Aber ich hab dann gleich gewusst, jetzt muss ich mich entscheiden. Werde ich jetzt ein Leben leben, wo ich halt permanent zum Arzt renne, weil sie dann vielleicht frühzeitig was erkennen? Oder ich akzeptiere einfach, dass das ist, was für mein Leben gedacht ist und ich lebe jetzt mein Leben aus. Und ich hab dann einfach klipp und klar gesagt, ich lebe jetzt mein Leben aus. Dann will ich lieber früher sterben, aber dann zurückgucken können und sagen, boah. Manchmal sind es nur ganz kurze Momente, die ein Leben komplett verändern können. Ein Augenblick, eine Entscheidung, ein Ereignis, ein Wimpernschlag und danach ist alles anders. Ich bin Philipp Fleiter und ich treffe in diesem Podcast Menschen, um mit Ihnen genau über diesen einen Moment zu sprechen, der Ihr Leben für immer verändert hat. Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von dieser einen Moment. Heute spreche ich mit Markus und seine Geschichte finde ich unglaublich wichtig, weil sie so ein bisschen zum Nachdenken bringt. Wenn ihr wüsstet, dass euer Leben früher endet, als es normal ist, wie würdet ihr dann leben wollen? Markus ist heute 46 und wurde mit Anfang 30 mit einem seltenen Gendefekt diagnostiziert. Dieser Gendefekt führt zu einer vermehrten Tumorbildung und ist somit ziemlich gefährlich. Wie Markus die Diagnose erlebt hat und was er daraus für sein Leben gemacht hat, das wird er uns jetzt selbst erzählen. Markus, schön, dass du da bist. Danke, danke, dass ich dabei sein darf. Wir steigen direkt ein und zwar in dem Moment, über den ich heute mit dir sprechen möchte. Und der passiert im Jahr 2011. Du bist damals Anfang 30 und sitzt in so einem kleinen Besprechungszimmer ohne Fenster in einem Krankenhaus in Los Angeles und wartest auf das Ergebnis eines Gentests. Worum genau geht es bei diesem Gentest? Also bei mir in der Familie, die Männer haben alle in der Jugendzeit einen Sollinger Allison entwickelt. Und als kleines Kind wurde ich immer wieder auf das getestet, habe es aber nie gehabt. Dann hatte ich jahrelang in Amerika, wie die Zuhörer wahrscheinlich wissen, da ist es nicht so einfach mit Versicherung und zum Arzt kommen. Ich hatte jahrelang keine Versicherung. Dementsprechend habe ich auch jahrelang mich um dieses Thema nicht mehr gekümmert. In Kindersjahren hatte ich das nie. Dann hatte ich endlich mal wieder einen richtigen Job, wo ich auch mal wieder zum Arzt gehen durfte. Und die haben einfach gemeint, du hast hier diese Geschichte wegen so lange Alice sind. Aber in der Zeit haben die das quasi ein bisschen mehr recherchiert und haben gesagt, eigentlich ist Sollinger-Allicin etwas, was aus einem genetischen Fehler kommt. Und das heißt Multiple Endocrine Neoplasia. Und die haben gesagt, wir können heutzutage jetzt mit einem Gentest direkt das untersuchen, ob du das hast. Weil wenn du das hast, wirst du wahrscheinlich irgendwann Sollinger-Allicin haben. und ja, von dort aus die ganzen Probleme haben. Okay, vielleicht mal ganz kurz zu dieser genetischen Veranlagung, zu diesem MEN1-Syndrome heißt es, glaube ich. Genau. Was ist das? Kann man das kurz irgendwie in ein, zwei Sätzen zusammenfassen, was das mit deinem Körper macht, wenn du das hast? Das macht viele Sachen. Das, was das Schlimmste daran ist, ist, dass dein Körper quasi einfach extrem viele Tumore bildet, also die ganze Zeit. Es gibt verschiedene MENs. Es gibt MEN1, MEN2 und das hat damit irgendwie zu tun, wo die sich verlagern großteils. Und bei mir in der Familie ist es so, dass die in der Pankreas. Ja, Pankreas ist Bauchspeicheldrüse. Kann das sein? Genau. Und dass sich die Tumore dort großteils bilden, wo ich mich dann in den Jahren, nachdem ich die Prognose bekommen habe, auch testen ließ, hatte ich schon neun Tumore. Die waren jetzt alle nicht bösartig, aber mir wurde quasi durch die Blume damals schon gesagt, ja, dein Körper wird jetzt immer... Viele Tumore bilden und irgendwann kommt der, der halt bösartig wird und dann ist es halt so weit. Aber das macht auch vieles anderes. Also ganz arg mit der Verdauung hat das zu tun. Ich muss auch ganz arg achten, wenn ich weiß, ich bin jetzt längeres unterwegs, vielleicht nicht zu viel essen, nicht zu viel trinken. Das sind so die Hauptsachen. Klingt alles nicht so richtig spaßig und dann kommt eben eine Ärztin rein und legt dir die Ergebnisse der Untersuchung vor. Was sagt die Ärztin zu dir? Ja, also sie hat quasi dieses Genprofil auf dem Tisch gelegt. Ich als Nichtarzt konnte damit natürlich gar nichts anfangen. Hat dann so mit einem Stift so einen kleinen Kreis um die Mutation quasi gesagt, ja guck da, da sieht man es, da liegt es falsch und du hast es jetzt und jetzt müssen wir mehrere Tests noch machen. Na toll. Ich glaube, dass du irgendwie im Vorgespräch sowas gesagt hast, wie gesagt hast, wie ich komme mir gerade komplett verarscht vor. Ende 2007 haben sich viele Sachen in meinem Leben gedreht und gewandelt und seitdem ging es wirklich richtig bergauf in meinem Leben. Und ich habe einfach gedacht, ich bin jetzt endlich aus diesem Tiefpunkt aus meinem Leben raus und jetzt geht es bergauf und alles wird jetzt richtig geil und ich weiß auch schon, was ich machen will. Wie gesagt, ich habe einen richtig tollen Job gehabt, also einen Job, vor dem viele Leute schwärmen, richtig gut bezahlt, tolle Wohnung in Los Angeles, wo die meisten Leute sagen, boah, da würde ich voll gern leben, auch gleich in der Nähe von den ganzen Stars. Ja, und dann kommt sowas und dann denkst du, jetzt darf ich schon wieder von vorne anfangen. Ich will einfach mal auf dem grünen Zweig irgendwann mal landen und was soll das jetzt eigentlich? Das kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich glaube, um das besser zu verstehen, müssen wir ein bisschen zurückgehen. Wir können ja erst mal darüber sprechen, wie du aufwächst. In der Nähe von Stuttgart, das hört man, glaube ich, ein bisschen noch. Der ist noch ein bisschen drin, der Dialekt. Ich schwebe ganz arg. Das finde ich gar nicht schlimm. Das finde ich gar nicht schlimm. Also du bist, und das ist auch wichtig für die Geschichte, du bist halb deutsch, halb amerikanisch, richtig? Genau. Also mein Vater war hier stationiert. Ich war in der amerikanischen Armee, hat so meine Mutter kennengelernt. Ich bin in einem Dorf in der Nähe von Stuttgart aufgewachsen, bescheiden. Am Anfang waren wir in einer Einzimmerwohnung, da waren meine zwei Schwestern und ich im Schlafzimmer, meine Eltern auf der Couch im Wohnzimmer. Wir kommen aus Arbeiterverhältnissen. Das finde ich jetzt auch nicht schlimm. Ich finde im Gegenteil, das ist das Rückgrat des Volkes. Und ja, aber wusste von klein auf, dass ich mehr vom Leben will. Dann kam noch dazu, dass ich halt schwul bin, auch kleines Dorf. Damals sowieso war das noch ein Thema. Dementsprechend nicht viele Freunde oder Bekanntschaften in der Schule. Alle fanden mich ein bisschen komisch. Das Geld war nicht da. Ich musste bis 11, 12, 13, sage ich noch 14 sogar, meine Schwester und ihre Klamotten tragen. Viel gehänselt, viel gelästert, viele haben mich als komisch verletzt. War einfach nicht ein schönes, eine schöne Kindheit in dem Sinne dann. Aufwachsen auf dem Dorf als gefühlt der einzige Schwule im Dorf. Und ich glaube, ganz viele homosexuelle Menschen kennen genau dieses Gefühl. Also mich eingeschlossen. Man hat das Gefühl, man ist ganz alleine. Ist man nicht, aber glaubt man in dem Moment. Du hast gesagt, für dich war klar, du willst da weg. Du willst in eine andere Welt. Was hast du dir erträumt? Also was war so die Welt, die du dir vorgestellt hast mit 13, 14, wo du hin willst? Also mit 13, 14, ich muss auch sagen, ich war relativ unreif im Vergleich zu meinem Umkreis. Also das war halt dann auch nochmal obendrauf, dass ich relativ uncool wirkte. Weil ich kann mich daran erinnern, die anderen haben dann halt angefangen mit 13, 14. Die ist mit dem dann gegangen und der und die haben dann halt die coole Musik angehört. und ich hatte natürlich niemanden, habe mich zu der Zeit dann ganz arg mit meiner Nachbarin befreundet, das ist jetzt immer noch meine beste Freundin. Die ist aber drei Jahre jünger, das ist heutzutage jetzt nicht mehr in diesem Alter nichts, aber damals, ich war 14, sie war 11, ich war sowieso schon komisch, dann war ich noch schwul, da habe ich mich komisch angezogen. Sie wollte natürlich noch Fange spielen und mit Puppen und dann habe ich mich halt dem angeschlossen. Also quasi, ja, meine Träume damals waren, glaube ich, eher einfach, ich will was aus mich machen, ich will irgendwann mal allen hier zeigen, ihr habt mich alle unterschätzt. Aus mir wird mal was und ich denke, zu der Zeit war mein Gedanke, ich zeige es euch, indem, ich diesen tollen Job und dieses tolle Haus und dieses richtig geile Auto irgendwann mal fahre und ich komme dann hier mit einem fetten Benz in dieses kleine Skaff zurück. In 20 Jahren und sage, was bist du? Gar nichts, ich bin jetzt hier voll der Macker. Und das waren dann, glaube ich, so meine Kindheitsträume. Da kommt der Schwabe wieder raus. Es muss ein Benz sein. Es gibt so ein Thema, das dich schon als Kind und auch als Jugendlicher begleitet. Das ist eine bestimmte Krankheit. Wir haben es eben schon kurz erwähnt. Die kommt in deiner Familie gehäuft vor. Vielleicht kannst du noch mal ganz kurz davon erzählen. Mein Vater, mein Großvater und mein Cousin, die sind alle, also von denen wissen wir es, die sind an dieser Erkrankung gestorben. Bei meinem Großvater weiß es jetzt nicht genau, aber von meinem Vater und meinem Cousin haben sich halt diese Tumore irgendwann, wie gesagt, bösartig entwickelt, ist dann zu Krebs übergegangen und das ist ein sehr aggressiver Krebs. Also wenn der mal kommt, stehen die Chancen sowieso schlecht. Und ja. Mein Vater war auch schon, wo ich 18 war, verstorben. Mein Großvater war eigentlich noch ein kleines Kind, wo der verstorben ist. Die Prognose ist auch so 50, Mitte 50. Aber das wusstest du damals schon als Jugendlicher, wenn man das hat, dann wird man so früh sterben. Du bist ja damit konfrontiert worden in deinem eigenen Umfeld. Ich weiß nicht, ob ich das schon in Kindesjahren wusste, aber ich wusste es auf jeden Fall dann, wo es mit meinem Vater losging. Weil er hat dann auch relativ seinen Frieden schnell damit gefunden und hat dann auch, ich kann mich auch ganz genau an ein Gespräch erinnern, da stand er am Balkon mit einer Kippe. Er durfte ja nur auf dem Balkon rauchen. Und da hat er mir ganz direkt ins Gesicht gesagt, das war so ein Jahr, bevor ich nach Amerika gezogen bin. Und er hat gesagt, ich lebe nicht mehr lang und ich will nur wissen, dass deine Geschwister und du, dass ihr irgendwie einen Plan habt. Und dann ist das für mich auch okay. Ja, das wird wahrscheinlich passieren. Und bei mir auch so. Wow. Wenn ich das habe. Ich meine, damals habe ich gedacht, ich habe es ja nicht. Das MEN-1-Syndrom ist eine seltene erblich bedingte Erkrankung. Was genau im Körper passiert, ist sehr komplex, aber im Grunde geht es darum, dass sich vermehrt Tumore in verschiedenen hormonproduzierenden Drüsen des Körpers entwickeln können. Am häufigsten davon betroffen sind zum Beispiel die Bauchspeicheldrüse, die Nebenschilddrüsen und die Hirnanhangdrüsen. Bei dem Defekt liegt eine Veränderung im MEN1-Gen vor, das normalerweise das Zellwachstum reguliert, daher auch der Name MEN1-Syndrom. Die Tumore, die dadurch entstehen, sind oft gutartig, können aber auch bösartig sein. Wenn ein Elternteil betroffen ist, ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind die Genveränderung erbt, bei 50 Prozent. Markus' Vater war betroffen, hat es an Markus vererbt, während seine Schwestern gesund sind. Die aktuellen medizinischen Empfehlungen betonen, dass insbesondere fortgeschrittene bösartige Tumore der Bauchspeicheldrüse zu den häufigsten krankheitsbedingten Todesursachen bei MEN1 gehören. Aber es gibt auch Entwicklungen in der Medizin. Betroffene leben heute länger als in früheren Jahrzehnten, weil die Forschung viel weiter ist. Besonders große Fortschritte gibt es bei der Früherkennung, der genetischen Diagnostik und der Behandlung bestimmter Tumore. Eine genetische Heilung gibt es bislang allerdings nicht. Wichtig ist hierbei eine lebenslange spezialisierte Betreuung. Dabei müssen die Untersuchungen an die individuelle Situation angepasst werden, um Tumore frühzeitig zu erkennen und gleichzeitig unnötige Eingriffe zu vermeiden. Aber das sind natürlich nur Empfehlungen und keine Zwänge. Am Ende muss jeder Betroffene selbst entscheiden, ob er oder sie diese streng getakteten Kontrolltermine möchte. Wie Markus das handhabt, hören wir später noch. Dein Vater ist gestorben, als du 18 bist. Wie war das dann für dich? Du warst schon wahrscheinlich ein bisschen darauf vorbereitet, wenn ihr vorher solche Gespräche geführt habt. Also er ist dann sehr schnell sehr arg erkrankt und hatte dann auch extrem viele Schmerzen und sah auch, sehr krank und schlecht aus, wo ich dann nach Amerika gezogen bin. Es gab Gespräche innerhalb der Familie Für meine Mutter war es natürlich ganz arg schlimm Und sie war dann bis zum Ende Zack, jetzt hör doch mit dem Rauchen auf Mit dem Alkohol trinken auf, Und ich und meine Schwester waren dann eher so Mama, das bringt nichts mehr Jetzt lass ihm halt die Sachen, die ihm noch Freude bringen Und ja, dass wir es so Das dann schon gewusst haben. Ja, also es war jetzt kein Riesenschock Das Einzige war das letzte Gespräch, wo ich mit ihm geführt habe, weil er konnte auch sehr schlecht hören, aber das hat jetzt nichts mit Emin zu tun. Da habe ich aus Amerika angerufen und ich musste eigentlich mit meiner Mutter reden. Und das letzte Gespräch, das tut mir halt bis zum heutigen Tag ganz arg leid, weil er war am Telefon und wollte eigentlich mit mir reden. Und er konnte mich nicht verstehen und hat immer wieder gesagt, sag mal nochmal, sag mal nochmal, was du gesagt hast. Und irgendwann habe ich dann den Nerv verloren und habe gesagt, ach, jetzt gib mir die Mama, ich kann mit dir gerade nicht reden. Und das war halt dann das letzte Gespräch, das ich mit ihm geführt habe. Und das hat lange wehgetan und das musste ich lange mit mir rumtragen. Du hast ja gesagt, du bist dann in die USA gegangen zu deiner älteren Schwester, die aber eigentlich auch nicht die finanziellen Möglichkeiten hatte, dich damit durchzubringen. Das heißt, du musstest dir dann in den Vereinigten Staaten relativ schnell was, suchen, wo du irgendwie unterkommst, in Anführungsstrichen, und bist dann beim Militär gelandet. Vielleicht kannst du nochmal ganz kurz sagen, warum Militär? Weil gerade ich glaube, als Deutscher, wo Bundeswehr nicht so eine große Rolle spielt wie vielleicht in den USA, ist das auch irgendwie eine seltsame Vorstellung, dass man sagt, okay, dann verpflichte ich mich halt so. Ja, also in Amerika ist das etwas, das jeder weiß, wenn man quasi. Zu der Zeit konnte ich noch nicht auf die Uni, die Finanzen waren nicht da, in Amerika muss man ja alles privat zahlen. Bei mir in der Familie war nie und nimmer das Geld, dass das passieren könnte, dementsprechend. Und zwischen meiner Schwester und mir war es dann auch nicht mehr so gut, Weil ich war halt nochmal eine Ausgabe, die sie einfach nicht finanzieren konnte. Und ja, in Amerika ist es halt so, wenn alle Nähte platzen, dann gehst du ins Militär. Die nehmen jeden in Anführungszeichen. Und es ist halt einer der wenigen Jobs in Amerika. Du hast dann durch die Versicherung, du hast Jobsicherheit, kannst auch vielleicht ein bisschen reisen. Alles ist geklärt, die helfen dir dann, du hast gleich eine Wohnung oder vielleicht eine Share-Wohnung mit Leuten oder so und das ist einfach, Die fangen dich halt in dem Sinne auf. Und dadurch, dass mein Vater ja auch im Militär war, war das jetzt nicht etwas, das halt total weit weg von mir war. Klingt ja erstmal gut, Dach über dem Kopf, Krankenversicherung, du wirst aufgefangen. Was war denn da dein Traum beim Militär? Weil da gibt es ja ganz unterschiedliche Jobs. Hattest du schon irgendeine Sache im Hinterkopf, was du gerne machen wolltest? Also ich wollte auf jeden Fall Dolmetscher werden. Ich kann mich auch noch gut, also ich hatte in dem Dorf, wo ich in Amerika mit meiner Schwester gelebt habe, Das heißt Valparaiso, das ist so eine Vorstadt von Chicago. Da hatten sie auch ihr eigenes Recruiting Center. Und dann kann ich mich noch daran erinnern, dass ich mit dem Mann geredet habe. Und der hat gesagt, ja, was würdest du eigentlich gerne machen? Ich habe gesagt, ich will Dolmetscher werden. Das wollte ich richtig cool finden, weil mich Sprachen und Kulturen schon immer auch ganz arg interessiert haben. Und dann kann ich mich noch daran erinnern, da hat er gesagt, ja, das ist so. Jetzt gerade suchen sie keine Dolmetscher. Aktiv werden die gerade nicht gesucht. Was wir aber tun können, ist, du könntest Open General, so heißt das auf Englisch, und das heißt quasi, du gibst nicht an, welchen Beruf du haben willst, und du gehst jetzt einfach mal rein und machst Basic Training, und, wenn in der Zeit, wo du im Basic Training bist, wenn da eine Dolmetscherstelle aufgeht, dann tun wir dich da rein. Das passiert aber nie. Das passiert nie. Weil die Jobs, die keiner haben will im Militär, das ist immer die Militärpolizei, die Köche, handwerkliche Sachen, das sind die Jobs, die keiner machen will. Also quasi eigentlich jeder, der Open General reinkommt, wird eine von diesen drei Karrieren zugewiesen. Und das wissen die auch. Das ist alles eine totale Fair-Karriere. Ja. Ja, und dementsprechend, ich glaube, ich war in meiner vierten Woche im Basic Training und ja, hatten wir irgendwie so ein Meeting und dann haben sie gesagt, so, heute wird jedem zugewiesen, was sie machen werden und dann irgendwann kam dann mein Name, Private O'Shea, bla bla, und ja, du warst Polizist und ich natürlich erst mal, hä, so, noch nie eine, nicht so, damit habe ich mich noch nie auseinandergesetzt. Ich war noch nie jemand, der Krimi-Filme geguckt hat oder Baller-Baller-Filme. Also schießen, ich war immer der, ich gehe in den Wald und ich tue Blumen sammeln. Ich war da erst mal richtig schockiert. Das hat überhaupt nicht zu mir gepasst. Ja, das kann man sich gut vorstellen, so wie du erzählst, dass es nicht zusammenpasst. Aber du hast es ja dann drei Jahre ungefähr gemacht und bist dann aber rausgeflogen. Warum bist du rausgeflogen? Also das war noch zu der Zeit, wo man nicht öffentlich schwul sein darf und dann hat sich das so ergeben, dass einer, mit dem ich gut befreundet war, der auch schwul war, der hat sich mit einer, die bei mir in der Polizei war, die haben sich verstritten. Und sie hat von uns beiden gewusst, dass wir schwul sind. Also wir waren nicht zusammen, aber sie hat gewusst, dass wir schwul sind. Und um ihm das heimzuzahlen, hat sie quasi ihn und mich dann geoutet. Ja, und dann ging es relativ schnell. Hatte dann auch keinen wirklichen Plan. Und es war dann einfach rausgekommen. Und dann habe ich mir halt gedacht, San Francisco hört man ja immer, das ist so quasi das Paradies für Homosexuelle, dann gehe ich da mal hin und schaue, wie es da abgeht. Ja, vielleicht kurz zur Einordnung, das war damals noch die Zeit, Don't Ask, Don't Tell hieß das damals, man durfte schwul oder lesbisch sein, aber man durfte nicht darüber reden, also es sollte halt nicht öffentlich werden, und ja, bei dir ist es dann öffentlich geworden, und du bist auf einmal, ja, komplett ohne alles, weil fester Job weg, Wohnung weg, Krankenversicherung weg, alles ist ja da an den Job gebunden. Genau, und verdient hast du ja nichts. Das kommt dann auch noch dazu. Dann bist du in San Francisco gelandet und warst obdachlos. Wirklich obdachlos, so wie man sich das vorstellt. Du hast auf der Straße geschlafen. Unter anderem. Unter anderem obdachlos. Unter anderem hat man halt Bekanntschaften gehabt. Ja, okay. Ich kann es mir vorstellen. Also Bekanntschaften, die deine Situation ausgenutzt haben. Vielleicht belassen wir es dabei. Man muss halt dann auch zusagen, eine von diesen Bekanntschaften wurde dann halt doch. Ein Freund, also nicht ein Freund, mit dem ich zusammen war, aber eine Freundschaft und da konnte ich dann lang Zeit unterkommen, habe dann bei ihm auf dem Dachboden schlafen dürfen. Also das war dann so richtig Harry Potter mäßig, wenn sich die Leute das so vorstellen. Ja, stimmt, muss ich auch gerade daran denken, ja. Ja, weil das war einfach nur ein Dachboden. Also der war jetzt auch nicht irgendwie fertig gemacht oder so. Also da ist der Wind durch. Also jeder, der mal in San Francisco war, der weiß Regen und Wind. Und das ist da die ganze Zeit auch durchgefahren. Aber ich war total happy, dass ich überhaupt irgendwo untergekommen bin. Weil sonst, wer weiß. Und da hast du aber, ich meine, Man kann ja in so einer Situation auch sagen, ach du Scheiße, ich habe es komplett verkackt, jetzt ist alles vorbei und sich aufgeben. Aber das hast du ja nicht gemacht. Du hast gesagt, ich will irgendwie mich hier rausarbeiten. Wie hast du das geschafft? Ja, also einen starken Willen hatte ich schon immer. Und ich war auch schon immer jemand, der, wenn mir jemand kommt und sagt, nein, oder das schaffst du nicht, dann sage ich euch jetzt, also auf Englisch sagt man watch me, jetzt zeige ich es dir erst recht wie ich das schaffe und komm mir nicht und sag mir nicht, was ich nicht kann, weil das kann ich dann erst dreimal und sogar besser als du, ja, einfach ganz normal würde ich sagen einfach mich auf Jobs beworben muss sagen, ich hatte relativ Glück im Unglück, weil ich kam halt gerade aus dem Militär, ich meine, wie alt war ich denn da, 22, 23 war sehr sportlich Es sah auch nicht schlecht aus, wenn ich das mal so sagen darf. Oder zumindest, ich sah damals, was angesagt war. Weißt du, so dieses Abercrombie und Fitch. Ich hatte so ein bisschen die blonden Haare, war sportlich, habe mich auch dementsprechend so angezogen und kam auch in San Francisco gut an. Und ja, also ich bin halt... Im Castro, ich habe gleich in der Nähe vom Castro dann gelebt, bin da halt in diese verschiedenen Läden reingegangen und die Manager haben halt gedacht. Dem kann man mal einen Job geben, vielleicht bringt der neue Kundschaft rein oder so. Ja, habe dann auch so zwei oder drei verschiedene Jobs gemacht. Habe da sehr schlecht verdient, großteils. Aber da ich auf diesem Dachboden leben durfte und ich musste dann nur so die Nebenkosten und so zahlen, dann ging das. Ja, und dann habe ich das halt ungefähr anderthalb Jahre gemacht. Und dann, wo es dann endlich an dem Punkt kam, wo ich gesagt habe, okay, ich kann jetzt überleben, kam dann wieder dieser Gedanke, Aber eigentlich ging es darum, dass ich mal in mein Dorf zurückgehe und sage, sag mal, was ich hier gemacht habe. Und dann habe ich mir gedacht, ja, jetzt könnte ich mal gucken, dass ich auf die Uni gehe. War dann sogar noch doppelt motiviert, weil ich mir gedacht habe, also ich habe jetzt gesehen, wie das Leben sich entwickeln kann, wenn man nicht studiert oder nicht irgendwie was hat und dass man auch an einen richtigen Job kommt. Und dann bin ich dort auf die Uni und das war dann der Anfang so ein bisschen vom nächsten Kapitel, würde ich sagen. Das heißt, du hast wo studiert und was hast du studiert? Also zuerst bin ich in San Francisco auf eine Community College. Das ist eine Schule oder eine Uni, da kann quasi jeder hingehen. Die ist verbilligt und gerade für Leute, die vielleicht das Geld nicht hatten, auf eine teure Uni zu gehen und so. Und dann kannst du da die ersten zwei Jahre vom Bachelor machen. Das war in San Francisco und da habe ich dann BWL studiert und Buchführung. Habe dann auch mit dreifachen Honors, hatte ich dann da auch meinen Abschluss, und bin dann in Los Angeles. In UCLA, dann Mathe, Statistik studiert und das war dann wirklich, wo ich dann gedacht habe, jetzt, jetzt, jetzt kann ich auch Briefe nach Hause schicken und an die Freunde von damals, so guck mal, ich lebe in Los Angeles, ich gehe auf UCLA, eine der Top 25 Universitäten der Welt. Ich bin noch richtig geil und ich habe es da voll drauf. Ja, meine erste Wohnung in Los Angeles hatte auch so ein Riesenzimmer in meinem Schlafzimmer und die Sonne hat immer reingeschaut. Und ich so, das ist schon ein Unterschied zwischen auf dem Dachboden und es tut immer leicht rein nieseln. Ja, du hast deinen Traum gelebt und hast dann noch nach dem Uniabschluss eine Stelle gefunden, relativ gut dotierte als Finanzberater in Los Angeles. Ja, damals so Anfang 30. Und das ist ja auch so ein Ding in den USA. Wir haben eben schon so ein paar Mal angeschnitten. Krankenversicherung, die ist schweinteuer, wenn das eben nicht über den Job geregelt ist. Das heißt, du hast dann das erste Mal seit deinem Rausschmiss beim Militär wieder die Situation, dass du krankenversichert bist, dass du zu einem Arzt gehen kannst und machst dir erstmal nachvollziehbarerweise einen Arzttermin. Was besprichst du denn da mit deinem neuen Hausarzt? Also du hast ja gerade schon gesagt, ja, auf Deutsch würde man sagen, dir ist die Sonne aus dem Arsch geschienen, weil du gedacht hast, hier läuft es gerade richtig gut. Geile Stadt, geiler Job, ich sehe geier aus. Jetzt gehe ich noch zum Arzt, lass mich abchecken und dann ist alles wunderbar. Ja, also ich habe da einen Termin gemacht, weil eigentlich hatte ich ziemliche Rückenschmerzen. Der Arzt, den ich da hatte, der war einfach total ausführlich. Er hat gesagt, also ja, wir können natürlich nach deinem Rücken schauen, aber jetzt bist du schon mal da. Jetzt sollten wir vielleicht mal so ein bisschen deine Geschichte erzählen. Alles so ein bisschen ansprechen, was ist denn so bei deiner Familie? Weißt du, die typischen Fragen, so hat jemand Diabetes, bla bla bla. Und ja, und dann habe ich halt irgendwie dann gemeint, also ich wurde halt als Kind immer wieder auf Sollinger Allison getestet. Das ist auch etwas sehr Seltenes. Dementsprechend kennen sich damit auch nicht viele Ärzte unbedingt aus. Hat ihnen dann auch nicht viel gesagt. Der hat es dann einmal aufgeschrieben und hat gesagt, ja, wir können ja mal gucken, bla bla bla. Und ich hatte dann wieder mal Glück im Unglück, weil gerade in diesem Krankenhaus in Los Angeles ist da ein Arzt gewesen, frag mich nicht, wie der hieß, weil der war mir total unsympathisch, aber der hat sich auf diese Krankheit komischerweise spezialisiert und irgendwie hat er das in die Hände bekommen und der wollte dann diese ganzen Tests machen. Und so ist es dann eben zu diesem Test gekommen, von dem wir am Anfang gesprochen haben. Du hörst das Ergebnis in diesem Besprechungszimmer. Vielleicht noch mal kurz, was bedeutet diese Diagnose MEN-1 ganz konkret? Für mich persönlich... Tot. Weil ich habe es halt mit dem in Verbindung gebracht, weil ich kann es von meinem Vater und von meinem Cousin und von meinem Großvater und für mich war das dann, ich habe das eigentlich auch so nur aufgenommen. Ich meine, alles andere, was die Frau, also die, die den Gentest gemacht hat, das war nicht dieser unsympathische Arzt, das war dann eine Frau. Aber ja, sie hat das halt gesagt und für mich war dann einfach, wie gesagt, dieses, habe ich mir gedacht, na toll, warum habe ich mir jetzt eigentlich so viel Mühe gemacht und habe mich jetzt so aus diesem blöden Leben rausgearbeitet und so diese Anstrengungen, ich fand es einfach nur unfair, weil ich mir gedacht habe, ich habe schon so viel Scheiß durchgemacht. Jeder kleine Dreck musste ich mir erarbeiten. Und jetzt, ja, und ich so, ja, toll. Und jetzt kommt sie quasi rein und sagt mir eigentlich durch die Blumen, ja, jetzt hast du noch ein paar Jahre, dann bist du tot. Das heißt, es war gar nicht so sehr, wenn ich dich richtig verstehe, die Angst vor dem, was kommt, sondern eher Wut. Ja, Angst um den Tod war bei mir nie das Thema. Bei mir war es Wut und ich sage eher Angst, dass ich jetzt die Chance verliere, mein Leben irgendwie auszuleben. Das hat mich und ich glaube, ja, ich weiß nicht, Angst, Wut, das war irgendwie so eine Mischung von diesen zwei Gefühlen, weil ich mir einfach nur gedacht habe. Jetzt bin ich gerade an einem Punkt angekommen, wo ich vielleicht mein Leben ein bisschen gestalten kann und vielleicht endlich mal ein bisschen was genießen kann. Mein Leben war bis jetzt nichts von genießen. Es war nur Arbeit und Trauer und schwere Verhältnisse. Und jetzt bin ich endlich an einem Punkt, ich kann endlich mal sagen, jetzt darf ich endlich mal ein bisschen was für mich und darf genießen. Und jetzt wird mir diese Zeit weggenommen. Ja, du hast gerade einen ganz spannenden Punkt angesprochen. Also dieses, was ja bei vielen Menschen, wenn sie eine Diagnose kriegen, wo es heißt, es dauert nicht mehr lange, sie haben nicht mehr lange, stellen sich ja viele die grundsätzliche Frage, was will ich denn überhaupt noch vom Leben in dieser begrenzten Zeit, die mir bleibt. Also unsere Zeit ist bei jedem begrenzt, aber bei manchen wird es dann halt durch so eine Diagnose deutlicher. Was ist das bei dir, wo du sagst, das will ich jetzt in meinem Leben noch erleben, wenn ich nur noch wenige Jahre habe? Ja, relativ schnell kam dieser Gedanke so, was mache ich hier eigentlich? Warum lebe ich das Leben, das ich hier lebe? Will ich dieses Leben überhaupt leben? Viele Sachen, die ich mir bis zu dem Punkt auch dann erarbeitet habe, habe ich dann plötzlich irgendwie gedacht, das ist doch dumm und dämlich. Also gerade so diese Meinung von Leuten, mit denen ich hier in diesem Dorf aufgewachsen bin, das war mir dann plötzlich total unwichtig, weil ich mir gedacht habe. Ich wollte hier irgendwie was erbauen, damit ich allen zeigen kann, guck mal, was ich mir Tolles erbaut habe. Und dann denke ich mir, ich weiß ja gar nicht mal, ob ich diese Leute je wieder sehe. Also was mache ich hier eigentlich? Jetzt muss ich mal gucken, dass ich das erfülle, was ich will. Und dann war relativ schnell für mich klar, dass ich, leben will, also das sage ich jetzt einfach mal so, leben, großbuchstabiert und für mich war Leben immer etwas, was auch in Kindesjahren und die ganzen Jahre davor einfach, absolut nicht greifbar war und das ist Reisen, Vielreisen, die Welt bereisen, Da war halt bis zu dem Zeitpunkt, dass dieses Geld war bei uns halt nie da. Ja, klar. Also das war einfach bei uns nie in den Karten mit drin. Da wurden wir vielleicht mal ein, ein, zwei Mal im Sommer so zu siebt in ein Auto geschoben und sind runter nach Italien oder so. Aber rein prinzipiell, das war einfach nicht die Realität, in der wir gelebt haben. Ja, und da habe ich gesagt, das will ich, das will ich. Ich will jetzt was für mich tun. Ich will leben, ich will Erfahrungen, ich will einfach alles auskosten und ich will die Welt sehen. Aber es gibt ja noch eine Art Zwischenschritt oder einen zweiten Punkt. Einerseits willst du die Welt sehen, du beschließt aber auch zurück nach Deutschland zu gehen. Ja. Warum? Weil im Kombi mit Leben und Reisen habe ich mir auch gesagt, ich will einfach die Zeit, die ich habe, auch mit Leuten verbringen, die mir wichtig sind. Also gerade meine Geschwister, meine eine Schwester hat bis dahin zwei Kinder. Dass ich einfach auch ein bisschen Onkelbeziehung haben kann, meine Mutter meine beste Freundin, wie gesagt mit der ich hier aufgewachsen bin, Dann wollte ich das irgendwie kombinieren, habe mich dann entschieden, dass ich mich hier in Deutschland auf eine Uni bewerbe, bin dann auch reingekommen, habe dann da Wirtschaftswissenschaft studiert. Das war jetzt richtig cool, weil ich im Militär war. Die haben da so ein Programm, das heißt Montgomery GI Bill. Das ist quasi, das kann man benutzen, damit die dir das Studium finanzieren oder einen Teil bis zu einem bestimmten Grad. Und da ja in Deutschland die Studenten nicht für die Uni zahlen, war das quasi Geld, das mir einfach in die Tasche ging. Weil ich habe das dann beantragt und habe gesagt, ja, das steht mir ja zu als Ex-Soldat. Das wurde mir dann auch genehmigt. Und dieses Geld habe ich dann schon in den Pausen von der Uni benutzt, um ein bisschen hier in der Nähe von Europa zu reisen. Also gerade Spanien oder Portugal. Etwas, was nicht total crazy weit oder teuer wäre. Aber habe einfach mich da schon angefangen, so meine Reisen zu gestalten. Und so fing es dann an. Dann der wirkliche Punkt, wo sich alles dann nochmal geändert hat, war, ich habe mein letztes Semester an der Uni, habe ich Erasmus-Semester gemacht in Athen. Und da habe ich einen Mann kennengelernt, der kommt aus Australien und der war in Athen als Lehrer. Und dann hat er halt quasi erzählt, dass er schon in Brasilien gearbeitet hat und ich glaube in Thailand oder ein paar verschiedene Länder und dass er das quasi durchs Lehrer an internationalen Schulen, dass der das so macht. Und wo er mir das erzählt hat, das war dann für mich eigentlich so ein Moment, wo ich mir gedacht habe, okay, es gibt einen Gott, der hat jetzt genau diesen Menschen irgendwie in meinen Pfad geleitet, um mir quasi das zu vermitteln. Nahezubringen, dass ich das jetzt auch ausleben konnte. Und so habe ich es dann auch gemacht. Also er hat mir gesagt, wie er das gemacht hat und ich habe das eigentlich eins für eins dann nachgemacht. Wie läuft das? Falls jetzt irgendwer gerade zu Hause sitzt und denkt, was der Markus da erzählt, das will ich auch machen. Was muss man da tun? Sich wahrscheinlich irgendwie erstmal online weiterbilden lassen oder wie geht das? Mehr und mehr von dieser Rollen gehen jetzt einfach übers Internet. Und dementsprechend gibt es auch viel weniger Stellen, die das noch machen. Also wo ich das jetzt gemacht habe, ich habe da 2015. Da habe ich so einen Online-Kurs gemacht und das war dann quasi Ausbildung zum, ich glaube, Englischlehrer oder so, dass ich Englischlehrer in anderen Ländern, sein darf und dieses Programm wurde gleich mit einem Praktikum verknüpft. Also habe ich das Online-Ding gemacht, das war glaube ich so drei, vier Monate, also gar nicht lang. Kann dementsprechend auch nicht als Lehrer in Deutschland arbeiten, weil die schauen sich das an und denken, das ist keine Pädagogik. Und dann war das mit, wie gesagt, mit dem Praktikum in Thailand verknüpft. Bin dann, wo ich mit dem fertig war, dann habe ich erst noch eine Reise in Indien gemacht. Die war eigentlich auch total interessant, aber ein anderes Thema. Und dann, wo ich von Indien zurückgekommen bin, habe ich dann das Praktikum in Thailand angefangen. Und das war dann so richtig das Anfang von diesem Nomadenleben. Also dann war ich jahrelang eigentlich permanent unterwegs. Mein erster Job war dann in Thailand, wie gesagt. Dann gibt es da ein paar Webseiten, die nur für Leute, die das ausüben, was ich mache. Der berühmteste zu der Zeit, ich weiß es jetzt ehrlich gesagt gar nicht mehr, das hieß Dave's ESL Café. Und das waren eigentlich nur, da wurden Jobs reingestellt für Leute wie ich, also die im Ausland leben wollten, die vielleicht Englisch oder auf einer internationalen Schule arbeiten. Und da bin ich halt dann immer drauf und bin von einem Job zum nächsten so gekommen. Und nebenbei habe ich halt dann die Nachbarländer überall bereist und war richtig geil. Das kann ich mir vorstellen. Nur noch mal eine kurze Verständnisfrage. Das heißt, du hast dann in den jeweiligen Ländern an internationalen Schulen gearbeitet oder als Privatlehrer für reiche Leute oder alles? Ich habe in richtigen internationalen Schulen gearbeitet. In Aserbaidschan zum Beispiel war ich auch in einer Privatschule. Da gingen dem Präsidenten seine Kinder hin. Also das war nur die Elite von Aserbaidschan ging da hin. Die hatten auch alles. Ich wurde auch von einem privaten Fahrer abgeholt, in die Schule gefahren, dann wieder abgeholt und in meine Wohnung. Die Wohnung musste ich nicht zahlen. Die war riesig mit Blick über das Kaspische Meer. Und da habe ich alles in den geschoben bekommen. Dann hatte ich andere Schulen, die haben gesagt, du hast Glück, dass wir dir überhaupt eine Stelle anbieten und dir überhaupt ein Honorar geben. Du meinst, also mir ging es eher darum, ich wusste... Welche Länder mich interessieren, in welche Länder ich leben will und von den Ländern aus, welche andere Länder ich bereisen will. Aber wie gesagt, bei mir ist alles mit Zeit verbunden. Deswegen habe ich gesagt, ich wollte auf jeden Fall mal auf jedem Kontinent sein und dann in den Ländern, die ich sein wollte, weil manchmal musste ich dann einfach einen Job annehmen, der halt schlechter bezahlt war. Weil in dem Land haben sie einfach gesagt, hier ist nicht so viel Nachfrage oder wie auch immer. Du bist aber jetzt, also du hast ja einerseits vorgenommen, du willst auf allen Kontinenten mal gelebt und gearbeitet haben. Das ist ja auch schon mehr, als die meisten Menschen in ihrem Leben überhaupt sehen. Du hast schon im Kopf gehabt, das muss ich noch alles sehen, bevor ich sterbe. Das ist ja so ein bisschen der Antrieb gewesen. Kannst du denn dann das Reisen auch genießen oder hast du so einen Druck, das muss ich noch, das muss ich noch oder kannst du dich da reinfallen lassen dann auch? Das Reiseleben tue ich selber immer in so drei Kapitel für mich selber schneiden, wie ich mich gefühlt habe. Also die ersten zwei Kapitel würde ich sagen, habe ich es richtig, richtig toll genossen. Ich meine, das ist auch ein geiles Leben. Das ist jetzt auf oberster Schublade, wenn ich da irgendwas sage, das sich wie eine Beschwerde anhört. Also ich weiß, dass ich ein richtig tolles Leben gelebt habe und bin da auch extrem dankbar dafür. Der erste Abschnitt, würde ich sagen, das war so Allesfresser. Das war so, ich musste alles mich reinfressen. Und überall, wo ich hingegangen bin, ich hatte eine riesige Liste, die abgehakt werden muss. Also in jedes Land, ich habe dann schon tausend Bücher gelesen, was man da alles sehen muss. Auf jede kleine Pfütze, wo sie gesagt haben, das ist eine Oase, okay, das ist eine Oase, die muss ich sehen. Und wenn ich da fünf Stunden in die Wüste dann erstmal klettern muss, dann mache ich das. Hauptsache alles abgehakt. Und so habe ich dann wahrscheinlich, Den ersten Drittel von meinen Reisen habe ich so gemacht, habe es trotzdem genossen und auch viel gesehen, aber nachdem ich dann, sagen wir mal, 50, 60 Länder gesehen habe oder so, bin ich irgendwann an den Punkt gekommen, wo ich mir gedacht habe, erlebe ich eigentlich diese Länder und nehme ich das eigentlich wirklich alles auf oder gehe ich da hin, mache ein Foto und sage so, gut, abgab, habe ich es gesehen. Und dann war das zweite Kapitel eigentlich dann echt eher ich, ich habe dann gar keine Reiseführer mehr gelesen, ich habe gar keine Dokus mehr angeschaut, ich habe gesagt ich gehe in dieses Land rein. Und wenn mein Kopf jetzt sagt, jetzt gehst du rechts, dann gehst du rechts. Und dann passiert halt mal was. Und dann musst du gucken, was du da siehst. Und ich gebe mir jetzt keinen Zwang mehr, die Touris-Sachen zu sehen, nur weil man die gesehen haben muss. Außer meine Weltwunderliste, gebe ich zu, die musste abgehackt werden. Aber andererseits habe ich dann das so gemacht. Und ich würde sagen, im zweiten Kapitel war es auch das Schönste. Weil dann habe ich einfach auch irgendwie gemerkt, was mir wichtig war und welche Erlebnisse ich haben wollte. Und das war dann oft eher viel Essen. Mich hat auch immer ganz arg einheimischer Tanz, habe ich gemerkt, interessiert mich ganz arg, dass das etwas war, wo ich in jedem Land irgendwie gucken wollte, dass ich einheimische Tänze oder Kulturshows oder so sehen kann. Und habe das dann auch eher so gestaltet als, okay, ich muss jetzt unbedingt dieses Gemälde gesehen haben oder diesen Baum oder den alles so toll finden. Wieso? Weil irgendjemand mal gesagt hat, dass der Tolle schon immer es gesehen haben muss. Ja, ich weiß noch nicht, ob ich über das dritte Kapitel reden soll, aber dann ändert sich alles ein bisschen. Da wollte ich jetzt gleich hinleiten. Davor aber noch eine Frage. Du bist ja trotzdem krank. schwer, also du hast eine Krankheit, sagen wir es so formuliert, die auch irgendwann zum Tod führen wird. Merkst du das beim Reisen? Also gibt es Einschränkungen gesundheitlicher Art oder konntest du jetzt die ganze Zeit fröhlich da durch die Weltgeschichte tingeln? Ich würde sagen, im ersten Kapitel und zweiten Kapitel vom Reisen war es großteils okay. Ich habe auch schon eine der, Anführungszeichen wieder, Probleme mit dem, was ich habe, das ist jetzt nicht die Art von Krankheit, wo Leute dich anschauen und sagen, oh, diese Person ist krank. Ist nicht sichtbar, ne? Das ist nicht sichtbar. Und es fällt Menschen auch einfach schwerer, dann ein bisschen dir entgegenzukommen, wenn sie dich anschauen und sagen, du siehst doch total gesund aus und alles ist okay. Und dann dementsprechend, tut mir leid an die Zuhörer, ist ein bisschen ein ekliges Thema, was ich habe, hat halt doch viel mit Verdauung und man muss aufs Klo gehen, ist das verbunden. Und das ist dann auch noch ein Thema, das wollen Leute nicht, darüber wollen Leute nicht reden, das ist ein ekliges Thema, darüber will man nicht nachdenken, das ist so, weißt du, wenn man sich auf der Hand kratzt, dann denken Leute, oh, komm her, ich gebe dir ein Flasch oder so. Aber wenn du sagst, ich brauche jetzt innerhalb der nächsten zwei Minuten ein Klo oder hier ist ein richtiges Malheur dann denken alle. Und wollen damit nichts zu tun haben wollen ja und das würde ich sagen ist jetzt eher so eine Einschränkung bei mir im Reisen, weil, ich muss halt immer mehr und mehr achten, dass ich in der Nähe von einem Klo bin, weil mein Körper mehr und mehr das einfach nicht mehr selber hinbekommt Ja, also Reisen... Muss umgedacht werden, wird schwieriger, ja. Verstehe, okay. Um jetzt sozusagen zu diesem dritten Kapitel, du hast es ja gerade schon angeteast sozusagen, überzuleiten. Du bist nach Saudi-Arabien dann erst mal wieder nach Deutschland zurückgekommen und hast dann deine Mutter nach längerer Zeit wiedergesehen. Also Corona-bedingt warst du ja länger weg, als du ursprünglich geplant hattest. Und da siehst du sie das erste Mal auch mit ganz anderen Augen. Vielleicht kannst du das mal beschreiben, weil ich glaube, das ist ein ganz entscheidender Punkt jetzt auch in deinem Leben. Meine Mutter ist so die einzige Person, die mir verblieben ist. Mein Vater ist früh gestorben, alle meine Großeltern sind sehr früh gestorben. Und meine Mutter war ein sehr starker Mensch immer, ein sehr willenskräftiger Mensch und auch ein sehr lebensfroher Mensch. Ich glaube, dadurch habe ich auch viel von meinem eigenen Kampfgeist und ich probiere es einfach mal und ich gehe einfach mal raus und ich mache es. Und meine Mutter war eigentlich auch nie zu Hause. Also ich meine, wenn ich die irgendwo von der Welt angerufen habe, die war nie da oder wenn, dann hieß das, ich kann nur zwei Minuten reden, ich gehe jetzt wandern oder ich bin im Frauenclub, ich bin im Landfrauenclub, ich bin im Wittgenclub, ich bin im Roten Kreuz. Ich meine, die war ja in jedem Club, war ja nur unterwegs und dementsprechend war meine Mutter für mich nie eine alte Frau. Die war einfach immer so, ja, ich gehe und ich mache jetzt was und ba, ba. Und wo ich dann endlich zurück konnte von Saudi-Arabien und meine Mutter das erste Mal gesehen habe, war sie plötzlich eine alte Frau. Und ich habe einfach gesehen, ja, so wie alles, sie konnte halt in der Corona-Zeit nicht Kontakte bewahren. Und sie als Mensch, der einfach jemand war, der gerne unter Menschen ist und Sachen unternimmt, war das für sie halt doppelt so schlimm. Und hat sich da einfach, ja, sie ist einfach alt geworden und zerbrechlich irgendwie. Und sie konnte nicht mehr so viel und sie wollte nicht mehr so viel und ich habe mich dann einfach irgendwie geschämt, weil ich mir dachte, ich tue hier einfach so ein Leben ausleben und gar nicht irgendwie an meine Mutter denken und dass sie ja auch Hilfe braucht. Ja, und danach hat sich einfach das Reisen irgendwie nicht mehr richtig angefühlt für mich. Ich hatte dann ganz arg irgendwie so ein zwiespältiges Verhältnis mit mir selber und meinen eigenen Träumen und diese blöde Liste, weil ich mir gesagt habe, jetzt will ich diese Liste, jetzt bin ich so weit und jetzt will ich diese Liste noch fertig machen. Und dann auf der anderen Seite irgendwie dieses, meine Mutter braucht mich und, ich weiß jetzt auch nicht, wie viel Zeit ihr bleibt. Und das ist eigentlich total selbst von mir, mir so ein tolles Leben auszuleben, wenn jemand, der mir wichtig ist, mich benötigt oder ich jemandem helfen kann. Ich glaube, weißt du, diesen Gedanken, den du gerade angesprochen hast, das kann ja jeder, der seine Eltern liebt, nachvollziehen, dass du irgendwann an diesen Punkt kommst, wo du merkst, deine Eltern werden älter und das passiert mir jetzt auch und das ist ganz furchtbar, weil man das ja nicht kennt. Und Eltern sind ja immer da für einen und man ist immer so das Kind und lässt sich so fallen und macht sich diese Gedanken nicht. Aber was ja bei dir noch dazu kommt, ist, dass deine Zeit ja sehr begrenzt ist. Das heißt, du musst ja wirklich dich in Anführungsstrichen entscheiden, mit wem oder mit was verbringst du diese wenige Zeit, die dir noch bleibt. Das macht es ja noch schwieriger. Ja, ich kann auch nicht behaupten, dass es da eine gute Lösung ist. In der Zeit zwischen Saudi-Arabien und wo ich den nächsten Job angenommen habe, war ich sehr, ich wusste gar nicht, wohin mit mir. Meine Mutter, der Mensch, der sie halt ist, hat dann gesagt, also du gibst jetzt nicht deinen Traum auf, um hier zu bleiben, was soll das? Meine Mutter hat gemeint, auf jeden Fall mach deinen Traum fertig und mache noch die Reisen, die dir wichtig sind. Habe dann auch relativ schnell einen Job in Ecuador gefunden. Aber ja, mein Denken übers Reisen hat sich ganz arg geändert. Also ich hatte da noch ein paar richtig schöne Reisen und schöne Erlebnisse. Wie gesagt, ich will auf keinen Fall, dass irgendjemand denkt, ich bin hier jetzt so insane, was ich für ein tolles Leben habe und wie dankbar, ich bin so dankbar. Wenn nichts mitgenommen wird, bitte nehmen mit, dass ich extrem dankbar bin und dass ich weiß, wie viel Glück ich hatte und habe im Leben bis zum heutigen Tag noch. Aber die Leichtigkeit war einfach nicht mehr da. Ein Teil von mir war immer so, das ist jetzt schön, aber wie geht's Mama? Das ist jetzt schön, aber meine beste Freundin hat jetzt ein Kind und ich will da dabei sein. Und das ist jetzt schön, aber meine Nichte, die hatte jetzt gerade ihren Geburtstag und den habe ich jetzt verpasst und das ist ja eigentlich auch doof. Ich wusste, dass einfach das ein Ende nehmen muss, weil ich das einfach nicht mehr gefühlsmäßig machen konnte. Und körperlich bist du jetzt auch an einem Punkt, wo ich jetzt wahrscheinlich noch so zwei, drei Jahre durchziehen können. Aber eigentlich sagt mein Körper auch, in der Nähe von einem guten Klo ist auch okay. Ja, und der letzte längere Auslandsaufenthalt, der sollte dann eigentlich Australien sein, ist es dann auch geworden, bist nach Australien und im April 2024 macht dann dein Leben nochmal so eine wilde Schleife, also ist ja bei dir häufiger bis jetzt gewesen, du lernst jemanden kennen, vielleicht erzählst du uns ein bisschen von ihm. Also ich habe eigentlich, seit ich mein Reiseleben angefangen, gar nicht mehr viel im Bereich Beziehung oder Leute kennenlernen, gar nicht mehr gemacht oder dran gedacht, weil ich auch von vornherein wusste, ich werde jetzt nirgendwo sesshaft werden. Und was soll ich mich jetzt hier irgendwie verlieben oder warum soll ich mit jemandem ausgehen? Ich habe jetzt Sachen, die ich sehen will, ich will Sachen unternehmen, ich will Plätze. Ich habe eigentlich auch in meinem Erasmus-Semester in Griechenland, war mein letzter fester Freund, bevor jetzt der in Australien. Für mich habe ich das Thema Beziehung und Liebe sowieso abgehakt. Ich war auch noch nie verliebt. Du warst noch nie verliebt vorher? Noch nie verliebt. Noch nicht mal nahe dran. Ich war in Beziehungen, ich war sogar in längere Beziehungen, wo ich gedacht habe, ja, das ist sympathisch. Ja, und dann bin ich nach Australien. Und ich war jetzt Urshan Perth, weil ich mir gesagt habe, ich mache diese Ecke, weil das Perth ist auch eine der Weltwunderstädte. Und da habe ich gesagt, und dann für die, die Australien kennen, das sieht auf der Landkarte nicht so groß aus, aber das ist ein riesiges Land, und Perth nach Sydney ist nochmal ein 6,5 Stunden Flug oder irgendwie sowas und da habe ich gesagt, okay, dann mache ich Perth und dann bin ich nach Sydney gezogen und dann innerhalb einer Woche in Sydney. Habe ich meinen jetzigen Ehemann kennengelernt, wir haben vor einer Woche geheiratet, und Und das hört sich so, ich weiß auch nicht, das hört sich wie so ein cheesy Film aus Hollywood an. Ich weiß nicht, das war so richtig so ... Im ersten Date habe ich auf jeden Fall gedacht, naja, ist was. Und dann bis beim dritten Date, ich war total, boah, der ist ja so toll und so, der ist alles, alles passt und wunderschön. Und jedes kleine Ding, ich meine, für jeden, der hier mal verliebt war, der weiß ja, dann denkt man einfach, alles was sie machen, wenn der irgendwie ein Stück Müll auf den Boden aufhebt, das ist der tollste Mann auf der Welt, guck mal, was der macht. Der hat den Müll aufgehoben, ach ist der toll und schön. Dann habe ich gleich so nach relativ schneller Zeit habe ich gesagt, oh Gott, das muss jetzt Liebe sein, weil das kannte ich noch nie und ich denke andauernd an ihn und ich freue mich total auf ihn und ich will ihn immer sehen und, muss ich sagen, ich bin total wieder mal so dankbar und ich hatte so Glück im Leben, weil dieses Gefühl nach zweieinhalb Jahren ist jetzt immer noch da. Also der kommt ins Zimmer und ich will nur ihm in die Arme rennen. Das nervt auch schon alle hier im Umfeld. Alle so, müsst ihr die ganze Zeit aneinander hängen? Und ich so, ja, ja, müsst ihr. Toll. Armando heißt er, kommt aus Chile und, also ist auch kein Australier und, eigentlich in Australien, um Hotelwesen zu studieren. Das heißt, du kommst aus Deutschland, er kommt aus Chile, ihr trefft euch in Australien und du bist nicht für immer da, er ist nicht für immer da. Also Zukunftsplanung bei euch, stelle ich mir ein bisschen kompliziert vor. Ja. Also ich muss auch noch so sagen, ganz offen, ich habe eigentlich nie wirklich, darüber nachgedacht, in Australien zu bleiben. Mein Mann im Gegensatz, sein Traum war, in Australien zu leben und hat eigentlich auch darauf hingearbeitet. Und sein Denken war, nachdem ich dieses Studium fertig habe, finde ich hier irgendeinen Job, der mich sponsert und ich baue mir hier ein Leben auf. Und eigentlich war es auch so, wo ich dann wusste, dass ich gehen muss, haben wir eigentlich auch Schluss gemacht, weil ich gesagt habe, ich will dir deinen Traum nicht wegnehmen. Und ich habe gesagt, ich kann hier nicht bleiben. Es geht einfach nicht. Weil wie gesagt, ich habe halt keine Pädagogik studiert und in einer richtigen Schule, die auch sponsern würde in Australien, das ist hier wie in Europa, da brauchst du Pädagogik im Hintergrund, hatte ich nicht. Ich war ja nur wieder an einer Sprachschule und ich habe gesagt, die werden mich nicht sponsern. Also habe ich gesagt, ich kann hier nicht bleiben. Dann war eigentlich Schluss, aber wir haben immer noch weiter miteinander, waren wir im Kontakt. Und dann kam er letztes Jahr im Dezember hierher und da haben wir einfach gesagt, einfach zwischen uns ist einfach irgendwas und wir müssen jetzt einfach gucken, wie wir das hinbekommen. Dann haben wir gedacht, okay, vielleicht würden wir Spanien. Das war dann so ein bisschen der Kompromiss, das ist in der Nähe von der Mama, und er kann die Sprache schon. Und das hat überhaupt nicht geklappt. Also ich habe mich beworben und beworben auf jedes Ding. Ich meine, ich kann halt kein Spanisch, konnte halt nur auf Jobs bewerben, wo Englisch oder Deutsch die Sprache wäre. Da hat sich gar nichts, das hat gar nichts funktioniert. Und dann habe ich das so drei Monate probiert und ich habe gesagt, ich komme nicht weiter. Und ich habe gesagt, ich muss jetzt einfach ein bisschen realistisch sein. Ich kann mich jetzt mal hier in Deutschland bewerben, Habe dann auch relativ schnell einen Job in Deutschland gefunden und auch, muss ich sagen, bei einer richtig tollen Firma. Ich bin richtig happy. Also, wo sie mir den Jobangebot gegeben haben, habe ich gedacht, mal wieder Glück im Unglück. Also die vielen, vielen schlechten Sachen, die mir passiert sind und es sind viele schlimme und schlechte und unschöne Sachen in meinem Leben passiert, auch auf meinen Reisen, richtig unschöne Sachen, aber auch richtig tolle, wo ich mir einfach gedacht habe, jetzt kommt alles irgendwie richtig zusammen und jetzt gerade auch die Firma, bei der ich bin. Sind einfach menschlich und verstehen und wir haben auch gleich gesagt, ja, nimm dir zwei Tage, du wirst heiraten und du musst umziehen und da, habe ich gedacht, nein, also irgendjemand, der achtet schon auf mich und ja, jetzt ist er hergezogen, wir haben dann auch eine Wohnung gefunden, auch durch eine Bekannte von meiner Mutter und die ist jetzt auch total goldig und hat alles, nur ich bin extrem müde, also seit Oktober, also ich sage es allen, bitte zuhören jetzt, tut auf keinen Fall einen neuen Job anfangen, in der neue Wohnung ziehen und heiraten, alles innerhalb einer Woche. Das ist nichts. Also, das hätte ich dir vielleicht auch ohne es selbst ausprobiert zu haben, vorher sagen können, dass das ein bisschen viel ist, aber jetzt sind wir wieder so ein bisschen galoppiert. Also, Armando ist zu dir gezogen, das war nämlich für ihn am Anfang keine Option, dass du gesagt hast, hier kommen wir nach Deutschland, fand er nicht so richtig gut, die Idee am Anfang. Das findet er immer noch nicht so. Okay. Ja, man muss halt auch man will schon ehrlich sein, die Kultur ist halt schon anders. Und die Deutschen sind, wie die Deutschen sind. Und er kommt aus Südamerika. Und hier ist halt doch noch ein bisschen, besonders hier auf dem Land, da ist halt noch ein bisschen das, man tut sich siezen. Und man ist abends nicht so laut. Und ach ja, die Kehrwoche nicht vergessen. Das ist auch noch Schwaben. Es ist nicht nur Deutschland, es ist auch noch Schwaben. Das muss man eben auch dazu sagen. Ja, was machst du? Ja, und dann Deutsch ist jetzt auch nicht die einfachste Sprache. Stimmt. Jetzt muss er sich halt auch noch das A1 holen, bevor er die Aufenthaltsgenehmigung bekommt. Und das ist dann auch jedes Mal, bevor er in seinen Deutschkurs geht, so, wieso, warum machen das die Deutschen? Warum, warum ist das so? Und ich so, ja. Aber er macht sich total gut dafür, dass es nicht sein Traum war. Und er versteht sich so toll mit meiner Mutter. Auch meine Mutter, die schwärmt ja von dem. Das wäre jetzt meine nächste Frage gewesen. Wie ist jetzt diese Konstellation? Also es geht sich alles schön aus. Ja, meine Mutter, die hat auch heute, hat sie heute Morgen angerufen. Und sie wusste, dass ich heute im Homeoffice bin und hätte auch vorbeikommen können. Da hat sie gesagt, irgendwas ist mit meinem Handy. Und ich so, ja Mama, ich gucke heute noch. Die hat gesagt, nein, der Armando soll kommen. Und ich so, okay. Ach, wie schön. Du hast ja von Anfang an offen mit ihm über deine Erkrankung auch gesprochen. Das war ja für dich ganz wichtig. Aber trotzdem hast du im Vorgespräch erzählt, plagen dich so ein bisschen Gewissensbisse. Warum? Ich weiß nicht, ob das einfach was mit meiner Persönlichkeit zu tun hat. Und ich denke, manche Leute sind halt so gepolt, wie sie sind. Und ich bin ein Mensch, der ganz arg das Gefühl hat, dass ich allen irgendwie was schulde und dass ich für alle da sein will und für alle irgendwie machen und tun will. Das ist mir irgendwie ganz arg wichtig. Gerade auch für meine Mutter und für meine beste Freundin. Das ist für mich einfach so, ich will der beste Ehemann sein, der ich sein kann. Ich will der beste Sohn sein, der ich sein kann. Ich will der beste Bruder sein, der beste Onkel. Egal, wie Leute mir kommen, ich will auch der beste Nachbar sein und einfach der beste Angestellte. Das ist einfach irgendwas in mir drin. Und ich habe ganz arg ein Gefühl von. Ich muss für diesen Mann da sein und ich muss mich um ihn kümmern, weil das ist meine Rolle. Und das sollte ich ausleben. Und wenn ich denke, ich werde wahrscheinlich ein ganzes Stück vor ihm sterben, dann habe ich da Gewissensbisse, weil ich mir denke, es ist ja eigentlich mein Job, mich um ihn zu kümmern. Und wenn er irgendwann, wenn ich nicht mehr da bin, Schmerz oder Leiden oder schwere Situationen hat, dann würde ich das so unfair finden, weil ich das ihm vielleicht nehmen könnte, diese schwere Situation. Oder auch gerade für meine Bekannte oder so. Hast du dir mal einen schweren Rucksack gepackt, wenn du all das auf deinen Rücken packst? Ja, schwer aber und schöner. Ich finde es schön, für Menschen da zu sein. Absolut, aber so ist das Leben auch manchmal, schwer und schön. Das zeigt ja auch so ein bisschen deine Geschichte, dass es so beides ist. Ich muss noch eine Frage stellen, weil mir das in einem Vorgespräch so hängen geblieben ist und ich das verstehen will. Du hast dich schon vor einigen Jahren bewusst dagegen entschieden, zu Vorsorgeuntersuchungen zu gehen. Also Untersuchungen, in denen jetzt Tumore frühzeitig festgestellt werden können. Warum? Jetzt gehen wir wieder ein ganzes Stück zurück in die Vergangenheit, zu der Zeit von der Prognose und dem Arzt, den ich nicht leiden konnte. Und er hat dann ganz klipp und klar geschildert, wie ich mein Leben gestalten sollte, wenn ich in Anführungszeichen schlau sein will mit meiner Gesundheit. Und dann hieß es einfach, so, dreimal in der Woche zum Arzt, alle vier Monate Endoskopie, alle sechs Monate Kolonaskopie. Ja, Darmspiegelung, Magenspiegelung, das Ganze. Und ja, da habe ich gleich im Wunderer gewusst, ja okay, dann ist mein Leben nur noch von einem Arztterminrennen zum nächsten. Und ich habe, wie gesagt, ich habe gesehen. Und da ich eigentlich mit dem Sterben einen inneren Frieden hatte, weil ich mir gedacht habe, oh, jetzt muss ich über viele Sachen gar nicht mehr nachdenken, die über andere Leute nachdenken. Andere Leute denken, oh, ich muss ja genug verdienen, damit ich eine lange Rente und eine gute Rente haben kann. Und ich muss ja das noch haben und ich muss ja irgendwann mal ein Haus haben, damit ich meinen Kindern was lassen kann. Und das war alles irgendwie so, das ist alles weg. Ich kann jetzt echt sagen, ich gucke jetzt nach dem, was ich in meinem Leben noch leben will. Aber ich habe dann gleich gewusst, jetzt muss ich mich entscheiden. Werde ich jetzt in dem Leben leben, wo ich halt permanent zum Arzt renne, weil sie dann vielleicht frühzeitig was erkennen oder ich akzeptiere einfach, dass das ist, was für mein Leben gedacht ist und ich lebe jetzt mein Leben aus. Und ich habe dann einfach klipp und klar gesagt, ich lebe jetzt mein Leben aus. Das ist einfach, dann will ich lieber früher sterben, aber dann zurückgucken können und sagen, boah, und das tue ich jetzt auch. Also richtig geil, richtig geil. Und jetzt noch sich verlieben, Also eigentlich alles, was ich mir so noch aus dem Leben mal gewünscht habe, habe ich eigentlich auch bekommen. Brauchen wir Gewissheit, um uns sicher zu fühlen oder brauchen wir Ungewissheit, um wirklich leben zu können? Gerade bei einer Erkrankung wie dem MEN-1-Syndrom bekommt diese Frage eine ganz besondere Bedeutung. Der Tod ist plötzlich kein abstrakter Gedanke mehr, der irgendwann in ferner Zukunft liegt, sondern er wird zu etwas, das man bewusst in die eigene Lebensplanung mit einbeziehen muss. Unser Gehirn versucht ständig, die Welt vorhersehbar zu machen. Wir wollen wissen, was morgen passiert, ob wir sicher sind, ob wir die richtigen Entscheidungen treffen. Denn Gewissheit gibt uns das Gefühl, Kontrolle zu haben. Ihr kennt das vielleicht von euch selbst. Manchmal löst selbst eine schlechte Nachricht eine gewisse Erleichterung aus, weil wir dann zumindest Gewissheit und somit Kontrolle haben. Wie groß unser Kontrollbedürfnis ist, ist natürlich individuell. Wissen kann helfen, Risiken besser einzuschätzen, aber entscheidend ist, ob die Information das Leben erweitert oder ob sie zunehmend das Denken beherrscht. Und gleichzeitig kann auch Ungewissheit eine befreiende Seite haben. Wir können davon ausgehen, dass wir alt werden, ohne es garantieren zu können. Wir können große Pläne machen, ohne zu wissen, ob sie sich erfüllen werden. Wir können lieben, ohne eine Garantie dafür, wie lange wir zusammenleben. Das ermöglicht es manchen, sich dem Leben zuzuwenden, anstatt ständig dessen Ende zu berechnen. Anderen wiederum macht genau diese Vorstellung Angst. Was ich damit sagen will, es ist kompliziert und wenn wir die menschliche Psyche betrachten, dann gibt es nicht den einen richtigen Weg, mit so einer Diagnose umzugehen. Medizinisch sieht es anders aus, da wäre ganz klar, jemand mit so einer Diagnose sollte alle Kontrollmöglichkeiten in Anspruch nehmen. Aber wenn es darum geht, was uns mental gut tut, wie wir unser Leben gestalten möchten, dann muss jeder und jede Betroffene von solchen Diagnosen ihre ganz persönliche Entscheidung treffen dürfen, auch wenn das von außen vielleicht manchmal schwer nachzuvollziehen ist. Aber jetzt hat sich ja dein Leben noch mal ein bisschen geändert. Du bist ja jetzt nicht mehr allein sozusagen unterwegs, warst du vorher auch nicht, aber jetzt bist du verheiratet, du hast einen Mann. Was sagt der denn dazu? Er macht das Gleiche, was eigentlich alle in meinem Leben machen. Und das ist wieder so eine Sache, man sieht es mir nicht an, ich bin krank. Das kann man sehr leicht verdrängen. Und das machen eigentlich auch alle in meinem Leben. Also meine beste Freundin, meine Mutter, alle, die wissen, dass ich das habe. Aber da ich nicht jetzt ankomme und sage, ich habe so Schmerzen oder nee, ich kann nicht. Das ist einfach so. Mal das Gespräch hoch und dann sagt meine beste Freundin, also die heißt Nicole, so, oh, daran habe ich jetzt schon eine Weile gar nicht mehr gedacht. Stimmt. Und bei meinem Mann ist es ähnlich. Also er weiß es, Aber ich kann arbeiten, ich kann gut arbeiten, ich kann auch noch Sachen unternehmen. Also ist es nicht so, dass ich jetzt in den nächsten drei Monaten umfalle, dann ist das halt einfach nicht präsent. Letzten Endes ist das ja vollkommen fein, wenn das für dich fein ist, weil die Entscheidung musst du ja für dich treffen. Aber ich will es nur verstehen, weil man weiß ja auch, dass die Medizin sich weiterentwickelt hat, dass es heute andere Möglichkeiten gibt, Tumore zu erkennen, zu behandeln, diese ganzen Sachen. und das wäre ja möglich, wenn du dich untersuchen lassen würdest. Darauf zieht meine Frage ab. Ja, ja, ja, ja. Das habe ich auch meiner besten Freundin und alles gesagt. Jetzt bin ich in Deutschland angekommen. Jetzt weiß ich, dass ich auch hier bleibe. Jetzt habe ich einen Beruf und bin mal wieder krankenversichert. Ja, also es ist jetzt nicht so, dass ich sage, ich werde jetzt nie zum Arzt gehen. Also jetzt, ich habe schon vor und wie du es sagst, ich meine, ich bin halt auch 15 Jahre raus aus dieser Geschichte. Das ist jetzt etwas, das kann ich machen. Aber hast du auch ein bisschen Schiss? Das wollte ich dich gerade fragen. Ja, das wollte ich gerade sagen. Wären sie mal früher gekommen? Ja, das hast du genau richtig gesehen. Ja, ich würde nicht sagen, ich habe Schiss für mich. Wie gesagt, ich habe mit mir selber da diesen Frieden gemacht. Aber das... Wenn ich jetzt doch zum Arzt gehe und die sagen, ja, scheiße gelaufen, wärst du vor zwei Jahren gekommen, hätten wir dir vielleicht noch zehn Jahre geben können. Ja. Jetzt kriegst du noch drei. Zum Beispiel. Ich werde es wahrscheinlich nicht gut verdauen. Ich will jetzt nicht dastehen und sagen, ich bin total hardcore und mich bringt nichts um oder so. Oder mich bringt nichts irgendwie zum, wie gesagt, ich glaube, dann würde ich extrem Probleme gerade meinem Mann gegenüber haben. Weil dann würde ich sagen, okay, jetzt ist er bis hierher gezogen, der Plan war, er siedelt sich jetzt hier ein, kriegt vielleicht auch die Staatsangehörigkeit, damit wir hier wirklich ein Leben aufbauen können. Und jetzt sagen sie, drei Jahre, vier Jahre. Was soll ich da sagen, ja. Klopf auf Holz, so sagt man. Wir klopfen beide aufs Holz. Du bist jetzt 46, wenn ich das sagen darf, richtig gerechnet? Wenn es sein muss. Ja, und du hast ja schon gesagt, du selbst hast gar nicht so sehr diese Angst vorm Tod, sondern du machst dir eher Sorgen um andere. Also was ist denn deine größte Angst verbunden mit diesem Thema? Also das Erste, was mir im Kopf kommt, ist, ich will auf keinen Fall vor meiner Mutter sterben. Das will ich ja nicht antun. Und dann die zweite wäre natürlich, wie geht es mit meinem Mann weiter? Weil es wäre für mich extrem schlimm rauszufinden, so jetzt ist er hierher gekommen, aber hat nicht genug Zeit hier gehabt, die Staatsanwürdigkeit zu bekommen. Jetzt darf er hier einfach dann noch in Trauer natürlich das Land verlassen, und guck mal, wo du bleibst. Und ja, also zur gleichen Zeit muss ich sagen, das ist auch wieder makaber. Ich will für meinen Mann, ich will noch schöne Sachen mit ihm erleben. Ich will noch schöne Zeiten mit ihm haben. Aber zur gleichen Zeit bin ich immer noch, ich habe so viele Jahre mit diesem Glauben oder gewusst, dass ich nicht alt werde. Da habe ich so meinen Frieden damit geschlossen. Und ich weiß auch nicht, ob ich will. Auf einer bösen Art, ich will immer noch nicht alt werden. Ich finde es so, Mitte 50 ist jetzt nicht mehr so ein Alter heutzutage. Überhaupt nicht. Aber gerade wenn ich jetzt so meine Mutter und ihre Bekannte angucke und wie die leiden und die schmerzen, dann denke ich mir. Da bin ich vielleicht doch ein bisschen feige. Also alt werden ist nicht für feige Leute. Absolut nicht, das stimmt. Und was gibt es denn noch für Dinge, die du unbedingt noch machen möchtest? Oh, das ist eine sehr liebe Frage. Ja, aber du hast ja schon, also ich glaube, ich kenne wenige Menschen, die schon so viel von der Bucketlist abgearbeitet haben wie du. Deswegen frage ich mich, gibt es noch Sachen, die du gerne machen möchtest? Ja, ich würde eigentlich ganz arg gerne an einen Verlag kommen. Ich finde meine Geschichte hatisch interessant. Ja, also jetzt in diesem Podcast. Ich bin auch total dankbar nochmal an dich und das Team und alle. Aber dieses Podcast ging es ja eigentlich eher um Momente, die einem das Leben ändern. Und jetzt nicht, ich erzähle dir jetzt über meine Reisen und was da alles für coole Sachen passiert sind. Aber gerade ich würde, ich habe halt richtig crazy Stories teilweise von meinen Reisen. Und das würde ich gerne zu einem Buch machen. Also da würde ich einen Verlag suchen. Ich habe auch über die ganzen Länder, habe ich Postkarten gesammelt. Und das würde ich auch gerne zu einem Buch umwandeln, weil ich finde Poschkarten extrem interessant. Das ist wieder sowas an, das denkt eigentlich keiner mehr, weil die sind sowieso nicht mehr cool. Und dann habe ich eigentlich auch schon ein Buch veröffentlicht über das erste Jahr mit meinem Mann. Und das habe ich aber jetzt über Amazon gemacht. Aber das wäre jetzt so ein Traum. Und auch wenn ich irgendwie das Gefühl hätte, ich könnte dadurch ein bisschen eine Versicherung für meinen Mann bekommen. Aufbauen, wenn ich nicht mehr da bin. Weil, wie gesagt, ich habe jetzt einen guten Job gelandet. Ich bin da auch total happy. Das sind richtig tolle Menschen. Aber, Da wird mein Mann nicht davon überleben können. Und ich würde einfach gerne irgendwas ihm hinterlassen können. Das wäre für mich, darauf will ich mich hinarbeiten. Okay, dann sind das ja doch noch, ist ja nicht so, dass du jetzt hier schon alle Wünsche dir erfüllt hast, was ja auch wieder gut ist, du hast dir noch was vorgenommen. Ganz spannend für mich so die Frage, diese Diagnose, die ja ein absoluter Schock war für dich. Jetzt rückwirkend betrachtet, was würdest du sagen, hat die dir gegeben? Also vielleicht kann man es ja auch positiv betrachten auf eine Art. Oh, ich sehe das auch total positiv. Wie gesagt, ich glaube, das ist für viele ein bisschen makaber. Aber ich glaube, viele Leute sind auch froh, dass sie nicht wissen, wann sie sterben würden oder wie schnell das dann irgendwann passiert. Das ist einfach so ein Thema, das ist für die meisten einfach so tot, furchtbar. Das ist ja, also ich meine, ich will jetzt auch nicht sagen und sagen, aber ich könnte jetzt nach diesem Podcast gleich tot umfallen und alles wäre toll. Natürlich nicht. Ich meine, ich will jetzt auch nicht in den Tod rennen oder so. Aber ich bin froh, dass ich mich damit schon relativ früh im Leben auseinandersetzen konnte und dementsprechend mir sagen konnte, ich lebe jetzt mein Leben aus. Also für mich ist das eigentlich, ich sehe das auch als was Positives, weil sonst, das hört sich jetzt nicht so schön, aber ich denke, sonst hätte ich halt wahrscheinlich schon eher ein Leben gelebt. Ich gehe jeden Tag ins Büro und spare auf meine Rente und muss das Haus abzahlen und ich will jetzt nicht sagen, dass das kein schönes Leben sein kann, weil da kann man auch schöne Momente sich aufbauen. Man muss sich halt die Momente nehmen und aufbauen, wie sie sind. Aber das ist einfach nicht, wenn ich jetzt die Wahl und die Wahl hatte ich, ich habe die Wahl bekommen, es war nicht das Leben, das ich dann ausleben würde wollen. Daher bin ich auch, Ich sehe es als was Positives. Ich konnte dadurch ein richtig tolles Leben leben, und bin, wie gesagt, dankbar, dankbar, dankbar, dankbar. Wenn man das jetzt hören würde, ohne dich zu kennen, würde man denken, der hat eine Vollmeise. Der kriegt so eine Diagnose und hat deswegen ein schönes Leben. Aber ich finde, es ergibt total Sinn, so wie du es erzählst und so wie dein Leben auch gelaufen ist. Gibt es eine Botschaft sozusagen, die du aus deiner Erfahrung heraus vielleicht teilen willst, etwas, was du den Leuten noch sagen willst, weil wir nähern uns jetzt so langsam dem Ende der Folge, was dir wichtig ist? Ja, aber ich weiß nicht, ob das unbedingt durch meine Diagnose kommt, weil ich würde sagen, das kam erst ein bisschen später im Leben, wo ich auch schon ein bisschen gereist bin, weil ich habe es relativ schnell, habe ich erkannt und es ist, Du hast ja auch schon von anderen Gästen von dir gehört. Und wahrscheinlich auch Leute prinzipiell. Die Menschen sind oft glücklicher, desto weniger sie haben. Und ich bin in Länder gereist, in Südamerika. Besonders in Kuba ist mir das aufgefallen. Die Leute haben nichts und alle haben gelacht. Und alle haben sich für jedes kleine Ding. Ich war ja auch in Tansania als Lehrer. Und die Kinder, die haben sich über die kleinsten Sachen gefreut. Ich habe denen alle Stifte geschenkt. Und die fanden das so toll und da waren sie eine Woche lang total, wow, ich habe einen Stift bekommen und toll und ich hatte noch nie einen Stift. Nicht, dass ich jetzt sage, okay, Leute, die viel haben können, nicht glücklich werden, nein, aber ich denke, das Dankbarsein. Man muss sich jeden Tag vor Augen halten, für was man alles dankbar sein kann. Und das sind, gerade in einem Land wie Deutschland, ich glaube, das vergisst man schnell, weil wir einfach auch eine, wir sind eine Gesellschaft, weißt du, du musst arbeiten und du musst deine Zeit bringen und du musst, weißt du, und man muss zeigen, ich habe das gemacht und ich habe dieses Jahr schafft und das hingekriegt und pipapo, und da vergisst man manchmal, oh ich kann dankbar sein, ich konnte heute warm duschen. In wie vielen Ländern kann man nicht duschen? Nicht mal kalt duschen. Oh, ich konnte mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren. In wie vielen Ländern gibt es das nicht? Oh, ich konnte heute noch Zeit machen, um mit jemandem zu chatten, mit dem ich befreundet bin. Wenn man lernt, dankbar zu sein, auch für Sachen, die man angefangen hat, als selbstverständlich zu nehmen, das ändert einen Menschen total. Und deine Aussicht aufs Leben und wie es dir eigentlich geht, ändert sich vollkommen. Und deswegen habe ich auch schon öfters in der Podcast immer wieder gesagt, ich bin so dankbar. Weil ich sehe einfach, ich hatte sehr unschöne Momente und ich werde wahrscheinlich auch wieder unschöne Momente haben im Leben. Aber ich darf jetzt noch die Zeit mit meinem Mann haben. Ich darf jetzt noch die Zeit mit meiner Mama haben. Und ich darf jetzt in dieser schönen Wohnung leben. Und ich habe diesen tollen Job gefunden. Und die Kollegen finde ich total sympathisch. Was ist denn das für was Tolles? Ich durfte gestern Grießbrei essen und ich mache den so arg und der hat so lecker geschmeckt und toll, weißt du, einfach solche Sachen und das ist einfach etwas, das muss man einfach vor Augen halten, würde ich einfach Leuten sagen. Das würde ich sagen, ist bei mir auch fast mit die Haupterkenntnis aus diesem ganzen Podcast mit all den Menschen, denen ich hier spreche, Dankbarkeit für die Momente, die man hat, weil man das eben oft, vergisst in dem Moment und das ist auch was, wo ich selber noch total dran arbeiten muss, dass ich oft so mit dem Gedanken schon irgendwie stehe auf der Bühne und es ist gerade eigentlich voll toll, die Leute applaudieren mir und mein Kopf ist so, okay, ich muss jetzt morgen noch das und dann müssen wir für die Weiterreise noch das und da muss ich auch noch dran denken. Also dieses im Moment zu sein und dankbar zu sein für das, was man hat, ist so, so wichtig. Deswegen, ja, wenn das einer beurteilen kann, dann auf jeden Fall du. Ja, wir sind am Schluss dieses Gesprächs. Wir hätten wahrscheinlich auch noch fünf Stunden reden können. Also wenn da sich jetzt nicht ein Verlag meldet, dann weiß ich es auch nicht bei deinem Leben, muss ich ganz ehrlich sagen. Da stimmt was nicht. Da stimmt irgendwas nicht, genau. Meine beiden Abschlussfragen, die ich in diesem Podcast immer allen meinen Gästen stelle. Erste Frage, wenn du heute auf diesen einen Moment zurückblickst, also dieser Moment, wo du im Besprechungszimmer sitzt, ohne Fenster, es ist stickig und kriegst da deine Diagnose hingeknallt, welches Gefühl löst das in dir aus? Kein Gefühl. Das Erste, was bei mir dann kommt, ist beige. Und ich weiß nicht, ob du Sex in the City anschaust. Da gibt es so eine Episode, wo die Hauptdarstellerin sagt, beige ist bullshit. Das ist irgendwie so nichts, so eine Nichtsaussage das ist so, es ist nicht schön, es ist nicht hässlich es ist einfach gar nichts, es ist einfach so späsch. Und irgendwie das ist das erste weil dieses Zimmer war beige ja, wie passend und dieses, ja, Aber es hat sich ja daraus dann noch ganz viel entwickelt, worüber wir heute auch ausführlich gesprochen haben. Deswegen zu meiner zweiten Frage, wie war das für dich heute mit mir, über deine Geschichte, dein Leben zu sprechen, dein irres, verrücktes Leben? Es war erst mal dankbar, ich muss erst mal dankbar sein und danke sagen, irgendwie surreal. Ideal, weil ich finde, einfach jemandem so offen Sachen zu sagen, die man eigentlich oft nicht sagt. Und wo man auch manchmal denken muss, sage ich das jetzt? Oder ist das jetzt okay? Da muss ich auch sagen, bin ich sehr dankbar, weil ich finde, das kannst du richtig toll. Und auch Menschen da irgendwie auch, dass sie sich wohlfühlen und denken, ja, hier kann ich diese Sachen aussprechen, die ich gerne aussprechen würde. Ich bin happy und ich bin dankbar. Das ist schön. Ich habe wieder wahnsinnig viel mitgenommen. Also man sollte ja meinen, dass man irgendwie nach, keine Ahnung, 60 Folgen irgendwann denkt, man hat schon alles gesehen und hat schon alles gehört. Es ist definitiv nicht so. Also ich habe halt wieder ganz viel mitgenommen. Markus, danke, dass du uns mitgenommen hast auf diese irre Reise durch dein Leben. Vielen Dank. Vielen Dank an euch. Ich finde, das Gespräch mit Markus hat mir noch mal gezeigt, es gibt auf schwierige Situationen und schwierige Fragen nicht die eine einheitliche Antwort. Und ich finde, genau das spiegelt sich auch in Markus sich wandelnder Einstellung zu seiner Diagnose, beziehungsweise dazu, was er mit seiner verbleibenden Lebenszeit machen möchte. Am Ende zählt, dass er seinen bisherigen Weg nicht bereut, dass er im Hier und Jetzt eine gute Zeit hat, dass Rückschläge und Grübeln dazugehören, aber nicht den Alltag dominieren. Und genau das ist, glaube ich, in unserem Gespräch nochmal deutlich geworden. Und wenn wir mal ganz ehrlich sind, Menschen ohne bekannte schwere Erkrankungen leben keineswegs wirklich in Gewissheit. Sie haben nur weniger konkreten Anlass, sich mit ihrer Sterblichkeit zu beschäftigen. Denn wenn eins klar ist, dann die Tatsache, dass Leben immer tödlich ist. An dieser Stelle auch nochmal danke, dass ihr euch so zahlreich zu Wort meldet zu den unterschiedlichen Folgen. Falls ihr euch auch an den Diskussionen beteiligen wollt, falls ihr Fotos und Videos zu den Folgen sehen wollt, dann könnt ihr das zum Beispiel auf meinem Instagram-Profil machen, und ihr könnt natürlich zum Beispiel auch bei Spotify kommentieren. In zwei Wochen habe ich hier zwei Väter zu Gast, die ihr vielleicht als Papa und Papi von Social Media kennt. Björn und Christian sind schwul, verheiratet und wollten unbedingt Kinder haben. Mit ihnen spreche ich über ihren Weg als Pflege- und Adoptiveltern. Ich würde mich freuen, wenn ihr da wieder mit dabei seid bei diesem Thema. Und falls ihr es noch nicht getan habt, abonniert gerne diesen Podcast, damit ihr keine Folge mehr verpasst. Bis dahin. Tschüss. Dieser eine Moment, der Podcast mit Philipp Fleiter, ist eine Produktion von Philipp Fleiter und WeMind. Redaktion Philipp Fleiter, Leila Keuthage und WeMind. Sounddesign und Schnitt Marius Fuchtmann für WeMind.