freigesprochen worden, nachdem dessen marode Fähre Salam 98 gesunken ist und dadurch mehr als 1000, Menschen ums Leben gekommen sind. Also das ist auch wieder so ein Fall, auf den ich während der Recherche getroffen bin und gedacht habe, okay, da muss ich auch eine Folge zu machen. Das ist wirklich komplett wild und da war ganz klar, dass die da gefuscht haben und trotzdem passiert nichts. Zumindest dem reichsten von ihnen nicht. Genau, genau. Den Reichen passiert eben nichts. Und Ishaum Talat Mustafa ist ja nicht nur erfolgreicher Unternehmer mit guten Verbindungen und einer der reichsten Männer des Landes, sondern er ist auch Politiker. Er sitzt für die Regierungspartei NDP im ägyptischen Oberhaus und ist deshalb durch seine politische Immunität vor Strafverfolgung geschützt. Also auch das noch. Umso überraschter sind viele Menschen in Ägypten, als am 2. September 2008 Mustafa's Immunität aufgehoben und er selbst noch am selben Tag verhaftet wird. Damit ist klar, dass die Indizien gegen den Geschäftsmann so erdrückend sein müssen, dass ihm nicht mal mehr seine Nähe zum Staatspräsident Hosni Mubarak schützen kann. Ein ägyptischer Kolumnist meint damals, es ist klar, dass die Behörden in Dubai starke Beweise gegen Hisham Talat Mustafa haben und deshalb mussten die Behörden hier ihn auch verhaften. Ansonsten hätten die ägyptischen Behörden seine Immunität nicht aufgehoben und ihn verhaftet. Ein anderer Journalist schreibt, ich glaube, es ist ein schlauer Zug. Andernfalls würde er, und damit meint der Mubarak, sich deutlich gegen die öffentliche Meinung stellen, zumal dieser Fall eine arabische und eine internationale Dimension hat. Hätte er das nicht getan, hätte er sich gegen ein arabisches Land, also die Vereinigten Arabischen Emirate gestellt, zu dem wir enge und historische Beziehungen unterhalten. Eine Auslieferung der beiden Inhaftierten an das Emirat kommt aber trotzdem nicht in Frage, denn Ägypten liefert seine eigenen Staatsbürger nicht an andere Länder aus. Also man kann sagen, der Druck ist zu groß geworden, dass der Mord in einem, Partnerland stattgefunden hat, zu dem Ägypten wichtige wirtschaftliche Beziehung unterhält, hat auch eine große Rolle gespielt. Also, dass die beiden Verdächtigen eben nicht ausgeliefert werden, sorgt bei vielen Ägyptern für ein komisches Gefühl. Sie glauben nicht, dass das ein gutes Zeichen ist. Sie wünschen sich natürlich, dass der Prozess in den Emiraten stattfindet, wo sie einen faireren Prozess erwarten. Dennoch sind sowohl Susanne Tamims Vater Abed als auch das ägyptische Volk, ich würde mal sagen, vorsichtig hoffnungsvoll, dass es möglicherweise doch Gerechtigkeit geben wird. Und so blicken Millionen Augen dem Prozess gegen Mosen al-Zukari, aber auch vor allem dem gegen Hisham Talat Mustafa entgegen. Bevor wir darüber sprechen, wie dieser Prozess verlaufen wird, möchte ich dir erstmal ein bisschen was über den mutmaßlichen Drahtzieher in diesem Fall erzählen. weil ich glaube, das ist auch nicht ganz unwichtig. Hisham Talat Mustafa wird am 9. Dezember 1959 in der ägyptischen Hafenstadt Alexandria geboren. Seinem Vater Talat Mustafa gehört die Talat Mustafa Group, eine Baufirma. Mit 21 Jahren macht Mustafa seinen Abschluss in BWL an der Universität von Alexandria und steigt danach in die Firma seines Vaters ein, in der auch schon seine beiden älteren Brüder arbeiten. Schon damals hatte die Vision die Ausrichtung der TMG anzupassen und aus ihr einen Pionier in Sachen Immobilien Tourismus zu machen 1983. Heiratet Tisham seine Frau Huayda und bekommt mit ihr drei Kinder unter seiner Führung baut die Firma 1986 große und exklusive Wohnkomplexe und Touristenresorts in den schönsten Ferienorten des Landes in den schönsten Ferienorten des Landes, 1994 baut Shisham Mustafa Schwiecich einen ganzen Stadtteil von Kairo, also einen neuen Stadtteil von Kairo für reiche Menschen, Al Rehab in Neukairo. Dort sollen 200.000 Menschen unterkommen. Ausgestattet sind die Wohngegenden mit allen wichtigen Dienstleistungen und Freizeiteinrichtungen. Also das sind Bauprojekte, die du dir in Deutschland oder Österreich gar nicht vorstellen kannst. Mustafas Konzept geht auf. Die TMG entwickelt sich zur größten Immobilienfirma Ägyptens und Shisham wird selbst bald zum Mediadeer. Dabei hat er aber immer wieder mit Korruptionsvorwürfen zu kämpfen. So kauft TMG 2006 beispielsweise 33 Quadratkilometer Land vom ägyptischen Staat für Mustafas Mammutprojekt Madinadi. Das ist so eine Satellitenstadt östlich von Kairo, die auch so als Gated Community für die Allerreichsten aufgebaut werden soll. Der Kauf wird zu einem echten Skandal, als herauskommt, dass Hisham das Land vom ägyptischen Staat für fast eine Milliarde unter dem eigentlichen Marktwert bekommen hat. Wow, eine Milliarde ist unglaublich. Das ist so viel, das kann man sich nicht vorstellen. Ja, also die politischen Verbindungen, möchte man sagen, die machen sich bezahlt. Könnte man überlegen, ob da vielleicht irgendwie Geld geflossen ist. Praktischerweise ist Isham 2004 für die Mubarak-Partei NDP ins ägyptische Oberhaus gewählt worden. Als dann zwei Jahre später wegen der Korruptionsvorwürfe gegen ihn ermittelt wird, schaffte es durch seine politische Immunität und seine Nähe zu Herrscherfamilie Mubarak seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Also die, ich bin Politiker und ich habe politische Immunität, Karte hat ihm einmal auf jeden Fall schon mal geholfen. Und ob ihm das auch im Fall Susanne Tamim gelingt, das soll ab dem 18. Oktober 2008 vor Gericht geklärt werden. Mohsen Al-Zukari ist in dem Prozess wegen Mordes an Susann Tamim angeklagt und Hisham Mustafa wegen Anstiftung, Vereinbarung und Unterstützung des ersten Angeklagten zum Töten des Opfers aus einem Rache-Motiv. Der Prozess findet unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt. Um das Gericht herum sollen 2000 Sicherheitskräfte mögliche Störungen im Keim ersticken. Das erinnert mich an so große Terrorismus- und Mafia-Prozesse. Also man hat wohl die Befürchtung, dass der irgendwie sein Geld nutzt, um da... Abzuhauen oder da irgendwie eine, keine Ahnung, einen Protest anzuzetteln. Das Gebiet um das Gerichtsgebäude wird weiträumig abgesperrt. Sogar auf den umliegenden Dächern stehen bewaffnete Polizisten. Boah, ja, also noch mehr geht nicht. Sonst hätten sie noch mehr gemacht. Ja, das ist wohl so. Im Gerichtssaal selbst sitzen beide Angeklagte in Käfigen hinter dicken Eisenstangen vor engmaschigen Gittern. Das scheint aber in ägyptischen Strafprozessen tatsächlich so üblich zu sein. Ich kannte das aus Russland, da gibt es ja mehr so Glaskästen. Aber das sieht halt wirklich aus wie so ein Käfig im Zoo. So ein Hühnersäufig. Ja, genau das. Während des Prozesses liest Isham Mustafa fast durchgehend im Koran. Al-Sukhari sitzt nahezu regungslos in seinem Käfig. Ab und zu murmelt er mit leeren Augen etwas vor sich hin. Beide Angeklagte würdigen sich keines Blickes. Was sonst im Gerichtssaal geschieht, erfährt die Öffentlichkeit nicht. Schon früh im Prozess hat der Vorsitzende Richter verboten, Prozessdetails zu veröffentlichen. Die anwesenden Journalisten dürfen ausschließlich über offizielle Verfahrensentscheidungen und über das abschließende Urteil berichten. Im Prozess selbst weisen beide Angeklagte jegliche Beteiligung an den Mord weit von sich. Doch die Beweise sprechen eine andere Sprache, vor allem was Mohsen Alsukari angeht. Das sind zum Beispiel die schwarze Hose und das T-Shirt voller Blut von Susanne Tamim und mit der DNA von Alsukari, dass die Ermittler Müll gefunden haben, das Messer mit seinen Finger abdrücken und natürlich die Kameraaufnahmen aus dem Wohnhaus des Opfers zum Tatzeitpunkt. Und der einzige Strohhalm, der als Sukaris Anwalt bleibt, ist, die Beweismittel irgendwie kleinzureden. So behauptet der Verteidiger, das Datum der Überwachungskameras könne manipuliert worden sein, weil er war ja angeblich schon am Vortag da. Ein Ingenieur, der die Überwachungskameras im Haus installiert hat, hält dagegen, dass eine Fälschung der Daten unmöglich sei. Naja, ernsthaft unmöglich wahrscheinlich nicht, wenn man sich genügend auskennt. Das tue ich offensichtlich nicht. Aber ich traue diesen überreichen Menschen mit zu viel Macht zu, dass sie auch das manipulieren können oder lassen können. Oder dass man dem Ingenieur gesagt hat, in dieses Kuvert schaust nachher rein, aber du sagst, dass man das nicht manipulieren kann. So macht man das also in Österreich. Ich finde das schön. In das Kuvert schaust später rein. Das gefällt mir sehr gut. Also wenn ihr Kuverts habt, dann immer her damit. Nein, Spaß. Also ja, du hast recht, aber in dem Fall sind ja wirklich so viele einzelne Indizien, also Fingerabdrücke auf dem Messer, DNA-Spur und so weiter und so fort. Da hätte man sich sehr, sehr, sehr viel Mühe geben müssen, das alles zu fälschen. Es ist ein großer Aufwand. Ich meine nur, dass es für mich nicht vollkommen undenkbar ist, dass man ihn betrieben hat. Mit Geld und Macht kann man eben viel machen. Isham Talat Mustafa behauptet dagegen, er habe Moussen al-Sukari vor dem Prozess noch nie in seinem Leben gesehen. Und auch mit dem Mord will der Baulöwe nichts zu tun haben. Doch auch hier sprechen die Indizien eine andere Sprache. Vor Gericht werden die mitgeschnittenen Telefonate vorgespielt, auf denen Mustafas Stimme klar und deutlich zu hören ist. Die Anwesenden hören, wie der Unternehmer als Sukari Geld bietet, um jemanden loszuwerden und wie er ausrastet, als der Mordversuch in London schiefläuft. Auch an der Echtheit der Telefonate besteht kein Zweifel. Anhand von Anrufdaten bestätigt die Telefongesellschaft die Authentizität der Beweise. Dennoch, Hisham Mustafa und seine Verteidiger behaupten weiter, die Anrufe hätten nie stattgefunden. Aber das sollen sie auch anderes machen. Außerdem erklärt der Geschäftsmann, dass er ja gar keinen Grund gehabt hätte, Susanne Tamim ermorden zu lassen. Ja, die Beziehung der beiden sei zu Ende gewesen, aber er habe sie verlassen und nicht andersrum, so erzählt es der Geschäftsmann vor Gericht. Der mittlerweile 50-Jährige gibt an, er habe zwar überlegt, Susanne Tamim zu seiner zweiten Ehefrau zu machen, dann habe er sich aber umentschieden. Zwar habe er, Zitat, großes Mitgefühl für Susanne Tamim, die mit familiären Problemen zu kämpfen hatte, doch letztendlich habe er sich vor dem, Zitat, negativen Einfluss gefürchtet, den eine Ehe mit ihr auf sein persönliches, professionelles und politisches Leben gehabt hätte. Also nochmal schön das Opferschämen. Ja, und es ist ja auch immer wichtig zu sagen, dass man selbst Schluss gemacht hat und nicht mit einem Schluss gemacht wurde. Naja. Vor allem darf eine Frau wahrscheinlich nicht mit ihm Schluss machen. Ja, er hat jetzt noch ein anderes Argument ins Feld geführt, nämlich seine strenge Mutter, die sei gegen eine Hochzeit gewesen und diesen Wunsch habe er natürlich respektieren wollen. Auch ihr wieder. Hat man in Mazedonien ja auch schon, die Mami zu sich da einmischen. Als Tamim schließlich nach London gezogen sei, habe er den Kontakt zu der Sängerin beendet. Das erste, was er wieder von ihr mitbekommen habe, sei die Nachricht ihres Todes in den Medien gewesen. Ich war schockiert von der Nachricht ihres brutalen Todes, erklärt er vor Gericht. Doch auch das stimmt nicht so ganz mit der Beweislage überein. Du hattest doch gesagt, dass er dem Mohsen die Visa beschafft hat und so. Mhm. Kann er ja auch so gemacht haben. Ach so, hat er damit nichts zu tun. Hat damit nichts zu tun. Nee, es gibt noch ein paar andere Zeugenaussagen, die darauf hinweisen, dass es nicht ganz stimmt, was er da erzählt. So sagt nämlich beispielsweise eine Freundin von Susanne Tamim aus, Hisham Mustafa sei mehrfach nach London gereist, um Susanne zu besuchen. Aber die habe sich vor ihm versteckt. Schließlich habe Hisham sogar Susannes Eltern Geld gegeben, damit diese nach London reisen und ihre Tochter zur Vernunft. Und damit zu ihm zurückbringen. Doch selbst mit denen habe Susanne sich nicht treffen wollen, erzählt ihre Freundin. Auch Susannes letzter Verlobter, der Kickboxer Riyad al-Asawi, belastet Hisham im Prozess. Er berichtet davon, dass der Unternehmer Susanne 50 Millionen US-Dollar geboten habe, wenn sie zu ihm zurückkehrt. Sollte sie sich weigern, werde er einen Auftragsmörder engagieren, der sie töten soll. Also das hat der damalige Freund mitbekommen, wie das ausgesprochen wurde. Mit jedem neuen Indiz und jedem neuen Zeugen sieht die Lage für die beiden Angeklagten schlechter aus, obwohl beide die Tat weiterhin abstreiten. So sagt Hisham Talat Mustafa in seinem Schlussplädoyer, es ist nicht passiert. Ich bitte um Gottes Schutz, denn er ist mein stärkster Fürsprecher. Das Urteil gegen ihn und gegen Mosen als Sukari wird dann am 21. Mai 2009 verkündet. Beide werden vom Gericht zum Tod durch Erhängen verurteilt. Als sie das Urteil hören, brechen Hishams Töchter, die neben dem Käfig ihres Vaters sitzen, in Tränen aus. Und Hishams Schwester fällt sogar in Ohnmacht. Und seine Frau nicht. Ja, das weiß ich nicht, da war ich nicht dabei. Es wird nicht davon berichtet. Es wird nicht davon berichtet, genau, das würde ja wahrscheinlich irgendwo gestanden haben. Und auch die beiden Angeklagten wirken komplett fassungslos, als ob sie mit diesem Urteil nie gerechnet hätten. Beide schauen von ihren Koranen auf, die sie die ganze Zeit gelesen haben und können es selber gerade nicht glauben, dass sie zu Tode verurteilt worden sind. Ja, bei Hisham wundert es mich tatsächlich, ja. Ja. Es kommt überraschend, bei Moussen nicht so. Weil der hat nicht das Geld und die Macht und den Einfluss. Aber, dass das Todesurteil über ihn verhängt wird, bedeutet ja noch nicht, dass es auch vollstreckt wird, weil da kann sicherlich noch einiges geschehen. Ja, aber wie du schon gesagt hast, alleine schon dieser Schritt zu sagen, er ist schuldig und wird zum Tod verurteilt. Ist ein großer Schritt. Das ist ein großer Schritt für jemanden, der kurz vorher noch eigentlich alles machen durfte, was er wollte in Ägypten. Ja, es wirft aber auch ein schlechtes Licht auf die Machthaber des Landes vielleicht, wenn sie mit so einem so eng verbandelt sind. Und das ist eben, glaube ich, genau der spannende Punkt. Da ist es dann gekippt und da hat man ihn wahrscheinlich fallen gelassen, weil man gedacht hat, der Druck wird zu groß. Damit möchten wir dann jetzt doch nichts zu tun haben, weil es ja eben auch international so für vorgesorgt hat. Ja, zumindest vorerst. Also ich bin gespannt, ob du mir noch erzählen wirst, dass er tatsächlich hingerichtet wird. Ich glaube momentan nicht daran. Dann schauen wir mal, ob du recht hast. Nach der Verkündung des Urteils erklärt der Vorsitzende Richter, dass der Fall wie immer bei Todesstrafen an den höchsten religiösen Führer Ägyptens, den Großmufti Al-Ghoma, weitergeleitet wird. Dieser soll dann in einem Monat über das Vollstrecken der Todesstrafe entscheiden. Und die ägyptische Bevölkerung reagiert ähnlich überrascht wie du auf das harte Urteil. Für viele ist es eine Art Hoffnungsschimmer auf eine gerechtere Justiz, die eben auch die Reicheren und die Mächtigeren verurteilt. Und das autoritäre Regime nutzt, auch das hatten wir ja fast erwartet, diesen Urteilsspruch umgehend für sich. So erklärt ein Regierungssprecher, das Urteil zeige, dass die Regierungspartei keine Vetternwirtschaft kennt und dass niemand in Ägypten über dem Gesetz steht. Also jetzt nutzen sie es direkt für sich so aus. Man könnte also sagen, dass vor allem Hisham Mustafa das Pech hat, dass die ägyptische Regierung zu diesem Zeitpunkt unter großem Druck steht. Das hatte ich ja eben schon kurz erwähnt. Knapp anderthalb Jahre später wird die Wut der Menschen in vielen arabischen Ländern auf ihre Herrscher dazu führen, dass immer mehr Regierungen fallen. Zuerst in Tunesien und 2011 dann eben auch in Ägypten. Und diesen Druck hat man damals schon gespürt. Die Leute wollten Wandel, die wollten eine offene Gesellschaft und man hat halt glaube ich versucht, zumindest vorgegeben, dass man jetzt sich öffnet und dass die Justiz jetzt besser funktioniert. Also der Schuldspruch ist nicht nur ein politisches Symbol, sondern vor allem auch für die Familie von Susann Tamin der Schlusspunkt einer schrecklichen Zeit. Laut einem Anwalt der Familie könne zwar niemand glücklich über einen Tod sein, egal ob es sich um ein Verbrechen oder ein Todesurteil handele, dennoch sei die Familie froh, endlich einen Abschluss zu haben. Das finde ich übrigens bemerkenswert, dass man so ein bisschen Kritik auch für die Todesstrafe damit einfließen lässt, weil ich könnte es sehr gut verstehen, wenn meine Tochter so grausam ermordet wird, dass ich sage, ey, lass die beiden hängen und gut ist. Vor allem für die Arbeit von Dubais Medien und der Polizei dort zeigt sich Vater Abed dankbar. Gäbe es keine Zeitung in den Emiraten, würde ihr Recht nicht gehört werden. Sie haben uns geholfen, zur Wahrheit zu gelangen. Auf der Seite der Verurteilten sieht die Stimmung hingegen düster aus, so erklärt der Verteidiger von Hisham Talat-Mustafa. Dieses Urteil ist grausam. Ich möchte Talat-Mustafas Familie versichern, dass dieses Urteil vom Revisionsgericht einkassiert wird. Und tatsächlich, im März 2010 erkennt das ägyptische Kassationsgericht Verfahrensfehler und annulliert das Todesurteil. Ja, siehst du? Du hast es dir schon. Gedacht. Stattdessen soll ein neues Verfahren über die Strafe der Angeklagten entscheiden und in diesem zweiten Verfahren wird die Todesstrafe für beide Angeklagte im September 2010 aufgehoben. Stattdessen muss Moussen al-Sukhari für 25 Jahre ins Gefängnis, während Hisham Talat Mustafa eine Freiheitsstrafe von 15 Jahren erhält. Als das Urteil verkündet wird, stehen Mustafas Verwandte auf und applaudieren. Auf der anderen Seite ist Susannes Vater Abed entsetzt. Wenn er kein Milliardär wäre, wäre er schon lange weg. Es geht nur ums Geld. Es gibt keine Gerechtigkeit, denn wenn es welche gäbe, wäre das hier nicht passiert und die Geschichte wäre schon vorbei. Außerdem fügt er an, ich bin an einem Punkt, an dem ich keinen Glauben an die Welt, in der wir leben, habe. Ich habe jegliche Hoffnung aufgegeben und alles, worauf ich warte, ist, dass der allmächtige Gott über sie richtet. Aber das ist noch nicht alles, was Susannes Familie ertragen muss. In der Zwischenzeit hat sich ein hässlicher Streit um das Erbe der Sängerin entwickelt. Sowohl Susannes letzter Freund, Riyad Al-Azawi, als auch der Musikproduzent Adel Matuk erklären, der jeweils rechtmäßige Ehemann der Verstorbenen zu sein. Der Kickboxer Al-Azawi führt dabei zum Beispiel Nachrichten von Susanne an, in denen sie sich selbst als seine Ehefrau bezeichnet. In einer davon schreibt die Sängerin ihm drei Tage vor ihrem Tod aus Dubai, ich werde bis an mein Lebensende auf dich warten und sogar darüber hinaus. Ein Satz, der im Nachhinein wie eine dunkle Vorahnung klingt. Am Ende entscheidet ein Gericht, dass Adelma Thug, von dem sich Susanne ja unbedingt lösen wollte, ihr letzter rechtsmäßiger Ehemann ist. Damit stehen ihm neben dem Erbe der Sängerin auch mögliche Schadenersatzansprüche für ihren Gewalt haben Tod zu. Ja, die beiden waren halt offiziell verheiratet. Ja, genau. Aber auch geschieden, ja. Und hätte man da nicht anders urteilen können? Es ist ja, wie gesagt, sie waren geschieden. Es war irgendwie klar, dass Susanne ihn nicht mehr in ihrem Leben haben wollte. Warum sollten ihm dann ihre ganzen Sachen zustehen? Kann man da nicht es ihren Eltern geben, bevor man es dem Ex-Ehemann gibt? Genau, dem Ex-Ehemann, der ihre gesamte Karriere zerstört hat, ehrlicherweise. Und der auch versucht hat, ihr Leben zu zerstören. Das ist doch nur gut gemeint, Philipp. Ja, ja, natürlich. Das ist schon wirklich bitter. Ich weiß nicht, ob es da kein Testament gab oder ob die versucht haben, das Testament anzufechten. Aber das ist ja eigentlich nur ein weiterer Beleg dafür, dass in dieser Geschichte irgendwie die mächtigen Männer immer davon kommen mit dem, was sie tun. Ja, aber sobald du geschieden bist, die hat doch noch Familie. Ja. Also ich verstehe einfach nicht, warum... Das dann dem Ex zu tun? Ich weiß nicht, also es gibt ja glaube ich, das ist jetzt Halbwissen, es gibt glaube ich bei islamischem Recht gibt es unterschiedliche Scheidungen. Also ich glaube, ich kann mich vor dir scheiden, indem ich es ausspreche und dann gibt es glaube ich noch die juristische Scheidung. Und ich vermute, dass das vielleicht noch nicht ganz über die Bühne gegangen ist, anders kann ich mir das nicht erklären, weil genau wie du gesagt hast, bei einem Ex-Mann oder es war vielleicht ein altes Testament, wo sie ihn noch eingesetzt hat, was nicht geändert wurde. Das ist auch noch eine Möglichkeit. Ja, das ist alles eine Möglichkeit, ja. Ja, also der sowieso schon reich ist, kriegt jetzt auch noch ihren Reichtum oben da auf. Und währenddessen sitzen Moussen Al-Zukari und Hisham Talat Mustafa ihre Zeit im Gefängnis ab. Während man von Susannes Kehler kaum etwas mitbekommt, sucht der Mann hinter dem Mord immer wieder die Öffentlichkeit. In einem Brief aus dem Gefängnis schreibt er unter anderem, das aus seiner Sicht falsche Urteil gegen ihn, verdanke er Feinden des Erfolgs. Also die Leute sind neidisch auf ihn, deswegen haben sie ihm das da in die Schuhe geschoben. Außerdem schreibt er wenig bescheiden, diese Lügen werden die großartigen Pyramiden, die ich in der ägyptischen Wirtschaft errichtet habe, nicht zum Einsturz bringen. Kleiner hat er es nicht. Sein Status als mächtiger Chef der Talat-Mustafa-Gruppe ist er trotzdem erstmal los. Bereits nach seiner Festnahme hatte er die Geschicke des Unternehmens an seinen Bruder Tarek übertragen, der genau wie sein Bruder auch nicht unbedingt für faire Geschäftspraktiken bekannt ist. Aber klar, das Unternehmen muss weiterlaufen und man will alles von dem Unternehmen fernhalten. Und es hat sich auch gesellschaftlich und politisch einiges geändert in der Zwischenzeit. Mittlerweile ist der Pharao, Ägyptens Staatspräsident und Mustafas Kumpel Hosni Mubarak längst Geschichte und auch Mubaraks Nachfolger wurde durch einen Putsch aus dem Amt gejagt. 2014 wird bei Neuwahlen mit Abdal-Fatah al-Sisi der nächste Autokrat-Staatspräsident von Ägypten erledigt. Auf ihn setzt Hisham jetzt alle seine Hoffnungen. Schließlich unterhalten sein Bruder Tarek und das Familienunternehmen TMG zum neuen Präsidenten Ägyptens ebenfalls beste Verbindung. Also das hätte mich jetzt auch gewundert. Immer wieder beantragt Hisham deshalb seine Entlassung aus gesundheitlichen Gründen. Doch jedes Mal wird sein Gesuch abgelehnt. Bis zum 23. Juni 2017. Es ist der Tag vor dem Fest des Fastenbrechens am Ende des Ramadan. An diesem Tag begnadigt der Präsident in Ägypten traditionell verurteilte Verbrecher. 2017 sind unter den mehr als 500 begnadigten Steuerhinterzieher, Bandenbosse, Mörder, Wirtschaftskriminelle und Hisham Talat Mustafa. Nur neun Jahre nach dem Mord an Susanne Tamim und etwas mehr als der Hälfte seiner eigentlichen Haftstrafe kommt er wieder auf freien Fuß und übernimmt prompt wieder den Vorsitz der Talat Mustafa Group. Sofort steigen die Aktienkurse der Firma um 15 Prozent. Zusätzlich trudeln auch wieder etliche staatliche Aufträge ein. Alles ist so, als wäre nie etwas passiert. In Artikeln über den erfolgreichen Geschäftsmann werden der Mord und seine Zeit im Gefängnis als Herausforderungen beschrieben. Die Hisham mit seinem Durchhaltevermögen überstanden hat. 2025 kürt die arabische Ausgabe des Forbes Magazinen Hisham Mustafa zum vierteinflussreichsten Immobilienentwickler des Nahen Ostens. Im November 2025 präsentiert sich Hisham zusammen mit seiner neuen Ehefrau und seinen Kindern bei einer Pressekonferenz anlässlich des neuen Grand Egyptian Museums, dessen Hauptsponsor er ist. Wahnsinn. Also er steht wieder auf den roten Teppichen, ist ein reicher, mächtiger Unternehmer, als wäre nie etwas passiert. Ja, genau. Irre. Und Mohsen, wird der auch vorzeitig freigelassen? Ja. Oder muss der auch gehen? Der kommt auch frühzeitig aus dem Gefängnis. 2020 werden in Ägypten wegen der Corona-Pandemie noch mehr Gefangene begnadigt, um die Ausbreitung des Virus in den Gefängnissen zu verringern. Also hat man gedacht, Gefängnisse sind so voll, lassen wir einfach ein paar Leute frei. Lassen wir ein paar Mörder hier raus. Lassen wir ein paar Mörder laufen, genau. Auch unter den mehr als 3000 Entlassenen ist auch Mohsen al-Zukari. Statt 25 hat der Mörder von Susanne Tamim also nur knapp 12 Jahre in Haft verbracht. Doch seine Freiheit hält nicht lange. Schon kurz nach seiner Entlassung wird Mohsen erneut verhaftet, diesmal wegen Geldwäsche. Insgesamt 1,4 Millionen US-Dollar in bar findet die Polizei in seinem Haus. Dieses Mal lautet die Strafe drei Jahre Gefängnis. Aktuell sitzt Alzukari, soweit ich weiß, noch in Haft. Also der ist direkt wieder im Knast gegangen. Von seinem Opfer Susanne Tamim bleibt vor allem die Musik. Oder wie es ein bekannter Musikexperte schreibt, alles in allem erfuhr Susanne zu Lebzeiten und im Tod nichts als Ungerechtigkeit. Und ehrlicherweise könnte man das Leben einer Frau, über das immer Männer entschieden hat, selbst nach ihrem Tod, auch nicht besser beschreiben. Ja, Susanne tut mir so leid. Ja. Der ganze Wahnsinn hat schon damit angefangen, dass sie zu Beginn ihrer Karriere, diese Operationen an ihrem Gesicht und ihren Brüsten hat durchführen lassen, um einem bestimmten Schönheitsideal zu entsprechen. Ja, niemand von uns braucht große Tüten. Ja, ich sehe das ein bisschen anders, wenn du die jetzt selber für dich haben möchtest, weil du dir immer schon die Dinger gewünscht hast. Ja, aber da kann man auch noch weiter drüber reden, warum wünschst du sie dir überhaupt. Das stimmt, das stimmt. Andere Diskussion, aber sie hat sie nicht gebraucht, um bessere Musik zu machen. Absolut. Sie hat auch keine, wie hast du es genannt, Katzenaugen gebraucht, um bessere Musik zu machen. Weiß ich nicht, vielleicht hat sie durchschnittlich ausgesehen. Ist doch alles wunderbar. Eine schöne junge Frau, die vor allem singen kann. und beim Singen sollte es mehr um die Musik gehen, als um dein Aussehen. Dann ein furchtbarer Mal nach dem anderen. Das ging ja wirklich vom Regen in die Traufe. Voll. Sie musste immer wieder fliehen, nicht nur einmal. Und als sie dann einen an ihrer Seite hatte, einen professionellen Kämpfer, wo du irgendwie davon ausgehst, okay, jetzt bin ich sicher, er beschützt mich vor den anderen, da haben sie die Kerle trotzdem nicht gehen lassen wollen. Und stell dir vor, dir bietet jemand 50 Millionen Dollar, um wieder mit ihm zusammen zu sein. Das zeigt eigentlich, was sie für eine, trotz dieser ganzen Demütigung und trotz dieses ganzen Drucks und dieser furchtbaren Erlebnisse, was sie für eine starke Frau ist, zu sagen, ey, fuck you, behalte deine 50 Millionen, kein Bock auf dich. Ja, aber was sagst du denn, wenn dir jetzt ein Ex-Freund sagt, hey, 50 Millionen und du gehörst wieder mir? Komm ein bisschen auf den Ex-Freund an, aber ja, 50 Millionen sind 50 Millionen. Ja gut, aber sie weiß doch auch, dass sie dann nichts anfangen kann mit diesem Geld. Da kann sie sich auch für ein Butterbrot hergeben, weil sie wird nichts anfangen können mit diesem Geld. Sie hat ihre Freiheit dafür aufgegeben und ohne die Freiheit kann sie auch nicht einfach so über das Geld verfügen, wie sie möchte. Er gibt ihr nicht 50 Millionen und sie kann damit auf die Seychellen fahren oder irgendwie mal nach Europa schön Urlaub machen mit ihren Freundinnen, ganz alleine. Ja, absolut. Sondern sie muss dann in seinem Palast sitzen. Und was ich als das Traurigste in dieser Geschichte empfinde, ist, dass ja sie die ganze Zeit fremdbestimmt war auf eine Art. Erst von ihrem Vater, dann von ihrem ersten Ehemann, dann von ihrem zweiten Ehemann, dann von Talat Mustafa. Also sie ist die ganze Zeit hin und her geschoben worden wie eine Trophäe, wie ein Objekt, die nie das machen durfte, was sie eigentlich wollte. Und ich hatte halt das Gefühl bei der Recherche, dass jetzt zum Ende ihres Lebens sie ein Stück weit diese Freiheit sich erkämpft hat. Sie ist nach Dubai gezogen, um dort irgendwie neu durchzustarten, wollte auch ihre Karriere wieder aufnehmen, hat einen neuen Mann gefunden, bei dem sie sich sicher gefühlt hat und dann... Endet dieses Leben so grausam. Also das macht es irgendwie nochmal ein Stückchen trauriger, als es eh schon ist. Ja, ich stimme dir absolut zu. Aber ich komme nicht weg von diesen 50 Millionen und dann bist du wieder mit mir zusammen. Das ist doch so realitätsfern. Ja, komplett. Wie kommt man auf sowas? Naja, wenn du so reich und so mächtig bist, dann werden dir deine Wünsche niemals abgelehnt. Du kannst du alles machen, also wenn ich mal mit Leuten zu tun habe, irgendwie beruflicherweise, die in diesen Sphären unterwegs sind. Was so gut wie nie vorkommt, aber manchmal kommt es vor. Das sind Leute, wo niemand sich traut, zu sagen, pass mal auf, das ist jetzt keine gute Idee. Oder jetzt gerade war es ein Arschloch. Sondern die sagen alle, ganz toll, ganz toll, was sie gemacht haben. Und ich merke das ja jetzt bei mir selber auch mit einer steigenden Bekanntheit, muss ich ja jeden Menschen, den ich kennenlerne, wieder so ein bisschen hinterfragen. Möchte die Person Philipp kennenlernen oder möchte die Person das kennenlernen, was sie denkt, was dahinter steckt? Und das ist eigentlich ganz traurig, aber das ist schon so. Und du bist dann schon von Leuten umgeben, die dir den ganzen Tag sagen, du bist aber der Allertollste und das ist auch nicht unbedingt gesund so. Aber ja, ich fand diesen Fall auch insofern spannend, weil diese Verknüpfung zwischen Staat und Politik und Wirtschaft und all das hier ganz, ganz deutlich geworden ist. Da geht es mir jetzt nicht darum, Ägypten als Land zu bäschen oder so, sondern wirklich nur um zu zeigen, weil man das in den Diskussionen leider jetzt immer wieder hört. Ich weiß nicht, ob es in Österreich ähnlich ist, aber ich denke, es ist ähnlich, dass gesagt wird, ja, wir leben ja gar nicht in einer Demokratie, man kann ja nicht sagen, was man möchte. Der Deep State und diese ganze ja, da gab es ein Deep State da waren das Männer, die sich die Taschen voll gemacht haben, und da kann man glaube ich den Unterschied sehen, ich will damit nicht sagen dass bei uns alles doll läuft, also gar keine Frage und dass es nicht auch Mächtige gibt die die Macht ausnutzen und so aber das ist einfach nochmal eine andere Nummer Ja, definitiv, Definitiv. Und ganz oft geht es ja bei diesen, ach man darf nichts mehr sagen. Einfach nur darum, dass du jemandem nicht sagen sollst, dass du ihn fett findest. Naja, also man darf ja immer noch alles sagen, außer eben die Sachen, für die man juristisch belangt wird. Aber wenn du jetzt halt sagst, keine Ahnung, Frauen sollen hinter den Herd oder Schwule sollen die Schnauze halten, dann darfst du das sagen. Aber dann kriegst du halt Gegenwind. Und das ist ja das, was die nicht wollen. Genau, und den gab es früher nicht. Genau, und die wollen ja, Meinungsfreiheit ist ja für die, ich möchte das sagen und dann soll mir aber bitte keiner widersprechen. Das ist ja eben nicht Meinungsfreiheit. Meinungsfreiheit heißt, dass man eben auch Blödsinn erzählen darf und dann halt eventuell Gegenwind dafür bekommt. Ja, du siehst, es ist ein Fall, der irgendwie ganz viel aufmacht und deswegen fand ich den total spannend. Absolut, absolut. Und ich, also sobald wir hier aufhören, werde ich YouTube anschmeißen und mir Susannes Musik anhören. Das ist eine schöne Idee. Ich glaube, das könnten wir alle nach dieser Folge machen, weil das ist das, was sie am meisten geliebt hat und so können wir vielleicht ein Stück weit an sie denken. Das ist eine sehr schöne Idee. Susanne Tamim wird sofort eingegeben. Sehr gut, aber bevor wir das machen, verrate ich euch noch kurz, wo es als nächstes hingeht. Ja, wohin geht's? Du kannst dir die Winterjacke über den Dubai-Bikini ziehen. Es wird ein bisschen kälter und zwar nicht nur, weil es langsam Herbst wird, sondern es geht in ein Land, wo wir bei den Nebenanwalt weit exklusiv Episoden, also in RTL Plus Episoden schon mal waren, nämlich nach Schweden. Also das Land der Krimis, also Sehnsuchtsland für ganz viele Deutsche. Wir sprechen über einen Fall, der die Kriminaltechnik revolutioniert hat. Das verrate ich schon mal, was ganz was Neues in der Kriminaltechnik. Deswegen auch so spannend. Die Folge erscheint am 25.09. Und ich glaube, wir haben es am Anfang schon gesagt, ihr könnt diese Folgen hier nicht nur hören, sondern auch sehen, wenn ihr das möchtet. Bei YouTube und bei RTL Plus gibt es nebenan weltweit auch als Vodcast, wo ich diese Wortschreibung Vodcast immer noch seltsam finde, als Videopodcast. Ihr wisst, was gemeint ist, Leute. Da kann man uns beim Reden zusehen, wenn man das möchte. Menschen, die sich unterhalten, jetzt auch zum Gucken. Klingt wie ein Konzept, wo jeder TV-Sender sagen würde, super, das kaufen wir. Großartig. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Ich höre jetzt auch noch ein bisschen Susann Tamim und dann würde ich sagen, hören wir uns im September wieder. Vielleicht suchen wir beide noch unser Lieblingslied von Susann aus und dann kannst du es dazu posten. Das posten wir. Das ist eine gute Idee. Sehr gut. Supi. Ja, danke schön. Danke für den tollen Fall. Und ich freue mich dann auf September. Ich mich auch. Also bis September. Pack den Wintermantel ein. Wird gemacht. Bis dann. Bussi, Baba. Tschüss.